Beutesystem (2)

Zu meinem Artikel über das „Beutesystem“ …

Siehe:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2012/06/20/beutesystem/

… sei noch ergänzt, daß Parteien, die im System Parteienstaat agieren, in ihrer Funktionsweise den Wirtschaftsunternehmen in kapitalistischen Systemen vergleichbar sind. Derartige Firmen sind am ökonomischen Erfolg orientiert. Der Kapitalist oder ein von ihm Beauftragter sucht auf dem Arbeitsmarkt nach qualifizierten und zugleich anpassungsfähigen Mitarbeitern. Kritik am Unternehmer, am Unternehmen oder an den in ihm produzierten Waren oder Dienstleistungen dürfen nur nach innen, niemals nach außen geübt werden. Letzteres gilt als „Verrat“. Denn der Mitarbeiter soll dem Kapitalisten dankbar sein für die von ihm verteilten materiellen Zuwendungen – wie der Kleinmafiosi seinem Mafiaboss dankbar zu sein hat.

Die Erfolgsorientierung eines kapitalistischen Unternehmens hängt damit zusammen, daß man sich auf dem Markt gegenüber der Konkurrenz behaupten muß. Auch für Parteien im pluralistischen Parteienstaat gilt das – im Kampf um Posten, Mandate, Diäten, Ministerbezüge, Berater- und Vortragshonorare usw. Für eine rechts- oder linksradikale Partei bedeutet dies, daß die eigene Partei vorsichtig sein muß, nicht schon vor dem Griff nach der Staatsmacht vom politischen Gegner, der den Staatsapparat augenblicklich noch dominiert, verboten zu werden.

Deshalb ist es mehr als verständlich, wenn der Landesvorsitzende der Bayern-NPD Ralf Ollert sagt: „Wir machen keine unrechtmäßigen Sachen.“

Siehe:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/personalprobleme-im-npd-landesverband-kampf-um-die-bayerische-rechte-1.1390372

Ollerts Kritiker aus dem freien nationalistischen Bereich werfen ihm nun vor, ein Systemanpasser zu sein. Ja, aber was denn sonst? Ein bißchen Anpassung muß schon sein, schließlich hat man in den letzten Jahrzehnten einen Großteil der eigenen Freizeit und somit des eigenen Lebensentwurfs in die Parteiarbeit gesteckt. Und irgendwann möchte man mal die Früchte der eigenen Arbeit ernten, das heißt im bayerischen Landtag sitzen, um dort für die Interessen des deutschen Volkes einzutreten, und auch um – sinngemäß nach Max Weber – die „Politik zum Beruf“ zu machen. Die Motive zum politischen Engagement entsprechen bei den meisten Politikern einer Mischung aus politisch idealistischen und persönlichen Aspekten.

Auch Adolf Hitler beteuert nach seinem Gefängnisaufenthalt in Landsberg 1923/24 gegenüber der bayerischen Landesregierung seine legalen Absichten. Einen ausdrücklichen Legalitätseid legte der Führer nochmals am 25. September 1930 beim sogenannten Ulmer Reichswehrprozeß vor dem Reichsgericht in Leipzig ab.

Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Reichswehrprozess

Hitler war sicherlich der Auffassung, die Umsetzung seines politisches Konzept würde dem deutschen Volk nutzen. Was daraus geworden ist, ist eine andere Sache. Aber selbstverständlich war Hitler auch Selbstdarsteller, der als erfolgreichster deutscher Staatsmann und als größter Feldherr aller Zeiten (Gröfaz) in die Geschichte eingehen wollte. Und dafür brauchte er das Instrument NSDAP, um erst einmal an die Macht zu kommen. Nationalrevolutionäre warfen ihm damals aufgrund seines Anpassungskurses vor, ein „Verräter“ zu sein.

Zu diesem Thema siehe:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2010/10/31/autonome-nationalisten/

Selbstverständlich war auch der rhetorisch und intellektuell begabte Joseph Goebbels (in seinem Sinne) Idealist und Selbstdarsteller zugleich. Nach der Bamberger Führertagung der NSDAP schrieb er noch in sein Tagebuch Negatives über den „Reaktionär“ Hitler, zum Beispiel über dessen Gleichsetzung, Bolschewismus sei „jüdische Mache“ –, zumal Goebbels selbst zu diesem Zeitpunkt dem gegnerischen „ehrlichen“ Strasser-Flügel angehörte.

Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bamberger_F%C3%BChrertagung

Aber schon reifte in ihm die Einsicht, daß innerhalb der Partei unter Hitler die stärkeren Bataillone marschieren. Der Führer ging dann mit seinem „Scheckbuch“ auf „Einkaufstour“, er warb den begabten Goebbels der Strasser-Gruppe ab. Den Rheinländer lud er ins „Braune Haus“ nach München ein, bot ihm einen gut dotierten und für Selbstdarstellung bestens geeigneten Posten als Gauleiter von Berlin an. Goebbels war vom Charisma des Oberösterreichers dermaßen entzückt und fasziniert, so daß er sofort auf das Angebot einging.

Der „Verräter“ Goebbels agitierte dann umso mehr – offensichtlich wegen seines schlechten Gewissens – gegen die Strassergruppe, er war auch 1934, als unter anderen Gregor Strasser totgeschlagen wurde, auf der „richtigen“, das heißt erfolgreichen Seite. So viel zum Thema „Beutesystem“ innerhalb der NSDAP. Nach dem 8. Mai 1945 konnten sich dann Millionen Deutsche nicht mehr so recht daran erinnern, Mitglied dieser Partei oder einer ihrer Massenorganisationen gewesen zu sein. Denn die Beute verteilten nun die neuen Sieger, die Feinde der Nazis. Und die bestimmten nun darüber, wer mitmachen durfte und wer nicht. Hermann Göring und Heinrich Himmler („Meine Ehre heißt Treue!“), die sich kurz vor Kriegsende den Westalliierten als Schildträger im gemeinsamen Kampf gegen den Bolschewismus andienten, wurden von diesen abgewiesen und auch folgerichtig von Hitler als „Verräter“ aus der NSDAP ausgeschlossen. Auch für Goebbels, der ganz am Schluß als Reichskanzler noch mit der Sowjetarmee verhandeln ließ, kam seine opportunistische Rückkehr zum „Nationalbolschewismus“ zu spät.

Sicherlich werden nun ein paar Hitleristen behaupten, ich hätte wieder einmal den Führer und andere NS-Größen beleidigt, dabei noch Hitler mit Ollert gleichgesetzt (andere werden mir vorwerfen Ollert mit Hitler gleichgesetzt zu haben). Dem entgegne ich, daß Wissenschaft immer auf den Vergleich angewiesen ist, und vergleichen ist nicht das Gleiche wie gleichsetzen.

Ein aktueller Nachtrag zum Thema:
Neulich ist auch der „Hitler von Köln“, Axel Reitz, aus dem NW ausgestiegen bzw. ausgeschlossen worden, nachdem dieser kürzlich in einem Strafverfahren – aus Eigennutz zur eigenen Entlastung – seine „Kameraden“ belastete.

Siehe:
http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/kontaktverbot-oder-verraeter

Vor ein paar Monaten noch hatte er, der sich mit seiner Agitation gegen einen Synagogenbau einen Namen machte, auf „Freies Netz Köln“ getönt, seine Meinungsgegner wollten alle einen Posten und Geld bei Apfel, usw. Er selbst wurde nicht in die NPD aufgenommen. Das war sein Problem. Auch der „bayerische Hitler“ „Flex“ hatte unlängst die Flatter gemacht. Auch er, ein kleiner Selbstdarsteller, der die Szene mit „Blut muß fließen knüppelhageldick … .“ bespaßte. Wir sollten uns also immer genau anschauen, mit w a s sich unsere Kameraden selbst darstellen.

Desertiert ist unlängst auch Andreas Thierry, der einem bürgerlichen Verleger in Oberösterreich, der ihm und seiner Familie Lohn und Brot gab, versprach, keine nationalen Texte mehr zu veröffentlichen. Nach einer Antifa-Veröffentlichung war Thierry auf seinem Redaktionsposten nicht mehr zu halten. Der „Weltanschauungskämpfer“ und „Rassische Aristokrat“ wurde auf diese Weise auf sein natürliches menschliches Maß zugerecht gestutzt. Selbst bei vermeintlichen „Herrenmenschen“ (und nicht nur bei Juden) ist hin und wieder das GELD stärker als das BLUT.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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Kommentare

  • SAF  Am 28. Juni 2012 um 16:54

    Das Problem besteht in „Abhängigkeiten“ voneinander/untereinander in Gruppen, Parteien, Firmen etc. Das kann absolut destruktiv aber auch konstruktiver Natur sein.

    Holger Apfel will als Parteivorsitzender die NPD zum Erfolg führen, was ganz klar natürlich und auch seine Aufgabe ist. Und er weiß halt das mit Theater und Karnevals NSlern längerfristig nichts mehr zugewinnen ist. Nur ob sein Kurs hin zum Rechtspopulismus aller FPÖ gerade in der Krise erfolgversprechender ist, wird sich zeigen. Ebenfalls waren die Freien Kameradschaften jahrelang das Rückgrat der Partei. Und ohne diese wird die NPD Probleme haben überhaupt noch Kampagnen fähig zu sein Bsp: der Bayerische NPD Landesverband.

    Ich glaube die NPD wird am ende so oder so wie die DKP im Nichts enden!

  • Nationalrevolutionär  Am 29. Juni 2012 um 11:21

    @SAF

    Ich glaub nicht, daß man Apfels Kurs, „Seriöse Radikalität“, im Ganzen gesehen als „Rechtspopulismus“ bezeichnen sollte. Dagegen spricht das relativ scharfe soziale (nicht sozialrevolutionäre) Profil, sowie der Anti-Israel-Eklat vor ca. zwei Jahren im sächsischen Landtag.
    Sehr wohl versucht Apfel, den Trend zum Rechtspopulismus abzufangen. Dafür sprechen Frank Franz und Thorsten Thomsen als Pressesprecher und seine Zusammenarbeit mit Pastörs, der das neoliberale Kirchhoff-Steuermodell befürworet. Auch die Unterstützung der Molau-Kandidatur damals für den Parteivorsitzendenposten gehört dazu.
    Apfel versucht ein breites Spektrum abzudecken. Nicht jedes Teilspektrum wird bei National- und Sozialrevolutionären auf Beifall stoßen, aber wäre es denn besser, wenn Franz, Peter Marx, Thomsen und Pastörs aus der NPD austreten würden und sich einer rechtspopulistischen Formation anschließen würden? Davon abgesehen, daß beispielsweise Pastörs mit seinen Ausfällen gegen Juden für Rechtspopulisten sowie verbrannt ist. Aber es ist aus nationalrevolutionärer Sicht nicht sinnvoll, wenn beispielsweise die Pros, Reps oder Freien Wähler das Rennen machten und die NPD auf der Strecke bliebe!

  • SAF  Am 29. Juni 2012 um 11:53

    @Nationalrevolutionär

    Für Nationalrevolutionäre wäre es vielleicht sogar hilfreich, wenn Franz, Peter Marx, Thomsen und Pastörs die Segel streichen würden! Letztendlich spielen sozial- und nationalrevolutionäre Positionen in der NPD keine nennenswerte Rolle. Auch wurde bereits von anderen Kommentatoren angedeutet ob es mal nicht langsam an der Zeit wäre eine eigene organisierte Partei zu gründen.
    Damit man:

    1. Dass NR Spektrum besser organisieren kann.
    2. Sein Profil/Inhalte besser bekannt zumachen.
    3. Die NPD von „Linker“ NR Seite aus inhaltlich und personell unter Druck zusetzen.

    Es herrscht immer noch eine falsche Sympathie zu Reaktionären wie Thomsen, Frank etc.bringen sie uns als Nationalrevolutionäre weiter ja oder nein? Natürlich nein! Politik ist der Kampf um Macht. Wenn möglich viele seiner Positionen durchzubekommen und da ist jedes Mittel Recht! (Siehe: Joschka Fischer, Gerhart Schröder etc.).

    Schließlich steckt ja auch im Wort nationalrevolutionär das Wort Revolutionär oder?

    Jürgen Schwab und Sozrev (die SdV) leisten das sehr gute Arbeit, aber wie geht es zukünftig weiter, auf was wartet man/ihr?

