Christian Worch: Lang lebe Israel!

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Christian Worch die Katze aus dem Sack lässt. Fragen muss man angesichts dessen aber, was dann solche „Antikriegstage“ sollen, bei denen ein Christian Worch als Redner und Anmelder auftritt? (1) Dass sich in Europa immer mehr zumeist rechtspopulistische Parteien mehr oder weniger der Israelsolidarität verschreiben, ist bekannt. Diesen Trend aber im Neo-NS zu beobachten, erscheint bizarr, allerdings nur auf den ersten Blick. So waren im „Dritten Reich“ alle jüdischen Organisationen verboten – mit Ausnahme der zionistischen. Im Jahr 1938 fanden die zionistischen Gruppen vor allem Unterstützung bei der SS und der Gestapo. Hierbei koordinierten SS und zionistische Lobbygruppen die illegale Auswanderung nach Palästina. Federführend bei dieser Aktion war unter anderem Adolf Eichmann. Zum einem verband den Zionismus und die Nationalsozialisten eine rassisch-biologische Weltsicht, zum anderen hatte man ein gemeinsames Ziel und zwar Deutschland „judenfrei“ zu machen. In einer Konversation mit Any Stern sagte Adolf Eichmann: „Ich bin ebenfalls ein Zionist. Ich möchte, dass jeder Jude nach Palästina auswandert.“ 1960 verkündete Eichmann schließlich: „Wenn ich ein Jude wäre, so wäre ich wohl ein fanatischer Zionist. Ich kann mir ansonsten nichts anderes vorstellen. Eichmann weiter: „Ich bin kein Antisemit. Ich war politisch gegen die Juden, weil sie uns die Luft zum Atmen nahmen…… In der Tat, es war eine sehr starke Ähnlichkeit zwischen unserer Haltung in der SS und dem Blickwinkel der sehr idealistischen zionistischen Führer. Wie ich bereits Kastner sagte:“ Auch wir sind Idealisten und auch wir hatten die Blutopfer, bevor wir an die Macht kamen.

Ich glaube, dass Kastner hätte tausend oder hunderttausend von seinem Blute geopfert, um seine politischen Ziele zu erreichen.“ Worchs Israelsolidarität steht ganz in dieser Tradition, ist aber natürlich an die Gegebenheiten der Gegenwart angepasst. Worch, Molau und Brinkmann haben sich wie die Fraktion um die AG Ruhr-Mitte dem Diskurs des bürgerlichen Mainstreams angeschlossen und frönen in diesem Sinne einem Antiislamismus. Patrick Brinkmann erklärte auf „Gesamtrechts“:

„Es ist in der Rechten eine ganz merkwürdige Konstellation: Viele Rechte, ich möchte sie Pseudo-Rechte nennen, hyperventilieren, wenn sie über Israel sprechen oder einen Juden treffen oder vermuten. Abgelesene Talmud-Verse scheinen ihnen bedrohlicher als der Herrschaftsanspruch eines islamischen Fanatikers, der in Deutschland die Scharia einführen will. In einem verquasten Magazin, es heißt glaube ich ,’Volk in Bewegung‘, wurde zum Beispiel gemutmaßt, als ich mit einigen Leuten in Wien beim Ball der Korporationen war, es seien dort inoffizielle Vertreter des Staates Israel gewesen. Das soll dann natürlich heißen: Das sind ganz Schlimme, die dort waren. Es ist kein Problem mit Herrn Achmadineschad zu sprechen, aber eine Todsünde, Lieberman die Hand zu reichen. Dabei ist doch nicht die jüdische Kultur ein Problem für unser Land, sondern die Islamische. Die islamischen Banken schicken sich gerade an, die monetäre Machtübernahme vorzubereiten. Die USA, die sonst von den Rechten zu recht verhasst sind, schließen ihre Bündnisse mit solchen autokratischen Systemen wie Saudi-Arabien. Also das Kernproblem sind nicht die Juden sondern die Muslime.“

Andreas Molau seinerseits scheint sich den Anliegen der zionistischen Lobbygruppe „Stop the Bomb“ verschrieben zu haben. So kann man in einem Beitrag Molaus zum Thema „Europa und Außenpolitik“ Folgendes nachlesen: „Es möge niemand glauben, den Iranern ginge es bei der Frage der Authentizität historischer Ereignisse tatsächlich um die Ermittlung der Wahrheit und um die Rettung der deutschen Ehre. Dem ist nicht so. Wir werden vom Iran keine Hilfe bekommen. Die dort Herrschenden dienen einer Religion mit Weltherrschaftsanspruch. Einer Religion, die keine Völker kennt und schätzt. Deutschland und Europa dürfen nicht auf eine helfende Hand aus dem Iran hoffen, der sie gegen die USA oder vor sich selbst schützt. Europa benötigt Waffen, um sich zukünftig vor der Bedrohung aus dem Süden erfolgreich wehren zu können. Europa benötigt keine Truppeneinsätze für die USA am Hindukusch oder sonst wo, sondern zum Beispiel taktische Trägerwaffen gegen eine Bedrohung aus dem Iran.“ (2)

Worch sieht die Existenz Israels als im (Reichs)deutschen Interesse befindlich an. Er fürchtet sich zum einen vor israelischen Flüchtlingen, aber anderseits ist Israel natürlich für ihn ein „Bollwerk“ gegen den Islam. In diesem Sinne müsste Worch, wenn er diese Gedanken in aller Konsequenz zu Ende denken würde, auch gegen eine sogenannte „Zweistaatenlösung“ sein, da dies in seinen Augen den neuen Bündnispartner eines utopischen nationalsozialistischen Deutschland schwächen würde und damit direkt eben auch jenes erdachte neue Reich. Darauf deutet auch Worchs Zerredungskunst hin, die in der Tendenz selbst die „Zweistaatenlösung“ in Frage stellt. Auch versucht Worch, sich aus der nächsten Konsequenz herauszuwinden, nämlich dem Umstand, dass die „Freunde“ Israels in der Folge auch die ideologischen und praktischen Gesinnungsfreunde des US-Imperiums sind. Die Behauptung Worchs, er sei nun „Pro-Israel“ aber „politisch“ gesehen US-kritisch, ist mehr als abstrus, da Israel- und US-Solidarität fest zusammengehören.

Darüber können sicherlich die Springerpresse, die Jungle World, Broder und PI dem Kameraden Worch Auskunft erteilen. Die Partnerschaft zwischen den USA und Israel ist zweifelsohne so sicher wie das Amen in der Kirche. Worch präzisierte seine Äußerungen zu Israel in einem weiteren Altermedia-Artikel in der Kommentarspalte der Webseite. „Sicherlich werden sich viele (oder die meisten) Israelis darüber aufregen, wenn wir mit 5.000 oder 8.000 oder 10.000 Mann durch Wunsiedel marschieren. Sicherlich werden böse Kommentare in Ha’aretz etc. stehen, wenn die NPD in Sachsen ein zweites Mal in den Landtag gewählt werden sollte. Aber offensichtlich regen sich bundesdeutsche Gutmenschen darüber erheblich mehr auf. Und nicht allein die Gutmenschen aus Überzeugung, sondern vor allem jene, die an den Futtertrögen des Systems sitzen und von ihm profitieren und in uns eine Bedrohung ihrer so bequemen und lukrativen Situation sehen. Die regen sich mit Sicherheit über die bloße Möglichkeit eines nationalistischen Deutschlands, eines neuen Reiches, mehr auf als die Israelis. Die Israelis würden sicherlich bedauern, keine kostenlosen Atom-U-Boote aus der BRD mehr zu bekommen; aber die könnten sie auch von den USA bekommen…Vielleicht nicht mit ganz der gleichen Qualität, und vielleicht nicht ganz kostenlos, sondern „nur“ zum Vorzugspreis, aber bekommen würden sie sie.“

Siehe: http://de.altermedia.info/general/carlos-dufour-brinkmanndisput-dritter-und-letzter-versuch-17-08-09_33746.html#more-33746

Worch vertraut also darauf, einst einmal bei dem Kameraden Lieberman vorsprechen zu dürfen. Auch das feine Rüstungsgeschäft soll natürlich aufrecht erhalten werden, so kann man es wohl zumindest aus dieser Stellungnahme ableiten. „Waffen für Israel!“ Israel ist zweifelsohne ein aggressiver Kolonial- und Apartheidstaat, der zugleich beiden Seiten als „Symbol“ dient. Israel ist als Vorposten der westlichen Wertegemeinschaft zum einem ein Symbol für eben jenen aggressiven Imperialismus der westlichen Staatengemeinde und dient zum anderen eben jenen „Westlern“ als Inbegriff der „Werte“ des Westens. Geert Wilders etwa hält Israel für den angeblichen „Leuchtturm der Demokratie“. Erhellend, aber auch erheiternd, ist es, wie ganz offensichtlich Antisemitismus und Israelsolidarität zusammen gehen können.

