Die Fraktionen im Nationalen Widerstand

Seit Monaten tobt in und um die NPD herum eine Strategiedebatte. Im Juni soll in Bamberg ein Programmparteitag der Nationaldemokraten für Klarheit im Durcheinander sorgen. Vorab hat schon einmal die Bayern-NPD ihren Bericht über eine Klausurtagung veröffentlicht.  

Siehe: http://www.npd-bayern.de/index.php/menue/24/thema/939/id/2569/anzeigemonat/02/anzeigejahr/2010/infotext/Ergebnisse_der_Strategietagung_des_NPD-Landesverbandes_Bayern/Aktuelles.html

Bei dieser Debatte geht es um viele vordergründige, symbolische bzw. emotional aufgeladene Themen. Vielen im NS-Spektrum stößt auf, daß sich die Bundes-NPD nun – analog zur FPÖ – die Parteifarbe blau geben möchte. Nach wir vor sieht man im NS-Spektrum in Schwarz-Weiß-Rot die Farbenkombination der nationalen Bewegung. Dabei scheint die gestreifte Form, die dem „reaktionären“ monarchischen Bismarck-Reich entspricht, eher die Ersatzlösung für eine andere schwarz-weiß-rote Flagge zu sein, die vor Jahrzehnten ein begnadeter Zeichner erfand, der später beschloß Politiker zu werden. Diejenigen, die wie ich sozialrevolutionäre und demokratische Positionen vertreten, sind ideengeschichtlich bei der schwarz-rot-goldenen Fahne besser aufgehoben. Zudem beinhaltet diese großdeutsche Flagge ideell auch Österreich, während das schwarz-weiß-rote Bismarck-Reich diesen Teil des deutschen Volksraums ausschloß.  

Aber dies alles sind Themen, die mit den wirklichen Konfliktlinien im Nationalen Widerstand (NW) wenig zu tun haben, die eher die realen Streitpunkte verschleiern. Die Wirklichkeit, die in den nächsten Jahren heranreifen wird, ist vielmehr die, daß sich der NW – und noch mehr das NS-Spektrum – in drei Gruppen (Fraktionen) teilen wird. Dies ist selbstverständlich eine modellhafte Vereinfachung, in der Wirklichkeit wird es auch Übergänge, Unentschlossene, Wechselnde und Opportunisten geben, die man nicht über längere Zeiträume einer einzigen Gruppe zuordnen kann. Um welche drei Gruppen handelt es sich?

Es handelt sich um A: die Rechtspopulisten, um B: die NS-Traditionalisten, und um C: die sozialrevolutionären Nationalisten bzw. Nationalrevolutionäre. Allen drei Gruppen ist gemein, daß es innerhalb derselben verschiedene Ausprägungen und inhaltliche Schwerpunktsetzungen gibt und selbstverständlich, wie bereit angedeutet, Übergänge und Mischformen möglich sind. Aber was sind nun die Besonderheiten bzw. die Unterschiede zwischen den Gruppen?

Die Gruppe A ist davon geprägt, daß deren Protagonisten in erster Linie die „faschistische Lösung“ bevorzugen. Man weiß genau, daß die wirkliche Macht bei den kapitalistischen Eliten liegt, also bei den Großaktionären und Managern der privaten Banken und Konzerne. Deshalb, und nur deshalb, scheut man Sozialisierungsforderungen in Bezug auf das Großkapital. So lesen wir im oben erwähnten Bericht der Bayern-NPD die an sich richtige Forderung, daß die öffentliche Daseinsvorsorge (Bahn, Post, Energie usw.) wieder in staatliches Eigentum  übergehen soll. Aber: „Von weiteren Privatisierungsmaßnahmen im Bereich der Daseinsvorsorge ist dringend Abstand zu nehmen.“ Dies wird dann nicht näher begründet.

