Thesen zu Verschwörungstheorien

Im nationalen Lager kommt es immer wieder zu kontroversen, aber zumeist oberflächlich geführten Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern von Verschwörungstheorien. Als Beispiel lassen sich die polemischen Anwürfe der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ gegen den österreichischen rechten Publizisten Gerhoch Reisegger anführen. Dieser sei ein „Verschwörungstheoretiker“ schrieb das Berliner Blatt nicht nur einmal. Damit ist allerdings über die Qualität von Verschwörungstheorien, die es sehr vielfältig gibt, nichts gesagt. Die Gegner von Verschwörungstheorien sollten also ihre Gründe nennen. Diesem Anliegen sollen die nachfolgenden Thesen dienen.

Während es sich bei der Redaktion der „Jungen Freiheit“ um Anpassungsgründe handeln dürfte, da man nicht in einem Atemzug mit „Antisemiten“ etc. genannte werden möchte, können politische Theoretiker und politische Wissenschaftler Verschwörungstheorien aus anderen, rationalen Gründen reserviert gegenüber stehen.

Verschwörungstheorien versus Systemkritik

Nationalrevolutionäre Theoretiker kritisieren Verschwörungstheoretiker, weil diese oftmals nicht den Kapitalismus als System – mit den Kategorien individueller Gewinnorientierung – ablehnen, sondern vielmehr behaupten, der Kapitalismus bzw. die Marktwirtschaft funktioniere nicht, weil verschwörerische Menschengruppen (Juden, Freimaurer etc.) dieses Wirtschaftssystem falsch anwenden bzw. steuern würden. Demzufolge seien bestimmte Personengruppen schuld und nicht das kapitalistische System. Dies bringt den Verschwörungstheoretikern den Vorwurf ein, nach Sündenböcken für die Misere des Kapitalismus zu suchen.

Geheimwissenschaft ohne Geheimnisse

Verschwörungstheoretiker und Esoteriker behaupten nicht selten, sie könnten Dinge sehen, die wir Normalsterblichen nicht sehen könnten. Dies erscheint lächerlich insofern, da oftmals die Quellen für Verschwörungstheorien in der etablierten Presse, im Internet usw. öffentlich zugänglich sind. Die Geheimnistuerei scheint deshalb vielen als „pornographischen“ Trieb von Verschwörungstheoretikern („Blick durch das Schlüsselloch“).

Monokausales Denken statt Ursachenforschung

Für Menschen, die an wissenschaftlichen Methoden orientiert sind, argumentieren Verschwörungstheoretiker zumeist monokausal, das heißt unwissenschaftlich. Bei ihrer Untersuchung scheint das Ergebnis schon zu Beginn der Recherche festzustehen: nämlich die Schuld der bösen verschwörerischen Gruppe, der Juden, Freimaurer usw. Monokausales Denken widerspricht grundsätzlich politikwissenschaftlicher Ursachenforschung: Für politische und soziale Wirkungen sind zumeist mehrere mögliche Ursachen bzw. ein Bündel an Ursachen maßgeblich (Hans-Dietrich Sander). Demgegenüber setzt der Verschwörungstheoretiker stets auf eine einzige Ursache: cui bono? Wem nutzt es? Das heißt, daß es – semantisch bedingt – nur einer Person oder einer Personengruppe – etwa „den Juden“ – nutzt. Dabei nutzt die kapitalistische Gewinnwirtschaft vielen Kapitalisten unterschiedlicher Volkszugehörigkeit.

„Entscheider im Hinterzimmer bzw. im Geheimparlament“

Manche Verschwörungstheoretiker, die sich selbst ohnmächtig fühlen, gehen davon aus, daß die gesamte Weltpolitik, gegenwärtige und geschichtliche Revolutionen sowie der Beginn und der Ausgang von Kriegen ausschließlich von einer Verschwörergruppe initiiert worden wäre. Beliebt ist die Vorstellung, daß die wichtigen Entscheidungen in einem „Weltparlament“, das nicht öffentlich tagt, getroffen würden. So lautet ein Buchtitel: „Das Komitee der 300“. Ein rechter Verlagsprospekt wirbt für dieses Buch, in dem das „geheime“ Weltparlament enttarnt wird, mit den Worten: „Können Sie sich eine allmächtige Gruppe vorstellen, die keine nationalen Grenzen kennt, über dem Gesetz aller Länder steht und die alle Aspekte der Politik, der Religion, des Handels und der Industrie, des Banken- und Versicherungswesens, des Bergbaus, des Drogenhandels und der Erdölindustrie kontrolliert – eine Gruppe, die niemandem als ihren eigenen Mitgliedern gegenüber verantwortlich ist?“

Solchen Verschwörungstheorien zufolge würden im Hinterzimmer bzw. im Geheimparlament (dem „Komitee der 300“) die wichtigsten Entscheidungen für die Weltpolitik getroffen. Beliebt ist die Vorstellung, bei den Treffen der Bilderberger bzw. im Freimaurerhaus würden wichtige politische Entscheidungen getroffen. Dabei werden in der Regel Ursachen und Wirkungen vertauscht: Denn diejenigen, die etwas Wichtiges zu entscheiden haben, die Geld besitzen, werden dazu animiert, in Freimaurerlogen etc. einzutreten, die Kontaktbörse der Entscheider sind. Dort sind die Mächtigen und Reichen unter sich.

