Gastbeitrag: Eine neue Rettung steht bevor

Die rittlerlich-edelweiße Europäische Union, hoch zu Ross und mit stolzem Wappen, sowie einem riesigen Sack Unzen dabei, tritt wieder als Retter des Tages auf den Plan. Damals musste das gebeutelte Griechenland schon vom Internationalen Währungsfonds gerettet werden, was sich nunmehr innerhalb griechischer Grenzen in krassen Ausschreitungen zwischen Volk und Herrscher äußert und die Rüstung des heroischen Retters lang nicht mehr so makellos glänzend erscheinen lässt, wie es sich die Quasselbude XXL in Brüssel derweil vorstellt. Die Suppe aber, die sie sich eingebrockt haben, müssen nicht sie, sondern wir auslöffeln und zwar in vollem Maße. Man kennt das Spiel und es läuft hier nicht anders als in Griechenland: Sobald es an die finanzielle Substanz geht, muss der Malocher seinen Kopf hinhalten, denn er ist die machtloseste Gestalt im Staate, die sich zugleich aber am ergiebigsten zeigt. Mit der Passivität ist es – in Griechenland jedenfalls – nunmehr allerdings vorbei. So holt sich der Herrscher den Extremisten direkt ins Haus.

Über Griechenland wurde damals viel geredet, insbesondere aber auch viel Unsinn. Von Rechts bis nach Links vernahm man nur seelenloses Gepöbel, schlecht maskierte Doppelmoral und peinliches Halbwissen, die sinnvollen Beiträge waren rar gesäht. Während der kernige Rechtskonservative, der schon lang am Kai der bürgerlichen Gesellschaft angedockt hat, sich über seine verschwendeten Steuergelder ärgert – und insbesondere über den faulen Griechen, der vermutlich einen noch krummeren Buckel hat als er selber – und in höchst beschränkter Manier das Staaten-Hick-Hack mitspielt, als williger Sklave der Herrschermentalität, versprüht der gutmenschliche Linke eine gekünstelte Solidarität, die kaum mehr auszuhalten ist, sind doch hier Figuren am Werk, die sich antikapitalistisch schimpfen, aber den triefenden Finanzimperialismus der EU, mit ihren Zinses-Zinsen, mit ihren Auflagen, Regeln, Verboten und Zwängen, durch ihre übermotivierten Bekundungen substantiell unterstützen.

Beidermaßen zu argumentieren bedeutet, den Automattismus zu leben und die Freiheit zu missachten. Das Problem, was die Griechen haben, ist derweil nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein existentielles. Die Griechen sehen sich am Abgrund, insbesondere der griechische Arbeiter. Die Gewalt, der Kampf, der dort vom Zaune gebrochen wurde, ist Ausdruck dessen, was in unser aller Seelen schlummert – der Drang nämlich zum Urhaften, zur Freiheit. Nur in ihm spiegeln sich all jene naturhaftesten Grundbedürfnisse wider, die uns und alle anderen Menschen immer wieder rebellieren und marodieren, hassen und lieben, zerstören und aufbauen lassen. Die Finanzkrise mit all ihren Facetten kann für den Europäer das Ereignis sein, auf das sein Innerstes seit langen Jahren der Passivität, des gestelzten Friedens und der falschen Gerechtigkeit, in der nicht das Wort des Volkes, sondern das Wort des Mammon gilt, gewartet hat.

Mit Irland steht nun der nächste Dominostein vor dem Fall. Die Iren verlangen mehrere 10 Milliarden Euro, wobei der EU-eigene „Rettungschirm“ bereits 100 Milliarden Euro für den ehemaligen Keltischen Tiger bereitgestellt hat. Eine ausgedehnte Bankenkrise – jene Krisen, die das verräterische Versagen der etatistischen, volk- und gottlosen Eliten am besten veranschaulichen – stürzte den Staatshaushalt in ein Defizit von 32 Prozent, welches die irische Regierung bis 2014 zu füllen gedenkt. Zuvor pumpte der irische Staat gut 45 Milliarden Euro in die maroden Institute, die sich mit Schrottanleihen im Immobiliensektor selbst zerlegt haben. Die Folge: Staatsbankrott, genauso wie in Griechenland, genauso wie vorhergesagt.

Wie auch für die Griechen, winken nun allerhand Maßnahmen, die sich der Schließung des Haushaltslochs widmen sollen. Von sparen ist hier wieder die Rede, was im Klartext bedeutet, daß der irische Arbeiter demnächst mehr auf den Tisch legen muss. Hinzu kommen die „Rettungsgelder“, die zusätzliche Abhängigkeit vom Ausland schafft. Keine rosigen Aussichten also für das flache Land im Norden.

Komplett auf Arbeitertum

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