Linksfaschismus – Kritik eines politischen Modewortes

Der Begriff des „Linksfaschismus“ wird von der „nationalen Rechten“ und auch von vielen selbsternannten „nationalen Sozialisten“ gerne und nur allzu oft gebraucht. Dies geschieht dann unter dem Verweis gegen die „nationale Opposition“ gerichteten der faschistoiden Intoleranz und Gesinnungsschnüffelei. Historisch gesehen gibt es aber aus der Sicht sozialrevolutionärer Nationalisten durchaus Kritik an der oft gedankenlosen Verwendung dieses vielfach gebrauchten und darum sinnentleerten Begriffes zu üben. Es ist zwar verständlich, dass der Begriff des „Linksfaschismus“ in der politischen Auseinandersetzung mit den Berufsintoleranten aus „Antifa“-Sekten verwendet wird, es ist aber darauf hinzuweisen, dass die Ursprünge des Begriffes aus der Ecke der bundesrepublikanisch- kapitalistischen Reaktion und der Frühphase der antideutschen Bewegung stammt. Wichtig erscheint auch, dass der Begriff heute wieder verstärkt und nahezu unablässig sowohl von den Antideutschen aber auch von den bürgerlichen BRD-Patrioten verwendet wird, um eine unzulässig diffamierende Gleichsetzung von Sozialismus, Sozialstaat, Volksgemeinschaft, Nationalismus, der antiimperialistischen bis nationalen Linken und dessen, was man unter dem Schlagwort „Faschismus“ und „drittes Reich“ zusammenfasst zu erreichen.

Der Begriff des „Linksfaschismus“ tauchte erstmals in den Jahren 1967/1968 auf, und zwar in der Springerpresse, vornehmlich in der „Bild“-Zeitung. Als Antwort auf die „Studentenrevolte“ wurde dem damaligen „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS), der die intellektuelle Speerspitze der Proteste bildete, „Linksfaschismus“ unterstellt, in persona wurde dieser Vorwurf vor allem gegen Rudi Dutschke erhoben. Es wurde versucht, einen nicht gegebenen Zusammenhang zwischen Kritik am faschistoiden Staatswesen Israels und dem „Holocaust“ herzustellen. „Antisemitismus“ fand eine Gleichsetzung mit Kritik am verbrecherischen Vorgehen des Staates Israels gegen die arabische Bevölkerung. Ein weiteres Argumentationsmuster war die Diffamierung der radikal- und basisdemokratischen Kritik an der Scheindemokratie in der Bundesrepublik. Dies wurde wiederum in einen Zusammenhang gesetzt mit dem „Antidemokratismus“ Hitlers. Springerpresse und FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) behaupteten nun, der „Faschismus“, gemeint war damit das, was man gemeinhin als „Nazismus“ bezeichnet, käme auf den Sohlen der „neuen Linken.“ Der damalige Bundeskanzler Kiesinger (CDU, Ex- NSDAP, Ex- SA) brachte dies bei einer seiner Reden auf die Formel: „Diejenigen, die da als Rote schreien sind braun im Geiste“.

Aus einer anderen Ecke kam in Dualität ebenfalls die Kritik am „Faschismus“ der „radikalen Linken“ und hier vor allem an den „nationalrevolutionären“ Kreisen innerhalb der damals breiten „Studentenbewegung.“ Gemeint ist der Vordenker der „Frankfurter Schule“, Jürgen Habermas, der damals einen sehr großen ideologisch-philosophischen Einfluss in den Kreisen der Studenten und der Intelligenz hatte.

Interessant ist aber, dass Habermas noch einige Jahre vor „68“ selber wesentliche Punkte der „nationalrevolutionären“ und antiautoritären Kritik am bestehenden System formuliert hatte. Er erkannte die Verselbständigung des bundesdeutschen Staatsapparates und die im Grunde diktatorische Sonderstellung von kleinen Eliten, welche die Verflechtung des Monopol und Großkapitals wahrnahmen und unaufhaltsam in ungebrochener Dynamik vorantrieben. Die Parteien hatten sich, wie er analytisch in den 50er Jahren richtig erkannte, zu „Staatsparteien“ umgebildet. Dies alles bedeutete ein Nichtzustandekommen von „demokratischer Öffentlichkeit“ und das Fehlen von kritischen Geist und „Zivilgesellschaft.“ Das Parteiensystem ging konform mit der Entwicklung in Wirtschaft und Großfinanz – im Grunde kam es zu der Entwicklung eines konsensual-kapitalistischen Systems, das Kritik, Wiederspruch, Veränderung, neue Ideen oder gar gesellschaftlich-politische Alternativen ausschloss. Habermas kritisierte damals den „autoritären Staat“ als geistlose Nomenklatura des stupiden und reaktionär-repressiven „rheinischen Kapitalismus“.

Kaum kam es jedoch zum Ausbruch oder zu Ansätzen der massenhaft organisierten Revolte gegen die von ihm als richtig gesehene Analyse des repressiven Systems, kam es zu einer fatalen Wendung. Habermas vollbrachte nun die größtmöglichste politische Wende und gebärdete sich nun als Vertreter einer auch heute ja so oft beschworenen sogenannten „wehrhaften Demokratie“. Diese „wehrhafte Demokratie“ könne nun ohne eine „liberale Utopie“, wie er sich ausdrückte, nicht mehr auskommen. Die von Habermas ja vorher so vehement postulierten Bildungs- und Universitätsreformen sollten nicht mehr stattfinden. Die Studenten sollten nur „mit dem Staat“, also den herrschenden unmenschlichen und repressiv-faschistoiden Verhältnissen, „ausgesöhnt“ werden. Habermas gebärdete sich als sozialdemokratischer „Reformer“ und damit als Erhalter. Die Parteien hatten „ideologisch abgerüstet“ und vermengten sich zu einem Konglomerat der ideologischen Einseitigkeiten. Der Verlust der Weltanschauungen delegitimierte schon damals die Herrschaftsausübung der Parteien, da ihre Politik die Rechtfertigung im Sinne pluralistischer Willensbildung verloren hatte. Die Parteien hatten ebenfalls die Jugend – wie heute auch – verloren, weil sie keine Ziele, Ideen, Weltansichten, Perspektiven und Alternativen boten. Sie verkörperten den Bürokratismus der gesammelten Inkompetenz und unmoralischer Heuchelei. Das einzige Mal, dass das Parteiensystem „Kontur“ zeigte, war in Bezug auf die Bekämpfung des politischen Auf- und Abbruchs der Jugend, indem man die neue „Jugendbewegung“ diffamierend und unzutreffend unter der reinen Prämisse eines undifferenzierten „Antikommunismus“ sah.

Der herrschende Staatsapparat besaß keinerlei innere Legitimität, sondern reagierte rein repressiv und intolerant-brutal auf die Kritik, wurde nur wie eben auch in unserer Gegenwart von der Wohlstandszufriedenheit der umerzogenen Bürger zusammengehalten.

Habermas gerierte sich nun als Verteidiger des „Status Quo“ und kritisierte den „deutschen Romantizismus“ der jungen undogmatischen Sozialisten und steigerte sich in seiner Diffamierungsorgie bald schon exponentiell bis hin zum Vorwurf des „Linksfaschismus“. Zur Verteidigung des „liberalistischen Staatswesens“ zog Habermas nun alle „antifaschistischen“ Register, die den Begriff des „Antifaschismus“ beziehungsweise des „Faschismus“ entwerteten und einer beliebigen Maskerade unterzogen. Vermengt mit dem Credo „das Denken und Handeln so auszurichten, dass Auschwitz oder ähnliches verhindert“ werde, kann hier theoretisch der Beginn der „antideutschen“ Bewegung entdeckt werden. Habermas und seine geistigen Enkel erklärten hier dem Anttiimperialismus, der echten „Linken“, der deutschen Emanzipationsbewegung vor Unterdrückung und Fremdbestimmung den totalen Krieg. Fürchteten sich noch viele aus der jungen Generation vor einer „Rückkehr des Faschismus“ durch die reaktionären Verhältnisse, den repressiven Staatsapparat, den kapitalistischen Konsumterror, die stupide wohlstandssatte Elterngeneration, so warnte man nun vor dem Widerstand gegen die Verhältnisse des bundesrepublikanischen Systemkapitalismus. Widerstand gegen die gesellschaftspolitischen Verhältnisse, die den formalen konsumistischen Wirtschaftswunderwohlstand auf dem Rücken des vietnamesischen Volkes, des schwarzen Kontinents, der „Dritten Welt“ insgesamt und als Vorposten des US-Neoimperiums gegen den „Ostblock“ austrugen, wurden nun paradoxerweise zur eigentlichen „faschistischen“ Tat erklärt.

