Weit unten in Ägypten

Wohl nur wenige hatten damit gerechnet, daß der tunesische Funke so schnell auf Ägypten überspringen würde. So wie der Niedergang des Westens nicht geradlinig erfolgt und sich dramatisch beschleunigen könnte, so scheint das Erwachen der arabischen Massen in sich abwechselnden Phasen unterschiedlicher Intensität zu verlaufen, heißer Kulminationspunkt nicht ausgeschlossen. Vorerst heißt es abwarten, vieles ist möglich, selbst zwischenzeitliche Stagnation und Chaos.

Was noch fehlt ist ein neues von charismatischen Persönlichkeiten repräsentiertes Machtzentrum, das die nötige Autorität hat, die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eines Landes zu dessen Wohle zusammenzuschweißen und das über genügend Ressourcen verfügt, um die Massen zufriedenzustellen. Der Knackpunkt für jede Regierung wird die Lösung der ökonomischen und sozialen Probleme sein. Ob das ohne Hilfe von außen möglich sein wird, bleibt fraglich.

Die Erwartung, in Ägypten (oder Tunesien) könnte eine Demokratie streng nach westlichem Vorbild funktionieren, ist wahrscheinlich zu hoch angesetzt, aber, unter bestimmten günstigen Voraussetzungen nicht auf alle Ewigkeit ausgeschlossen. Als heißeste Anwärter auf eine Machtübernahme können derzeit , zumindest in Kairo, Militärs und Islamisten gesehen werden, sofern sich nicht Persönlichkeiten aus der so genannten Zivilgesellschaft als fähig und stark genug erweisen., das Heft in die Hand zu nehmen. Das müßte aber bald geschehen.

Allerdings würde eine stärkere Anlehnung an den Westen, sprich Amerika, ohne spürbare Verbesserungen im Lande, endgültig die Islamisten an die Macht bringen. Dann aber könnten wir entscheidend betroffen sein, wenn Millionen Kopten zu flüchten versuchten. Also ginge das verschlafene Brüssel, das wohl auf ein Stichwort aus Washington wartet, die Entwicklung da unten verdammt mehr an als es bisher zu erkennen gegeben hat.

Helmut Müller

Quelle

Kommentiere oder hinterlasse ein Trackback: Trackback-URL.

Kommentare

  • Schwab  On 1. Februar 2011 at 20:13

    Merkel warnte die israelische Regierung, sie könne schon bald so „isoliert“ sein, daß die USA und Europa ihr nicht mehr helfen könne.

    ca. Minute 6,20:

    http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts24488.html

  • Sozrev  On 2. Februar 2011 at 05:46

    Netanjahu steht hinter Mubarak, Obama nicht mehr. Zudem waren die Beziehungen zwischen Israel und den USA seit Jahren nicht mehr derart schlecht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: