Jürgen Elsässers Volksinitiative

Jürgen Elsässer Volksinitiative gegen das Finanzkapital hat auf der Linken wie auch auf der politischen Rechten sehr viel Aufregung und Hektik gesorgt. Deswegen erscheint es geboten sich mit dem von Elsässer angedachten Konzept der Volksfront einmal auch an dieser Stelle zumindest kurz zu befassen. Dem bekannten Publizisten und umstrittenen Querdenker wurde von der Linkspartei-nahen Publikation Neues Deutschland gekündigt. Das ehemalige SED-Zentralorgan schrieb zur Begründung der Kündigung des Arbeitsverhältnisses: „Hintergrund ist eine von ihm gegründete »Volksinitiative«, die zu einer »Volksfront« gegen das »anglo-amerikanische Finanzkapital« aufruft, der sich auch das »national bzw. ›alt-europäisch‹ orientierte Kapital« anschließen möge. Dieses auf einen äußeren Feind orientierende Projekt hat nichts mit den tragenden redaktionellen Grundsätzen des ND zu tun. Wir unterstellen Elsässer nicht, ins rechte Lager übergewechselt zu sein, möchten aber nicht als Plattform für sein Vorhaben herhalten; auch nicht insofern, dass der Initiator eine ständige ND-Autorenschaft als Werbung für sein privates politisches Projekt einsetzt. Das ist geschehen. ND bietet Raum für allerlei Ansichten und Meinungsstreit innerhalb der Linken – wir debattieren auch kontrovers mit Auffassungen, wie sie in dieser »Volksinitiative« zum Ausdruck kommen. Wir sind aber kein publizistisches Instrument für alte Irrtümer.“

Einmal ganz davon abgesehen das einem das verwendete Vokabular sehr wohl an längst vergangen geglaubte Zeiten, etwa der stalinistischen Säuberungen erinnern mag zeigt sich hier auch die Unfähigkeit und der Unwillen vieler heutigen vorgeblichen „Linken“ über Inhalte und Streitfragen konkret zu diskutieren. Anstatt dessen wird mit Vorliebe die Antifa-Keule gezückt – hier sind Diskussionen unnötig, ungeliebete Meinungen werden einfach als angeblich „faschistisch“ oder schlimmeres niedergeprügelt. So nun auch geschehen bei dem Elsässer-Vortrag der das Fass zum Überlaufen brachte. Eine Veranstaltung Elsässers mit ca. 120 Zuhörern wurde von Antifa-Schlägertruppen aus dem antinationalen und antideutschen Milieu überfallen. Zwei der Gäste der Veranstaltung wurden brutalst zusammengeschlagen, darunter auch der Sänger der antiimperialistischen Hip-Hop Band „die Bandbreite“. Hier zeigte sich einmal mehr die völlige Diskussionsunfähigkeit solcher sich als vorgeblich „antifaschistisch“ maskierenden Gesellen die nicht selten schon jede Kritik am Kapitalismus ad acta gelegt haben. Anstatt gegen den Gang kapitalistischer Ausbeutung und den daraus resultierenden täglichen Angriff auf Massse des Volkes demonstriert man lieber gegen solch unglaubliche Wichtigkeiten wie „Nazi-Läden“ oder stellt sich nicht selten als willige Idioten dem Imperialismus zur Verfügung wie jüngst in Berlin gar durch die Führung der dortigen Linkspartei geschehen.
 