Habermas tat als erster echter „Antideutscher“ alles, um nachzuweisen, dass „Sozialismus“ vermengt mit einem, wie er es nannte, „nationalistischen üblen deutschem Moment“ nur auf eines hinausliefen – nämlich die angebliche „Wiederholung von Auschwitz.“ Das alles lief auf die Losung hinaus: Antiimperialistische Linke = Faschismus, Nazismus, ein links eingefärbter „Deutsch-Nationalismus“ würde sich in den Reihen und aus den Reihen der außerparlamentarischen Opposition herausbilden. Die Thesen der „Faschismuskeule“ des Herrn „Philosophen“ Habermas finden aber gerade heute eine unglaubliche Renaissance. Sowohl die „antideutsche“ Bewegung („links“ mag man sie nicht nennen, eher ultrabürgerlich) als auch die neoliberale volksfeindliche „Rechte“ verwenden diesen Begriff heute wieder mit Begeisterung. Sei es nun, dass Ex-BDI Chef und FDP-Mitglied Hans Olaf Henkel Oskar Lafontaine attestiert „man könne keinen Unterschied zwischen ihm und Adolf Hitler“ feststellen oder wenn antideutsche Gruppen feststellen, die Antiglobalisierungsbewegung sei von den sogenannten „Neonazis“ nicht mehr zu unterscheiden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Begriff des „Linksfaschismus“ von der Systemreaktion dazu benutzt wurde und wird um eine Stigmatisierung der revolutionären, sozialistischen, national- und sozialrevolutionären Kräfte im Sinne der höchst möglichsten Dämonisierung zu erreichen. Der Begriff wurde historisch gesehen immer nur gegen Kräfte benutzt, die sowohl auf dem Boden der sozialistischen als auch des nationalistischen und damit sozialbefreienden Menschenbildes standen. Der Autor muss zugeben, dass er den Begriff schon selber verwendet hat, in Bezugnahme auf Antifa-Sekten. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass der Begriff aus einer vollkommen anderen Ecke kommt und auch völlig anders gemeint ist. Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass es die Organisationen, die im Allgemeinen unter dem Sammelbegriff „Antifa“ firmieren, keinesfalls in irgendeinem Sinne einer originären „Linken“ zuzurechnen sind, sondern ihre Grundierung und ihren Auftrag in der Systemreaktion haben.

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Kommentare

  • Schwab  On 29. Januar 2011 at 10:46

    „Der Autor muss zugeben, dass er den Begriff schon selber verwendet hat, in Bezugnahme auf Antifa-Sekten.“

    In diesem Sinne verwendet auch Frank Rennicke den Begriff „Linksfaschisten“ – siehe den kritischen Aufsatz in „Hier & Jetzt Nr. 16“.
    Rennicke verwechselt – bewußt oder unbewußt – „Faschismus“ und „Totalitarismus“. Er bezeichnete linke Totalitaristen, die gegen nationale bzw. rechte Demonstranten gewalttätig vorgehen als „Linksfaschisten“, weil doch die Antifa genauso gewalttätig sei wie Faschisten. Das ist zwar richtig, daß die Antifa genauso totalitär denkt und handelt wie Faschisten; aber Faschismus vertritt sie trotzdem nicht.
    Faschismus ist eine Ideologie, eine Teilmenge des Nationalismus. Faschismen waren Epochenbewegungen in den 1920er und 1930er Jahren in Europa (Ernst Nolte).

  • Sozrev  On 29. Januar 2011 at 14:53

    Eigentlich mehr Dimitroff als Rennicke. „Faschismus an der Macht ist die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischsten, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“ Nach dieser Definition wären die meisten Antifa-Gruppen (Antideutsche und Antinationale) als „faschistisch“ einzustufen. Mit dem Nationalfaschismus der 20er und 30er Jahre hat dies freilich nichts zu tun.

  • Schwab  On 30. Januar 2011 at 11:35

    Die Dimitroff-Formel ist zutreffend, aber einseitig. Sie beschreibt zutreffend die Funktion von faschistischen Bewegungen der 1920er und 1930er Jahre für das Kapital in einem Land. Aber die Ideologie, die programmatischen Inhalte bzw. die nationalen Ziele, für die (National-) Faschisten stehen, blendet der marxistische Ideologe und kommunistische Propagandist Dimitroff aus.
    Wenn man nur nach der Funktion für das Kapital fragen würde (cui bono?), müßte man die heutige Antifa in der Tat als „Faschisten“ im Sinne Dimitroffs bezeichnen. Aber wie gesagt, auf die faschistische Ideologie und Zielsetzungen kommt es an. Und da kann man die Antifa nicht als (National-) Faschisten bezeichnen. Die dt. Antifa ist immer gegen den deutschen Nationalstaat positioniert. Insofern ist die Antifa nicht nur Anti-(National)-Fa, sondern grundsätzlich Anti-National.

  • sozrev  On 31. Januar 2011 at 06:45

    Zustimmung.

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