Dem Raubtierkapitalismus zum Opfer gefallen

Manche unter uns werden sich noch an das Bauerndrama in Indien erinnern. Hunderte Bauern hatten dort vor Jahren Selbstmord begangen, nachdem sie durch ihre mit allerlei Versprechen herbeigeführte Abhängigkeit vom Gentechnik-Konzern Monsanto sich hoffnungslos verschulden mußten.

Monsanto gilt als ein exemplarischer Fall von Aktionärs-und Manager-Gier betriebener gnaden- und skrupelloser Konzernpolitik. Ist der Finanz- und Währungsbereich die eine Seite des Raubtierkapitalismus, so sind es die Konzernstrategien die andere. Zwei Seiten einer Medaille, die die Völker oft mit ihrem Blute zu finanzieren haben.

Ein Konzern der es heuer auch wenig rühmlich in die internationalen Schlagzeilen geschafft hat ist die Wilmar International mit Sitz in Singapur. An ihr ist u.a. die US-amerikanische Archer Daniels Midland beteiligt, beide Konzerne sind stark im Ölsaat-Geschäft engagiert. Wilmar ist sogar der global führende Konzern auf dem Gebiet der Palmöl-Gewinnung. Und nicht weniger skrupellos als Monsanto.

Jetzt wurden nähere Details über Wilmars Konzernpolitik bekannt. So haben deren Plantagenangestellte in der Provinz Jambi (Sumatra) gemeinsam mit der Polizei im August dieses Jahres hunderte Einheimische der Region unter Waffeneinsatz aus ihren Häusern vertrieben und diese mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht. Und das ohne Vorwarnung! Zwecks Vergrößerung des Anbaugebietes. Zwar wurde nach internationalen Protesten einen Schadenersatz geleistet, die dafür Verantwortlichen aber bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen. Mit über 600.000 Hektar Plantagen in Indonesien und Malaysia hat dieser Konzern noch immer nicht genug. In diesem Jahr wird übrigens mit eine Gewinnplus von fast 17 Prozent gerechnet.

Ähnliches, wenn nicht brutaler, spielte sich vor vielen Jahren in der Provinz Aceh (ebenso Indonesien) ab, als hunderte Eingeborene von ihrem Grund vertrieben, viele aber getötet wurden, nur damit ein US-Konzern dort seinen Schürfrechten nachgehen konnte. Wie rein zufällig hatte kurz zuvor Friedensnobelpreisträger, Außenminister Kissinger bei der Regierung vorgesprochen.

Was sich da tausende Kilometer fernab von Europa mitunter abspielt, ist unter anderen Vorzeichen und Auswirkungen auch schon in unserer Nähe möglich. So können in Ungarn, wo unter sozialistischer Herrschaft und mit EU-Hilfe bereits unzählige Bauern an den Bettelstab getrieben wurden, im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise (und im Zusammenhnag mit Frankenkrediten) bereits tragische Fälle dokumentiert werden.

Dazu schreibt die ungarische Zeitung Magyar Nemzet: „Jede Woche gibt es neue Nachrichten, daß verschuldete Menschen vor dem Zwangsvollstrecker in den Tod fliehen. Es ist inzwischen ein weit verbreitetes Muster, daß die Schuldner entweder aus dem Fenster ihrer Wohnungen springen, die vor der Zwangsversteigerung stehen, oder ihr Heim vor der Ankunft des Vollstreckers in Brand stecken. …“

Als Beispiel wird Frau Eva S. angeführt: „ In Begleitung von Polizisten wollte der Zwangsvollstrecker deren Wohnung. betreten. Die Frau riegelte die Tür jedoch ab. Als sie hörte, daß ihre Besucher das Schloss aufbrechen wollen, traf sie die Entscheidung. Bevor sie sich aus dem Fenster stürzte, schrieb sie ihrer 21-jährigen Tochter eine SMS: ‘Ich liebe Dich sehr, aber ich halte diese Ungerechtigkeit nicht mehr aus. Bitte verzeih mir!“

So weit sind wir also. Und wie weit wollen es die Geldmächte und ihre politischen Handlanger noch treiben? In Budapest und bald auch bei uns. Welche politische Partei traut sich dem „Big Business“ den Kampf anzusagen? Ich kenne keine.

Helmut Müller

Quelle

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