Daniel Goldhagens Visionen

Im ersten Fernsehprogramm der ARD wurde am 18. Oktober zu später Stunde ein interessanter Film …

Siehe: http://daserste.ndr.de/reportageunddokumentation/voelkermord100.html

… vom amerikanisch-jüdischen Publizisten Daniel Jonah Goldhagen gezeigt.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Goldhagen

Bereits mit seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker” löste Goldhagen 1996 in Deutschland eine Kontroverse aus. Dabei ging es nicht zuletzt um die These des Autors, daß die Deutschen aufgrund ihrer genetischen und historischen Herkunft zwangsweise auf den „Holocaust”, der zwischen 1933 und 1945 erfolgte, programmiert gewesen seien. Daraus konnte man schlußfolgern, daß nach Goldhagens Auffassung auch die später geborenen Deutschen genetisch auf Völkermord eingestellt seien.

In seinem Film „Schlimmer als Krieg”, der auf einem gleichnamigen Buch beruht, …

Siehe: http://www.amazon.de/s/?ie=UTF8&keywords=daniel+goldhagen&tag=googhydr08-21&index=aps&hvadid=2385947901&ref=pd_sl_9fwkkpqzo5_b

… analysiert Goldhagen nun die Motive von Völkermord. Und zwar in allgemeiner Hinsicht – sozusagen als Phänomen in der Menschheitsgeschichte. Goldhagen gefällt sich – während die Kamera läuft – in der Rolle des unabhängigen, objektiv über den Dingen stehenden Forschers. Daß es ihm wie anderen Forschern auch um subjektive politische Absichten geht, erfahren nur solche Zuschauer, die auch der Frage nachgehen, über welche Aspekte des Themas „Völkermord” Goldhagen nicht berichtet. Aber darüber später mehr.

In dem Film bereist Goldhagen die Tatorte von Völkermord, er spricht dabei mit überlebenden Opfern genauso wie mit Angehörigen der Tätergruppe. Er fragt nach den Motiven für grausame Taten. Weshalb wird der gefangene Feind, ob Soldat oder Zivilist, nicht kurzerhand getötet, sondern möglichst lange bis zum Tod gequält? Warum werden immer wieder die gefangenen Frauen vergewaltigt? Damit wollen wohl die Täter das feindliche Volk auch psychisch in seiner Selbstachtung vernichten, auch die Männer demütigen, die ihre Frauen nicht schützen können. Zudem, auf dieses Phänomen stieß Goldhagen immer wieder, geht es den Völkermördern immer auch darum, das feindliche Volk möglichst zahlreich und vollständig zu vernichten, damit es nicht zu einem späteren Zeitpunkt zurückschlagen kann. Deshalb wird vor allem die männliche Bevölkerung, darunter auch die Jungen getötet.

Es fällt allerdings auf, daß Goldhagen nicht die Massaker und Morde am palästinensischen Volk im Zuge der ethnischen Säuberungen bei der zionistischen Landnahme und der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 behandelt. In diesem Zusammenhang hätte man auch die Massaker von Sabra und Schatila behandeln können. 1982, beim Einmarsch der israelischen Armee in den Libanon, verübten christlich libanesische Milizen einen Massenmord in den beiden von Palästinensern bewohnten Flüchtlingslagern. Der Umstand, daß die israelische Armee zuvor die beiden Siedlungen umstellte, den Milizen freie Hand ließ, ist der Beweis dafür, daß der Staat Israel in diesem Falle Mittäter gewesen war.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Sabra_und_Schatila

Aber die von den Zionisten und ihren Verbündeten begangenen blutigen ethnischen Säuberungen gegen die Palästinenser kommen in Goldhagens Film überhaupt nicht vor. Dies hängt wohl damit zusammen, daß der US-Bürger jüdischer Herkunft in diesem Falle dem Täter-Kollektiv angehört, also bei dieser Konstellation nicht die Rolle des Opfer oder neutralen Schiedsrichters einnehmen kann. Deshalb ist Goldhagen um so mehr interessiert am „Holocaust” an den Juden Europas, weshalb er mit seinem Vater ins ukrainisch-rumänische Grenzgebiet reist, wo letzterer 1941 nur knapp der Deportation durch die SS entging. Außerdem führt Goldhagen noch ein Gespräch mit einem ehemaligen SS-Mann, der vor laufender Kamera Reue zeigt. Ebenso sucht der amerikanisch-jüdische Publizist Orte des Völkermords in Ruanda auf, wo 1994 Angehörige des Volks der Hutus rund eine Million Menschen, die der Tutsi-Minderheit angehörten, ermordeten.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_in_Ruanda

Eine weitere Station Goldhagens ist Guatemala. Im September 1982 ermordete die einheimische Armee in dem mittelamerikanischen Land 9.000 indigene Nachkommen der Mayas.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Guatemala

Ebenso behandelt Goldhagen den türkischen Mord an den Armeniern, der sich während des Ersten Weltkriegs ereignete.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern

Die genannten Opferzahlen schwanken zwischen 300.000 und 1,5 Million. Und zwar je nach völkischem Standpunkt. Es scheint auf der Hand zu liegen, daß das Opfervolk, in diesem Falle die Armenier, ihr Leid möglichst groß und eindrucksvoll – auch für die Weltöffentlichkeit – darstellen will, weshalb man in der Natur der Sache liegend die Opferzahl eher groß schätzt – während Angehörige des Tätervolks, in diesem Falle die Türken, die Opferzahl eher weiter unten ansetzen, zudem von bedauerlichen „Sicherheitsmaßnahmen” im Zuge des Ersten Weltkriegs reden.

Aber kommt uns dieser Zwiespalt nicht bekannt vor? Geht es nicht auch Goldhagen darum, die Mordtaten an seinem Volk, die sich zwischen 1933 und 1945 in Europa ereigneten, möglichst ungeschmälert darzustellen, während beispielsweise Horst Mahler, ein Angehöriger des deutschen Tätervolks, bestrebt ist, zu kleineren Zahlen zu greifen, am Ende den gesamten „Holocaust” – begrifflich wie inhaltlich – aus der Welt schaffen möchte? Sind nicht beide Positionen, die jüdisch nationalistische wie auch die deutsch nationalistische, für den Psychologen, vor allem für den der Völkerpsychologie, nachvollziehbar? Vielleicht nicht auf rationaler Ebene zu akzeptieren, aber immerhin zu verstehen? Ist es nicht ebenso bei Familien im Kleinen, daß das Peinliche bzw. Fehlgriffe, die Mitglieder dieser kleinen Gemeinschaft begangen haben, möglichst mit dem Mantel des Schweigens bedacht werden, mit dem Bestreben, die schlimmen Erinnerungen dem Vergessen anheim fallen zu lassen? Muß es nicht zu psychischen Störungen führen, wenn Familienfremde erfolgreich versuchen, die familiäre Schande immer wieder auszugraben und öffentlich zu präsentieren – vom Fernsehfilm bis zum Ausflug der deutschen Schulklasse ins KZ?

Was würde Goldhagen sagen, wenn wir israelische Kinder immer wieder an die Verbrechen, die von Angehörigen ihres Volkes an den Palästinensern begangen wurden, erinnern – diese Verbrechen zur Dauerpräsentation auch ihrer nationalen historischen Schande funktionalisieren?

Ist der Ruf nach dem „Schlußstrich” nicht verständlich? Verständlich immerhin aus Sicht des Tätervolks? Aber vielleicht nicht aus Sicht des Opfervolks, das sich nach einer kriegerischen Auseinandersetzung auf der Siegerseite sieht, den Sieg nun auch moralisch in politische Münze umzusetzen gedenkt? So entstehen dann Zensurgesetze, nicht nur in Deutschland, denenzufolge die Erinnerung kanonisiert wird – in Zahlen und Methoden. Wer dagegen verstößt, landet wie die Geschichtsrevisionisten im Gefängnis.

