Der gute Ausländer

Reichsmarschall Hermann Göring soll einmal – im Zusammenhang mit Spekulationen darüber, ob der Luftwaffengeneral Erhard Milch „Halbjude“ sei –, geantwortet haben: „Wer Jude ist, bestimme ich!“ Was beweist, daß es auch im Dritten Reich „gute Juden“ gegeben hatte. Damit widersprach Göring indirekt Heinrich Himmler, der sich einmal genervt zeigte, weil einige seiner Parteigenossen in ihrem persönlichen Umfeld „gute Juden“ ausfindig machen wollten. So gabs halt auch im totalitären NS-System einen Meinungspluralismus, der natürlich immer auch auf seine Grenzen stieß – wie auch im „freiheitlichsten Staat, den es jemals auf deutschen Boden gegeben hat“.

So gibt’s auch heute in der Republik Österreich einen Staatsfunk, das ORF, der – ganz im Stile Görings – zwischen guten und bösen Ausländern unterscheidet. Zu den letzteren gehören Islamisten, kurdische Nationalisten, die nicht friedlich mit türkischen Nationalisten auskommen, und andere Gruppen, die nicht in das enge Korsett der WWG (Westliche Werte Gemeinschaft) passen.

Um nun von den zahlreichen bösen und schlechten Ausländern – man denke auch an die hohe Kriminalitätsquote bestimmter ethnischer Gruppen in bestimmten Deliktbereichen – medial abzulenken, ist das Mediensystem – hinter dem die Interessen von Minderheiten stehen (Großkapital, USA-Lobby, Zionisten usw.) – immer wieder bemüht, den Typus des guten Ausländers (den es ja wirklich gibt!) im Vergrößerungsglas zu präsentieren – und somit das Publikum zu manipulieren. Also den Ausländer, der wie eine hübsche Polin schon phänotypisch gut nach Österreich paßt, die dann auch noch perfekt Deutsch spricht, wahrscheinlich katholisch ist wie viele Österreicher, Steuern zahlt und sogar in der Nähe von Innsbruck Arbeitsplätze schafft.

Siehe HC Straches Auftritt im ORF:

http://gesamtrechts.wordpress.com/2010/08/24/osterreich-fpo-chef-strache-im-ausfuhrlichen-orf-sommergesprach/

HC Strache konnte in dem Streitgespräch des ORF als Populist nicht die wirklichen Konfliktlinien aufzeigen. Der FPÖ-Mann hätte eigentlich auf die Fangfrage der ORF-Moderatorin zugeben müssen, daß seine Partei ursprünglich eine Position in der Zuwanderung vertreten hatte, derzufolge diese Polin nicht nach Österreich hätte einreisen können. Dies wäre aber bei den Arbeitnehmern, die bei der Polin Arbeit gefunden haben, und auch bei anderen österreichischen Kleinbürgern, die als FPÖ-Wähler in Frage kommen, schlecht angekommen.

Aber Strache hatte immerhin darauf verwiesen, daß die Superpolin unter den Bedingungen des kapitalistischen Arbeitsmarktes nicht die Regel, sondern die Ausnahme darstellt. So unterscheidet Strache zwischen „anständigen“, das heißt nützlichen Ausländern und „unanständigen“, das heißt nicht nützlichen, die in die sozialen Netze einwandern. Dabei bleibt ausgeblendet, daß das große Kapital an der Schaffung und Aufrechterhaltung einer „industriellen Reservearmee“ (Karl Marx) an Erwerbslosen interessiert ist, um die Löhne derjenigen, die Arbeitsplatzbesitzer sind, zu drücken (nicht nur in der Industrie, auch in anderen Branchen wie dem in Österreich bedeutenden Tourismus, wo man wenig Qualifizierte in den Hotels Betten abziehen oder Teller waschen lassen kann, usw.).

Immerhin sind die meisten Polen und andere, die in Österreich ankommen, längst tätig als Fach- oder Hilfsarbeiter in der Fabrik und auf dem Bau und vor allem – wie bereits erwähnt – in der Tourismusbranche. In allen diesen Bereichen machen Arbeitsmigranten den österreichischen Arbeitnehmern die Löhne und Gehälter kaputt. Übrigens auch die vielen mitteldeutschen Köche, Kellner und Hotelfachangestellten, die heute in Österreich und der Schweiz arbeiten, weil die „blühenden Landschaften“ (Helmut Kohl) in ihrer pommerschen, sächsischen usw. Heimat ausgeblieben sind. Im Umfeld der rechtspopulistischen „Schweizer Volkspartei“ (SVP) werden diese deutschen Arbeitnehmer als „deutscher Dreck“ beschimpft, weil man an die niederen Instinkte der eigenen Wähler appelliert und hofft, so Stimmen zu machen. Wie tief müssen deutsche „Patrioten“ gesunken sein, die in solchen Schweizer Strolchen ihr politisches Vorbild sehen?

Dabei gibt es in der Schweiz eine seriöse nationale und soziale Alternative, dies sei nur am Rande bemerkt:

Siehe: http://www.pnos.ch/index.php?seite=meldungen_archiv.php&lang=37

Deshalb lenken sozialrevolutionäre Nationalisten die Wut der einheimischen Arbeitnehmer, Erwerbslosen und selbständigen Handwerker, die durch die Entwertung ihres Meisterbriefs hierzulande mit noch mehr polnischen Kfz-Werkstätten konkurrieren dürfen, gegen das kapitalistische System, das solche Arbeitsmärkte zu verantworten hat, und gegen seine „politischen“ und journalistischen Steigbügelhalter, die öffentliche wie private Fernsehsender für ihre Propaganda instrumentalisieren.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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