Dresden: Die Verharmlosung eines Kriegsverbrechens

Am 13. Februar jährte sich einmal mehr die Bombardierung Dresdens im Jahr 1945. Am 13., 14. und 15 Februar wurde die mit Flüchtlingen aus den Ostgebieten vollgestopfte sächsische Stadt zunächst von britischen Luftverbänden angegriffen und fast vollständig zerstört. Nach der ersten Angriffswelle sollte ein US-amerikanisches Flächenbombardement der völlig wehrlosen Stadt erfolgen. Die Großmutter des Verfassers befand sich damals selbst in der vom Flammeninferno getroffenen Elbmetropole. Die auf Menschen- und Zivilistenvernichtung ausgehende Bombardierung Dresdens war darum besonders perfide, weil die Stadt damals als riesiges Lazarett diente. Eine bekannte Masche ist es, die Zahl der Toten in Dresden kontinuierlich nach unten zu fälschen, was in anderen Angelegenheiten sicherlich ein Fall für den Staatsanwalt wäre. Eine „Historikerkommission“ der Stadt Dresden will die Opferzahl „nur“ auf 25.000 beziffern. Andere Geschichtsfälscher setzen diese Zahl gar auf 18.000 Tote herab. Diese Relativierung eines Kriegsverbrechens sollte so nicht hingenommen werden. Die Zerstörung Dresdens und der Mord an zigtausenden Zivilisten werden zumeist mit der Bombardierung Coventrys durch deutsche Luftverbände gerechtfertigt. Das ist aber ein historisch gesehen absurder Vergleich: Coventry war der Hauptangelpunkt der britischen Militär – und Rüstungsindustrie. Die Luftkriegsführung der deutschen Seite war damals bei allen begangenen Kriegsverbrechen nicht darauf aus, möglichst viele Zivilisten zu töten. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Luftwaffe bei Kriegsbeginn nicht einmal strategische Viermotorenbomber und Langstreckenjäger besaß. Im Gegensatz dazu war die britisch-amerikanische Strategie darauf ausgelegt, vor allem die Zivilbevölkerung zu treffen, um so deren „Moral“ zu brechen. Hinzu kam Churchills fanatischer Preußenhass, während Hitler im Bezug auf die Briten anglophil war und selbst in den letzten Monaten noch immer von einem Bündnis mit London gegen den „Bolschewismus“ träumte.

Die Zahl von 25.000 Toten ist schon allein aus mehreren logischen Gründen eine offensichtliche Geschichtslüge. Beim Angriff aus Dresden wurden ca. 75 Prozent der Wohngebäude vollständig zerstört, die Altstadt Dresdens wurde vollständig ausradiert, in Dresden hielten sich schätzungsweise bis zu 1.000.000 Menschen auf. Zerstört wurden ebenfalls zahlreiche Luftschutzkeller, wenn nicht gar die allermeisten. Die tatsächliche Anzahl der Opfer lässt sich nun kaum mehr feststellen, aber die Geschichtslüge von 25.000 Toten ist angesichts der Intensität der Bombardierung mehr als nur absurd. Die zunächst in der Bundesrepublik verbreitete Zahl von 35.000 Toten beruht darauf, dass zunächst eben nur 35.000 Tote identifiziert werden konnten, bei etwa 220.000 weiteren konnte dies aufgrund der fortgeschrittenen Verkohlung der Leichen nicht vorgenommen werden. Franz Kurowski schrieb in seinem Werk „Bomben auf Dresden“ folgendes: „Dass die Zahl der Vermissten in Dresden um ein Mehrfaches höher liegt als jene Listen mit den Suchmeldungen dies erhärtet, ist durch die besondere Lage in der Stadt erklärbar. Immerhin waren es nach den meisten Schätzungen zwischen 500.000 und 600.000 Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgebombte aus Berlin und anderen Städten, die in Dresden Schutz gesucht hatten. Viele dieser Gruppen wurden völlig ausgerottet, so dass niemand eine Verlustmeldung oder gar eine Suchmeldung nach Vermissten aufgeben konnte. Dies trifft vor allem auf jene Flüchtlinge zu, denen von hilfsbereiten Dresdner Familien ein Dach über dem Kopf verschafft wurde, und die dann in den Kellern dieser Häuser zu Asche verbrannten. Wer sollte diese getöteten Flüchtlinge suchen? Auch hier gilt das, was in allen Katastrophenlagen eherne Gültigkeit hat: Jeder der Überlebenden sucht seine vermissten näheren Verwandten und Freunde. Und nähere Verwandte und Freunde waren Flüchtlinge nicht,……..“ Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) schrieb im Jahr 1955: „Der Angriff auf die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt Dresden am 13.2.1945 forderte alleine etwa 250.000 Tote“. (Presse und Informationsdienst der Bundesregierung, 1955). Das Internationale Rote Kreuz gab die Zahl der Todesopfer in seinem sachlichen Bericht „Report of the joint Relief 1941-1946“ gar mit 275.000 an. Macht also das Rote Kreuz nur „Nazi-Propaganda“? In Wahrheit war es so gewesen, dass der NS-Propagandaminister die Zahl der Toten herunterlügen wollte, um nicht zugeben zu müssen, dass die Zivilbevölkerung den Bombardierungen völlig hilflos ausgeliefert war.

