Weltbild in Gefahr!

Die antiimperialistische und antikapitalistische Linke in Deutschland ist nach wie vor stets darum bemüht, ihr eigenes Weltbild vor möglichen Widersprüchen für die eigene Anhängerschaft zu säubern. Dies konnte man auch vor kurzem wieder in der bekannten Tageszeitung „Junge Welt“ nachlesen. In der Ausgabe vom 17.08.2010 erschien eine Rückschau anlässlich des 125. Geburtsjahres von Kurt Hiller. Der JW-Autor Gerhard Wagner tut in diesem Fall, was ihm nützlich erscheint, um sein „antifaschistisches“ Weltbild zu retten. So berichtet Wagner von dem Lebenswerk Kurt Hillers ohne aber dessen querfrontlerische Ambitionen auch nur mit einem Wort zu erwähnen.

Siehe: http://www.jungewelt.de/2010/08-17/034.php

Der Lektor Gerhard Wagner beschäftigt sich ansonsten für die Junge Welt viel und gerne mit dem historischen Faschismus in Deutschland, aber auch mit der sogenannten „Erinnerungskultur“ in der Bundesrepublik über den Zeitraum der Jahre 1933-1945. Was der „Antifaschist“ Wagner seinen Lesern verschweigt ist, dass nach seiner Faschismusdefinition Kurt Hiller mindestens als Bündnispartner der „Faschisten“ anzusehen wäre. Dabei dürfte es für Wagner freilich keine Rolle spielen das Hiller´s Kontakte zu „revolutionären Nationalsozialisten“ (Schwarze Front) und seine Gesprächsbereitschaft mit „Nationalbolschewisten“ damals freilich einen strikt antifaschistischen Hintergrund hatte. Der revolutionäre Nationalismus gilt Wagner und vielen anderen in der Redaktion der Jungen Welt als „faschistisch“. Dies hat natürlich nicht nur seinen Sinn darin, dass man versucht das eigene Weltbild vor Widersprüchen zu retten. Es geht vor allem darum, der Leserschaft, der Jungen Welt zu verschweigen, dass es Berührungspunkte inhaltlicher Art zwischen Nationalrevolutionären und antikapitalistischen bzw. antimmperialistischen Linken gibt.

Dabei brauchen die Leser von Wagner sich eigentlich nur Wikipedia bedienen um den weltanschaulichen Hintergrund Kurt Hillers von Wagners Antifaschismus-Dogma zu entwirren. So kann man dort folgendes nachlesen:

„Im Exil gründete er den Freiheitsbund Deutscher Sozialisten und die Gruppe Unabhängiger Deutscher Autoren. Außerdem gab er während seiner Zeit in Prag zusammen mit dem Nationalrevolutionär Otto Strasser die „Prager Erklärung“ heraus, ein Manifest gegen das faschistische Deutschland der Nazis.“

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Hiller

Der sozialistische Pazifist und Publizist Kurt Hiller setzte sich auch mit der „Dritten Welle“ des „Weimarer Nationalbolschewismus“ auf einer sachlichen und fairen Ebene auseinander. Bereits 1927 kam es zu einer Diskussion zwischen Hiller und Franz Schauwecker – dem Herausgeber der Publikation „Standarte“ des „Stahlhelmes“. In seinem Aufsatz „Linke Leute von Rechts“ (Weltbühne, 1932) setzte er sich höchst positiv mit der NS-Linken um Otto Strasser, aber auch mit der Gruppe Sozialrevolutionärer Nationalisten um Karl Otto Paetel auseinander. Positiv war auch die Bezugnahme auf die nationalkommunistische „Scheringer-Linie“ in der KPD. Der „Antifaschist“ Wagner muss nun vor allem solche von Kurt Hiller niedergeschriebene Sätze verschweigen.

„All das ist noch unfertig, wird noch, wächst noch. Unsereiner soll da, scheint mir, ohne Hochmut helfen; soll an Menschen, die selber zu denken gewohnt und, im Gegensatz zu den Marxklerikern, den Gedanken Andrer geöffnet sind, keine gebosselten Dogmen herantragen: friss, Paetel, oder stirb! Nein, so nicht; sondern: (ohne Kompromiss) in Kameradschaft diskutieren. Befürworte ich eine irenische Aufweichung unsres Kämpferknochengerüstes? Wer´s glaubt, wird selig. Aber von Zeit zu Zeit empfiehlt sich, allerseits, eine Revision der Riten. Und man vergesse nie, zu forschen: wo steckt im Gegner der Freund? Ich fühle mich Jedem brüderlich verbunden, der sich als rein, wahrhaftig, unabhängig, unbestechlich, als Diener am Geiste erweist; der aufrecht, doch unstarr schreitet, weil er an keine versteinerte Doktrin gefesselt ist; der den Klassenkampf auf der Seite der unterdrückten Klasse kämpft, vielmehr diese Klasse aus ihrer Zerklüftung zur Einheit, zu wirklichem Kampfe, zum Siege zu erlösen strebt; der aber weiß, dass der Prolet noch andres ist als Prolet, dass es heilige Ziele gibt noch jenseits des Klassenkampfs.“

Quelle: Kurt Hiller, Linke Leute von Rechts, „Weltbühne“, Jg.28, Nr.31, vom 2.August 1932, S.153-158

Wenn das Mittel des Verschweigens nicht mehr hinlänglich zur Geltung gelangen kann, so greift man zum Mittel der Falschaussage. Man ist darauf angewiesen zu behaupten das sich hinter den Forderungen sozialrevolutionärer Nationalisten nur Demagogie verberge. Unsere Forderungen seien gar nicht ernst gemeint oder aber Roßtäuscherei. Dies wird auch von einzelnen Autoren einer Zeitung behauptet, die auf ihrer Webseite für jeden klar ersichtlich mit linkskapitalistischen Bundestagsabgeordneten der sogenannten Linkspartei werben – von Gregor Gysi bis Bodo Ramelow („Hier spricht die Opposition“).

Siehe: http://www.jungewelt.de/index.php

Was das Thema Antikapitalismus betrifft, so bekleckert sich die gesamte deutsche Linke im Zuge ihres „Antifaschismus“ nicht gerade mit Ruhm. Die Linkspartei trägt in Berlin und Brandenburg Hartz IV und Ein-Euro Jobs mit, in NRW wird man nun auf dem Umweg der „Minderheitsregierung“ Privatisierungen zustimmen. Angeblich „kommunistische“ Parteien wie die DKP und die MLPD können ihren reformistischen Charakter nur mehr sehr unzureichend unter dem Konstrukt des „Antifaschismus“ verbergen. Kritik ist gleichsam auch in Hinsicht auf das mangelnde inhaltliche und theoretische Erscheinungsbild der deutschen Rechten zu üben. So entwickelt sich insbesondere die NPD immer mehr Richtung Rechtspopulismus und viele nationale Sozialisten beziehen ihren „Sozialismus“ mehr aus dem Bauch heraus auf eine Wirtschaftsordnung die sich nicht wesentlich vom „rheinischen Kapitalismus“ unterscheidet.

Dabei können sich die Leser der Jungen Welt ruhig ein Bild über die Konzepte sozialrevolutionärer Nationalisten dank der Erfindung des Internets bilden. Die national- und sozialrevolutionäre „Sache des Volkes“ fordert in ihrer Grundsatzerklärung eine antikapitalistische Umgestaltung der derzeitigen privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung. Es geht der Sache des Volkes um die Überwindung des Kapitalismus! Großindustrie und Handelsketten sind dabei in gemeinschaftliche Betriebsformen zu überführen. Banken, Schlüsselindustrie und die öffentliche Daseinsvorsorge sind zu verstaatlichen, bisherige Privatisierungen sind Rückgängig zu machen. Dies liefe im Grunde auf eine gemischte Wirtschaftsform heraus – so wie sie etwa in Venezuela und Bolivien auf den Weg gebracht, jedoch noch nicht vollendet wurde.

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2010/03/31/grundsatzerklarung-der-sache-des-volkes-sdv/

Daneben gibt es im Nationalrevolutionären Spektrum selbstverständlich auch teilweise abweichende Modelle, die sich eher an einem Rätesystem ausrichten. Hier beruft man sich in der historischen Rückschau vor allem auf Karl Otto Paetel und den „Hamburger Nationalkommunismus“. Auch syndikalistische Vorstellungen spielen hier eine gewichtige Rolle. Der Verfasser dieser Zeilen neigt persönlich zu solchen Vorstellungen, allerdings erscheint eine gemischte Wirtschaftsordnung, wie die Erfahrungen sozialisticher Bewegungen in Süd- und Mittelamerika aufgezeigt haben realistischer.

Desweiteren ist ein Konzept zur Neuordnung des Banken- und Versicherungswesens in der Bundesrepublik einsehbar.

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2010/04/13/konzept-zur-neuordnung-des-banken-und-versicherungswesens/

In mehreren Flugblattkampagnen beschäftigte sich die Sache des Volkes und Bündnispartner mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, der allgemeinen Krise des Kapitalismus, Ein-Euro-Jobs, Zeitarbeit und vielen anderen antikapitalistischen Themen. Dabei wurden auch unsere sozial- und wirtschaftspolitische Vorstellungen präsentiert die auf eine Überwindung des kapitalistischen Systems ausgerichtet sind.

Siehe: http://www.freies-netz-sued.net/wp-content/uploads/2010/01/bankrauber-stoppen.pdf

Und: http://www.freies-netz-sued.net/wp-content/uploads/2010/01/massenarbeitslosigkeit-uberwinden-kapitalismus-zerschlagen.pdf

Gleichzeitig speist sich der Antikapitalismus sozialrevolutionärer Nationalisten aus dem Bekenntnis zum deutschen Volk und Nationalstaat. Wir sind davon überzeugt das der Kapitalismus den Fortbestand unseres Volkes massiv bedroht und der transnationale Kapitalismus darauf ausgelegt ist den Nationalstaat zu schwächen oder als solchen gar gänzlich abzuschaffen. Insofern thematisieren wir auch die Überfremdung die sich über das Zuwanderungsinteresse des Großkapitals generiert. Dies sind Themen zu welchen die deutsche Linke von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen leider schweigt. Wir sind davon überzeugt, dass sich eine nachkapitalistische und sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nur in einem souveränen deutschen Nationalstaat verwirklichen lässt, während die Mehrheit der deutschen Linken glaubt ohne Volk und Nation auskommen zu können.

Dabei gibt es insbesondere bei der „Jungen Welt“ durchaus einzelne Schreiber die sich positiv auf den Nationalstaat beziehen und wie ein Werner Pirker erkennt haben das der „Antifaschismus“ der BRD-Linken des Jahres 2010 nur die neoliberale Hegemonie am Leben erhält. Das Problem ist aber das diese aufgrund der realen Verhältnisse ihre nationalstaatlichen und antikapitalistischen Positionen nicht konkret auf das deutsche Volk beziehen können, wenn sie auch noch weiterhin in der Linken aktiv sein wollen. So richten sich Drohungen, Diffamierungen und schlimmeres der „Antifa“ zusehends auch gegen patriotische und nationale Linke. Insbesondere nationale Regungen auf der Linken werden dort auf das Heftigste bekämpft.

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