Elsässers Werdegang – Antinational, Antideutsch, Linksnational 

Elsässer war für eine lange Dekade Mitglied des 1991 aufgelösten „Kommunistischen Bundes“ (KB) und vertrat damals Positionen die man als antinational umschreiben kann. Ab 1990 entwickelte er sich zu einem der Wortführer der sich damals als „radikale Linke“ bezeichnenden antideutschen Strömung. Elsässer nahm für sich in Anspruch 1990 in Stuttgart das Label „Antideutsch“ erfunden zu haben. In einem Interview mit der dezidiert antideutschen Wochenzeitung Jungle World meinte Elsässer: „Nie wieder Deutschland« – dieser Slogan wurde von unserer Polit-Gruppe in Stuttgart zu Jahresanfang 1990 erfunden, im Zweifelsfall liegt das Copyright bei mir. Nach dem Fall der Mauer sah es wirklich so aus, als ob ein »Viertes Reich« entstünde, deswegen musste man antideutsch sein. Aber die nationalistische Dynamik wurde ab Mitte der neunziger Jahre durch die globalistische Dynamik gebrochen. Deutschland musste sich den USA wieder unterordnen. Wer heute angesichts der Bush-Politik keine antiamerikanischen Reflexe hat, ist hirntot oder gekauft.“ Elsässer der damals vor allem in Konkret publizierte sah in der deutschen Wiedervereinigung die neue aufbrechende Gefahr eines „vierten Reiches“ und interpretierte die Ereignisse von 1989/90 in den Kategorien von 1933.
 
1997 sollte Elsässer die Jungle World aus der Taufe heben die von ihm heute als imperialistisches „Feindblatt“ angesehen wird. Schließlich wurde er gar Chefredakteur bei Konkret. Damals plädierte Elsässer für ein Bündnis aus US-Republikanern, osteuropäischen Nationalisten, Frankreich und Großbritannien gegen Deutschland – in dem er einen Wiedergänger des NS-Deutschlands der 30er Jahre zu erkennen glaubte. Antinational war Elsässer schon damals längst nicht mehr. So gab es für ihn einen „guten“ und einen „schlechten“ Nationalismus. Insbesondere der serbische Nationalismus wurde von ihm damals schon unterstützt. In die deutsche Nation wollte er aber alle schlechtigkeit und moralische Verwerfungen hineininterpretieren.

Als maßgeblich für die Gründung der „antideutschen Linken“ wird deswegen auch Elsässers Text: „Warum die Linke antideutsch sein muss“ aus dem Jahre 1990 angesehen. Elsässers darin erhobenen Thesen lassen sich in den Grundpunkten folgendermaßen zusammenfassen: Es würde nicht ausreichend sein nur gegen die Wiedervereinigung aus Sicht eines Antinationalismus einzutreten, dies wäre eine Verkürzung der inneren Dynamik des deutschen Kapitalismus. Die antinationale Linke würde übersehen das eine große Mehrheit der Deutschen die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wünschen würde. Die deutsche Wiedervereinigung sei in diesem Sinne Ausdruck der wie er meinte „inneren Dynamik des deutschen Nationalismus“. Elsässer warf damals der antinationalen Linken vor nur gegen die „Entscheidungen der kapitalistischen Entscheidungsträger“ zu protestieren. Der seiner Meinung nach eigentliche Handelnde wäre aber das deutsche Volk, das weitaus „nationalistischer“ prononciert sei als seine Entscheidungsträger. Aber schon 1991 kam es zur Spaltung der aus dem Kommunistischen Bundes und Teilen der Grünen und Autonomen hervorgegangenen antideutschen „Radikalen Linken“.

Der Streit fokusierte sich vor allem auf die Frage nach der Positionierung zum US-Imperialismus und dem Irak-Krieg. Besonders durchgeknallte Vertreter forderten damals wie Wolfgang Pohrt in Konkret einen Atombombeneinsatz gegen den Irak.
 
Damals erblickte Elsässer in den Palästinenser etwa, als „kämpfendes Volk“ einen geographisch verschobenen Wiedergänger des NS-Antisemitismus. „Befreiungsnationalismus“ war für ihn eine „rechtsextreme“ Position. (Siehe: Jürgen Elsässer, Das neue Gesicht des Antisemitismus, 1992). In der Folge positionierte sich Elsässer etwa in Konkret auf Seiten des „modernen türkischen Militärs“, gegen den „völkischen“ Kurdischen Nationalismus. Verrücktheiten, welche die heutigen Antideutschen bis zur Perfektion weitertreiben. 1997 wollte Elsässer, den Abschied von der Linken einleuten, da sie einen angeblichen Antisemitismus in Mitteldeutschland verharmlost, ja gar hervorgerufen hätte. Er forderte damals eine kollektive Bestrafung der Mitteldeutschen für deren angeblichen „Rechtsradikalismus“.
 
Der Schwenk erfolgte dann bei Elsässer im Jahr 2001 anlässlich der Proteste der Anti-Globalisierungsbewegung in Genua. Plötzlich war bei Elsässer sowohl der Antiimperialismus als auch der Klassenkampf wieder angesagt. Elsässer räumte damals Andreas von Bülow in Konkret einen Platz ein. Dieser machte auf die offenen Fragen zum 11. September aufmerksam – laut Bülow handelte sich bei dem Anschlägen des 11. Septembers 2001 um eine Operation westlicher Geheimdienste. Bülow äußerte sich damals auch in der Jungen Freiheit. Konkret und Jungle World warfen in der Folge Elsässer hinaus. 2003 folgte schließlich der endgültige Bruch mit alten Positionen durch die Herausgabe seines Buches: „Der deutsche Sonderweg“. Darin bezeichnete Elsässer den „Antifaschismus“ als „sinnentlehrte“ Pseudoideologie, es handelte sich um nichts weiter als um ein Totschlagargument. Polemisch schrieb er: „Wer sich heute Amerika verweigert, zündet morgen Synagogen an und marschiert übermorgen in Polen ein.“ Deutschland sei nach 1945 stets als fünfte Kolonne Washingtons aufgetreten. Eine Achse Paris-Berlin-Moskau sei heute von Nöten um die Hegemonie der USA zu brechen. Elsässer schreibt nun: „Dass die Renaissance des Militarismus nicht preußisch-deutsch daherkam, sondern sich als Schulterschluss mit den USA verkleidete, überforderte die Linke im neuvereinigten Deutschland.“ Elsässer wechselte schließlich zur Jungen Welt und galt vielen auf der Linken bald als „Nationalbolschewist“ und Querfrontler. 2006 machte sich Elsässer in der Jungen Welt für eine „Querfront-Regierung“ in der Slowakei, bestehend aus der Sozialdemokratischen Partei, der national-populistischen HZDS von Meciar und der nationalistischen Slowakischen Nationalpartei (SNS) stark. Die SNS beruft sich im übrigen auf Josef Tiso. Elsässer schrieb: „Seit der Vereidigung der neuen slowakischen Regierung klappern die tibetanischen Gebetsmühlen der political correctness“. Der Text unter dem Titel: „Querfront-Regierung in der Slowakei: Fragen an die Antifa“ hatte die Linke in der Bundesrepublik mehr als nur geschockt. „Zum ersten Mal seit der kapitalistischen Wende 1989/90 kommt in Donald Rumsfelds neuem’ Europa eine politische Kraft ans Ruder, die mit dem Neoliberalismus brechen will“, schrieb er. „Das könnte Schule machen.“ Was nun die Antifa besonders schockiert haben dürfte, ist folgendes. Elsässer schrieb über die, Slowakische Nationalpartei, das jene“ tatsächlich aus einer faschistischen Tradition“ käme, was aber kein Grund sei um sich einer Zusammenarbeit zu verchließen, wolle man realistisch den Kampf gegen den Neoliberalismus in Europa aufnehmen. Elsässer schießlich: „Vor allem aber: Nur mit der SNS hat Fico eine Mehrheit für seine soziale Wirtschaftspolitik. Hätte er darauf verzichten und es den Gutmenschen in der SPD und anderswo recht machen sollen – um den Preis, daß der Neoliberalismus weitergeht? Grundsätzlich gesagt: Definiert die Antifa die Hauptaufgabe linker Politik – oder der Klassenkampf? Ist überhaupt ein Antifaschismus vorstellbar, der nicht die »aggressivsten Teile des Finanzkapitals« – so die Formulierung der Komintern 1935 – ins Visier nimmt?“ Eine mehr als berechtigte Frage die Elsässer hier an die deutsche „Antifa“ richtet. Offenbar ist dies mit der sich als „Antifa“ maskierenden Schlägertruppen des Monopolkapitals und Imperialismus natürlich nicht zu machen.
 
Elsässer definierte in einem anderen Text den Faschismus übertragen auf heutige Verhältnisse folgendermaßen: „….das Problem ist nur, daß der neue Faschismus in der Regel in der Linken falsch definiert wird. Man mißversteht ihn als im Kern ideologische Erscheinung, als entfesselten Nationalismus mit dem Antisemitismus als Hauptmoment. Das traf phänomenologisch auf den deutschen Nazismus zu, aber – um einmal die Rede von der Singularität ernst zu nehmen – in dieser Form wird er nicht zurückkommen. Deshalb ist es naheliegend, Faschismus nicht primär phänomenologisch, sondern ökonomisch zu definieren.“ Was geboten wäre fasst Elsässer so zusammen: „Im Libanon kämpfen Islamisten, Nationalisten und Linke Schulter an Schulter gegen die Aggressoren. Natürlich ist das zunächst nur ein Zweckbündnis zwischen Gruppierungen, die sich bis dato oft spinnefeind waren.“

Ein weiterer Schritt war Elsässer lesenswertes Buch „Angriff der Heuschrecken – Zerstörung der Nationen und globaler Krieg.“ Hier analysierte folgende sehr zutreffende Standpunkte die für den Großteil der deutschen Linken schwer verdaulich sein dürften: „Im Unterschied zum klassischen Faschismus hat die neue Barbarei nationalistisches, sondern ein globalistisches Profil. Und: Antiislamismus ist heute die wichtigste Haßideologie – nicht mehr Antisemitismus. Dies muß Auswirkungen haben auf den antifaschistischen Kampf. … Auch in Deutschland könnten die Sozialisten wieder eine geschichtsmächtige Kraft werden, wenn sie mit Fundi-Dogmatismus ebenso brächen wie mit Realo-Spielereien und sich endlich der Mehrheit der Bevölkerung zuwendeten, statt sich auf die Probleme von Randgruppen zu kaprizieren. Mit einer populistischen Strategie könnten sie die Politikverdrossenen ansprechen, die die anderen Parteien längst aufgegeben haben: Alle Macht dem Volke, verjagt die Heuschrecken, Schluß mit dem Gehorsam gegenüber Washington – das ist die Melodie, die die Verhältnisse zum Tanzen bringen wird. Was tun? Im Zeitalter der Globalisierung stellt sich die nationale Frage neu – auch in Deutschland.“ Elsässer ist aber anders als ihm seine Gegner vorwerfen kein Nationalist sondern ein im eigentlichen Sinne „nationaler Demokrat“. Elsässer trennt selber zwischen Nationalismus und „nationaler Politik“. Elsässer ist natürlich kein „völkischer Nationalist“ im Sinne des deutschen NW. Aber lassen wir ihn doch selber zu Wort kommen: „Kaum sagt man ein kluges Wort, und schon ist man ein Nationalist? Bestimmte Teile der linken Öffentlichkeit attackieren mich, weil ich mich dem Diktat der Political Correctness, der Leitideologie der neuen imperialistischen Weltordnung, nicht unterwerfen will. Dabei bin ich nicht deswegen für die nationale Souveränität, weil ich ein Freund des Nationalismus, sondern weil ich ein Freund der Demokratie bin. Die Demokratie und damit die Einflussmöglichkeiten der unteren Klassen lassen sich eben nur verteidigen im Rahmen strukturierter Nationalstaaten.“

