Was passiert wenn Griechenland pleite geht?

Andrew Lilico von „Telegraph“ (UK) zur Diskussion und den Folgen einer Griechenland-Pleite.

Es geht nicht mehr um das “ob”, sondern um das „wann“. Dennoch sind sich die Märkte kaum einig, ob der Kollaps morgen, in einem Monat oder gar in einem Jahr erfolgen wird (länger als ein Jahr wird es nicht dauern).

Aber was passiert eigentlich beim Bankrott Griechenlands? Hier ein paar wichtige Anhaltspunkte:

Jede Bank in Griechenland wird sofort ein Insolvenzverfahren einleiten müssen.

Die Regierung wird alle Banken verstaatlichen.

Abhebungen von griechischen Konten werden durch die Regierung verboten werden.

Um Unruhen durch hellenische Anleger vorzubeugen, wird eine Ausgangssperre und vielleicht sogar das Notstandsgesetz in Kraft treten. Man möchte natürlich eine Situation wie 2002 in Argentinien unter allen Umständen verhindern. Damals musste der Präsident per Hubschrauber aus dem Palast fliehen, da sich vor der Residenz eine beträchtliche Menge von Demonstranten versammelt hatte.

Alle Schulden werden auf die neue Währung „Drachme 2.0“ umgestellt (das ist ein klassischer Trick aller bankrotten Staaten).

Doch auch die neue Geldeinheit wird sofort 30-70% (wahrscheinlich 50% und mehr) gegenüber dem Euro verlieren. Gleiches trifft natürlich für die Schulden Griechenlands zu, welche in Euro gehandelt werden.

Die Iren trennen sich von den Schulden ihres Bankensystems.

Die Portugiesen werden sich die Ereignisse in Griechenland sehr genau ansehen und das zu erwartende Chaos analysieren, um eine mögliche Währungsform bewerten zu können.

Ein Paar französische und deutsche Banken werden signifikante Verluste hinnehmen müssen. Dadurch werden sie nicht mehr die nötige Eigenkapitalquote erfüllen können.

Die EZB wird ebenfalls zahlungsunfähig werden, da ein großer Teil ihres Vermögens in Griechenland beziehungsweise in Irland steckt.

Schließlich wird die französische und deutsche Regierung beraten, ob (a) die EZB rekapitalisiert werden soll, oder ob (b) der EZB erlaubt werden soll, Geld bis zum Erreichen der Solvenz zu drucken. Da die EZB hauptsächlich Euro-basierte Schulden hat, könnte sie sich theoretisch aus der Krise drucken. Laut der Grundsatz-Charta der Bank wäre das illegal. Allerdings steht im EU-Vertrag auch explizit drin, dass ein Bailout (wie es bei Griechenland, Portugal und Irland angewendet wurde) gesetzeswidrig ist. Doch da sich niemand von solch illegalen Taten hat abhalten lassen, ist es nicht verrückt an die „Selbstheilungskräfte“ – auch „Druckkapazität genannt“ – der EZB zu glauben.

Es wird zu einer Rekapitalisierung aller Banken kommen. Allen voran natürlich die französischen und deutschen Banken. Gleichzeitig wird das Ende aller Bailouts erklärt.

Auf dem Markt für spanische Bankanleihen wird es zu einem Blutbad kommen, da die Gläubiger eine Erhöhung der Eigenkapitalquote fordern werden.

Der spanische Bankensektor wird strukturelle Reformen erleben. Die aktuellen Anleihen werden durch große Rekapitalisierungs-Maßnahmen kollabieren.

Die Gläubiger werden also die spanischen Machenschaften vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (und wahrscheinlich auch vor anderen Gerichten) verklagen. Hauptstreitpunkt wird die Verletzung von Eigentumsrechten sein. Die Fälle wird sich niemand anhören. So werden die Jahre ins Land gehen…und wenn es endlich zu einer Entscheidung kommt, interessiert es absolut keinen mehr!

Dann werden die britischen Banken in den Fokus der Finanzwelt rücken. Wir dürfen gespannt bleiben.

Der englische Originalext ist hier zu finden: telegraph

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