Wie Anarchosyndikalisten für den imperialistischen Krieg trommeln

 
Noch vor wenigen Jahren gab es eine mehr oder weniger klare Stellungsnahme der Anarchosyndikalisten zur imperialistischen Entwicklung, die sich sowohl durch die USA als auch die EU immer deutlicher herausschälte, wenn man auch in das kindische Geschreibsel über eine Welt ohne „Staat“ und „Militär“ verfiel. (1) Nun kann man auf der Webseite der „Freien Arbeiter Union“ (FAU) einen Demobericht über eine wie es heißt „antinationale und libertäre“ Demonstration in Dortmund finden. (2) Dort kann man unter anderem nachlesen: „Unter dem Motto „Nationalismus überwinden! Grenzen einreißen! fand am Freitag, den 4. September in Dortmund eine libertäre und antinationale Demonstration „gegen Herrschaft, Volk und Vaterland“ statt. Je nach Schätzung zwischen 800 und 1.200 TeilnehmerInnen zogen lautstark und mit vielen Transparenten sowie dutzenden von schwarz-roten Fahnen durch die Dortmunder City. Die VeranstalterInnen – darunter die Gruppen der „Anarchistisch-Syndikalistischen Jugend“ (ASJ) in Nordrhein-Westfalen zeigten sich sehr zufrieden über eine der größten ausdrücklich libertären Demonstrationen der letzten Jahre.“ Nun sollte die FAU aber einmal den Leser aufklären um was für eine Demonstration es sich hierbei handelte, die man im wesentlichen als einer der Hauptverantwortlichen mittrug. Es handelte sich um die Veranstaltung des von den Antideutschen dominierten „S5“ Bündnisses. Den antideutschen Demo-Aufruf hatten die Ortsgruppen der FAU Dortmund, Frankfurt und Hamburg unterschrieben, sowie die „Anarchistisch Syndikalistische Jugend“.
 
Um was Trägern der Veranstaltung geht kann an einem Aufruf der „Antifa-Union Dortmund“ aus dem Jahr 2008 ersehen. „Es geht nicht darum, generell Menschen zu diskreditieren, die sich für Frieden einsetzen, aber wenn das bedeutet, dass man sich im Zuge einer bedingungslosen Friedensliebe mit antisemitischen „Volksbefreiungsbewegungen“ wie der Hamas und anderen islamistischen Terrorist_innen solidarisiert oder den „kritischen Dialog“ sucht, muss auch in diesen Fällen politisch interveniert werden. Einerseits wird gegen Atombomben in Deutschland demonstriert, andererseits wird dem iranischen Regime eben dieses „Recht“ implizit eingeräumt. Wenn sich dann mit und unter deutscher Flagge ein von der breiten Zivilgesellschaft getragener staatsloyaler Protest gegen den Irakkrieg formiert, von Leuten, die zuvor kein Wort darüber verloren haben, dass Deutschland nun auch „am Hindukusch verteidigt“ wird, dann wird offenbar, dass hier versucht wird, die deutsche Herrschaft als die einer vermeintlichen Friedensmacht zu legitimieren und glorifizieren.Wenn diese „Nationalpazifist_innen“ dann auch noch Joschka Fischer und Gerhard Schröder zu friedensliebenden Ikonen stilisieren und mit ihren vereinten Durchhalte-Parolen Deutschland als letzte pazifistische Bastion gegen die „amerikanischen Kriegstreiber“ abfeiern, während eben diese beiden Politiker noch 1999 kräftig die Zerbombung Rest-Jugoslawiens anregten, dann wird schnell ersichtlich, dass es diesen Leuten nicht um das Übel Krieg an sich geht, sondern nur um die Kriege Amerikas, die offenbar mit einem anderen moralischen Maßstab gemessen werden. Einerseits gehen deswegen Millionen Deutsche auf die Straße, andererseits führen die Bürgerkriegszustände in einigen afrikanischen Staaten, die Todesopfer in Kashmir, Sri Lanka und Kolumbien keineswegs zu organisierten Protesten, eben weil weder Amerikaner_innen noch Jüd_innen involviert sind. So darf man sich dann auch nicht wundern, wenn sich Neonazis als „wahre Kriegsgegner“ präsentieren und mit ihrer Forderung „Keine Waffen für Israel!“, beim Ostermarsch mitdemonstrieren wollen.“ (3)
 
Ziel ist es also in Wahrheit gar nicht einmal gegen echte oder vermeintliche „Nazis“ zu demonstrieren, sondern Antiimperialisten und Friedensbewegung als „antisemitisch“, „antiamerikanisch“ oder gar verkappt „neonazistisch“ zu diskreditieren. Auf diesen Sachverhalt wieß auch das Bündnis „Dortmund stellt sich quer“ hin. „Das ist deswegen besonders schädlich, weil die Antideutschen nicht mit Antifa-Fahnen zur Demo kommen, sondern bevorzugt mit den Fahnen der USA und Israels. In ihrem Weltbild sind einzig diese beiden Staaten die wahren“ Antifaschisten. Die Angriffskriege der USA und die pauschalen Strafaktionen Israels gegen die palästinensische Bevölkerung werden von den Antideutschen völlig unkritisch begrüßt. Wer hingegen Kritik daran übt, wie antifaschistische Gruppen und die Friedensbewegung, wird von den Antideutschen als antisemitisch oder terrorfreundlich diffamiert und in einen Topf mit Neonazis geworfen.“ (4) Nun sei aber nur am Rande erwähnt das die Unterzeichnerin jenes Aufrufes, die LINKE-Bundestagsabgeordnete und Antifa-Tante Ulla Jelpke noch 2008 fröhlich den antideutschen Block in Dortmund anführte (5). Die Kooperation der Linkspartei und anderer mit den Antideutschen findet ja auch in dem Aufruf Erwähnung. „Versuche der Partei Die LINKE und anderer, um breiter Bündnisse willen in Dortmund auch mit Antideutschen zu kooperieren, sind in der Vergangenheit gescheitert. Abkommen zur „Fahnenneutralität“ wurden von den Antideutschen gebrochen, politisch diffamierende Angriffe gegen antiimperialistische Strömungen fortgesetzt.“ Auch sonst ist der vorgebliche Antiimperialismus, vieler in diesem Bündnis beteiligter, mehr als zweifelhaft. Die DKP etwa betrachtet die KP des Iraks als „Bruderpartei“, also jene Partei die mit der US-Besatzungsmacht auf engste kooperiert. Die Erstunterzeichnerin Sevim Dagdelen, eine Bundestagsabgeordnete der LINKEN, ist sich offenbar mit den Linkspartei-Antideutschen von BAK Shalom einig, wenn sie in einer Presserklärug verlautbaren lässt. „Aber um Antisemitismus und Rassismus geht es der Bundesregierung offensichtlich nicht. Wäre sie hier tatsächlich konsequent, müsste sie die Kontakte zur iranischen Regierung abbrechen. Doch dazu sind die wirtschaftlichen Interessen zu wichtig.“ Dagdelen geht die Bundesregierung offenbar gar noch zu „gemäßigt“ mit dem Iran um. Die MLPD ihrerseits bemüht sich redlich Broder, PI und den Antideutschen Konkurrenz zu machen, wenn es darum geht das Gespenst des „Islamofaschismus“ an die Wand zu mahlen und für einen „bürgerlichen“ Regime-Change einzutreten(6).
 