  • sozrev  Am 29. Juni 2012 um 14:42

    „aber wäre es denn besser, wenn Franz, Peter Marx, Thomsen und Pastörs aus der NPD austreten würden und sich einer rechtspopulistischen Formation anschließen.“

    Unwahrscheinliches Szenario weil die genannten Herren in der NPD wohl bis zu 40 Prozent der Mitglieder vertreten. Die NPD wird aber niemals eine „echte“ Rechtspopulistenpartei werden, da diese Partei dafür verbrannt ist und überall als „neonazistisch“ gilt. Ein „rechtspopulistischer“ Kurs der NPD muss schon an der Unglaubwürdigkeit der Akteure für ein solches Anliegen scheitern. Darum wird ein „rechtspopulistischer“ Kurs nur von einer Wahlniederlage in die nächste führen, während andere Rechtspopulisten („Sarrazin-Partei“ und ähnliche Formationen) durchaus erfolgreich sein könnten.

  • Schwab  Am 29. Juni 2012 um 15:49

    @SAF

    Also mit zwei Leuten, denen Du gute Arbeit attestierst, können wir keine Partei gründen. Dafür sieht das Parteiengesetz mindestens sieben Personen vor. Ursprünglich ist in der SdV auch an gar keine neue nationalrevolutionäre Partei gedacht.

    Siehe:
    https://sachedesvolkes.wordpress.com/2010/03/31/grundsatzerklarung-der-sache-des-volkes-sdv/

    Die Festlegung, keine Partei gründen zu wollen, kam nicht von mir, sondern von NPD-Leuten, die aber nicht mehr in der SdV sind. Das müßte so oder so keine Festlegung für die Ewigkeit sein.

    Wie in meinem oben stehenden Artikel dargelegt, sollte man vor Gründung einer Partei überlegen, ob es hierfür eine ausreichend große a) Mitglieder- und b) Wähler-Marktlücke gibt.

    Zur Wählermarktlücke zu füllen braucht man Geld und viele Aktivisten für Wahlkämpfe. Zur Zeit gibt es nicht mal die Möglichkeit für eine ausreichend große Mitgliedermarktlücke, also die Bereitschaft, sich in großer Zahl in einer solchen Partei zu organisieren, Beiträge zu zahlen, sich zu engagieren, zu Wahlen anzutreten.

    Wir würden über die Organisationsstärke der NF Anfang der 1990er Jahre nicht hinauskommen. Von den wenigen Mitgliedern würden auch nur ein Teil zu Wahlen antreten oder unter ihrem Namen Parteiämter übernehmen (private und berufliche Gründe). Wir würden wahrscheinlich nicht einmal in einen Stadtrat einziehen. Die NPD hat schätzungsweise 300 kommunale Mandate und etwa 12 Landtagsmandate.
    Also nur um die NPD von links zu ärgern (wie Worch rechts von der NPD), darin sehe ich keinen Sinn. Ein „Druck“ würde auch nicht mal entstehen – mangels Masse.

    Die NPD deckt derzeit zum Teil unsere Inhalte ab. Würde die NPD a) verboten oder b) in Richtung Pros und Reps abdrehen, wäre dies eine andere Situation. Dann wäre ein Platz frei. Aber wie @Sozrev richtig sagt, wollen das einige, das scheitert aber daran, daß die NPD dafür „verbrannt“ ist.

    Viel wichtiger ist der Ausbau der SdV – vor allem in Regionalgruppenarbeit. Wir haben zur Zeit nur drei Regionalgruppen. Darüber hinaus ein gutes Beziehungsnetzwerk. Solange die „Lobby“ der Nationalrevolutionäre relativ klein ist – selbst wenn man alle andere Kleinstgruppen und Internetseiten dazurechnet – würde eine Parteigründung als lächerlich erscheinen.

    In die Karten könnte uns aber die weitere wirtschaftliche und soziale Entwicklung spielen: Euro-Krise usw. Bei einer weiteren Verarmung wäre die Fusion des Nationalrevolutionären mit dem Sozialrevolutionären zu greifen. Die Nachfrage könnte ansteigen. Allerdings wären wie immer noch auf den NW begrenzt. Sinnvoll wäre ja, daß auch Linke und Wertkonservative als Bündnispartner den Weg zu uns finden könnten.

    Aber auch dann könnte es wieder mehrere nationalrevolutionäre Gruppen geben, die sich gegenseitig im Weg stehen, vor allem virtuelle Gruppen, die sich mit gesellschaftlich stigmatisierten Personen wie mir in der Öffentlichkeit nicht sehen lassen wollen. Und zudem werden dann wieder alle möglichen Demagogen nach Bankenverstaatlichung laut schreiben, um die SdV scheinbar überflüssig zu machen.

    .

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