Der eigentliche Grund dürfte darin zu finden sein, daß Rechtspopulisten (Gruppe A) genau wissen, daß sie im Rahmen des vorherrschenden Systems den kapitalistischen Eliten und den mit diesen verbundenen bürgerlichen Medien den Zugang zur Regierungsbildung verdanken werden. Deshalb wird das Eigentum der Bourgeoisie für heilig erklärt. Philipp Hasselbach, Sprecher der BIA München, vertritt gegenüber Münchner Kameraden den Standpunkt, daß die nationale Rechte sowieso eine Koalition mit CDU und CSU anstreben werde, dabei könnten, so Hasselbach, sozialistische Forderungen nur hinderlich sein. Und deshalb werden in diesen Kreisen sozialistische Programmpunkte jetzt schon aussortiert. Typen wie Hasselbach wissen genau, wie der Parlamentarismus funktioniert. Das Großkapital sucht sich – auch mittels der bürgerlichen Medien – seine ihm passende Regierung. Und diese Regierung darf keine wirklich antikapitalistischen Programmpunkte vertreten.

Zu dieser Erfolgs-Strategie im Rahmen des Systems gehört auch das öffentliche Bekenntnis zum „Existenzrecht Israels“. Die Frage, warum man dies fordert, ist nur aus diesem Zusammenhang zu erklären. Schließlich könnte man ja auch lauthals das Existenzrecht von Paraguay fordern. Und so wechseln dann eben einige, die erfolgreich im Rahmen des Systems sein wollen, von der Gruppe B (NS-Traditionalisten) in die Gruppe A (Rechtspopulisten). Zu diesen Leuten scheint auch Udo Pastörs zu gehören, der unter dem Einfluß von Peter Marx (Gruppe A) steht. Ein weiteres Beispiel für einen, der einmal der NS-Szene angehörte, sich seit einiger Zeit dem Rechtspopulismus zuwendet, ist Christian Worch, der die Ausländerrückführung relativiert und außenpolitisch auf Israel setzt.    

Nationalliberale, Nationalkonservative und Faschisten werden immer versucht sein, an bürgerliche Diskurse – vor allem in den etablierten Medien – anzudocken. In den 1920er Jahren konnte Hitler selbst in bürgerlichen Kreisen mit seinem Radau-Antisemitismus auf Beifall hoffen. Vielen Bürgerlichen und Konservativen – mit Stehkragen – galt Hitler sicherlich als zu vulgär, aber in der Tendenz nicht unbedingt als falsch – schuf er doch die Möglichkeit, das „gute deutsche schaffende vom bösen jüdischen raffenden Kapital“ zu unterscheiden. Am Ende konnte Hitler diesen Kreisen sogar die Kommunisten, Sozialdemokraten und freien Gewerkschaften vom Hals halten. Deren Scheitern war allerdings zum Teil hausgemacht, da sich in diesem Spektrum zu viele Protagonisten bewegten, denen Landesverrat vorgeworfen wurde.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Eisner

Da jedoch die heutige Oberschicht zutiefst judenfreundlich ist – wegen der amerikanischen Umerziehung (reeducation) seit 1945 und dem „einzigartigen“ Opferstatus, den die Zionisten seitdem für sich beanspruchen –, ist in die Rolle des Blitzableiters in Bezug auf moderne kapitalistische Zerfallsprozesse zunehmend der Islamist gerückt.

Siehe: http://www.jungewelt.de/2010/03-08/035.php

Schließlich waren und sind beide Gruppen (Zionisten und Islamisten) in weiten Teilen des Volkes unbliebt, weil sie beide nicht selten penetrant auftreten – die einen wähnen sich als auserwählt, die anderen wollen missionieren.