Die Zahl der Opfer muss folglich weit über der Zahl von 25.000 oder 35.000 Toten gelegen haben. Die Verdrehung der Tatsachen, die Rechtfertigung und die Relativierung dieses Kriegsverbrechens, welches insgesamt in einem Zusammenhang mit dem Bombenterror gegen deutsche Städte durch die anglo-amerikanischen Luftverbände gesehen werden muss, erinnert durchaus an die Völkermordleugnung etwa eines Horst Mahler. Absurd ist auch der ständige Verweis darauf, dass der 2. Weltkrieg ja von Deutschland ausgegangen sei, insofern sei ja auch die Bombardierung Dresdens gerechtfertigt. Was ist das eigentlich für eine Logik? Nimmt man dies ernst, dann hätten etwa die Afghanen und Serben ein Recht darauf Berlin in Schutt und Asche zu bomben, die Irakis und Vietnamesen können dann New York und Washington dem Erdboden gleichen machen und so weiter und so fort. Natürlich hätten sie darauf zu achten, vor allem zivile Ziele anzugreifen, und zwar ohne jede Rücksicht auf die betroffenen Zivilisten, ja, sie müssten es regelrecht darauf anlegen, möglichst viele Zivilisten zu ermorden. Ziemlich kranke „Logik“, oder? Churchill gab in Vorbereitung des Kriegsverbrechens von Dresden folgende abartige Losung aus: „Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten können.“ Im Juli 1944 forderte Winston Churchill vom britischen Planungsstab einen Plan zur Durchführbarkeit eines Gaseinsatzes. Als dieses Ansinnen abgelehnt wurde, wollte das Mr. Churchill nicht hinnehmen und antwortete: „Ich muss Sie bitten, mich bei der Anwendung von Gas zu unterstützen. Wir könnten die Städte an der Ruhr und viele andere derart mit Gas überschütten, dass der größte Teil der deutschen Bevölkerung ständige medizinische Betreuung benötigt.“

Für Aufsehen sorgte vor einiger Zeit eine Rede des NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel im sächsischen Landtag. Dabei sprach Gansel von einem „Bomben-Holocaust“. In Wort- und Schrift äußerte dabei Jürgen Gansel folgendes: „Warum, meine Damen und Herren, winden Sie sich heute so, all die Dinge beim Namen zu nennen, die völlig unstrittig sind? Warum diese paranoiden Versuche, den Bombenholocaust herunter zu rechnen? Warum dieser erbärmliche Nationalmasochismus? Bei keinem normalen Volk der Welt gäbe es ein solches Verhalten, wie Sie es hier an den Tag legen.“ Daraufhin äußerte ein offenbar völlig fassungsloser SPD-Abgeordneter namens Gerlach: „Herr Präsident! Ich möchte hier lediglich im Namen der vielen Freunde, die ich in Israel und auf der ganzen Welt habe, eine Richtigstellung machen… Nur das. Das Wort Holocaust ist ein für allemal für diesen einmaligen und mit nichts vergleichbaren barbarischen Akt der Vernichtung von Menschen durch die Nazis belegt. Ich verwahre mich als Mitglied dieses Landtages davor, dass dieses Wort – von wem auch immer – mit irgendwelchen anderen Begriffen vermischt oder verwoben wird.“ Nun kann man Jürgen Gansel nun wahrlich nicht nachsagen, dass er frei von unsinnigen Vorurteilen gegenüber Juden wäre. Allerdings hätte dem SPD-Gutmenschen vielleicht ein Blick in ein Lexikon oder Wörterbuch weiterhelfen können. Holocaust kommt der Sprachbedeutung nach aus dem Altgriechischen und bedeutet „Brandopfer“ oder „vollständig verbrannt“. In Armenien spricht man vom Holocaust am armenischen Volk durch die türkische Vertreibung und den sich daraus ergebenden Völkermord, die Ukrainer sprechen vom Hunger-Holocaust durch den Stalinismus, afrikanische Historiker sprechen vom „afrikanischen Holocaust“ durch den europäischen Kolonialismus. Gansel war sich sicherlich dessen bewusst, dass dieser Satz entsprechende Reaktionen hervorrufen würde und er hatte dies wohl auch einkalkuliert.