Elsässer formulierte in der Folge scharfe Kritik an der „Randgruppenpolitik“ der Linkspartei und deren Integration in das neoliberale System. „Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.“ Die dem antideutschen BAK Shalom nahestehende LINKE-Funktionärin Petra Pau meinte daraufhin folgende „antifaschistische“ Weisheiten von sich geben zu müssen: „Was empfiehlt Elsässer letztlich? Klassenkampf für Hetero-Deutsche. Ich finde: Das ist nicht links, das ist originär rechts. Eine Partei, wie sie nach meiner Lesart Elsässer vorschwebt, gibt es schon. Sie heißt NPD.“ Vielleicht sollte Frau Pau einmal beantworten warum „ihr“ BAK zu einer gemeinsamen Solidaritätskation für Isarael mit der Rechtspopulistenplattform „Gegen Islamisierung“ aufruft. Die sogenannte „Kommunistische Plattform“ rief schon damals dazu auf Elsässer aus „linken Zusammenhängen“ auszuschließen. Offenbar lernt man nichts dazu, angesichts der Tatsache das die Kommunistische Plattform aus Antifa-Zusammenhängen selber als „nationalbolschewistisch“ bezeichnet wird. Elsässer antwortete auf die diffamierenden Anwürfe durchaus richtig: „Aber mit »originär rechts« hat es eben nichts zu tun: Die Nazis propagierten die Volksgemeinschaft, das heißt die Klassenversöhnung – und diejenigen, die den Klassenkampf wollten, steckten sie ins KZ.“ Folgende Sätze aus seiner Antwort an die Kommunistische Plattform sind aber ziemlicher Unfug: „Die neuen Nazis in der NPD sind cleverer geworden. Sie eifern eher Strasser als Hitler nach und machen rhetorische Anleihen beim Antikapitalismus, um unter den Verelendeten auf Stimmenfang zu gehen. Daß dies ein Bluff ist und sie immer noch in den Kategorien der Rasse denken, ist offensichtlich: Sie plakatieren offene Feindschaft gegenüber Nichtdeutschen, fordern deren Abschiebung und animieren ihre Anhängerschaft zu kriminellen Attacken. Damit spalten sie die Arbeiterklasse und sabotieren den Klassenkampf: Jeder weiß, daß kein Streik in dieser Republik erfolgreich sein kann ohne den Mut und die Einsatzbereitschaft etwa unserer türkischen Kollegen.“ Wer nun eher Strasser als Hitler nacheifern sollte ist nicht ganz klar. Diejenigen dürften sich leider in der Minderheit befinden und zwar ganz gewaltig in der Minderheit. Strasseristen in der NPD und bei freien Nationalisten sind eine relative Seltenheit und werden von der Masse der bürgerlichen und nostalgischen Hitler-Anhängern an die Wand gedrängt. Einmal davon abgesehen betrachtet sich der Verfasser nicht als „Strasserist“, da dieser im Grunde auf halben Weg stehen blieb, die Klassenfrage negierte und zeitweise gar „rechts“ vom linken Flügel des Nationalsozialismus stand. Das es aber eine Kooperation zwischen Strasser und KPD-Kreisen gab dürfte auch Jürgen Elsässer bekannt sein.
 
Elsässer machte sich nun auch für eine Wahl des serbischen Nationalisten Nikolic zum Präsidenten Serbiens stark. Die nationalistisch-völkische „Radikale Partei Serbiens“ (RPS) ist für Elsässer eine „antiimperialistische“ Partei. Elsässer rief dabei zur Wahl der serbischen Nationalisten auf. Elsässer hatte schon Vojislav Seselji Stellung bezogen der derzeit im Rahmen eines NATO-Schauprozesses in Den Haag vor einem Siegertribunal steht. Seseji hatte auch für Aufsehen gesorgt als er davon träumte das ein Großserbien „eines Tages an ein Großdeutschland grenzen würde.“ Zum Abschied von der Jungen Welt und einem Wechsel zum Neuen Deutschland kam es als Elsässer in einem Artikel die politische Linke sehr scharf angriff. „Nach den Tipps für den einzelnen nun die Ratschläge an die Linke, respektive Die Linke. Sie steht vor einer epochalen Herausforderung. Die Krise bedroht nicht nur die unteren Klassen, sondern die Produktionsbasis insgesamt, wie Anfang der dreißiger Jahre. In dieser Situation werden sich nur noch Besserverdienende für den postmodernen Schnullipulli – Ökologie, Feminismus, offene Grenzen, Klimaschutz – begeistern können. Auch der simple Klassenkampf der ewigen Trotzkisten wird nur eine kleine Minderheit ansprechen. Denn schon der Daimler-Facharbeiter und erst recht der Mittelständler rechnen sich gar nicht zum Proletariat. Notwendig wäre vielmehr eine „Politik für alle“ (so ein Buchtitel Lafontaines), das heißt, ein Programm zum Schutz der Volkswirtschaft vor den Stürmen der Globalisierung.“ Elsässer plädierte nun unter anderem für eine Regierungskoalition aus SPÖ und nationalfreiheitlicher FPÖ in Österreich. “
 
Um was geht es überhaupt? 