Eine ähnliche Auseinandersetzung – auch um Opferzahlen – finden wir im Falle von Srebrenica vor. Im Umland der bosnischen Stadt sollen im Juli 1995 rund 8.000 muslimische Einwohner, vor allem Männer und Jungen, von serbischen Milizen abgeschlachtet worden sein.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Srebrenica

Daß das Massaker in Srebrenica stattgefunden hat, bezweifelt wohl niemand. Aber viele serbische Nationalisten bestreiten die relativ hohe Zahl der muslimischen Opfer von rund 8.000. Der deutsche linke Publizist Jürgen Elsässer bezeichnet den Vorwurf des „Völkermords” in diesem Zusammenhang als „Lüge”. Auch Elsässer bestreitet nicht das Massaker an sich, sondern lediglich die hohe Opferzahl von 8.000 und die damit verbundene Klassifizierung der serbischen Verbrechen von Srebrenica als „Völkermord”. Natürlich weiß der in Berlin lebende Badener, daß sein Relativieren der Opferzahlen von Srebrenica in der BRD nicht unter Strafe steht. Beim „Holocaust” ist dies freilich eine andere Sache.

Schon die Auseinandersetzung mit der am 9. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in der Resolution 260 beschlossenen „Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes” macht deutlich, daß es sich beim Begriff des „Völkermords” um einen sehr schwammigen, politisch willkürlich auslegbaren Begriff handelt. In dieser Kovention gilt in Artikel II „Völkermord” als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören”. Zu den „Handlungen” zählen: a) das Töten von Angehörigen der Gruppe; b) das Zufügen von schweren körperlichen oder seelischen Schäden bei Angehörigen der Gruppe; c) die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen; d) die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung; e) die gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3B6lkermord#Kennzeichnende_Merkmale_der_Straftatbest.C3.A4nde

Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Worte „Absicht” und „teilweise”. Ein Massenverbrechen an einer ethnischen oder religiösen Gruppe soll schon dann als „Völkermord” gelten, wenn der Völkermörder beabsichtigt, eine ethnische oder religiöse Gruppe teilweise auszulöschen. Somit ist die Schwelle zum Völkermordbegriff bereits niedrig angesetzt. Denn was heißt schon „teilweise”? Wie klein darf die Opferrate eines Volkes sein, um von einem „Völkermord” zu sprechen? Für die UNO gilt deshalb bereits „Srebrenica” als Völkermord – mit hochgegriffen 8.000 Opfern. Aber warum wird von der UNO dann nicht auch der zionistische Massenmord an den Palästinensern als „Völkermord” eingruppiert? Möglicherweise gibt es selbst bei der UNO Menschen die gleich und solche die gleicher sind!?

Aber immerhin bewerten die Verantwortlichen der UNO die Ausrottung der Indianer in der „Neuen Welt” als Völkermord. Allerdings war davon in dem Fernsehfilm Goldhagens keine Rede. Jedenfalls wirkt die Auswahl der Völkermorde, die Goldhagen in seinem Film präsentiert, willkürlich. Weshalb der Verdacht, auch dieser Autor sei auch von subjektiven, eigenen nationalen Erfahrungen und Empfindungen bestimmt, nicht von der Hand zu weisen ist. Höchst bedenklich ist allerdings sein Lösungsvorschlag: Die Regierungen „demokratischer Staaten”, so Goldhagen, sollten „internationale Haftbefehle” gegen Völkermörder herausgeben. Sie sollten auch in die innerstaatlichen Angelegenheiten bzw. in die Souveränität entsprechender Staaten eingreifen dürfen. Die UNO, die nach Goldhagens Einschätzung versagt hat, die nicht fähig sei, völkermörderischen Regierungen in den Arm zu fallen – siehe das Beispiel Ruanda – solle einem Gremium „demokratischer Staaten” Platz machen, bei der Lösung dieser Aufgabe.

Nur was ist eigentlich ein „demokratischer Staat”? Wer legt dies fest? Bei diesen Staaten wird es sich – grob umrissen – um die „Westliche Wertegemeinschaft” handeln. Daß hierzu die USA, Großbritannien und Israel zählen, versteht sich von selbst. Sicherlich soll auch Deutschland dazugehören, sofern man hierzulande auch weiterhin die Geschichtspolitik im Sinne Goldhagens bis in alle Ewigkeit akzeptiert.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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Kommentare

  • Schwab  On 13. Januar 2011 at 11:34

    Dieser Artikel stammt wohl von Ende 2009.

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