Nation und Staat

Nation

Was ist eine Nation? Diese Frage mag sicher insbesondere dem einen oder anderen Nationalisten merkwürdig erscheinen. Das Konzept der Nation scheint auf den ersten Blick klar und erklärbar, allerdings nur auf den ersten Blick. Bei der Definition der Nation werden sich viele sehr schwer tun. Insbesondere unterscheidet sich die „Nation“ in einer ganzen Anzahl von Attributen von dem Begriff des „Staates“. Dies wird aber vielen für eine „Einheit“ oder gar für „dasselbe“ gehalten. Dem ist aber im Grundsatz nicht so. Staat und Nation bzw. die sich dahinter verbergenden Konzeptionen der Staats- und Kulturnationen müssen klar voneinander unterschieden, definiert und gegeneinander abgegrenzt werden.

Nation und Staat werden oft sprachlich und anderweitig zusammen geworfen. Man spricht unter anderem von den „Vereinten Nationen“. Hierbei handelt es sich aber im Grunde um einen Zusammenschluss verschiedener Staaten und nicht um „Nationen“. Die Definition, die viele abzugeben vermögen, ist oftmals sehr vage und ungenau. Der wohl fast jedem geläufige Begriff des „Nationalstaates“ vermischt die beiden Begriffe im Besonderen und stellt die Definition zweifelsohne vor einige Schwierigkeiten. Das Aufkommen und der zeitweilige Sieg der romantischen Bewegungen des Nationalismus des 19. Jahrhunderts, mit all seinen verspäteten Nations-Konstruktionen auf Grundlage des völkischen Blutsprinzips (insbesondere in Deutschland, Ost-und Mitteleuropa) führte zu der allgemein erkannten Notwendigkeit, dass Nationen und Völker geschlossener Räume, also konkret Nationalstaaten, bedürften um sich zu organisieren und vor allem zu konstruieren. Die nationale und ethnische Identität, die Schriftsprache, die nationale Sprache in der Vielfalt ihrer Dialekte, die allgemeine nationale Kultur oder in einigen Fällen auch die konfessionelle Religion bildeten hier die Grundlage des Nationalstaates.

Dies entgegen der Tatsache, dass in Europa auch erfolgreiche Modelle existierten, die multi-national ausgerichtet waren, wie etwa die von der deutschen Nation dominierte Schweiz. Supranationale Gebilde, wie etwa das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, waren fundamental gescheitert, waren zu behäbig, zu altmodisch. Die Grundidee des Nationalstaates, also die Vorstellung der nationalen Organisation eines „Staatsvolkes“, wurde zum Allgemeingut und zum Selbstverständnis der Entwicklung des bürgerlichen Zeitalters. Europa definierte sich nun auf Grundlage der Nationalstaaten.

Wenn wir nun versuchen wollen, die Bedeutung der Begriffe zu definieren, so muss man sehen, dass diese voneinander sehr unterschiedlichen Begriffe dazu angetan sind, um miteinander zu interagieren. Ein etwas schlampiges Denken hat in den letzten Jahrzehnten zur Verwässerung gerade in Zeiten der Globalisierung geführt. Eine Unterscheidung erscheint aber in begriffsdefinitorischer Sicht von Nöten zu sein.

Die Welt der Spät- und Postmoderne ist eine Welt, in welcher der Begriff der Nation zu einem bestimmenden Ausdruck der Identität des Menschen und des historischen Ablaufes und Ganges der Ereignisse geworden war. Der Nationalismus ist anders, als die liberalistische und postmoderne Ideologie des „Globalismus“ in ihrer „linken“ und „rechten“ Variante wahr machen will, keine Quelle des Übels und der dämonischen Hassentfaltung, sondern trägt in sich eine Quelle gemeinschaftsstiftender, und lassen wir es uns pathetisch formulieren, edler Handlungen. Im 20. Jahrhundert führte aber in einigen Fällen zweifelsohne ein falsch verstandener chauvinistischer Nationalismus in schreckliche Menschheitskatastrophen. Nun soll im Folgenden herausgearbeitet werden, was Nation und Staat ausmacht, wie sie sich konkret definieren. Wichtig erscheint hierbei vor allem ihre Projektion auf unsere Gegenwart.

Definition der „Nation“

Menschen sind Herdentiere mit einer Tendenz zur Ordnung, also sich in kleinen oder größeren Gruppen um „dominante“ Persönlichkeiten ihrer Art zu versammeln. Dies war schon immer ein spezifisches Merkmal der evolutionären Entwicklung des Menschen. Das grundlegende Element der menschlichen Entwicklung ist die Organisation in lokalen und regionalen Gruppen, die sich dann zu Stämmen zusammenschlossen. Die Stämme entwickelten sich in geschichtlicher Folge weiter zu mehr oder weniger zivilisierten Gesellschaften. Basis dieser Entwicklung blieben aber im Grunde stets die Stämme.

