Zu Indymedias „Antikapitalismus von rechts – Versuch und Irrtum“ – Eine Replik von Jürgen Schwab

Nachfolgender Beitrag, der auf der linken Weltnetzseite „Indymedia“ veröffentlicht wurde, verdient es, auf einer nationalen Seite einer Besprechung unterzogen zu werden.

„Antikapitalismus von rechts – Versuch und Irrtum
ra0105 30.05.2007 00:00 Themen: Antifa G8

Der G8-Gipfel ist das beherrschende Thema in den Nachrichten. Wenn neuerdings selbst die Bundeskanzlerin von erwünschten Protesten spricht, wird klar dass Themen wie Globalisierung, Klimawandel, soziale Gerechtigkeit ein breites Echo in der Gesellschaft finden. Wenig überraschend also, dass auch die rechte Seite versucht mit dem Thema zu punkten.“

Also Rechte versuchten nur „zu punkten“. Verschwörungstheorien gibt es also nicht nur auf der Rechten, sondern auch auf der Linken. Wenn Linke national sind, sei dies ein Trick, sagen die Rechten; wenn Rechte kapitalismuskritisch sind, sei dies ein Trick, sagen die Linken. Beides trifft hin und wieder zu, allerdings sollte eine sachliche Analyse nicht bloß auf unbegründeten Unterstellungen beruhen. Möglicherweise hat der linke Autor nur das getan, was die linke Redaktion Indymedia von ihm erwartet. Indem man dem Gegner unlautere Absichten unterstellt, kann man eine direkte Auseinandersetzung auch vermeiden. Genau darum geht es der „Antifa“.

„Natürlich kann man die Parolen der anderen Seite schnell mit Begriffen wie Rassismus, Antisemitismus und Chauvinismus umschreiben und so tun als gehe einen die Problematik weiter wenig an.
Es kann sich aber auch durchaus lohnen, sich näher mit den Vorstellungen und Mythen des rechten Randes zu beschäftigen. Welche Vorstellungen über wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten herrschen vor, mit welchen Konzepten glaubt man aktuelle Probleme lösen zu können und vor allem wie antikapitalistisch, wie sozialistisch sind die vermeintlichen Revolutionäre aus der rechten Ecke tatsächlich?“

Nationalismus ist grundsätzlich revolutionär, sofern er von der Losung „Ein Volk – ein Staat“ ausgeht. Das Konzept des souveränen Nationalstaats ist vor allem revolutionär im Zeitalter der Globalisierung, die ja auf die Entmündigung der Völker und ihrer Staaten abzielt.

“Mythos raumorientierte Volkswirtschaft

Der globale Kapitalismus zerstört regionale Wirtschaftsstrukturen und damit auch die kulturellen Eigenheiten der vom globalem Finanzkapital heimgesuchten Völker. Rettung verspricht einzig, eine raumorientierte Volkswirtschaft, die es ermöglicht die kulturellen Werte zu erhalten und gleichzeitig Wohlstand und soziale Gerechtigkeit bringt.
So kann man das grundsätzliche Verständnis der Globalisierung zusammenfassen. Die zunehmende Internationalisierung der Wirtschaft und ihre Folgen, ist dabei Ergebnis eines planmäßigen Vorgehens der Kapitalisten (natürlich hauptsächlich der Ostküstenkapitalisten). Bei der Globalisierung handelt es sich also um einen von einer kleinen Gruppe losgetretenen Prozess unter den wir alle jetzt leiden müssen. Dieses Strickmuster ist hinlänglich bekannt und niemanden fällt es schwer in aller Kürze nachzuweisen, dass es hier im Deckmantel der Antikapitalismuskritik eine gehörige Portion “Antisemitismus” mitschwingt.“

Der Vorwurf, daß zumindest im NS-Spektrum oftmals Kapitalismuskritik auf Judenkritik verkürzt wird, ist zutreffend. Allerdings zeugt der liberalistische und linke Vorwurf des „Antisemitismus“ in der Regel von Philosemitismus, der erkannt hat, daß Judenliebe seit 1945 Karrieremöglichkeiten eröffnet. Diese Erkenntnis ist gerade auf der deutschen Linken sehr verbreitet. Wenn aber Judenkritik unter Strafe steht – siehe Horst Mahler –, dann ist öffentlich inszenierte Judenfreundschaft nichts wert.