Folgende Thesen stellte Elsässer zur Diskussion:
1. Die Krisenanalyse der meisten Linken ist falsch, da sie das imperialistische Moment sträflich unterschätzt: Die aktuell
einsetzende Depression ist Ergebnis eines bewussten Angriffs des anglo-amerikanischen Finanzkapitals auf den Rest der Welt. Dabei
kommen „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ (Warren Buffet) zum Einsatz, die nicht aus Ausbeutung der Arbeitskraft („Überakkumulation“), sondern aus „fiktivem Kapital“ (Kapital, Dritter Band) munitioniert sind. Was wir bisher erlebt haben, waren erste Geplänkel mit diesen Waffen – der Hauptstoß steht noch bevor!

2. Bei der Abwehr dieses Angriffs spielt der Nationalstaat die entscheidende Rolle. Supranationale Koordinationen in Gremien, in
denen die aggressiven Staaten und ihre Vertreter eine Rolle spielen (EU, G8, IWF usw.), sind für die Katz. Wichtig ist eine Koordination der angegriffenen Nationalstaaten.

3. In allen Staaten, auch in Deutschland, entwickelt sich ein zunehmender Widerspruch zwischen dem Industrie- und dem Bankkapital. Letzteres, eng mit den angloamerikanischen Angreifern verbunden, erdrosselt ersteres in einer Kreditklemme.

4. Hauptaufgabe der Linken ist der Aufbau einer Volksfront, die das national bzw. „alt-europäisch“ orientierte Industriekapital
einschließt. Die Reduktion auf Klassenkampf ist sektiererischer Unsinn.

5. Hauptaufgabe der Volksfront ist die entschädigungslose Nationalisierung des Finanzsektors und die Abdrängung der
anglo-amerikanischen Finanzaristokratie aus Europa, in der Perspektive ein eurasisches Bündnis. Den Sozialismus, also den Stoß gegen das System insgesamt, zur Hauptaufgabe zu erklären, ist linksradikale Kraftmeierei bzw. „imperialistischer Ökonomismus“ (Lenin).

Nötwendige Kritik

Bei all dem angesprochenen und der positiven Positionierung Elsässer zur Nation gibt es aber auch durchaus Kritik an den Thesen Elsässers zu formulieren. Die Einlassungen von Elsässer erscheinen im Gesamtpaket betrachtet doch eher reformistisch. Elsässer unternimmt die unrichtige Trennung zwischen Finanz- und Industriekapital. Beide lassen sich aber gerade in Zeiten der Globalisierung nicht mehr von einander trennen. Elsässer begeht also folglich den gleichen Fehler wie beispielsweise NPD und NW. Das internationale Banken-und Finanzkapital ist heute kaum mehr vom Industriekapital zu trennen. Laut Lenin hängen diese beiden Sektoren des Kapitalismus eng zusammen – so neu ist diese Erkenntnis nun also nicht. Die gegenseitige Abhängigkeit von Finanz- und Industriekapital erscheint auch relativ logisch. So benötigen sich beide Sektoren alleine schon zur gegenseitigen Finanzierung. Durch die Verschmelzung von Finanz- und Industriekapital entstanden beherrschende Finanzgruppierungen wie die deutsche Bank oder auch Siemens. Diese sind auf den heutigen Weltmärkten des Kapitalismus dominant und bilden so die Grundlage des heutigen Monopolkapitalismus. Seit Beginn der laut Lenin höchsten Stufe des Kapitalismus (des Imperialismus) hat die Konzentration und Verschmelzung des Kapitals exorbitante Ausmaße erreicht. Die Unterscheidung von Elsässer zwischen „guten“ und „bösen“ Kapital ist nun tatsächlich eher reaktionär. Das von ihm aber als „gute“ benannte, nämlich europäische Kapital lässt sich aber kaum bis gar nicht vom „bösen“ US-Kapital trennen. Auch hier ist die Verzahmung so weit fortgeschritten als das eine herbeigeredete Trennung sehr unsinnig erscheint. Das europäische Großkapital hat auch gar kein Interesse an der Bekämpfung des US-Kapitals. Man befindet sich in einer kooperativen Täterschaft. Das deutsche und europäische Kapital ist nicht Opfer sondern Täter, um es einmal klar zu formulieren. Die Finanzmarktkrise ist auch nicht allein dem US-Kapital anzulasten, da das Weltkapital heute räumlich kaum mehr trennbar erscheint. Das europäische Industriekapital kann keinerlei Interesse an den Elsässer-Thesen haben. Was aber Elsässer für ein System vorschwebt wird nicht ersichtlich. Das er den Sozialismus zu „linksradikaler Kraftmalerei“ erklärt lässt folglich nichts wirklich gutes vermuten. Auch die halbe Absage an den Klassenkampf kann sicherlich keine Zustimmung finden. Gerade heute da sich die Klassenkämpfe weltweit zusehends verschärfen, da die Angriffe auf Unter- und Mittelschichten forciert werden kann hier keine Abschwächung oder gar Aufgabe erfolgen. Mann könnte also nun sagen das Elsässer zahm geworden ist, zu zahm. Positiv gilt es aber hervorzuheben das mit Jürgen Elsässer sicherlich ein talentierter und oft provokativer Querkopf einen Riss in das dogmatischen Gebäude der diskussionsfaulen deutschen Linken reißen wird. Es bleibt zu hoffen das sich hieraus eine Perspektive für eine Nationalisierung der deutschen Linken ergeben möge.