Der Großteil der rechten deutschen Kleinbürger wird also zur Gruppe A (Rechtspopulisten) abwandern – sofern man nicht schon dort angekommen ist –, weil dort die – in materieller Hinsicht – Erfolgreichen auftreten – siehe auch die Wahlerfolge im europäischen Ausland, wo die Rechtspopulisten (fast) überall Wahlerfolge einfahren. Und für Kleinbürger ist immer der Erfolg – egal für welches Ziel – beeindruckend. Diejenigen hingegen, die weiterhin die „Jüdische Weltverschwörung“ öffentlich thematisieren werden, werden im Rahmen des herrschenden Systems erfolglos bleiben. Intelligente Deutsche werden sich von der Verkürzung von Kapitalismuskritik auf Judenkritik sowieso abgestoßen fühlen, die Opportunisten hingegen wittern, daß es sich bei dieser Position um ewige Erfolglosigkeit handeln wird.

Die Opportunisten, die früher einmal echte „Neonazis“ gewesen waren, mutieren dann zu „Kellernazis“, die als Rechtspopulisten (Gruppe A) nur noch gegen Juden im Partykeller schimpfen und in ihrem Heizungskeller ihren Hitler-Altar verehren. Solche Leute findet man zum Teil in NPD und DVU, mehr noch bei Pro NRW und bei der FPÖ.

Bleibt noch die personell kleinste Gruppe C, die sozialrevolutionären Nationalisten bzw. Nationalrevolutionäre, die vor allem von der „Sache des Volkes“ vertreten werden. In diesem Spektrum steht – bei aller berechtigten Kritik gegenüber Zionisten und Islamisten – nicht die Suche nach populären Südenböcken und Blitzableitern im Mittelpunkt, sondern – in revolutionärer Weise – die Suche nach Wahrheit. Die Wahrheit besteht nach meiner Überzeugung darin, daß die Überfremdung der europäischen Völker der warenförmigen Entfremdung durch den Kapitalismus entsprungen ist und nur durch die sozialistische Überwindung von Kapitalismus, Parteienstaat und Parlamentarismus – als Tarnung kapitalistischer Interessen – überwunden werden kann. Eine echte soziale Revolution setzt selbstverständlich immer an den Eigentums- und Vermögensverhältnissen an. Eine soziale Revolution ist eine Umwälzung der sozialen Verhältnisse.

Die Gruppe C (sozialrevolutionäre Nationalisten) wird schon bald größeren Zulauf  erhalten, wenn ehrlich bemühte Kameraden, die jetzt noch den Gruppen A (Rechtspopulisten) und B (NS-Traditionalisten) angehören, erkannt haben werden, daß ihre Bemühungen in Sackgassen bzw. Hamsterrädern enden werden. Vor allem aus dem NS-Spektrum (Gruppe B) bewegen sich derzeit in programmatischer Hinsicht erhebliche Kräfte auf die Nationalrevolutionäre (Gruppe C) zu.

Siehe: http://www.infoportal24.org/kommentar.php?id=6084

Als Nationalrevolutionäre im weiteren Sinne können auch solche Gruppen und Personen gelten, die wie Martin Laus von der Deutschen Akademie (DA) zwar nur eine soziale Marktwirtschaft vertreten, aber dennoch im Kapitalismus als System die hauptsächliche Ursache des Zerfalls erkennen. Dies bedeutet auch eine antiimperialistische Haltung in der Außenpolitik.

Was die NPD anbelangt, so ist Arne Schimmers nationalrevolutionäre Position bemerkenswert, zumal dieser in einem Gespräch mit „Deutsche Stimme“ …

Siehe: http://www.deutsche-stimme.de/ds/?p=2913

… die Chance sieht, daß die NPD als Wahlpartei die Lücke füllen könnte, die bei der Linkspartei durch Oskar Lafontaines Rückzug frei geworden ist. Aber dieses Unterfangen würde nur dann gelingen, wenn auch innerhalb der NPD die Gruppe C (sozialrevolutionäre Nationalisten) an Gewicht gewinnen würde und nicht weiterhin ein kleine Minderheit bliebe. In letzter Zeit dominiert in der DS vor allem die Gruppe A (Rechtspopulisten). Außer sozialer Demagogie ist aus dieser Richtung allerdings nichts zu erwarten.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

Siehe auch: www.sache-des-volkes.info

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