Aktionen gegen Zeitarbeit in Fürth

Im Laufe der vergangenen Woche verteilten Fürther Aktivisten mehrere hundert Flugblätter gegen die soziale Ausbeutung von Arbeitnehmern.

„Zeitarbeit ist eine wirtschaftliche Alternative zur Festeinstellung eigener Mitarbeiter. […] Sie werden über das Ergebnis positiv überrascht sein.” (1) Mit diesem entlarvenden Statement wendet sich die Firma „mayer Zeitarbeit GmbH” in ihren Internetauftritt an die Arbeitgeber. In der Tat stellt die Einstellung von Zeitarbeitern aus kapitalistischer Sichtweise betrachtet eine wirtschaftliche Alternative für die Arbeitgeber dar. Aber zu welchem Preis? Eine soziale Alternative ist sie beileibe nicht. Für die Arbeitnehmer bedeutet Zeitarbeit einen geringeren Lohn während sie die gleiche Arbeit wie festangestellte Arbeiter leisten müssen. Es gibt quasi keinen Kündigungsschutz und von den vielen Verstößen gegen Tarif-, Urlaubs- und Lohnfortzahlungbestimmungen zeugen zahlreiche Verfahren gegen Zeitarbeitsfirmen. Zeitarbeit kann man getrost als moderne Sklaverei bezeichnen. Für die Arbeitgeber bedeutet eine ständige Anstellung von Zeitarbeitern einen Qualitätsverlust und eine erhebliche Verschlechterung des Betriebsklimas. Von der sozialen Verantwortung, welcher sich jeder Arbeitgeber verpflichtet fühlen sollte, ganz zu schweigen.

Um diese Missstände auch in das Bewusstsein der Fürther Bevölkerung zu rufen verteilen nationale Aktivisten in den vergangenen Tagen mehrmals Flugblätter in der Innenstadt sowie an weiteren stark frequentierten Punkten und der Agentur für Arbeit. Unter anderem wurde auch die Niederlassung des oben erwähnten Zeitarbeitsvermittlers nahe des Fürther Hauptbahnhofes aufgesucht. Vor allem von den Zeitarbeitern selbst erntete man freilich durchweg Zustimmung für die Aktion. Aber auch andere Passanten und Schüler zeigten reges Interesse an der Thematik.

Ein interessantes Gespräch entwickelte sich mit einem mittelständischen Arbeitgeber, welcher selbst Zeitarbeiter, hier von einer Erlanger Firma, beschäftigt. Der gute Mann war überzeugt, dass den bei ihm beschäftigten Zeitarbeitern der Tariflohn ausgezahlt wurde und die Zeitarbeit eigentlich etwas Gutes sei. Dass es bei Leiharbeitern aber hinsichtlich der sozialen Absicherung und den Rechten als Arbeitnehmern äußerst schlecht aussieht konnte selbst dieser nicht abstreiten. Er gestand, sich eigentlich darüber nie wirklich Gedanken gemacht zu haben. Ein Aktivist riet ihm einmal das persönliche Gespräch mit den Betroffenen, also den Zeitarbeitern zu suchen, anstatt sich immer von der Vermittlungsfirma „beraten” zu lassen.

Denn auch für Arbeitgeber darf die Leih- und Zeitarbeit keine Alternative zu festangestellten Arbeitnehmern darstellen.

Freies Netz Süd

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