Strache und „die Deutschen“

„Die Deutschen belegen die Plätze, und wir haben mit einem Medizinerengpass zu kämpfen“ schimpft HC Strache in der Gratiszeitung Heute über die Situation an den österreichischen Unis. „Die Deutschen“, das klingt aus dem Mund eines Politikers, der sich, zumindest im kleinen Kreis Gleichgesinnter, als solcher bezeichnet haben soll, doch etwas befremdet. Hat er mit dieser, mir so scheinenden, semantisch-historisch nicht begründeten Abgrenzung die Deutschen Österreichs als Mehrheitsbevölkerung plötzlich abgeschrieben oder bringt er unbewußt Deutsche gegen Deutsche in Stellung? Betrachtet er Österreich nicht mehr als deutschen Staat, die vielen als Kunstgebilde scheinende BRD aber schon? Etwas mehr Klarheit, vielleicht auch Mut, wäre in Zukunft angebracht.

Wenn er dann zusätzlich meint, „der deutsche Staat soll endlich dafür (für diese Studenten) zahlen“, kommt ja weitere Unschärfe ins Spiel. Ein aufmerksamer Zeitgenosse fragt sich nämlich: Müßte man nicht die BRD eher denn Österreich als d e n deutschen Staat in Frage stellen, da doch seit der Neuvereinigung grundgesetzmäßig ein souveräner Staat noch weniger auszumachen ist? Haben wir es nicht eher mit einer von den Siegermächten geschaffenen ökonomisch ausgerichteten Verwaltungseinheit zu tun, in der Deutsche auf dem Boden des völkerrechtlich fortbestehenden Deutschen Reichs (nicht das Hitlers) noch immer siedeln und zum Wohl der Konzerne und Zinseszinskaiser schuften dürfen?

Sollten wir eigentlich nicht, eingedenk einer weit zurückreichenden gemeinsamen Geschichte, mit „den Deutschen“ und der deutschen Frage weniger schlampig umgehen, auch mehr auf die innere Stimme hören? Hier wie dort. Ein österreichischer Staatsbürger muß kein Deutscher bzw. Deutschösterreicher sein. Ein von der veröffentlichten Meinung ernannter „deutscher“ Staatsbürger muß auch nicht unbedingt ein Deutscher sein. Aber Bayern, Franken, Hessen, Sachsen u.a.m. und Tiroler, Salzburger, Steirer usw. sind im Regelfall mehrheitlich ethnisch Deutsche. Und verdienen Anerkennung und Respekt. Vor allem von der Politik.

Das ganze Deutschland aber ist, wie Günther Nenning es einmal formuliert hatte, ein Geisterreich, eine Nation, der Grenzen nichts anhaben können. So kann man auch Großdeutscher sein. Wie der mir persönlich bekannte verstorbene Bildhauer und ehemalige „Uralt-Stalinist“ Hrdlicka.

Wer sich als Deutscher bekennt, bekennt sich damit ja nicht zu einer Ideologie oder bestimmten Partei, sondern zu einer besonderen Identität, Kultur und Sprache, aber auch zu einer einzigartigen Geschichte und zu einer Kette von Ahnen, deren Glied man ist. Darauf darf man selbstverständlich stolz sein. Wie Slowenen oder Türken es diesbezüglich auch sind, und was im neuen Parteiprogramm der Freiheitlichen hoffentlich klar und unmißverständlich zum Ausdruck gebracht werden wird.

Helmut Müller

Quelle

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