Nationalverräter!

Der doch etwas überraschende Wahlsieg von Tomislav Nikolic bei den serbischen Präsidentschaftswahlen über den „proeuropäischen“ bisherigen Amtsinhaber Tadic scheint die Eurokraten nicht wirklich zu beunruhigen. Einige Kommentatoren bescheinigen Nikolic sich vom Nationalisten zum „Demokraten“ gewandelt zu haben, womit nichts anderes gemeint ist, als das sich der Serbe nun dem Diktat der EU unterwirft und offenbar auch für das neue neoliberale Zauberwort der „marktkonformen Demokratie“ eintritt.

Sicherlich trauen die politischen Spitzen in EU und USA dem derart gewandelten Ex-Nationalisten nicht über den Weg. Schließlich kündigte dieser auch an mit Russland eng kooperieren zu wollen und beruhigte seine nationalistisch gestimmten Wähler, dass doch der Weg Serbiens in die EU noch eine lange Zeit bräuchte. Im serbischen Parlament haben zudem noch immer die „proeuropäischen“ Kräfte um Tadic das Sagen, die auch von den ebenfalls gewandelten „Sozialisten“ unterstützt werden.

Aber schließlich hatte Nikolic in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass man in Brüssel durchaus auf ihn setzen kann. Ausgerechnet dem Liberalen Tadic warf Nikolic vor, den Weg in die „europäische Integration“, also den Beitritt Serbiens zur EU, nicht entschieden genug zu betreiben. Auf diesen Weg war Nikolic auch bereit das Herzstück der serbischen Historie, die Kosovo-Region aufzugeben. Dieser Nationalverrat ist nur als weiterer Unterwerfungsakt zu deuten. Daß Nikolic im serbischen Präsidentschaftswahlkampf wieder andere Töne anschlug ist sicherlich kaum verwunderlich.

Der Opportunismus des Tomislav Nikolic ist vielleicht sympthomatisch für eine geschlagene Nation. NATO, USA und EU-Bombenterror scheinen den politischen Eliten der Serben das Rückrat gebrochen zu haben. Während die nationalen Führer der serbischen Nation, wie etwa Mladic, Karadzic und Seselj vor ein „internationales“ Siegertribunal der NATO-Terroristen gezehrt werden verkaufen die „Sozialisten“ und zu Rechtspopulisten gewandelten Ex-Nationalisten um Nikolic die Ehre der serbischen Nation auf dem Altar der EU-Diktatur. Kriegstreiber die den Massenmord an serbischen Zivilisten einst als „Kollateralschäden“ verharmlosen konnten, werden daraus für die Zukunft den Schluss ziehen, dass sich die antinationale Umerziehung durch den Bombenterror der NATO lohnt.

Entgegen der von Tadic und Nikolic aufgestellten Behauptung kann die Zukunft der serbischen Nation nicht im Beitritt zu dem kränkelnden kapitalistischen und imperialistischen Konstrukt der „Europäischen Union“ liegen. Dieses steht für die Zerschlagung des serbischen Staatsgebietes, für die Demütigung und Vertreibung der Serben im Kosovo, die Ermordung von serbischen Zivilisten und für die Dämonisierung des serbischen Volkes durch Gutmenschen und Menschenrechtskrieger. Zudem steht die EU für den ökonomischen Abstieg durch die Hegemonie des neoliberalen Krisenkapitalismus. IWF, Weltbank und EU halten nach dem Sturz Slobodan Milosevic`s Serbien im Würgegriff einer radikalkapitalistischen Abstiegspolitik.

Sicherlich geht den Serbenfeinden der Westlichen Wertegemeinschaft, etwa der Springerpresse und der liberalen „Zeit“ oder „SZ“, der Unterwerfungsakt eines Tomislav Nikolic noch nicht weit genug. Deshalb muss der Neo-Rechtspopulist von den antiserbischen Menschenrechtskriegern noch immer als „Der Extremist“ durch den Kakao gezogen werden. Bei aller neuentdeckten Zuneigung für die antinationalstaatliche Einrichtung Namens „EU“ wird Nikolic in der Westlichen Wertegemeinchaft doch als Paria behandelt. Vielleicht ergeht es Nikolic ja wie Janukowitsch in der Ukraine, der einst neben dem pro-russischen auch einen EU-freundlichen Kurs fuhr und nun von den „Supereuropäern“ als „Diktator“ verunglimpft wird.

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