Nichts Neues im Westen

Wir veröffentlichen anlässlich der französischen Präsidentschaftswahl folgenden Text aus dem Jahr 2007.

Die Schlacht um die französische Präsidentenwahl ist geschlagen, der Neogaullist Nicolas Sarkozy hat im zweiten Wahlgang mit gut 53 Prozent der abgegebenen Stimmen die „Sozialistin“ Segolene Royal hinter sich gelassen, die auf knapp 47 Prozent kam. Bei der unterlegenen Royal handelt es sich freilich um keine Sozialistin im wirklichen Sinne. In ihrem Programm ist nämlich die Verstaatlichung von Produktionsmitteln überhaupt kein Thema. Royal ist vergleichbar mit den bürgerlichen Sozialdemokraten in der BRD, die sich längst mit dem Kapital arrangiert haben, die nur vorgeben, eine gute Sozialpolitik machen zu wollen. Royal wirkte im Wahlkampf inhaltlich unsicher, das konnte sie alleine durch ihr ansprechendes Äußeres nicht wettmachen.

Die französische nationale Wochenzeitung „Rivarol“ berichtet, daß sich seit der Präsidentenwahl 2002 insgesamt 3,5 Millionen französische Staatsbürger zusätzlich in die Wählerlisten eingeschrieben haben. Bei der Präsidentenwahl 2002 waren es noch 41 Millionen, 2007 schon 44,5 Millionen Wahlberechtigte (Vgl. Jerome Bourbon: Le scrutin de tous les conformismes. In: Rivarol, No. 2808, 27.04.2007, S. 3.). Die meisten dieser vorwiegend afrikanischen Papierfranzosen haben Royal gewählt – und dennoch hat es für sie nicht gereicht. Das ist so ähnlich wie beim bundesrepublikanischen „Deutschen“ Gewerkschaftsbund (DGB), der seit Jahren versucht, die Austrittswelle deutscher Arbeiter durch türkische Bauchtanzgruppen wettzumachen und dabei als Bettvorleger des Kapitals fungiert.

Völlig in die Hose gegangen ist auch die Bauernfängerei des Rechtspopulisten Le Pen, der im Wahlkampf zum ersten Wahlgang dem Zeitgeist entsprechend auf die zunehmende Zahl der Papierfranzosen setzte. Auf einem Werbeplakat warb gar eine Afrikanerin für den Front National, Le Pen selbst mischte sich kurz vor dem ersten Wahldurchgang unter die afrikanische Bevölkerung in einem Pariser Vorort, wobei natürlich eine Kamera fürs Fernsehen mit dabei sein mußte. Diese Anbiederung bei den Fremden trug freilich nicht dazu bei, daß diese in nennenswerter Zahl für den opportunistischen Kurs des Front National stimmten, aber die eigene Anhängerschaft und die Abstammungsfranzosen, die ja genau die Überfremdung kritisiert sehen möchten, wendeten sich bei derartiger Propaganda angewidert ab. So gewann Le Pen nicht nur keine afrikanischen Wähler in nennenswerter Zahl hinzu, er verlor auch noch Stimmen im Vergleich zur Präsidentenwahl von 2002 und kam nur noch auf – für ihn – magere 10,4 Prozent der Stimmen.

In „Rivarol“ (No. 2808 vom 27.4.2007, S. 3) greift nun der nationale Journalist Jerome Bourbon Le Pens Tochter Marine an, die den Multi-Kulti-Wahlkampf ihres Vaters maßgeblich zu verantworten hat. Schon vor Jahren hatte Marine Le Pen den Nationalisten Bruno Megret als „Rassisten“ beschimpft, der aber bei der letzten Wahl immerhin Marines Vater Jean-Marie Le Pen unterstützt hatte. Das heißt: Nach rechtspopulistischer Moral dürfen „Rassisten“ den „antirassistischen“ Wahlkampf von Rechtspopulisten unterstützen. Wie gut, daß das von den nationalen Wählern nicht honoriert wird.

Auch sonst war der Wahlkampf des Front National durchweg rechtspopulistisch angelegt, das heißt: es fanden keine Angriffe gegen das bürgerliche System und das Großkapital statt, das ja die Fremden zum Lohndruck gegen die französischen Arbeiter dringend braucht. Somit haben dann die Wähler den besseren Rechtspopulisten gewählt: nämlich Nicolas Sarkozy, der dann schon während des Wahlkampfes keinen Zweifel daran ließ, daß sich die Zionisten, also USA, GB und Israel und ihre Vasallen, auf seine Außenpolitik jederzeit verlassen können.

Denjenigen Rechten, auch bei uns, die sich jetzt freuen, daß in Frankreich wenigstens ein halbwegs rechter Kandidat das Rennen gemacht hat, der auch noch – im Sinne der Zionisten – verbal auf „dem Islam“ herumhaut, sei gesagt, daß sich unter Sarkozy an der Verausländerung Frankreichs nichts, aber auch wirklich gar nichts ändern wird. Denn hinter dem Neogaullisten steht nämlich – von den Zionisten einmal abgesehen – das Großkapital, das die Ausländerbeschäftigung, auch von Muslimen, dringend braucht, das nur hin und wieder – wenn es zu unschönen „multikulturellen“ Erscheinungen kommt – von der eigenen Urheberschaft durch Verweis auf den Sündenbock „Islamist“ abzulenken sucht.

Damit das Schreckgespenst vom gewalttätigen Islamisten weiter Fuß greifen kann, hat nun der Agent Provocateur Martin Schwarz auf seiner Weltnetzseite „Eiserne Krone“ die Fremden in Frankreich dazu aufgerufen, „mit dem Feuerzeug“ auf die Straße zu gehen. Das machen die wahrscheinlich auch ohne die Aufforderung des „Islamisten“ Schwarz, der sich selbst nicht einmal getrauen würde, für seine Sprüche auch nur einen Fuß vor die eigene Haustüre zu setzen. Absolut lächerlich wirkt Schwarz’ Halluzination, durch den Ausgang der französischen Präsidentenwahl sei bewiesen, daß das „Alte Europa“ am Ende sei – und somit der Ausweg nur noch in einer Islamisierung Europas bestünde: „Der einzige realistische Bezugspunkt in dieser epochalen Auseinandersetzung zwischen dem modernen Westen, geführt von Tel Aviv und New York, und der Tradition ist heute der Islam.“

Das gehört alles zum Spiel des Systems dazu: Sarkozy läßt in der Öffentlichkeit die Muskeln gegen die Islamisten spielen, der „Islamist“ Martin Schwarz ruft die Muslime auf die Straße, suggeriert, daß die einzige Alternative zum zionistischen Europa im islamischen Europa liegen könne, während sich Le Pen bei den Afrikanern anbiedert, ohne das bürgerliche System mit samt Kapitalinteresse anzugreifen. Somit bleibt alles beim alten. Das heißt, die Ausländerbeschäftigung wird nicht thematisiert.

Dies werden bald auch diejenigen Wähler des Front National erkennen müssen, die in der Stichwahl Sarkozy die Stimme gaben. Vielleicht wird der ein oder andere bald kapieren, daß es dem bürgerlichen System nicht um Ausländerrückführung, sondern um Ausländerbeschäftigung und um zionistisch motivierte Anti-Islam-Stimmung geht.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:

Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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