Politik statt Scheinmoral

 

Meine letzte Kolumne „Die Fraktionen im Nationalen Widerstand“,

 Siehe: http://www.freies-netz-sued.net/?p=2878

in der ich zwischen drei Gruppen bzw. Fraktionen unterschieden hatte, nämlich A: Rechtspopulisten („Realpolitiker“, „Politikfähige“), B: NS-Traditionalisten („Neonazis“, Völkische, Rassentheoretiker) und C: Nationalrevolutionäre (bzw. sozialrevolutionäre Nationalisten, „Nationalbolschewisten“), hat zu einigen Rückantworten geführt, dabei auch zu unterschiedlichen Reaktionen. Das Spektrum reicht von überwiegender Zustimmung über Zustimmung mit Verbesserungsvorschlägen im Detail bis hin zu Widerspruch.

Siehe: http://www.freies-netz-sued.net/?p=2968

 Der westfälische Kamerad Sascha Krolzig warf die berechtigte Frage auf, wo ich denn die Unterschiede zwischen „NS-Traditionalisten“ (Gruppe B) und „Nationalrevolutionären“ (Gruppe C) sehen würde. Die i n h a l t l i c h e n Unterschiede sehe ich – im Ganzen gesehen – in der stärkeren Verankerung des Sozialismus bei den Nationalrevolutionären. Der „Nationale Sozialismus“ der NS-ler ist hingegen oftmals überwiegend emotionaler Natur. Die Deutschen der verschiedenen sozialen Schichten bzw. Stände sollen harmonisch in einer Volksgemeinschaft zusammenwirken. Klassenkampf sei abzulehnen, weshalb in diesem Spektrum nicht selten der reale „Klassenkampf von oben“ geleugnet wird. Dafür, daß dieser dann doch irgendwie stattfindet, daß also die deutschen Produktionskapitalisten Arbeitsplätze fleißig ins Ausland verlagern, die deutschen Kapitalistenverbände immer wieder Fremdarbeiter als Lohndrücker, Konsumenten und Mieter nach Deutschland holen, dafür sucht man oftmals die Schuld in einem „äußeren Feind“, in einem „Erreger“, der doch die an sich blutsmäßig guten „arischen“ Kapitalisten zur bösen Tat animiere.

Von diesem i n h a l t l i c h e n Unterschied, der zwischen den Gruppen B (NS-Traditionalisten) und C (Nationalrevolutionäre) besteht, gelangen wir zur Differenz in der M e t h o d e des politischen Denkens, in der sich in der Regel diese beiden Typen B und C unterscheiden. Bei deutschen Nationalrevolutionären dreht sich alles um die Suche nach dem für das deutsche Volk am besten geeignete Gemeinwesen (Staat). Dies berührt die Fragen nach dem geeigneten Staatsaufbau, nach dem Regierungssystem und wie die Gesellschaft in ihrer Arbeitsteilung und ihren sozialen und ökonomischen Interessen derzeit strukturieren ist und wie sie künftig auszurichten ist; ob wir also die derzeit vorherrschende Marktwirtschaft in Richtung Sozialismus zurückzudrängen haben. Diese letzte Frage beantworten die Nationalrevolutionäre – in unterschiedlicher Intensität – mit JA. Die Idee der Volksgemeinschaft wird also auch von den Nationalrevolutionären vertreten, die allerdings – im Gegensatz zu manchen NS-lern – diese nationale Gemeinschaft erst durch Abbau der geistigen und (!) materiellen Klassenschranken zu schaffen gedenken. Es geht also beim Meinungsstreit um die deutsche Volksgemeinschaft zwischen den Positionen B und C nicht darum, o b diese zu schaffen sei, sondern w i e diese zu erreichen und dann auszugestalten ist.

Die Frage nach dem FEIND macht – entgegen einer Aussage von Carl Schmitt – nicht den Wesenskern des Politischen aus. Sicherlich, wer sein Modell eines Gemeinwesens in seinem Land durchzusetzen gedenkt, der stößt bei diesem Vorhaben auf innere und äußere Gegner und Feinde, die einen daran hindern wollen, die vielmehr ihr eigenes gegnerisches Ordnungsmodell durchzusetzen gedenken bzw. dieses an der Macht halten wollen. Aber die Substanz des Politischen bzw. der Fähigkeit zur Politik spitzt sich in der Frage zu, ob man selbst gegenüber seinem Publikum, vor allem gegenüber den eigenen Landsleuten, die man gewinnen möchte, darüber Auskunft erteilen kann, für welches Modell staatlicher und wirtschaftlicher Ordnung man selbst steht.