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Kommentare

  • Schwab  On 25. Juli 2012 at 17:21

    „Elsässer ist aber anders als ihm seine Gegner vorwerfen kein Nationalist sondern ein im eigentlichen Sinne “nationaler Demokrat”. Elsässer trennt selber zwischen Nationalismus und “nationaler Politik”. Elsässer ist natürlich kein “völkischer Nationalist” im Sinne des deutschen NW.“

    Meine Interpretation: Elsässer ist in Restbeständen immer noch linker Gutmensch. Deshalb sind für ihn „Nationalismus“ und „Chauvinismus“ synonyme Begriffe. Für ihn ist Nationalismus nicht das, was die SdV drunter versteht, sondern was der NSU als „Nationalismus“ vertritt.

  • Blauzahn  On 26. Juli 2012 at 09:04

    Ich schätze die Aktionen von Jürgen Elsässer als sehr wertvoll. Sei es die „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ oder das „Compact Magazin“. Erstgenanntes wurde ja zu Gunsten des Zweitgenannten stark heruntergefahren. Aber vor allem das Compact ist Träger von wichtigen politischen Queransichten in politisch unerfahrenere Bevölkerungsschichten. Mir ist derzeit kein anderes Blatt bekannt, daß mit vergleichbarer Themenbandbreite solch einen Verbreitungsgrad erreicht.

    Weiter finde ich es interessant, daß erste Linke aus dem Gutmenschentum ausbrechen und sich offen dagegenstellen. Als weiterer namhafter Linker nebst Elsässer wäre hier m.M.n. Manfred Kleine-Hartlage zu nennen, der sich jedoch im Gegensatz weitaus deutlicher als Elsässer nun als „Rechts“ bezeichnet.

    Ob sich einer nun als „nationaler Demokrat“, als Nationalbolschewik, als Nationalist, als Nationaler, als Patriot oder sonst was definiert ist doch eigentlich nicht ganz so wichtig. Viel wichtiger ist, daß einem die persönliche Einstellung nicht im Wege steht, wenn es um die Rettung von Volk und Heimat vor der EU-Faschistendiktatur geht! Dieser gemeinsame Nenner ist es, der z.B. in der Slowakei fruchtete. Das sollte erstmal das Primärziel sein. Denn wenn das Großkapital alles abgewirtschaftet hat, wird nichts mehr von Deutschland und vom Volk übrig bleiben und dann ist auch nichts mehr für Nationalisten zu holen! Also besser jetzt nach Bismarckscher Art alle möglichen und erdenklichen Zweckbündnisse eingehen, bei denen man sein Gesicht wahren kann aber der Sache dienlich ist!!

  • SdV-Recherche  On 26. Juli 2012 at 11:01

    Schwab auf Russisch:

    http://alternativa-nr.blogspot.de/2012/02/blog-post.html

  • SdV-Recherche  On 26. Juli 2012 at 11:51

    Dieser Artikel wurde ins Russische übersetzt:

    https://sachedesvolkes.wordpress.com/2010/05/14/was-ist-nationalrevolutionar/

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