Instrumentalisierte Vergangenheit

Die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee ist Anlaß für einen alljährlichen Gedenktag. An diesem Tag wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der „Holocaustgedenktag“ wird in der BRD, Israel und auf internationaler Ebene begangen. Daß es mit dem Gedenken und Erinnern nicht getan ist, verdeutlichte jüngst Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, in einem Gespräch mit dem SPD-Organ „Vorwärts“. Graumann sagte: „Es geht allein um die Verantwortung, wissen zu wollen, um Ähnliches wie damals verhindern zu können.“

Siehe: http://www.vorwaerts.de/artikel/ae-wir-sind-keine-depressive-trauergemeinschaft-ae

Um „Ähnliches wie damals“ zu verhindern, müssen scheinbar die Meinungsgegner der Zionisten in ihre Schranken gewiesen werden. So fordert Graumann zum x-ten Male das Verbot der NPD. Damit weist sich Graumann eindeutig als Antidemokrat aus, weil zwar in einer echten Demokratie der Wille der Mehrheit eines Volkes herrschen soll, aber auch die Minderheit, in diesem Falle die NPD, die Möglichkeit erhalten soll, durch gute Argumente beim Volk um eine künftige Mehrheit zu werben. Indem man Opposition, die sich derzeit in der Minderheit befindet, vielleicht sogar wie von der NPD behauptet die „schweigende Mehrheit“ vertritt, verbieten will, weist man sich als Antidemokrat aus.

Ungeachtet der Frage, ob der Parteivorsitzende der NPD Udo Voigt und Dieter Graumann überhaupt dem gleichen „Demos“ (altgriechisch: Volk) angehören. Jedenfalls zeugt es von wenig Souveränität, daß Graumann ausgerechnet die Kleinpartei verbieten möchte, aus deren Reihen seine eigene ethnische Gruppe am meisten kritisiert wird.

Es versteht sich von selbst, daß an einem solchen Tag auch der unvermeidliche Henryk M. Broder an einer politischen Instrumentalisierung der Vergangenheit arbeiten. Er schreibt: „Was den Holocaust angeht, bedeutet das: Es wäre besser, den nächsten zu verhindern, statt immerzu den letzten zu beklagen. Das wäre freilich mühsam, und es würde einiges kosten – etwa vier Milliarden Euro. Das ist der Wert der deutschen Exporte in den Iran im Jahre 2010. Wer die Auftritte des iranischen Präsidenten verfolgt, kann nicht daran zweifeln, was er meint, wenn er Israel ein ‚Krebsgeschwür‛ nennt, das beseitigt werden müsse. Die Experten sind sich nur nicht darüber einig, ob Ahmadinedschad Israel ‚von der Landkarte ausradieren‛ oder nur ‚von den Seiten der Geschichte‛ entfernt sehen möchte. Derweil machen deutsche Firmen Geschäfte mit dem Iran, geben deutsche Künstler Gastspiele in Teheran, setzen deutsche Politiker auf Wandel durch Annäherung. Wenn das Erinnerungsarbeit ist, dann wäre es besser, die Geschichte zu vergessen. Wer über Ahmadinedschad nicht reden will, der sollte über Hitler schweigen. Auch am 27. Januar.“

Siehe: http://anonymouse.org/cgi-bin/anon-www_de.cgi/http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article12355985/Fuer-das-Vergessen.html

Also jetzt wissen wir endlich, daß die Erinnerung an den Holocaust – neben nachvollziehbarer Trauer um die Opfer – für manche auch dem Geschäft dient (frei nach Norman Finkelstein: Die Holocaustindustrie) und für den neuen Imperialismus fruchtbar gemacht werden soll. Man muß nur „Vorwärts“ und „Die Welt“ lesen, dann ist man bestens informiert.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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