Der Hinweis, der böse innere oder äußere Feind schade dem deutschen Volk, kann diese Frage und ihre Beantwortung definitiv nicht ersetzen! Deshalb werden wir auch das Potential der eigenen Politikfähigkeit nicht erhöhen können, indem wir die Frage nach der geeigneten Wirtschaftsordnung auf die Zinsfrage verengen, deren Lösung am übermächtigen „Erreger“ mit der „krummen Nase“ scheitere. Denn wer sich am „Erreger“ erregt, betreibt vielleicht Politpornographie, aber keine Politik! So viel zu manchen in der Gruppe B (NS-ler), was aber auch für diejenigen der Gruppe A gilt (Rechtspopulisten), die in die Rolle des „Untermenschen“, die einst der „Slawe“ einnahm“, nun den Moslem zu drängen versuchen. Die Rolle des Verschwörers wechselt dann vom „Juden“ auf den „Islamisten“.

Der revolutionäre Nationalist braucht hingegen keinen „Erreger“, keinen „Zinsjuden“, keine „slawischen Untermenschen“, keine islamistischen „Scheusale“, keine Kommunisten, keine Freimaurer, auch nicht die angeblich große Macht christlicher Kirchen usw. usf., um seinen politischen Ansatz erklären zu können. WIR SELBST brauchen keine äußeren Bösewichte, um unsere eigene politische Position zu erklären. In den zuvor genannten Gruppen erkennen wir allenfalls Konkurrenten um die Durchsetzung des geeigneten Gemeinwesens in Deutschland. Konkurrenz kann im Leben der Völker freilich friedlich und kriegerisch ausgetragen werden.

Es mag ein Grundzug menschlichen Verhaltens sein, das Böse und allgemein schlechte Erscheinungen in unserer Umwelt zu externalisieren, das heißt auf andere Gruppen, denen WIR SELBST nicht angehören, zu begrenzen. Da wir Nationalrevolutionäre aber keine Pfaffen sind, auch keine solchen, die aus der Kirche ausgetreten sind, um ihre „germanische“ (Zivil-) Religion weiterzubetreiben, bekämpfen wir im politischen Gegner nicht das „Böse“, zumal diese Eigenschaft immer in allen Menschen, also auch in uns selbst schlummert. Ganz im Gegenteil, würden wir in Juden ausnahmslos das Böse erkennen, könnten wir den Drang der Zionisten nach einem eigenen Staat nicht v e r s t e h e n . In unserem hermeneutischen Ansatz geht es aber gerade um das V e r s t e h e n – selbst unserer Feinde, wodurch – im Sinne Carl Schmitts – die Feindschaft eine w i r k l i c h e und keine a b s o l u t e ist. Nur letztere schreit nach physischer Ausrottung.

Warum sollte denn der Missionierungsdrang der Islamisten eine böse Sache sein? Sind nicht diese frommen Menschen von der Dekadenz des Westens und der sittlichen Überlegenheit ihres eigenen islamischen Kulturkreises überzeugt, weshalb sie in ihrer Großzügigkeit auch uns Europäern an diesem Vorsprung teilhaben lassen wollen? Daß wir deutsche Nationalisten einen ganz anderen, eigenen kulturkreisspezifischen Weg beschreiten wollen, begibt uns allerdings in politische Konkurrenz zu diesen Leuten – in Bezug auf die deutsche Innen- bzw. Bevölkerungspolitik.

Bei der revolutionären Suche nach Wahrheit und dem geeigneten Gemeinwesen sollten wir selbsternannten Moraltrompeten unbedingt eine Absage erteilen. Uns interessiert nämlich überhaupt nicht, was Antifas Neonazis an Schlechtigkeiten und was Reaktionäre Kommunisten an Bösem vorzuwerfen haben oder weshalb Antisemiten bessere Menschen sein sollen als Juden; oder weshalb „Nazi-Aussteiger“, die gestern noch minderjährige Mädchen mit einem Klappspaten traktiert hatten …

Siehe:http://de.altermedia.info/general/kevin-schnippkoweit-wieder-auf-freien-fuss-090309_24354.html

 … oder die dabei halfen, eigene „Kameraden“ ins Jenseits zu befördern, heute in dem ein oder anderen Fall über die moralische Verkommenheit ihrer ehemaligen „Kameraden“ fabulieren. Diese Leute wollen uns nämlich nur erzählen, daß für das Böse, das in ihnen selbst ausgebrochen war, ihre damaligen „Kameraden“ bzw. ihre damalige „Weltanschauung“ schuld gewesen sein soll. Diese Legende sollten wir diesen Zeitgenossen allerdings nicht abnehmen. An ihrem niederträchtigen Handeln, an ihren ständigen Lügen, an ihren Verdrehungen von Zitaten tragen sie selbst die alleinige Verantwortung. Wer gestern als Neonazi Juden und Kommunisten dämonisierte, wird nach seinem „Nazi-Ausstieg“ eben jetzt „Rassisten“ und „Nazis“ verteufeln. Die zivilreligiöse, vor lauter Scheinmoral triefende Methode hat sich dabei allerdings nicht gewandelt.

Es ist auch allzu einfach, immer Ideologien bzw. dem ideologischen Umfeld, dem man angehörte, die Verbrechen zuzuschreiben. In den meisten Fällen trifft es eher zu, daß sich Verbrecher Ideologien suchen – und nicht umgekehrt. Alain de Benoist meint hierzu: „Es gibt nämlich keine [Idee; J. Schw.], die von Natur aus gegen den Mißbrauch immun ist. Doch der Mißbrauch, den man von einer Idee macht, diskreditiert nicht diese Idee, sondern nur diesen Gebrauch. Die einzige Verbindung, die zwischen einer Idee und einer Tat besteht, ist nicht diese Idee, sondern diese Tat. Das bedeutet natürlich nicht, daß die Erzeuger von Ideen keine Verantwortung tragen. Das bedeutet nur, daß eine Idee keine Handlung ist – genauso, wie eine Einstellung kein Verhalten ist – und daß eine aufgrund einer Idee gerechtfertigte Handlung noch etwas anderes ist als eine Handlung, die mit Bezug auf diese Idee sich selbst zu rechtfertigen sucht. Die Behauptung, daß eine politische Praxis eine ‚völlige Entsprechung‘ von Theorie und Praxis offenbare oder daß sie im Gegenteil eine ‚Kluft‘ zwischen Theorie und Praxis zeige, gründet unter diesen Voraussetzungen aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer rückblickenden Interpretation oder auf einer Unterstellung. Gobineau ist ebenso wenig der Ahnherr des ausrottenden Rassismus, wie Demokrit für die Atombombe verantwortlich ist. Was die Verbindung zwischen Marxismus und Kommunismus betrifft, zwingt die Aufrichtigkeit zu sagen, daß diese Verbindung ebensowenig offensichtlich ist. Marx mag im Kommunistischen Manifest von 1848 ‚den mehr oder weniger verborgenen Bürgerkrieg‘ noch so sehr preisen, der die Gesellschaft ‚bearbeitet‘, bis dieser Krieg als offene Revolution ausbricht und das Proletariat die Fundamente seiner Herrschaft durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeoisie errichtet – das sagt aber noch nichts aus über die konkrete Haltung, die er hundert Jahre später angesichts der Gulags eingenommen hätte. In diesem Bereich ist also Vorsicht geboten. Zu behaupten, daß diejenigen, die den Terror in der Sowjetunion ins Werk setzten, sich auf Karl Marx beriefen, ist eine Sache; zu behaupten, daß die Ideen von Marx nur zu dieser Schreckensherrschaft führen konnten (oder daß Marx sie ausdrücklich gewollt oder gebilligt hätte), ist eine andere. Keine Doktrin kann ausschließlich an den Taten derjenigen gemessen werden, die sich auf sie berufen haben. Umgekehrt: Kein im Namen einer Idee begangenes Verbrechen wird jemals genügen können, um diese Idee völlig zu diskreditieren. Um eine historische Erfahrung zu beurteilen, muß man deshalb von den Fakten selbst ausgehen, und nicht von einer Moral der Absichten.“ (Alain de Benoist: Totalitarismus. Kommunismus und Nationalsozialismus – die andere Moderne. 1917-1989. Mit einem Vorwort von Ernst Nolte. Junge Freiheit-Verlag, Berlin 2001 (= Edition JF), S. 164-165.)

Nationalrevolutionäre werden also jeden Menschen, der seit längerer Zeit konstant für eine politische Idee steht, ernst nehmen, diesen nicht gleich im voraus moralisch verurteilen, ihn nicht kriminalisieren. Denn wir können nicht glauben, daß Ideologien von Anfang an, sozusagen von ihren Ursprüngen her, das heißt von ihren grundlegenden Ideen im Ganzen gesehen schlecht, böse und verbrecherisch gewesen waren. Vielleicht gab es später einmal oder mehrfach Mißbrauch, scheußliche Verbrechen und Entartungen. Dies werden wir Nationalrevolutionäre aber weder ganzen Erlebnisgenerationen, die an diese Ideen und Grundsätze geglaubt hatten, noch allen Vordenkern – ob sie nun Karl Marx oder Johann Gottlieb Fichte hießen – pauschal zuschreiben. Als revolutionäre Nationalisten erscheinen uns auch moralisierende öffentliche Erklärungen von FPÖ-Politikern zumindest als einseitig, in denen keine Differenzierung mehr opportun erscheint: „Ich verurteile daher aus Überzeugung die Verbrechen des Nationalsozialismus und distanziere mich entschieden von der Ideologie des Nationalsozialismus.“

 Siehe: http://www.krone.at/krone/S32/object_id__188888/hxcms/

Wenn vor 80 Jahren ein Mitglied der NSDAP meinte, daß nach seiner (!) Vorstellung Nationalsozialismus bedeute, daß jedes Volk einem bestimmten Menschenschlag (einer bestimmten Rassenmischung) entspreche, man auf seine Herkunft stolz sein solle, in seinem eigenen Lebensraum weitgehend unter sich bleiben wolle; daß jedes Volk für seinen eigenen Wohlstand arbeiten solle, andere Völker nicht zu unterdrücken seien, wie man selbst sich von Fremden nicht bevormunden lassen wolle – warum sollten denn diese Grundsätze, heute im Jahr 2010, moralisch verwerflich sein? Wir bitten um Argumente und nicht um voreilige, dem Zeitgeist entsprechende Verurteilungen!

Und genau so wird es einem Juden ergehen, wenn dieser an die Staatsgründung Israels, die sich im Jahr 1948 vollzog, denkt, dabei die unschönen Begleiterscheinungen für die Palästinenser ebenso für nicht zentral wichtig erachtet – wie die ältere Dame, die heute in Moskau am Straßenrand Gurken verkauft, um überleben zu können, rückblickend die sozialen Großtaten Josef Stalins lobt, dabei nicht auf die sowjetischen Gulags zu sprechen kommt.

Wir können die Attraktivität von Ideologien und politischen Systemen nicht mit dem ausschließlichen Blick auf die Verbrechen verstehen, die ihnen von ihren politischen Gegnern – vor allem nach einem von diesen gewonnen Krieg – zugeschrieben werden. Wir müssen vielmehr die historischen Quellen sowie die Zeitzeugen von früher und die heutigen Überzeugungstäter, die sich auf solche Systeme beziehen, selbst sprechen lassen, um mit ihnen in einen kritischen, aber von Zensur und Dämonisierung unbehelligten Diskurs zu treten.

Derjenige Historiker, der den „Faschismus in seiner Epoche“ wesensmäßig – mit Abstand – am besten analysiert hat, heißt Ernst Nolte, der einmal zu seiner wissenschaftlichen Methodik bei der Bewertung des Nationalsozialismus ausführte, daß er – im Gegensatz zu den damaligen Feinden dieses Systems – „dem Nationalsozialismus nicht jeden Charakter des totalen Unrechts und des absolut Bösen zuschreiben“ kann. (Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Action française, italienischer Faschismus, Nationalsozialismus. Mit einem Rückblick nach fünfunddreißig Jahren. Ungekürzte Taschenbuchausgabe, Piper, München, 5. Auflage im Mai 2000 (= Serie Piper 365), S. XIV.)

Jürgen Schwab

 Bücher von Jürgen Schwab:

Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.

Die „westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.

Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

Siehe auch: www.sache-des-volkes.info

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