Keine Israel-Connection – es ist viel schlimmer

Für einige Aufregung sorgen seit einiger Zeit zwei Artikel, die in der vom Ex-NPD-Bundesvorständler Andreas Thierry herausgegebenen Zeitschrift „Volk in Bewegung“ erschienen. Sowohl ein gewisser Dr. Rigolf Henning, als auch ein Dr. Carlos Dufour beschäftigen sich dort mit eben jener „Israel-Connection“. Die Behauptung, dass aus Israel heraus ein Abrücken vom Abstammungsprinzip gefordert werden würde, ist natürlich ziemlicher Unsinn. Henning glaubt, dass aus Jerusalem heraus den „völkischen“ Prinzipien innerhalb der europäischen Rechten ein Ende bereitet werden soll. Warum dies aber ausgerechnet von dem „völkischen“ Staat Israel gefordert werden sollte, vermag er nicht zu erklären. Henning glaubt absurderweise, dass Israel Angst vor der NPD und dem Erstarken „völkischer Vorstellungen“ hätte. Die Vorstellung, dass Molau, Marx, Pastörs und andere aus Jerusalem oder Tel Aviv gelenkt und in Stellung gebracht wurden um gegen die mächtigen Herrn Voigt und Rieger zu agieren, ist ebenso abstrus. Solche Behauptungen sollte man im Übrigen schon einmal untermauern können, wenn man sie denn schon in den Raum stellt.

Die Anbindung der europäischen Rechten (Vlaams Belang, Dänische Volkspartei, Fini und andere) an den Zionismus hat kaum etwas damit zu tun, dass diese aus Israel gelenkt werden, sondern dies hat ideologische Gründe, die bei den Rechtsparteien selbst liegen. Herausgeber Thierry sollte lieber einmal erklären, warum er selber den Pro-Zionisten Faye als eine Art ideologisches Genie lobt. Es gibt keine Verschwörung, die aus Israel heraus gelenkt wird – was es aber gibt, ist die selbstgewählte Anbindung an die westliche Wertegemeinschaft. Hinter der „Israel-Connection“ steckt keine Verschwörung, sondern ein ideologischer Anschluss an den bürgerlichen Mainstream, der zum einem den Islam und die Muslime als Sündenböcke anprangert und zum anderem als „Schutzmacht“ vor dieser „Bedrohung“ Israel als ideologischen Anker und Aushängeschild benötigt.

1. ) http://logr.org/antikriegstag/
2.) http://www.andreas-molau.de/theu.html

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Kommentare

  • Schwab  Am 26. November 2010 um 16:09

    „Die Behauptung, dass aus Israel heraus ein Abrücken vom Abstammungsprinzip gefordert werden würde, ist natürlich ziemlicher Unsinn. Henning glaubt, dass aus Jerusalem heraus den „völkischen“ Prinzipien innerhalb der europäischen Rechten ein Ende bereitet werden soll. Warum dies aber ausgerechnet von dem „völkischen“ Staat Israel gefordert werden sollte, vermag er nicht zu erklären.“

    Das ist aus meiner Sicht einfach zu erklären. Geheimdienstverschwörung ist freilich Verschwörungstheorie. Aber Verschwörungspraxis gibt es hier wie dort, siehe das Beispiel des früheren FPÖ-Generalsekretärs und Mossad-Agenten Sichrovski. Was für Israel gut ist, nämlich völkische Homogenität, die sich ja auch nach innen wie nach außen auf die Souveränität auswirkt, muß aus israelischer Sicht nicht gut für andere sein, vor allem nicht für uns Deutsche. Ethnisch fragmentierte Völker sind leichter zu beherrschen. Michel Friedman beispielweise steht auf der Seite der Türken, wenn es gegen die „rassistische“ NPD geht, und auf der Seite der deutschen Kleinbürger, wenn es gegen Islamisten geht.

  • sozrev  Am 29. November 2010 um 08:10

    Zu Rodolf Kastner (Kasztner)

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Kasztner

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