Die Idee der Nation, abgeleitet vom lateinischen Wort „natio“ (Geburt), definiert sich anhand einer gemeinsamen Blutsbeziehung. Nationen basieren zumeist nicht immer auf vollständiger wissenschaftlicher Tatsächlichkeit, sondern auf Mythen, historischen Vorgängen und weltgeschichtlichen Personen. Nation und Volk leben von mythologischer Grundierung.

Die Gründe, welche die Mitglieder eines Volkes in einer Nation binden, sind aber weitaus vielfältiger als die reine Blutsverwandtschaft. Diese Gründe gibt es unabhängig von gesellschaftlicher Klassen oder Schicht-Zugehörigkeiten. Das gemeinsame genetische Erbe und die Zugehörigkeit zu einer Ethnie ist nur einer von vielen Faktoren, die eine Nation bestimmen und definieren, folglich auch in gewisser Hinsicht gegenüber anderen abgrenzen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist zweifelsohne die Sprache. Allerdings ist dies nicht so einfach, wie sich das vor allem manche völkische Nationalisten ausmalen mögen. Es gibt zahlreiche Länder, die nicht nur eine beherrschende Staatssprache, sondern aufgrund der gezwungenen historischen Entwicklung mehrere Sprachen aufweisen. Dennoch werden wir insbesondere in Europa den Fall vorfinden, dass die Definition der Frage, „wer wir sind“, über eine Sprache beantwortet werden wird. Nation definiert sich in Europa auch über eine den Nationalstaat dominierende Sprache. Staaten, in welchen dies nicht der Fall ist, wie etwa Belgien, werden sich auch zwangsläufig als brüchig und fragil erweisen. Solcherlei Kunst-Nationen (Flamen, Wallonen, Deutsche) werden kaum einen Ewigkeits-Charakter an den Tag legen können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kultur eines Volkes und insbesondere die sich materiell darstellende Kultur. Man denke nur an die Skulpturen der alten Griechen. Altehrwürdige Denkmäler, Gebäude und Artefakte dienen der nationalen Mythologisierung und erfüllen einen sakralen und damit religiösen Zweck.

Einige „völkische Nationalisten“ im „Nationalen Widerstand“ postulieren, dass die Nation praktisch „unveränderlich“ sei und im ursprünglich-originalen Zustand erhalten werden müsse. Dass dies natürlich unhistorisch ist, dürfte sehr schnell klar werden, wenn man weiß, dass die deutsche Nation auch stets in gewissem Ausmaß fremde Kulturelemente aufgenommen und in das nationale Geschichtsbildnis integriert hatte. Nationen sind keinesfalls völlig unveränderliche Einrichtungen, sondern durchaus stets gewissen Wandlungen und Modifizierungen unterworfen. Nationen sind ebenso Entwicklungen und gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen. Es lässt sich nun folgendes zur Nation postulieren:

– Nationen basieren auf einer gemeinsamen ethnischen Verwandtschaft des Blutes. Die Blutsverwandtschaft ist zwar zum einem grundiert, kann jedoch durch den „Mythos“ ergänzt werden.
– Nationen basieren auf einem gemeinsamen kulturellen Erbe. Dieses Erbe und auch die materiell greifbaren kulturellen Hinterlassenschaften sind die „Kultur“ einer Nation. Auch dieses ist oft mythologisiert und drückt sich in Gefühlen aus, die manchmal schwer fassbar erscheinen mögen.
– Die sprachliche Kohärenz in der Form einer oder mehrerer Sprachen identifiziert sich durch die nationale Identität. Je einmaliger oder schwieriger diese Sprachen erscheinen, umso deutlicher und ausgeprägter ist die Bindung zu Ihnen. Die Welt der Postmoderne, der Globalisierung, hat die nationalen Sprachformen bedroht und eingeengt. Weltsprachen trachten immer mehr danach, autochthone Sprachen und Dialekte zu verdrängen.
– Die Mitglieder einer Nation müssen sich auch gemeinschaftlich miteinander Identifizieren können. Die Idee der identitären und nationalen Zugehörigkeit ist tief in der menschlichen Psyche verwurzelt.

Dies soll natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sondern nur eine recht grobe Zusammenfassung darstellen. Eine Sache, die elementar erscheint, fehlt natürlich noch: Die Nation braucht zu ihrer Organisation natürlich ein Gebiet, um sich verwirklichen zu können. „Land“ ist seit jeher eine mystische Form der Organisation eines Volkes – dies finden wir schon in alten und heiligen Schriften, wie etwa in der Bibel. Heimat ist ein mystischer und elementarer Begriff, der für Nationalisten, aber nicht nur für sie, kaum noch wegzudenken ist. Heimat ist ein Begriff, der sich konkret mit dem „Erbe“ einer Nation und historischen Zusammenhängen identifizieren lässt. Erst die modernen Nationalbewegungen gaben dem Begriff der „Heimat“ die Bedeutung, die ihm heute zuzumessen ist. Dies führt uns unweigerlich zur Begrifflichkeit des Nationalstaates. Nun muss man gerade als moderner Nationalist darauf verweisen, dass gerade die Fokussierung auf das „Gebiet“ zu einer Folge bitterer Konflikte führte, weil sich verschiedenste Völker um dasselbe Stück Land stritten. Solche Konflikte werden oftmals mit einer religiösen Hingabe geführt (siehe: Nahost). Der Nationalstaat verkörperte die nationalistische Grundidee, dass es ein vollständiges Zusammenspiel zwischen volklicher Identität und staatlicher Formierung geben sollte. Einfach ausgedrückt: Die deutsche Nation wollte einen souveränen Staat möglichst aller Deutscher.

Die Sache erweist sich aber als schwieriger, als viele sich dies vorstellen mögen. Weltweit gibt es nämlich über 8000 Völker, und jedes trägt in sich den Willen zur staatlichen Unabhängigkeit. Nur die wenigsten besitzen aber aus verschiedensten Gründen eine nationale Eigenständigkeit. Viele der Völker und Stämme, die nach Eigenständigkeit suchen, befinden sich in ihrem Gebiet in der Minderheit, konkurrieren mit zahlreichen anderen Ethnien um dieselbe Heimat. Deswegen kann der Wille zur Nationalstaatlichkeit zwangsläufig zu Konflikten führen. Dies sollte nun auch modernen Nationalisten als Realität benannt werden.

Der Staat

Der Begriff des Staates leitete sich ursprünglich vom italienischen Begriff „lo Stato“ ab und beschrieb, geprägt von Machiavelli, die Gesamtheit sozialer Hierarchien. Der Begriff ist an sich aber vage und wurde nie genau ausdefiniert. „Staat“ kann als institutionelle Struktur angesehen werden, mit ausübenden Behörden, gerichtlichen und territorialen Zuständigkeiten. Max Weber meinte, den Staat auf folgende Art und Weise definieren zu können: „Auf das Mittel der legitimen (das heißt: als legitim angesehenen) Gewaltsamkeit gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen über Menschen “
(Max Weber: Politik als Beruf, 1919)

Staat ist danach die höchste Autorität, die es vermag, „Gewalt“ über eine Gruppe von Menschen auszuüben. Behörden und staatliche Einrichtungen sind mit der Ausübung dieser „Gewalt“ befasst. Der Staat hat also das Monopol auf die Ausübung der vollziehenden Gewalt, ist in einer Form entweder vom Volk oder der Regierung legitimiert, unterhält bestimmte Strukturen und Institutionen und übt Kontrolle über sein „Gebiet“ aus. Staaten können auch formal existieren, ohne jeden dieser Punkte zu erfüllen, sind dann aber wie im Falle der Bundesrepublik praktisch nur eingeschränkt handlungsfähig oder gar kaum bis gar nicht. In den letzten Jahrzehnten werden immer mehr Staaten genötigt, konkrete Machtbefugnisse an übergeordnete Institutionen abzugeben (EU, NATO, UN, Weltbank, IWF). In den letzten Jahrzehnten erleben wir auch verstärkt das Wiederaufkommen regionaler Nationalismen, also einen Unabhängigkeitswillen kleinerer Völker. Stämme und Völker befinden sich in vielen Regionen im Aufstand gegen ihre kolonialistischen Herren. Diese Tendenz wird sich auch in Zukunft kaum abschwächen. Damit haben nicht zuletzt große Nationen wie etwa Russland oder China zu kämpfen.

Wiederbelebung des Nationalismus

Die Welt verzahnte sich im Zuge der Globalisierung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in großem Ausmaß. Eine wichtige Rolle spielten hierbei neue Kommunikationstechniken und ein sich ständig vervielfältigender wissenschaftlicher Fortschritt. Die sich daraus ergebende kulturelle Nivellierung und soziale Deklassierung führte, anders als bei Liberalen gedacht, nicht zu einer Einebnung nationaler Gefühle, sondern zu einer Renaissance des Nationalismus. Da sich immer mehr Reichtum in der Hand Weniger befindet, immer mehr Wissen und Zugang zu Technologie und Wirtschaftsgütern sich bei wenigen Menschen ansammelt, bildete sich seit Anfang der 90er Jahre ein neuer Nationalismus heraus. Der wohlhabende „Westen“ wurde mit seiner „Menschenrechtsideologie“ als Gegner nationaler Regungen erkannt, da er durch die Globalisierung eine Form neokolonialer Ausbeutung aufrecht erhält, dies jedoch in wohlfeile Worte von „Demokratie“, „Freiheit“ und „Marktwirtschaft“ kleidet. Wir haben es infolgedessen auch mit einer Neubelebung von „Identität“ zu tun. In Nordamerika entdecken Indianerstämme ihre Identität wieder, manche fordern gar die Organisation in einem eigenen Staat. In Europa entdecken zwangsintegrierte Völker wieder ihre nationale Identität und verlangen Autonomie und Unabhängigkeit. Es brodelt an allen Ecken und Enden!

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