Hans F. K. Günther und die Juden

Es war eigentlich nicht meine Absicht, mich noch einmal mit Manfred Weißbecker auseinanderzusetzen, hatte ich mich doch schon in meinem Buch „Angriff der Neuen Linken“ (S. 356-357) kritisch auf diesen Kommunisten bezogen. Weißbecker behauptete in einem seiner „Junge Welt“-Artikel (vom 03.11.2007, S. 15), daß sich die Berliner NSDAP überhaupt nicht, wie immer behauptet – gemeinsam mit der KPD – im November 1932 am BVG-Streik in der Reichshauptstadt beteiligt habe. Natürlich war dies der Fall, Weißbecker verdrängt nur die für ihn peinliche historische Wahrheit.

Weißbecker zählt zu denjenigen marxistischen Historikern, die es – im Gegensatz etwa zu Kurt Pätzold – konsequent an dem Bemühen um eine objektive Betrachtungsweise auf den historischen Untersuchungsgegenstand fehlen lassen. Im Stile eines Stammtischschwaflers schreibt Weißbecker über Personen und deren Werke, die er entweder gar nicht zu Gesicht bekommen oder nicht ausgiebig studiert hat. Neuerdings zieht er gegen den „Rassenpapst“ des Nationalsozialismus Hans F. K. Günther zu Felde, den er zwar kaum direkt zitiert, dafür aber seine historische Inkompetenz mit allerlei Fundstücken zum „völkisch-rassistische[n] Literaturgeschichtsschreiber Adolf Bartels“, dem er „Judenriecherei“ attestiert, zu verschleiern sucht.

Siehe: http://www.jungewelt.de/2010/09-21/002.php

Für den Nicht-Kenner der Literatur Hans F. K. Günthers muß nun der Eindruck entstehen, auch dieser sei ein extremer „Judenriecher“ gewesen. Dem ist aber nicht so. Daß Günther heute von manchen „Judenriechern“ in Anspruch genommen wird, ist nicht sein Verdienst. Dies ist ein Mißbrauch, mehr nicht. Hingegen behandelte Günther als Anthropologe auch die Judenfrage wissenschaftlich. Günthers politische Schlußfolgerungen und Zielformulierungen stoßen allerdings im nationalrevolutionären Spektrum teilweise auf Ablehnung.

Die Juden galten Günther nicht als Rasse, sondern als Volk, das aus einer heterogenen Rassenmischung hervorgegangen war. „Man spricht deshalb irrtümlicherweise immer wieder von einer ‚jüdischen Rasse‛ […].“ (Hans F. K. Günther : Rassenkunde des deutschen Volkes, 6. Auflage von 1924, S. 422) Günther schreibt weiter über die Juden: „Um ein Volkstum handelt es sich, nicht um eine Rasse.“ (ebenda, S. 423.) So sind die Juden aus mehreren Rassengruppen hervorgegangen: aus der semitisch-beduinischen, vorderasiatisch-armenischen, hamitischen, europäiden u. a. Vor allem die aus Mittel- und Osteuropa stammenden Juden weißen phänotypisch größere Überschneidungen mit den Deutschen, Polen, Russen u. a. auf.

Günther vergleicht die Juden von der Bandbreite ihrer Phänotypen her mit den Südeuropäern. „Deshalb zeigen sich auch unter diesen Völkern weniger Blutgegensätze zwischen Juden und Nicht-Juden, da die den Juden entsprechende Rassenmischung von der den Nicht-Juden entsprechenden Mischung unter diesen Völkern nicht so verschieden ist. Besonders wenig hebt sich der Jude innerhalb der griechischen Bevölkerung ab […].“ (ebenda, S. 423.)

Günther wird zwar auch heute von klischeehaften Antisemiten in Anspruch genommen. Dagegen kann sich der tote Wissenschaftler allerdings nicht mehr wehren. Aber sein oben zitiertes Buch spricht immer noch eine klare Sprache: „Selbst ihre Gegner, die auf besondere rassische Eigenart der Juden so aufmerksamen Antisemiten haben doch in den meisten Fällen die unklarsten Vorstellungen, wohin die Juden eigentlich zu zählen seien.“ (ebenda, S. 6.) Zumal in diesem Spektrum persönliche Psychosen mehr dominieren als wissenschaftliches Erkenntnisinteresse. So werden regelmäßig in Internetforen Rassen-, Völker- und Sprachgruppenbezeichnungen wild durcheinandergeworfen – so oder so mit dem Ziel, sich selbst der „Herrenrasse“ zuordnen zu können. Ganz anders Günther: „Die Verwechslung von sprachlicher Zugehörigkeit und Rassenzugehörigkeit führt also irr. Es gibt germanische, romanische und slawische Sprachen, aber keine germanische, romanische oder slawische Rasse. Sprache und Rasse haben gegenseitige, nicht leicht aufzudeckende Beziehungen, aber Sprachgrenzen sind niemals Rassengrenzen und Rassengrenzen niemals Sprachgrenzen. Rasse und Volkstum decken sich nicht. Gerade so steht es mit der noch oberflächlicheren Verwechslung von Rasse und Staatsangehörigkeit. Es gibt keine italienische, spanische, griechische oder englische Rasse.“ (ebenda, S. 7.)

Ebenso sollten diejenigen, die für ihren „Herrenrassen“-Standpunkt einen obskuren „Arier“-Kult betreiben, sich nicht auf den Wissenschaftler Günther berufen. Der schrieb nämlich unmißverständlich: „Zu besonderer Verwirrung führt auch die Bezeichnung ‚arisch‛ für die nordische Rasse.“ (ebenda, S. 25.) Am Rande sei erwähnt, daß im Ahnenpaß des Dritten Reiches „Arier“ synonym für „Europäer“ verwendet wurde. Allerdings waren von dieser Begriffsbestimmung die Juden ausgeschlossen.

Es ist also immer noch wichtig, was uns Autoren selbst zu sagen haben und nicht, was andere über sie sagen, die sie verfemen oder vereinnahmen wollen.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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