Straches politische Geisterfahrt

Der Strache sei ganz ein Schlauer, soll ein dem FP-Obmann nahestehender Einflüsterer einmal gesagt haben. Wenn schlau sein bedeutet, aus schweren politischen Fehlern eine Erfolgsleiter zu bauen, dann muß das schon eine ganz besondere Schlauheit sein. Straches jüngste Empörung wegen einer israelkritischen Äußerung des ohne Zweifel in anderer Sache kritikwürdigen österreichischen Verteidigungsministers kann nur als äußerst peinlich empfunden werden.

Für Nichtinformierte: Verteidigungsminister Darabos, eine Fehlbesetzung, gewiß, hatte den israelischen Außenminister Liebermann, aus meiner Sicht irgendwie auch fehl am Platz, als „unerträglich“ bezeichnet und zusätzlich die israelische Politik gegenüber Palästinensern und dem Iran kritisiert. Endlich einmal goldrichtige Worte aus dem Munde eines österreichischen Politikers, selbst wenn er Darabos heißt. Das aber rief unverzüglich und reflexartig den treuen Verbündeten der israelischen Nationalzionisten, HC Strache, auf den Plan.

Auch um der Freiheitlichen neue Stoßrichtung in Erinnerung zu rufen, hier einige bemerkenswerte Passagen aus Straches diesbezüglicher Presseaussendung:“…Für solche Regierungsmitglieder (Darabos) muß man sich als Österreicher schämen…Es stehe einem Zivildiener wie Darabos in keinster Weise zu, die Verteidigungspolitik Israels zu beurteilen oder gar zu kritisieren…damit agiere Darabos diametral gegen die Tradition Kreiskys, der stets den Dialog zwischen den Konfliktparteien gefördert habe…Für mich ist Darabos rücktrittsreif. Denn er hat Österreich nicht nur international blamiert, sondern auch unser Bundesheer und unsere Neutralitätspolitik kaputt gemacht…“

Eigentlich kabarettreif die wirre Aufgeregtheit. Wofür sollte man sich als Österreicher schämen? International blamiert? Ein Schwachsinn. Darabos, dessen sonstige Polit-Eskapaden ein anderes Kapitel sind, hat als braver Antifaschist etwas gesagt, was ein nicht nur Burschenschaftern teurer Freiheitsheld von 1813 oder 1848 auch gesagt hätte. Dabei hatte Darabos nicht einmal die ganze israelische Regierung als unerträglich bezeichnet. Im übrigen, mischen sich nicht israelische Politiker ständig in österreichische Belange ein?
Strache stellt dann die Sache überhaupt auf den Kopf, wenn er Kreisky, der unerschrocken die Rechte der Palästinenser einforderte, wieder einmal auf seiner politischen Geisterfahrt mitzunehmen versucht.

So, und dann habe Darabos auch noch Österreichs Neutralitätspolitik kaputt gemacht? Auch das ist ein Schwachsinn, begrifflich übrigens auch. Erstens überbewertet er in dieser Hinsicht Darabos, zweitens, hat nicht der selbsternannte Außenpolitiker Strache, als er zionistischen illegalen Landbesetzern zujubelte, selbst mit der von ihm zitierten Tradition gebrochen? Wohl wissend, welches erbärmliche Dasein den Palästinensern beschieden ist.

Kreisky hätte sich für so einen österreichischen Politiker zu Recht geschämt und sich nicht, wie zuletzt die FP-Vertretung in Brüssel, mit israelischen Faschisten à la Hillel Weiss genehmen palästinensischen Gesprächspartnern abgefunden und damit auch noch groß Werbung gemacht.

Nun kann die umorientierte Parteiführung zwar sagen, in unserem Lager ist ein regierender Teil Israels. Aber was bedeutet das weitergehend für die Zukunft der Partei? Und für Österreich?
Diese Fragen hat sich anscheinend noch kein FP-Mandatar und auch kein zum profitablen Dabeisein entschlossener Mitläufer ernsthaft gestellt. Und wenn doch, ist der Druck von oben so groß, daß man mit Kritik hinter dem Berg hält? Wird also wieder einmal Vielbeschworenes dem kurzfristigen Erfolg oder Profit geopfert? Tradition, Prinzipien, Ehre, Treue…

Lassen wir alle blendenden Umfragen einmal beiseite: Die von vielen Blauäugigen gezogene rollende Bühne, auf dem Strache und Co. ihr Theater spielen, ist, nicht nur meiner Meinung nach, auf vermintem Gelände unterwegs. Schmähbruder Strache kann aber nicht mehr zurück und ist gezwungen, mit seinen neuen Freunden im Nacken, bis zum Ende zu ziehen, und mit ihm die Partei. Wenn es diese nicht vorher zerreißt.
Sofern er nicht zu sehr aus der ihm zugedachten Rolle fällt, dürfte Strache (und Freunden) aber ein gut gefülltes Ruhekissen immerhin sicher sein. Siehe die Vranitzkys, Joschka Fischers usw.
Nicht auszuschließen ist danach aber der neuerliche Abstieg einer Partei, die einst große Persönlichkeiten hervorgebracht und moralisch wie auch in intellektueller Hinsicht schon bessere Zeiten gesehen hat.

P. S. Gerne würde ich mich irren und nicht recht behalten wie im Falle Haider ( “Jörg Haider – Patriot im Zwielicht”, 1996, DS-Verlag)

Helmut Müller

Quelle

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