„Unbekannter hingegen woher das Konzept der raumorientierten Volkswirtschaft (ursprünglich) kommt. Man kann durchaus behaupten, dass die meisten Nazis sich dem sich nicht einmal selbst bewusst sein dürften.
Wichtiger für die Nazis ist die Frage wie weit der Raum denn ist, in dem sich die zukünftige nationalsozialistische Wirtschaft abspielt. Von einem romantischen Bauernhof über den großdeutschen Wirtschaftsraum und der europäischen Wirtschaftszone bis hin zum gesamten Verbreitungsgebiet der weißen Rasse, die Ausdehnung der zukünftigen in sich geschlossenen und autarken Lebensräume ist umstritten.“

Was die raumorientierte Volkswirtschaft anbelangt, so hat diese mit der Eroberung von „Lebensraum im Osten“ überhaupt nichts zu tun (die Ostgebiete sind ein anderes Thema, aber auch damit hat die raumorientierte Volkswirtschaft nichts zu tun). Allenfalls wirkt hier eine notwendige Bündnispolitik mit Rußland hinein (Stichwort Autarkie). Die Raumorientierung zielt darauf ab, daß die Wirtschaft dem Volk im konkreten Lebensraum zu dienen hat. Hierunter ist auch zu verstehen, daß sich die Bedarfsdeckung mit Gütern und Dienstleistungen innerhalb von überschaubaren Heimaträumen auszurichten hat, daß beispielsweise Mecklenburger und Sachsen nicht in großer Zahl Arbeitsplätze in Westdeutschland suchen sollen, sondern Arbeit und gesichertes Einkommen für sich und ihre Familien in ihrer eigenen Heimat vorfinden müßten. Um eine entsprechende Raumplanung umzusetzen, wäre die Wiederherstellung des Primats der Politik bzw. des Staates über die Wirtschaft die Voraussetzung, wofür eine deutliche Veränderung in der Wirtschafts- und Eigentumsordnung nötig wäre. Privatwirtschaftliche und internationale Großkonzerne, wie wir sie heute vorfinden, entzögen sich jeder Raumorientierung. Konkurrenz mittelständischer Unternehmer sollte auf regionale Märkte beschränkt werden.

„Klar jedoch ist, dass sich andere Wirtschaftsräume in scharfer Konkurrenz zum eigenen befinden. Austausch über die Grenzen dieser Wirtschaftsräume soll weitgehend vermieden werden, diese Forderung ist schon absurd aber dazu später mehr.“

Nationalisten geht es langfristig um die Überwindung der Globalisierung und nicht wie diversen Linken von Attac und dem Autoren von Inymedia bloß um eine „gerechte Globalisierung“, die nur ein Hirngespinst ist und es bleiben wird. Deshalb ist der Handel vor allem mit Waren aus Billiglohnländern durch Schutzzollpolitik erheblich einzuschränken. Zu einem sozialistischen Programm gehört auch eine entsprechende Außenwirtschaft. Scheinbar sind dem Indymedia-Autoren die Lehren des Karl Marx völlig unbekannt, zum Beispiel die im „Kapital“, dritter Band: „Derselbe auswärtige Handel aber entwickelt im Inland die kapitalistische Produktionsweise … .“ Das heißt, daß derjenige, der wie der Autor von Indymedia dem Kapitalismus bzw. dem Freihandel auf Weltebene das Wort redet, für sich überhaupt keinen Antikapitalismus in Anspruch nehmen kann.

„Ausgangspunkt für die Frage wer zu einem Wirtschaftsraum gehört ist jedem Fall die Frage nach der ethnischen, nationalen oder auch kulturellen Herkunft. Ob das wirtschaftlich effizient ist oder nicht, scheint dabei dabei völlig nebensächlich.“

Gut erkannt, worum es den Nationalisten geht: Die Wirtschaft hat einem konkreten Volk zu dienen und nicht tautologisch der „Effizienz“ im Sinne des Kapitals.

“Doch tatsächlich spielte die raumorientierte Volkswirtschaft eine große Rolle in den Wirtschaftswissenschaften. Bis heute (wenn auch unter anderem Namen) ist sie Bestandteil der universitären Ausbildung. Es war von Thünen der mit seinem raumorientierten Modell für Aufmerksamkeit sorgte.“

Und es ist der Wirtschaftstheoretiker der NPD Per Lennart Aae, der Thünen wieder entdeckt hat. Vgl. hierzu die nationaldemokratische Schriftenreihe „Profil“ Folge 13.

„Als Agrarökonom untersuchte er die Frage wo bestimmte landwirtschaftliche Güter am besten hergestellt werden sollten. Er ging davon aus, dass sich in der Mitte der Volkswirtschaft ein Markt (=Stadt) befand. Er stellte nun konzentrische Kreise auf und bestimmte welches Gut innerhalb welchen Kreisgebietes am besten angebaut werden sollte. Die Güter die am teuersten waren, am schwierigsten zu transportieren und schnell verdarben wurden am Rand des Mittelpunktes angesiedelt alle anderen entsprechend weiter weg.
Die Frage wie produziert wird, also die Frage nach der Allokation (Zuordnung der Produktionsfaktoren in den Produktionsprozess, vereinfacht auch: Was stelle ich unter Einsatz welcher Mittel her) ist also vor allem eine Frage des Ortes, also raumorientiert. Für Thünen hatte dies aber nichts mit dem bevorstehenden und befürchteten Untergang der germanischen Kultur und Rasse und zu tun, es hatte schlicht wirtschaftliche Gründe. In seiner Zeit war der Transport extrem teuer. Einen Apfel von München nach Rom zu transportieren, kostete damals ein vielfaches von dem, was es heute kostet den Apfel einmal um die ganze Welt zu schicken. Und genau darum ging es Thünen diese Kosten möglichst zu minimieren. Auch heute denkt man in ähnlichen Modellen, wenn man festlegen will, an welchem Ort die beste Standort für z.B. ein Zwischenlager wäre. Aber ob man die Äpfel in Buxtehude Acker I oder im 25 km entfernten Acker II anbaut ist heutzutage kaum relevant. Die Transportkosten sind die am massivsten gesunkenen Kosten weltweit der vergangenen Jahrhunderte. Dies ist aber nicht Ergebnis einer zionistischbolschewistischen Clique, wie der durchschnittliche Dorfnazi meinen mag. Sondern Ergebnis eines wissenschaftlich technischen Fortschritt. Die raumorientiert Volkswirtschaft existierte nur deswegen weil der Weg der Konkurrenz zu weit war. Durch die gesunkene Transportpreise kommen nun etwa chinesische Fabriken tatsächlich in Schlagdistanz.
Wenn also die NPD und andere von einer raumorientierten Volkswirtschaft schwadronieren, liegt dem ein Modell zu Grunde was a) nur für die Landwirtschaft gedacht war (andere Güter, denken wir etwa an Gewürze sind schon vor Jahrtausenden zwischen den Kontinenten gehandelt worden) und b) dessen Randbedingungen den Transportpreis und somit den Ort als entscheidendes Kriterium für die Wirtschaft festlegte heute einfach nicht zutreffen. Unabhängig also wie antikapitalistisch dieses Konzept sein mag, es kann gar nicht funktionieren, da es längst veraltet ist. Die Anwendung dieses Konzept würde besonders für die deutsche Wirtschaft dramatische Konsequenzen haben.“

Die Betrachtungen über den technischen Fortschritt etwa in der Transportlogistik sind zwar zutreffend, aber mit dem Schutzzoll würde sich auch unter modernen Bedingungen Raumorientierung in der Wirtschaft herstellen lassen.

„Alles alter Kaffee

Nun ist die Globalisierung keine Naturkatastrophe die plötzlich über die Welt hereingebrochen ist, tatsächlich spielt sich der Prozess eigentlich schon seit Jahrhunderten ab, nur dass er sich jüngst extrem beschleunigt hat. Entsprechend gab es natürlich schon früher Versuche gegen den zunehmenden Welthandel vorzugehen.“

Hier wird offensichtlich, daß gewisse Linke keinen Begriff von Globalisierung besitzen. Man müßte hier nur Robert Kurz’ „Weltkapital“ lesen, dann wäre man voll im Bilde. Daß es Handel schon in der Antike gab, ist richtig, daß es heute mehr Handel gibt als damals, weil die technischen Möglichkeiten stetig verbessert wurden, ist auch richtig, trifft aber nicht den Kern der Globalisierung. Es geht hier nicht nur um fremde Waren, mit denen im Inland Handel betrieben wird, sondern auch um fremde Produktion, die ja das ursprüngliche Moment ist. Der Kern ist die Heranbildung eines Weltkapitals, also die transnationale Verflechtung des Kapitals, das somit im Zeitalter der pax americana über die Nationalstaaten hinausgewachsen ist und von ihnen nicht mehr kontrolliert werden kann. Das Primat der Politik wurde somit aufgehoben. Das Weltkapital wurde vor allem durch Direktinvestitionen in fremden Ländern geschaffen. Hier geht es also um das Phänomen, daß amerikanisches Kapital in Deutschland und japanisches Kapital in Frankreich und deutsches Kapital in Brasilien investiert. Am Ende haben wir ein Geflecht an Großkonzernen, die nur noch vom Namen her deutsche, amerikanische, französische oder japanische Unternehmen sind. Solche Konzerne entziehen sich jeder Raumorientierung, sie können nur in einer revolutionären Situation verstaatlicht werden, um sie wieder der nationalen und regionalen Raumverbundenheit zuführen zu können. Aber bei Indymedia hat man sich, wie mir scheint, mit der kapitalistischen Globalisierung längst abgefunden. Vielleicht sollte man etwas mehr Robert Kurz, Jürgen Elsässer und Werner Pirker lesen.

„In den damaligen Vorstellungen galt es als Unterstützung des Feindes ausländische Produkte zu konsumieren. Folglich war Ziel eines jeden Staates Importe weitgehend zu vermeiden und Exporte nach Möglichkeit zu fördern und mittels Zolleinnahmen die Staatskasse zu füllen. Gegen diese merkantilen Bestrebungen regte sich schon früh Unmut. Nicht etwa weil man zu Recht annehmen könnte, dass sich die Maßnahmen der Staaten jeweils gegenseitig aufheben würden, vielmehr argumentierte Ricardo, dass auch Volkswirtschaften die im bilateralen Handel immer das schlechtere Los ziehen würden insgesamt Kostenvorteile erzielen würden (Komparativer Kostenvorteil).
Der Versuch also die räumliche Ausbreitung der Volkswirtschaften künstlich auf die nationalstaatliche Ebene zu begrenzen scheiterte. Es ist überaus bemerkenswert, dass die “nationale” Seite beinah 200 Jahre alte Erkenntnisse einfach nicht wahrhaben will.“

Was heißt hier „gescheitert“? Das ist nur vorläufig. Sicherlich haben viele Rechte keine Vorstellung von der Eigengesetzlichkeit der Kapitalakkumulation. Sie gehen davon aus, man könne heute noch auf Regierungsebene durch Entscheidung das transnationale Kapital in den nationalen Rahmen zwängen. Das ist freilich rechte Illusion. Das Kapital ist expansiv, es sprengt zuerst die Grenze der Kleinstaaten, aber auch der Nationalstaat reicht dem Kapital nicht aus, weshalb der europäische Einheitsmarkt EU die logische Konsequenz ist, als Vorstufe zum Welteinheitsmarkt. Je größer die Betriebsstrukturen desto größer die Märkte. Die Siemens AG läßt sich in ihrer Verfaßtheit als AG und als Global Player mit rund 360 Tausend Beschäftigten nicht mehr raumorientiert machen.

„(An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Theoreme von Ricardo keine uneingeschränkte Richtigkeit besitzen. Insbesondere nach dem Scheitern neoliberaler Entwicklungspolitik, setzte sich die Erkenntnis durch, dass Freihandel nicht in jedem Fall für alle Seiten von Vorteil sein muss. Prinzipiell lässt sich aber sagen, dass zwei gleich gut entwickelte Volkswirtschaften vom Freihandel profitieren, bei krassen Unterschieden der Freihandel für die weniger entwickelte Volkswirtschaft jedoch zu Nachteilen führt. Da Deutschland aber zu einer der höchstentwickelten Volkswirtschaften gehört, muss klar sein, dass die Bundesrepublik in jedem Fall vom Freihandel profitiert. So ist es natürlich nicht überraschend, dass die BRD Exportweltmeister ist.)“

Vom Freihandel profitieren in der BRD immer weniger. Am meisten die Oberschicht und noch Teile der Mittelschicht, immer mehr Arbeitsplätze gehen durch internationale Arbeitsteilung und Freihandel verloren, viele deutsche Arbeiter werden überflüssig gemacht und zu Hartz IV-Empängern degradiert. Der Autor von Indymedia sollte für diese freche Behauptung vor ein marxistisches Standgericht gestellt werden. Mit Karl Marx hat diese kapitalistische Apologetik überhaupt nichts zu tun.

„Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die raumorientierte Volkswirtschaft theoretisch schon seit Ewigkeiten widerlegt und in der heutigen Praxis jeden ihrer Anhänger Lügen straft.“

Sie ist überhaupt nicht widerlegt. Die NPD müßte nur deutlicher für eine alternativer Wirtschafts- und Eigentumsordnung eintreten, dann wäre das Konzept in sich schlüssig.

„Es ist also die Frage zu stellen, warum eigentlich Rechtsextreme an dieser Theorie noch festhalten, mit wirtschaftlichen Sachverstand kann dies wirklich nichts zu tun haben. Vielleicht spielt die jüdische Herkunft von Ricardo eine Rolle, vielleicht auch nur die strukturell konservativen Wertvorstellung und die damit einhergehende Überhöhung des Mittelalters in der angeblich diese Raumorientierung vorherrschte.“

Nicht „angeblich“. Das Mittelalter und auch die Neuzeit hatten eine raumorientierte Wirtschaft, geprägt von Landwirtschaft, Handwerk, kleiner Manufaktur; großer Grundbesitz war an Land und Leute gebunden. Die Märkte waren überschaubar, durch Zunftordnung streng reglementiert. Man braucht das Mittelalter nicht der Nostalgie zu unterziehen, aber Raumorientierung war ihm allemal zueigen.

„Noch gar nicht zu Sprache gekommen ist dabei, die Frage wie etwa der deutsche Recke in seinem deutschen Volkswagen ohne Benzin über die Reichsautobahnen düsen will.“

Vielleicht mit Biodiesel aus Rapsanbau. Vielleicht wird auch in den nächsten Jahrzehnten der Individualverkehr einzuschränken sein.

„In solchen Fällen hält der nationalsozialistischen Ideologe ein begrenzten Austausch für durchaus legitim. Unklar jedoch womit dieses Öl bezahlt werden soll, schließlich wird ja teilweise auch das “jüdische Geld” abgelehnt. Bevor ihr uns allzu lange mit dem Gedanken aufhalten, wie der deutsche Recke jetzt mit einem Kofferraum voll Äpfel bei einem saudischen Prinz um 2 Liter Sprit schnorrt, wenden wir uns lieber einem anderen großem Kampfgebiet zu, den Zinsen.

Brechung der Zinsknechtschaft, Brechung des gesunden Menschenverstandes

Egal wie ruhig und besonnen der durchschnittliche nationale Sozialist auch sein mag, bei einem Thema stellen sich schnell die Nackenhaare auf. Die Zinsen – moralisch empört ist der Kamerad bei dem Gedanken, dass er hart arbeiten muss, während ein anderer einfach da sitzt und das Geld für sich arbeiten lässt. Schluss muss doch endlich damit sein.“

Dieser Gedanke, zwischen Produktiv- und Geldkapital zu unterscheiden, ist naheliegend. Daß unbegrenzt Kapital aus der Produktion abgezogen und auf der Bank angelegt wird, ist ein Problem – verschärft auch durch die Tendenz einer sinkenden Profitrate in den Industrieländern, vgl. Marx: Das Kapital, 3. Band – , das sich durch eine hohe Vermögenssteuer auf große Geldvermögen lösen ließe.

„Freilich kann man gerne sich darüber aufregen, dass der eine Geld mit Geld verdient. Man kann aber auch die Frage stellen warum jemand in einem klimatisierten Raum der ein wenig in seinen Laptop schreibt das zigfache von dem verdient was ein Bergarbeiter in einer chinesischen Hinterland erhält.“

Sicherlich ist auch die Frage wichtig, warum ein deutscher Börsenmakler vielfach mehr verdient als ein d e u t s c h e r Arbeiter. Für die Löhne in China sind die Chinesen und nicht deutsche Gutmenschen zuständig.

„Man kann über vieles moralisch empört sein, sicher. Wer sich aber ausgerechnet über Zinsen aufregen will, dem scheint jegliche wirtschaftliche Sachkompetenz völlig abhanden gekommen sein. Zum einen sind Zinsen zunächst nichts anderes als der Preis für Geld.“

Das ist allerdings zutreffend.

„Wenn niemand Geld nachfragt, gibt es auch keinen Zins und niemand kann “ohne Arbeit” verdienen. Wenn also jemand am Zins verdient ist also in aller erste Linie der Schuld, der das Geld haben will und einen entsprechenden Preis dafür zahlen will. Somit kann zunächst festgehalten werden, dass man sich also in jedem Fall zunächst freiwillig in die Zinsknechtschaft begibt.“

Diese Freiwilligkeit gilt es einzuschränken, wenn der deutsche Staat wieder über die Währungshoheit und die Zinspolitik verfügen wird. Dann wird er bestimmen, wer welchen Kredit vergeben, ihn nehmen, wieviel Zinsen verlangen und wer sich wie hoch verschulden darf.

„(Auch wenn man aufgrund einer wirtschaftlichen Notlage einen Kredit aufnehmen muss, zahlt man die Zinsen freiwillig man könnte schließlich ja auch sein Geschäft aufgeben. Der Kreditgeber nebenbei geht in der Regel davon aus, dass der Kreditnehmer auch seinen Kredit zurückzahlen kann, denn ansonsten wäre dass ja für ihn ein Verlustgeschäft. Banken verdienen nicht am Platzen von Krediten, sondern an der ordnungsgemäßen Rückzahlung.)
Warum aber will jemand einen Kredit aufnehmen? Nun offensichtlich weil er sich etwas kaufen will (Konsumtionsgüter, Investitionsgüter) wofür er momentan nicht über die notwendigen Mittel verfügt. Im Falle eines Unternehmers dürfte es sich dabei im wesentlich um Investitionsgüter handeln. Durch den Kauf dieser Güter verspricht er sich einen zusätzlichen Einnahmen für die Zukunft, von denen er a) die Zinsen / Tilgung bestreitet und b) einen zusätzlichen Gewinn erhält.
Mit Beginn der Industrialisierung stiegen die Ausgaben für Maschinen (eine Chipfabrik oder Autofabrik kann schnell einige Milliarden Euro kosten), Marx würde sagen, dass die organische Zusammensetzung des Kapitals verändert hat. Ein Arbeiter kann notfalls auch tagweise bezahlt werden (Tagelöhner waren insbesondere zu Beginn des 20 Jahrhunderts in Europa noch weit verbreitet) Maschinen müssen dagegen in der Regel komplett bezahlt werden. Das heißt für Betriebserweiterungen ist ein viel höherer Kapitalbedarf notwendig. Dies erklärt warum mit der Industrialisierung die Finanzwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewann. Anders als in der Wahrnehmung der extrem Rechten war dies notwendige Folge der Industrialisierung und nicht etwa Teil eines Geheimplanes die germanische Herrenrasse zu unterjochen. Wenn man in Deutschland ein Verbot der Zinsnahme aussprechen würde, gäbe es keinen Grund Geld zu verleihen. Deutsche Unternehmen könnten somit keine Investitionen mehr ausreichend finanzieren, weil sie dabei ausschließlich auf ihr Eigenkapital angewiesen wären. Der Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft wäre die Folge. Würde man dies global würde es zu einem weltweiten Rückgang der Wirtschaftsleistung kommen. (Man beachte etwa, dass ohne Börse Projekt wie die Eisenbahn im 19/20. Jahrhundert schlicht nicht durchführbar gewesen wären.)“

Dieser Einwand ist zutreffend. Wer den Zins abzuschaffen gedenkt, sollte erklären können, zu welchen Konditionen er Kredite vergeben würde, ob für Investitionen in Handwerk und Industrie überhaupt noch Kredite zur Verfügung stünden.

„Man sollte also eher vom Segen der Kreditwirtschaft sprechen, als von der Zinsknechtschaft.“

Das ist aber Kapitalismus pur, der auf Indymedia fröhliche Urständ feiert. Ein sozialistisches Programm würde freilich das Kreditwesen unter staatliche Kontrolle stellen wollen und nicht apologetisch vom „Segen der Kreditwirtschaft“ sprechen.

„Diese Einsicht hatte sich zwar unter Hitler bereits praktisch durchgesetzt in die Köpfe seiner geistigen Enkel ist es jedoch bisher nicht vorgedrungen.“

Und bei den Ururenkeln von Karl Marx wird die Gefahr der Kreditwirtschaft zum „Segen“ verklärt. Der Meister würde sich im Grab rumdrehen.

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“

Man könnte auch vielen rechten Kapitalismuskritikern vorhalten, daß sie den Kapitalismus überwinden, aber das Kapital unangetastet lassen möchten. Das paßt in das Bild vom Pelz, der zu waschen, aber nicht der Nässe auszusetzen sei. Aber auch Linke, die wie der Autor von Indymedia, den internationalen Sozialismus – am Nationalstaat vorbei – zu schaffen gedenken, vertreten eine uneinlösbare Utopie, die dem Kapital nicht schadet.

„Das ist jedoch bei weitem nicht der einzige Widerspruch. Amüsant ist vor allem wie man Lehren anhängt, die sich teils explizit widersprechen. So schafft man es auf der einen Seiten die Golddeckung der Währung zu fordern (etwas was übrigens schon Hitler als absurd betrachtete) und sich gleichzeitig für die Freiwirtschaftslehre von Gesell einzusetzen, der jene Kopplung vehement ablehnte.
Warum die Golddeckung des Euros oder wie teils gefordert des gesamten Geldes der Welt hanebüchener Unsinn ist, darauf soll hier nicht weiter eingegangen werden. Stichpunktartig sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass dies Geld unglaublich teuer machen würde, man die Geldmenge nicht ausweiten kann. In der Wirtschaftwissenschaft geht man nämlich davon aus, dass die Geldmenge immer mindestens um die zusätzliche Wirtschaftsleistung der Periode wachsen muss (unter der Vorrausetzung einer gleichbleibenden Kapitalumlaufgeschwindigkeit), dann herrscht ein Inflation von 0, sonst gäbe es ein deflationäres Umfeld. Dies wäre jedoch ein Katastrophe und da sind wir dann wieder bei Gesell. Er postulierte, dass Geld künstlich verfallen müsse. Also z.B. alle 2 Wochen 20 % des Wertes einbüssen müsste. Die Folge davon wäre ein hochinflationäres Umfeld, was dazu führt, dass die Neigung Geld zu horten stark abnehmen würde. In einem deflatorischen Umfeld macht dies durchaus Sinn. Da die Menschen dort Geld horten, weil es in nächsten Periode ja mehr Wert sein würde. Eine künstliche Inflation würde dem abhelfen.
Tatsächlich versuchen die Zentralbanken einen Zinskorridor von 1,5 – 2,5% Inflation zu erreichen. Sinkt die Inflation darunter nimmt die Neigung der Kapitalhortung zu. Steigt sie über den Wert, neigen die Unternehmen zu einer erhöhten Ausgabetätigkeit. Die Möglichkeit der langfristigen Kapitalakkumulation um etwa neue Anschaffungen zu finanzieren wird reduziert. Was dämpfenden Einfluss auf die Konjunktur hat. Um den gewünschten Inflationsrahmen zu erreichen, werden aber die Theorien von Gesell nicht benötigt. Nazis hingegen fordern sogar teilweise eine Inflation von mehreren Dutzend Prozent pro Woche. Unklar ob die Auswirkungen der Hyperinflation in der Weimarer Republik ihnen nicht bekannt sind, oder billigend in Kauf genommen werden. Fakt ist jedoch, dass ihre Abneigung gegenüber Geld im Allgemeinen und Zins im besonderen groteske Ausmaße annimmt.“

Dies ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Bei vielen Rechten dominiert die Vorstellung, man könne zwischen dem „guten“ Produktionskapital und dem „bösen“ Geldkapital fein säuberlich unterscheiden. Die Unterscheidung des NS vom raffenden und schaffenden Kapital ist deshalb nicht falsch, hat aber gerade heute nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun. Im modernen Finanzkapital sind ja Produktions- und Geldkapital verschmolzen. Banken haben Anteile an Industrieanlagen, die Industrie legt ihr Geld bei der Bank an.

„Kapitalismus für Anfänger…

Keines der aber von den Nazis vorgeschlagenen Instrumente: Raumorientierte Volkswirtschaft, Brechung der Zinsknechtschaft, Golddeckung der Währung, Freigeld ist in der Lage wirtschaftliche Probleme zu bekämpfen. Im Gegenteil, all diese Maßnahmen wären absolut kontraproduktiv. Wenn diese Leute sich also antikapitalistisch gerieren, nun dann haben sie nicht Unrecht. Tatsächlich würden ihre Maßnahmen jedwede kapitalistische Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit ruinieren. Nicht nur das, jedwede bisherige Wirtschaftsordnung wäre der “Wirtschaftskompetenz” der “nationalen Sozialisten” chancenlos ausgeliefert. Jede frühere, da ihre Mittel an Stellen ansetzen deren Bedeutung zwar teils im Kapitalismus zugenommen haben, von ihm aber bereits zuvor völlig unabhängig existieren (Das kanonische Zinsverbot galt etwa im Mittelalter, lange also bevor es den Kapitalismus überhaupt gab).
Kapitalismus definiert sich nicht durch Globalisierung oder Zinswirtschaft. Er definiert sich durch das Verhältnis der Menschen zum Produktionsmittel.“

Sehr richtig. Aber die Globalisierung ist der Kapitalismus auf neuer, globaler Stufenleiter. Wer wie der Autor von Indymedia die Globalisierung an sich gut heißt, steht im Lager des Weltkapitals.

„Kennzeichnend für den Kapitalismus ist die Existenz zweier Klassen, der Proletarier und Kapitalisten. Antikapitalismus muss sich also auf diesen Gesichtspunkt konzentrieren. Auf das Ungleichgewicht, was durch die unterschiedlichen Zugriffsmöglichkeiten auf die Produktionsmittel beruht. Neben den radikalen Sozialisten die das Privateigentum an Produktionsmittel abschaffen wollen um den den Klassengegensatz damit aufzuheben, galten früher auch jene als Sozialisten die jedwede Form der Sozialpolitik unterstützten. Insofern können sich Nazis tatsächlich als Sozialisten bezeichnen, auch wenn sie streng genommen nur eine stärkere Umverteilungspolitik befürworten.“

Beim NS ging es wie bei der Sozialdemokratie in der Tat um sozialstaatliche Umverteilung und nicht im sozialistischen Sinne um die Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse.

„Damit sind sie aber keinesfalls antikapitalistisch, denn sie bewegen sich innerhalb des kapitalistischen System.“

Das ist wohl wahr. Aber Linke, die im Stile von Indymedia den Nationalstaat ablehnen, Nationalisten kriminalisieren, bewegen sich um so mehr im kapitalistischen System.

„Das sie dabei auch noch völlig untaugliche Mittel einsetzen wollen und dabei sogar noch weit hinter den Kenntnisstand der nationalsozialistischen Regierung zurückfallen ist schon erstaunlich.“

Ja, Hitler sympathisierte in den 1920er Jahren mit Feder, erkannte dann aber, daß der Zins unter staatlicher Kontrolle durchaus seine Funktion hat.

„Das sie dies noch als revolutionär und antikapitalistisch bezeichnen ist geradezu wahnwitzig.
Andererseits, als vor mehr als einem Jahr die “Antikap”- ‘Kampagne’losgetreten wurde, fehlten auf der Weltnetzseiten des nationalen Widerstandes gegen den Kapitalismus unter dem Punkt Theorie die Punkte: Begrifflichkeiten, Analyse, Symptome, Alternativen. Bisher ist nur der Punkt Begrifflichkeiten etwas gefüllt wurden. Der Rest steht bisher noch aus, so kann es eigentlich auch kaum verwundern, dass die nationale Opposition beim Thema Globalisierung plötzlich viel zu erzählen hat, inhaltlich aber sehr einsilbig bleibt.“

Auch dies ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Wobei man dies differenziert zu betrachten hätte. Für welche Gruppen trifft dies zu und für welche nicht? Wer wie der Autor von Indymedia Gegenbeispiele nicht sucht, wird sie auch nicht finden. Das ist ja auch der Sinn und Zweck linker „wissenschaftlicher“ Untersuchungen, daß das falsche Ergebnis schon vor der Untersuchung feststeht, weshalb Beispiele, die das eigene Ergebnis in Frage stellen würden, ausgeblendet werden.

„Interessante Lektüre:

Wer sich mehr für wirtschaftliche Hintergründe interessiert dem sei: Avraham Barkai. Das Wirtschaftssystem des Nationalsozialismus. Ideologie, Theorie, Politik 1933-1945 empfohlen.
Etwas aktueller Bezug: http://projekte.free.de/lotta/inhalt/nr26.htm
Quelle: Indymedia 30.05.07“

Noch interessantere Lektüre zu Nationalismus und Antikapitalismus:

Bücher von Jürgen Schwab:
Die „westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 18 Euro.

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