„Vergesst Auschwitz“!

Zu den unverschämtesten, aber sicherlich auch unterhaltsamsten Journalisten und Publizisten gehört Henryk M. Broder, der durch seine Internetplattform „Achse des Guten“, in seinen Kolumnen in der Tageszeitung „Welt“ oder durch seine diversen Talkshowauftritten zahlreichen Lesern ein Begriff sein dürfte. In seinem neuen Buch „Vergesst Auschwitz“ geht Broder seiner Lieblingsthese nach: Gutmenschen und Friedensfreunde seien die neuen „Antisemiten“. Broder schlägt in seinem neuen Werk vor, man solle doch Auschwitz, dass „Disneyland“ des Vergangenheitsbewältigung lieber abreißen und stattdessen den Iran bombardieren.

In Deutschland und weltweit sei ein als Antizionismus und Antiamerikanismus maskierte Antisemitismus am Werk. Während jene Anschauungen in den 1970er Jahren nur ein Nischenthema von K-Gruppen und Antiimperialisten gewesen sei, so würden Antizionismus und Antiamerikanismus heute von der „Mitte der Gesllschaft“ unters Volk gebracht. In der Süddeutschen, der Zeit, ja selbst in der altehrwürdigen konservativen FAZ toben sich laut Broder heute Israel- und Amerikafeinde aus, die zudem nicht besseres zu tun hätten als den „Islamofaschisten“ Ahmadinejad in Schutz zu nehmen oder die palästinensische Hamas als „Partner“ für einen Frieden in Nahost zu bezeichnen.

Broders Dauerkalauer die Juden hätten den Deutschen längst vergeben, die Deutschen jedoch diesen nicht, dass sie den Holocaust überlebten, wird auch in „Vergesst Auschwitz“ wieder aufgewärmt. Der „alte“ Antisemitismus – etwa eines Horst Mahler – sei völlig uninteressant, da ohne gesellschaftliche Relevanz, so Broder bei einer Anhörung im Bundestag zum Thema Antisemitismus. Die neuen und „gefährlicheren“ Antisemiten verkleideten sich heute als Israelkritiker und säßen beispielsweise als Linkspartei- oder Grünen-Abgeordnete im Bundestag, andere hätten es gar als CDU-Minister – wie Norbert Blüm – zu etwas in dieser Republik gebracht.

Der Neocon Broder muss sich wohl auch selbst reinwaschen, denn wie er in seinem Buch berichtet, hatte er einst als kleinbürgerlicher Linker einst beim Antiamerikanismus und wohl auch Antizionismus mitgemacht. Damals Ende der 1960er-Jahre, als Anti-Springer-Demonstrant, wobei er doch angeblich nur mit einer hübschen Trotzkistin anbandeln wollte. Nun gefällt sich Broder in der Rolle des bürgerlichen Antisozialisten, der vor allem ein großes Herz für den proisraelischen und rechtspopulistischen Islamfresser Geert Wilders entdeckt hat. Jener sei doch kein Rechtspopulist, sondern ein liberaler Aufklärer, so Broder.

Die antiislamische Polemik, geboren aus dem Gift des Liberalismus, kommt beim deutschen Kleinbürger zweifelsohne gut an. Die rechtspopulistische Broder-Fangemeinde sammelt sich darüber hinaus auf dem islamophoben Internetportal PI-News oder bei den Pro-Gruppen. Aber irgendwie können sich auch die „alten“ und echten Antisemiten von Altermedia für Broder erwärmen, da dieser der bundesrepublikanischen Zensurjustiz empfielt „Holocaust-Leugner“ nicht länger zu verfolgen. Nun musste Axel Möller seinen Leser freilich verschweigen, was Broder im Sinne hatte: Statt Horst Mahler und Ernst Zündel in den Knast zu stecken, sollten die deutschen Gutmenschen doch endlich ernst machen mit ihrem Kampf gegen den „Faschismus“ und im Iran, in Gaza oder im Libanon ordentlich auf israelischer und US-Seite mitbomben und mitmorden.

Dem „Islamkritiker“ Broder geht es alleine um die liberalen Werte der Westlichen Wertegemeinschaft und nicht etwa um den Erhalt des deutschen oder polnischen Volkes. Europa soll laut Broder richtig multikulturell durchmischt werden, aber bitte nicht mit Muslimen, sondern mit Asiaten, Afrikanern, usw. Deswegen gehören zu Broders Mitschreibern auf der „Achse des Guten“ auch zahlreiche Antideutsche wie Alex Feuerherdt alias der bekannte antideutsche Blogger „Lizas Welt“, Ivo Bozic von der Jungle World oder der antideutsche Graf Thomas von der Osten-Sacken.

In Wahrheit hat Broder auch ein Problem mit seiner eigenen jüdischen Identität, da ihm die jüdische Religion nichts bedeutet und er sich eher dem Atheismus verpflichtet fühlt. Broder ist weder Deutscher, Pole, gläubiger Jude oder Europäer sondern ein kulturell, nationspolitisch und religiös entwurzelter Ultraliberaler der sein Heil, seine Ersatznation- und Ersatzreligion in der Israel- und USA-Solidarität sucht.

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Kommentare

  • simmering  Am 29. Juni 2012 um 08:20

    Broder ist jemand der seinen Zugang zur Kultur des Abendlandes(=Westens) gefunden hat.So wie der Zionismus eben eine westlich,eine abendländische Entwicklung im Judentum markiert.(säkular oder säkular ausgerichtet,technisch innovativ,schaffend!!!!)

  • sozrev  Am 29. Juni 2012 um 14:46

    Spätestens seit Mitte der 1960er Jahre ist der Zionismus von seiner säkularen Phase in eine orientalisch nationalreligiöse Übergegangen. Der moderne Islamismus ist als Gegenbewegung zu dem Sieg der Israelis im Sechstagekrieg zu werten. Islamisten sahen die Ursachen für die arabische Niederlage in der religiösen Stärke der Israelis und dem angeblichen Glaubensverfall der Araber. Wer eine Ahnung von der Geschichte des Zionismus und Islamismus hat wird dies wissen – dies sollte man aber bei PI-News-Dummkommentatoren nicht unbedingt voraussetzen.

  • sozrev  Am 30. Juni 2012 um 07:33

    Der Hausmeister wird in Zukunft beleidigende Wortmeldungen gegen Mitglieder der SdV zensieren. Also benhemt euch sonst ist der Saft aus.

  • aron2201sperber  Am 8. Juli 2012 um 08:59

    Dem „Islamkritiker“ Broder geht es alleine um die liberalen Werte der Westlichen Wertegemeinschaft und nicht etwa um den Erhalt des deutschen oder polnischen Volkes.

    das habt ihr gut erfasst.

    um was geht es euch eigentlich?

    wodurch unterscheidet ihr euch von klassischen Nazis, außer dass ihr statt eines Hakenkreuzes ein neues Symbol verwendet?

  • sozrev  Am 9. Juli 2012 um 15:30

    Aron Sperber:

    Du als antideutscher Neocon wirst doch sicherlich unter der Rubrik Grunsatzerklärung nachsehen können.

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