Die politische Linke betrachtet die Gegendemonstrationen zum Aufmarsch der JLO, der NPD und der Freien Kameradschaften als eine Art Jahreshöhepunkt. Ein Top-Event der Antifa, die sich hier mit dem bürgerlichen „Protest“ vermischt und sich je nach Ausrichtung (Antinational oder Antideutsch) darum streitet, inwieweit man mit der „Zivilgesellschaft“ kooperieren darf. Das Bündnis „No Pasaran“ setzt auf eine gemeinsame Aktion mit den bürgerlichen Kräften, während sich die antideutsche Antifa im sogenannten „Venceremos“-Bündnis sammelte und No Pasaran als „Teil des Problems“ betrachtet. Polizeikräfte hatten im Vorfeld Räume des Antifa-Szene-Ladens „Red Stuff“ und der Linkspartei durchsucht. Eine Bundestagsabgeordnete, die mit Mitgliedern des Jugendverbandes „Solid“ Plakate geklebt hatte, wurde gar vorübergehend festgenommen. Antifa, Linkspartei, Grüne und SPD sprachen von einem Riesenskandal und „Staatsterrorismus“. Dietmar Bartsch kündigte an, das beschlagnahmte Plakat „Dresden nazifrei – Gemeinsam blockieren“ in seiner Bundesgeschäftsstelle aufzuhängen. Die Grünen witterten gar „antidemokratische Einstellungen“ bei der Dresdner Polizei. Die Bundesvorsitzende der Jusos, Franziska Drohsel, bezeichnete die Polizeiaktion als „Skandal“, durch den zum wiederholten Mal „antifaschistischer Protest kriminalisiert“ werde. Für die Jusos sei es eine „Selbstverständlichkeit, gegen die menschenverachtende Ideologie von Rechtsextremen aufzustehen“ und sich „den Nazis in den Weg zu stellen“.

Bei den Gegenprotesten äußert sich der Nationalmasochismus etwa in der Aufforderung, diesen Massenmord zu wiederholen. Unter der Parole: „Bomber Harris- do it again“ äußern antideutsche Antifa-Angehörige ihren Wahn. Gegen diese Mordaufrufe positioniert sich leider nur eine Minderheit in der deutschen Linken, so etwa Werner Pirker („Dresden war ein Kriegsverbrechen“) oder das Portal des Stalinisten Günter Ackermann („Kommunisten Online“). Die Konkret-Autorin und spätere Angehörige der RAF, Ulrike Meinhof, führte in einer Kolumne Folgendes aus: „In Dresden ist der Anti-Hitler-Krieg zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt. Wenn es eines Beweises bedürfte, dass es den gerechten Krieg nicht gibt – Dresden wäre der Beweis. Wenn es eines Beweises bedürfte, dass der Verteidigungsfall zwangsläufig zu Aggression entartet – Dresden wäre der Beweis. Wenn es eines Beweises bedürfte, dass die Völker von den kriegsführenden Regierungen selbst missbraucht werden – Dresden wäre der Beweis. Dass an der Bahre Sir Winston Churchills das Stichwort Dresden nicht gefallen ist, legt den Verdacht nahe, Dresden sollte immer noch dem Volk angelastet werden, das doch selbst betrogen worden ist. Es ist der gleiche Takt, den die Bundesregierung praktiziert, wenn sie die Verjährungsfrist für in der NS-Zeit begangenen Mord nicht aufhebt. Wer die Täter nicht denunziert, denunziert aber die Völker.“

Wer heute auf der „Linken“ die Untat, das Kriegsverbrechen von Dresden bejubelt, der sollte sich darüber im Klaren sein, welche auf die Gegenwart projizierte Konsequenz sich daraus ergibt. Die antideutschen Neocons ziehen eine direkte Verbindungslinie nach Bagdad und Teheran – „von Dresden nach Bagdad“. In dieselbe Kerbe schlägt die große israelische Tageszeitung „Yehdi Achronoth“ die u.a. mit der Gleichung aufwartete: „Bagdad = Dresden“. Die Redaktion der Bahamas schrieb etwa: „So werden die Bomben, die höchstwahrscheinlich demnächst Bagdad und andere irakische Städte treffen werden, in Wirklichkeit die Deutschen meinen. Sie sind schon jetzt ganz retraumatisiert.“ Davon wird auch die bereits genannte Franziska Drohsel (Juso-Chefin) ein Lied singen können. Diese meinte nämlich, das sowieso höchstens halbherzige Nein des SPD-Bundeskanzlers Schröder zum Irakkrieg als „antisemitisch“ brandmarken zu können.

Nun soll selbstverständlich nicht allen, die in Dresden „blockieren“ werden, unterstellt werden, dass sie es nun auf den Krieg gegen etwa Teheran abgesehen werden, allerdings hätten sie sich die Frage zu stellen, warum sich die linksliberale Spaßgesellschaft zum fröhlichen Blockieren mobilisieren lässt, jedoch kaum, wenn es darum geht, um die Opfer des „neuen Faschismus“ – nämlich des aktuellen Imperialismus – zu trauern. Wer trauert um die Bombenopfer von Belgrad, Falludschah und Bagdad? Wer blockiert derart mutig und mit dieser Mobilisierung ein NATO-Kriegstreffen? Wo wären da die mutigen „Antifaschisten“ Bartsch und Drohsel? Diese würden wohl eher „Antiamerikanismus“ und „alles Antisemiten außer Mutti“ schreien. Dieselbe Frage muss aber auch an gewisse Teile des NW gehen (NS-Traditionalisten, Rechtspopulisten, Eurosibirier). Wo sind jene, wenn es um die aktuelle Kriegsgefahr geht? Beim Protest gegen Sozialabbau? Bei den Fragen nach einer antikapitalistischen Positionierung?

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