Verschwörungstheorien sind die Theorien der Schwachen

Dem oben zitierten rechten Verlagsprospekt ist zu entnehmen, daß sich Verschwörungstheoretiker selbst ohnmächtig und schwach fühlen, der feindlichen Verschwörergruppe hingegen übermenschliche („allmächtige“, also göttliche) Fähigkeiten zuschreiben. Um es mit Friedrich Nietzsche auszudrücken: Verschwörungstheorien sind die Theorien der Schwachen, die den Starken vorwerfen stärker zu sein als sie selbst. Solche Theorien bewirken Ohmacht. Dies wirkt sich auf das nationale Lager insbesondere in Deutschland und Österreich verhängnisvoll aus. Stattdessen müßten die nationalen Deutschen sagen: „Wir sind derzeit noch schwach, wir wollen aber stärker werden! Wir wollen nicht resignieren. Wir brauchen eine Strategie, um stärker zu werden.“

Dämonisierung des Feindes

Mit dem Gefühl der eigenen Ohmacht ist die Dämonisierung des starken Feindes verbunden. Man wäre selbst gerne stark, ist es aber nicht. Der Schwache ist neidisch auf die Überlegenheit des Starken, weshalb der Schwache diese Stärke als etwas Böses empfindet. Somit haben Verschwörungstheorien eine zivilreligiöse Dimension. Die eigene Schwäche ist dem Guten entsprungen, der Starke gehört dem Bösen an. Nur ein Beispiel: Hitler dämonisierte die Juden, weil er ihnen verschwörungstheoretisch übermenschliche bzw. gottgleiche Fähigkeiten zuschrieb, beispielsweise den gesamten internationalen Finanzbetrieb zu steuern. Hingegen muß eine politische nationale Bewegung die Lage und die Kräfteverhältnisse realistisch analysieren. Um es mit Carl Schmitt auszudrücken: eine politische nationale Bewegung bekämpft einen wirklichen politischen Feind, der als Interessenskonkurrent wahrgenommen wird. An der Dämonisierung eines absoluten (bösen) Feindes können politikfähige deutsche Nationalisten und Patrioten kein Interesse haben.

„Die Juden wollen uns Deutschen schaden!“

Aus der oben genannten Dämonisierung des Feindes folgt, daß völkische deutsche Verschwörungstheoretiker oftmals unter vier Augen behaupten, „die Juden“ wollten uns Deutschen schaden. Diese Behauptung trifft in Bezug auf die Zionisten teilweise zu, die den deutschen Interessen, im Sinne einer unabhängigen deutschen Politik, tatsächlich schaden. Aber nicht deshalb, wie Verschwörungstheoretiker meinen, um uns Deutschen zu schaden, sondern um den eigenen, zionistischen Interessen zu nutzen. Schließlich arbeiten nationale Juden (Zionisten) für ihre eigenen jüdischen nationalen Interessen. Da die nationalen Interessen der Nationen einander entgegengesetzt sein können, ist es nicht überraschend, daß die nationalen Interessen der jüdischen wie der deutschen Nation – insbesondere seit 1945 – feindlich gegenüberstehen können. Konkret gesagt: Zionisten können mit der politischen Funktionalisierung des sogenannten Holocausts die Deutschen, die anderen Europäer und die US-Amerikaner in den Nahostkonflikt hineinziehen.

Konkurrenz der nationalen Interessen

Indem Israel mit den Europäern und Amis, bei denen es zudem verwandtschaftliche Überschneidungen gibt („Amerikanische Ostküste“), ein Bündnis nutzt, kann sich der Judenstaat gegenüber einer Übermacht an arabischen und islamischen Feinden in der Nahost-Region behaupten. Das kleine Israel kann sich nur gegen seine zahlreichen Feinde behaupten, indem es die europäischen und US-amerikanischen finanziellen und waffentechnischen Potentiale in seine eigene, zionistische Waagschale wirft. Deshalb muß aus jüdisch nationaler Sicht der sogenannte Holocaust allgegenwärtig sein, „Vergangenheit darf nicht vergehen“ (frei nach Ernst Nolte); das heißt: die „Relativierung“ des Massenmords des NS-Regimes an den europäischen Juden muß mit allen medialen und strafrechtlichen Mitteln unterbunden werden. So ärgerlich diese zionistische Strategie für nationalgesinnte Deutsche sein mag, sie ist aber aus jüdisch nationaler Sicht folgerichtig. Schließlich nutzt die dauerhafte Vergangenheitsbewältigung (Norman Finkelstein: „Holocaustindustrie“) den Zionisten und schadet dem Anliegen nationaler Deutscher.

Indem der deutsche völkische Verschwörungstheoretiker „den Juden“ diesbezüglich böse Absicht unterstellt – die bloße bösartige Lust daran, den Deutschen zu schaden –, verkennt er die Konkurrenzsituation in der Interessensvertretung der verschiedenen Nationen.

„Es gibt neben Verschwörungstheorie auch Verschwörungspraxis“

Nationale politische Theoretiker sollten Verschwörungstheoretikern insofern entgegenkommen, daß es Verschwörungen nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis gibt. Dies ist eigentlich eine banale Erkenntnis: schließlich macht jeder Konzern, jeder Interessensverband, jeder Profifußballverein wie der FC Bayern München Lobbyarbeit. Die Konkurrenten sollen die strategischen Schachzüge, die man auf dem Markt plant, nicht schon im voraus kennen. Was soll daran verwunderlich oder anstößig sein?

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

Kommentiere oder hinterlasse ein Trackback: Trackback-URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: