Hungerhilfe als Kriegsvorbereitung

Die schlimmste Hungersnot seit etlichen Jahrzehnten bedroht derzeit das Leben von bis zu 12 Millionen Schwarzafrikanern. Die Dürre- und Hungerkatastrophe bewegt auch in Deutschland zahlreiche Gutmenschen, die nun auch in Somalia wieder einmal den Menschenrechtsimperialismus entdecken. Der international nicht anerkannte Chef der somalischen „Übergangsregierung“ , Abdiweli Mohamed Ali, ein US-Staatsbürger, sieht als Verschwörungstheoretiker, die Schuld hierfür freilich bei den islamistischen Rebellen: „Die Extremisten lassen buchstäblich und willkürlich das Volk zu Tode verhungern. Der Aufstand ist die Grundursache der Hungersnot.“

Genauso sehen es auch die USA! John Carson, der für Afrika zuständige Unterstaatssekretär Hillary Clintons schiebt die Schuld auf „Al-Schabab“. Die somalischen Mudjahedin von Al Schabab kontrollieren große Teile des somalischen Ostens und werden von den US-Imperialisten und ihren Verbündeten als „terroristische Organisation“ eingestuft. Im Jahr 2008 tötete ein US-Lufterrorkommando den damaligen Führer der Al Schabab, Aden Hashi Ayro. Nun soll laut dem US-Außenministerim jene Organisation maßgeblich für die Hungerkrise verantwortlich sein. Diese mehr als nur einseitige Behauptung lässt sich nun aber leicht widerlegen. Die Mehrzahl derjenigen Menschen die vom drohenden Hungertod am Horn von Afrika betroffen sind, leben nicht in Ostsomalia. 4,5 Millionen Afrikaner sind in Äthiopien, 3,7 Millionen in Somalia und 2,4 Millionen in Kenia betroffen.

Die Behauptung, wonach die Islamisten keine Hilfslieferung in den Osten des Landes zuließen, ist eine leicht zu durchschauende Falschbehauptung. Westliche Nachrichtenagenturen hatten Presseaussendungen der somalischen Gotteskrieger wohl absichtlich falsch wiedergegeben. Die Islamisten wollten nur bestimmten „Hilfsorganisationen“ nicht gestatten in ihrem Territorium tätig zu werden. Diese stehen im Verdacht nur Auftragsarbeit im Dienste der US-Regierung zu verrichten. UNICEF, das Internationale Rote Kreuz, UN-Organisationen und islamische Hilfswerke haben bereits mit der Verteilung der Hilfsgüter begonnen.

Die Lüge von den menschenverachtetenden Al Schabab wird von der gesamten Presselandschaft in der BRD verbreitet. Springers „Welt“ titelte „Islamisten wollen Hilfe für Hungernde stoppen“ und die Süddeutsche legte mit „Hungerskatastrophe in Somalia – Islamisten verhindern Hilfe“ nach. Die neoliberale „Financial Times“ sprach von einer „islamistischen Hunger-Geiseln“. Die BILD-Zeitung treibt die Volksverblödung folgendermaßen in die Höhe: „Die radikale Miliz mit besten Verbindungen zu al-Qaida blockiert die so dringend benötigten Hilfslieferungen. Seit Jahren versuchen die Terroristen im Süden des Landes einen islamischen Staat aufzubauen – im Kampf gegen die Übergangsregierung in der Hauptstadt Mogdadischu. Die somalische Bevölkerung ist der Miliz dabei völlig egal. Vor langer Zeit schon haben sie die internationalen Hilfsorganisationen aus dem Land geworfen – obwohl es dem Volk schlecht geht und die Somalis dringend Hilfe brauchen.“ Dann macht die BILD-Redakion deutlich um was es geht: „Das Land taumelt am Abgrund. Und es schreit nicht nur nach Nahrung – es muss auch von den anderen Plagen befreit werden!“ Dieses Märchen wird nun auch von der Linksfraktion im Bundestag aufgegriffen und bedient.

Die Somalis kennen das Muster des US-amerikanischen Kriegsinterventionismus bereits zur Genüge. 1992 hatte der damalige US-Präsident George H. W. Bush eine US-Militäroperation („Operation Restore Hope“) unter dem Vorwand begonnen, eine Hungersnot in Somalia zu bekämpfen. Die USA griffen damals in den somalischen Bürgerkrieg ein und holten sich eine blutige Nase. Washington hat in Somalia also noch eine Rechnung offen und möchte dort das amerikanische „Somalia-Trauma“ ausmerzen. Um Hungerhifle kann es den USA in Afrika schließlich kaum gehen, wenn man die Fakten zur Rate zieht: 2008 hatte Washington noch 237 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung des Hungers in Afrika zur Verfügung gestellt, 2010 waren es nur mehr 28 Millionen.

Die echten Ursachen sind aber nicht in erster Linie bei den islamistischen Sündenböcken zu suchen, sondern in der verbrecherischen Nahrungsmittelpolitik des Großkapitals. Zwar wären weltweit genügend Nahrunhsmittel vorhanden, aber die Lebensmittelindustrie treibt die Preise zu Profitzwecken stetig in die Höhe. Diesen Umstand möchten die westlichen Imperialisten und die Tagespresse in der BRD verschleiern. Die Hungerkrise wird zudem durch den Ausverkauf der afrikanischen Böden an ausländische Investoren verstärkt. Seit den Finanzkrise wird in Afrika Land zusehends von Spekulanten, Banken und Hedge-Fonds aufgekauft. Riesige Flächen werden im Zuge dieses „Landgrabings“ (Landraub) an Spekulanten veräußert, die darauf aus sind, die Böden möglichst schnell auszubeuten. Dies treibt insbesondere die afrikanischen Kleinbauern in den Ruin. Ein weiterer Grund liegt in der von Großkonzernen verursachten Erderwärmung , die den indischen Ozean aufheizt. Hierdurch werden Regenfälle am Kapp von Afrika erheblich erschwert.

Hinter den gutmenschlichen Sprüchen von der „Hilfe für Ostafrika“ stecken reine Profitinteressen, die nun auch erneut von den geostrategischen Interessen der Imperialisten unterfüttert werden. Die USA und die Westliche Wertegemeinschaft wollen die Hungerkrise nutzen um Somalia und andere afrikanische Staaten gänzlich unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei spielen die Interessen der Nahrungsmittel –und Agrarmonopole eine herausragende Rolle. Die Bundesregierung unterstützt in Somalia die US-hörige „Übergangsregierung“ und trägt dort u.a. die Verantwortung für die Ausbildung von Kindersoldaten.

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