Die FAU rechtfertigte die Kooperation mit den islamophoben Hetzern nun jedenfalls nicht nur, sondern rief zu einer Art „linken Einheit“ mit den Antideutschen auf. Zunächst klang dies in einer Erklärung der FAU noch recht hilflos. „Ferner kann es einfach nicht sein, das antifaschistische Arbeit in Dortmund und dem Ruhrpott ausschließlich einen antideutschen Stempel hat. Wir setzen mit einer libertären und antinationalen Demonstration im Ruhrgebiet, die eigens versucht Menschen zu erreichen anstatt durch gewisse Gebärden eher abschreckend zu wirken, ein ganz eigenes und seltenes Zeichen.“ In der Jubel-Erklärung über die von der FAU als „libertär“ umgelogenen „antinationalen Demonstration“ heißt es schließlich: „Die Demonstration, zu der auch die Ortsgruppen und Syndikate der FAU Region West aufgerufen hatte, richtete sich allerdings nicht nur gegen die nationalistische und patriotische Hetze und Zurichtung von ganz rechts bis hin zur Mitte der bürgerlichen Gesellschaft. Sie setzte auch ein Zeichen in Richtung einer Ruhrgebietslinken, die über weite Strecken paralysiert ist, über die Schattengefechte, die sich die Anhänger eines dumpfen „Befreiungs“-Nationalismus auf der einen Seite und die eines politischen und ideologischen Tunnelblicks mit dem Label „antideutsch“ auf der anderen Seite liefern. Die überraschend große Beteiligung an der antinationalen und libertären Demonstration am 4. September hat aber gezeigt, dass es im Ruhrgebiet und darüber hinaus eine wachsende Menge Leute gibt, die die Schnauze voll davon haben, von den Grabenkämpfen dieser beiden falschen Alternativen behelligt zu werden. Kein Wunder also, dass von beiden Seiten im Vorfeld wütend gegen die Demonstration polemisiert wurde. Für viele TeilnehmerInnen dürfte das ein weiterer Ansporn sein, im täglichen Kampf um eine befreite Weltgesellschaft ohne Staaten und Nationen, ohne Kapitalverwertung und Herrschaft – oder anders ausgedrückt – für den libertären Kommunismus.“ Die FAU lügt nun offenbar ganz bewusst oder aber ist mittlerweile weltanschaulich so tief gefallen, dass ihr die Diskrepanz zwischen dem Geschwätz über „libertären Kommunismus“ und aggressiven Kriegsimperialismus gar nicht mehr auffällt. Oder möchte die FAU vielleicht in Zukunft behaupten Jürgen Rieger sei ein Antirassist, Bood and Honour eine linke Punk-Vereinigung oder die Bahamas eine antiimperialistische Zeitschrift?
 
„Staat- Nation – Kapital- scheisse“ – Die FAU und das antideutsche Softcore-Bündnis
 
Die FAU unterstützte um ihre Verwicklungen in die antideutsche Szene aufzuzeigen auch zahlreiche Aktionen des antideutschen Bündnisses „Ums Ganze“. Getarnt werden solche Aufrufe dann gar als „sozialrevolutionär“ und „progressiv“. So demonstrierte die FAU etwa bei der „antinationalen Parade“ in Berlin zusammen mit antideutschen Gruppen wie der Redical M aus Göttingen, der Antifa AK, Love Techno – Hate Germany, TOP Berlin oder den sogenannten „Kommunistischen Gruppe Bochum“. So zeichnet sich das „Ums Ganze Bündnis“ durch eine imperialistische Stimmungsmache gegen den Islam aus. Dem Anti-Islam-Kongress von Pro Köln setzte man einen eigenen antiislamischen entgegen unter dem Titel „feel the difference“. Liest man sich den Aufruf zu dieser Konferenz durch so könnte man auf die Idee kommen das jene „Antifaschisten“ offenbar Pro Köln mit Tips versorgen wollten, ganz nach dem Motto: „Islamkritik richtig gemacht!“. Nicht nur das so fühlt man sich ganz offenbar genötigt die politische „Linke“ zur Islamfeindlichkeit aufzurufen um sich auf diesem Feld vom „Rechtspopulismus“ nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Dies hört sich dann bei der antinationalen und softcore-antideutschen Antifa folgendermaßen an: „Die RechtspopulistInnen werden in Köln also ein weiteres Mal versuchen, gerade auch den Islamismus zum Argument für eine kultur-rassistische Regulation der Einwanderungspolitik im Standort Europa zu machen. Dieser Strategie kommt auch die Ignoranz der Linken zugute. Denn wenn die Linke keine emanzipatorische Kritik des Islamismus leistet, kommt dies in erster Linie rechtspopulistischen Mobilisierungen zu Hilfe.“ Vor diesem Hintergrund kann es auch nicht verwundern das sich die FAU nicht zu der israelischen Aggression in Gaza geäußert und positioniert hatte. Wer sich mit einer Bewegung gemein macht deren heftigste publizistischen Organe solcherlei Sätze, wie im folgenden dargelegt von sich geben, der hat schon längst seinen inneren Frieden mit Krieg, Kapitalismus und Imperialismus geschlossen und dies trotz gegenteiliger Behauptungen.
 
„Sie verkennen absichtsvoll die Schrecken des Elends in der Dritten Welt, sie wollen nicht mit Hand anlegen bei der Zertrümmerung der finsteren Kulturen, die Selbstverwaltung ohne Hoffnung auf irdisches Glück moderieren, damit das bisschen Verwertung aufrechterhalten bleibt, das dort das Überleben sichert, aber nicht mehr. Sie fühlen sich solidarisch mit jenen Gegenden, in denen täglich 20.000 Kinder sterben und stehen in Wahrheit doch in Solidarität mit dem dauernden Weitersterben – dem durch Hunger verursachten genauso wie jenem geistigen Kollektivtod, aufgrund dessen neben den 20.000 Kindern immer neue Menschen zum Abschuss freigegeben werden, weil sie ausscheren wollen aus dem moralischen Zwangskollektiv. Deutsche gründen Gesellschaften für bedrohte Völker und verwischen gezielt die Grenze zwischen dem Verschwinden nichtswürdiger Kulturen und der tatsächlichen physischen Bedrohung von Minderheiten. Sie, die schon am Anfang des Tonfilms einen wahren Tierfilm über Eskimos gedreht haben, suchen und fördern nur das mit sich Identische und stehen schon deshalb im Bündnis mit dem Mord. Deutsche haben die Elenden nie geliebt, es sei denn als autochthone Elende und sehen in dem bißchen Wohlstand ohne „eigene“ Kultur, nachdem jene verlangen, den hässlichen Zugriff der Coca-Cola-Zivilisation, von der sie bescheidwissen, daß sie den Völkermord bedeutet.“ (Redaktion der Bahamas, Auf nach Amerika)
 
Die FAU hat nun ihrerseits eine antiimperialistische Grundhaltung längst aufgegeben und verbreitet offenbar nur noch humoristisch gemeinte Stellungsnahmen. Wer mit Kriegstreibern kooperiert und gleichzeitig abstrakt etwas von „Antimilitarismus“ schreibt, der sollte nun wirklich schleunigst den Arzt aufsuchen. Relativ „witzig“ erscheint es in diesem Zusammenhang auch wie sich die „Anarchistisch Syndikalistische Jugend“ zu rechtfertigen versucht. So meint man etwa das folgende Schnappschüsse kein „Beweis“ für das kriegsimperialistische Treiben des S5 Bündnisses sei. (8) Es handele sich um böswillige Unterstellungen, Sabotage (und so ein Wort von angeblichen „Antimilitaristen“) und vieles mehr. Zitat: „Wir als libertäre Gruppe halten es für wichtig an diesem Konsens festzuhalten und finden es nicht verwerflich mit einzelnen „antideutschen“ Gruppen zusammen zu arbeiten, um unser Ziel durch zu setzen.“ (9) Nun gut, wir lernen dann eben im Sinne dieser Logik das George aus Texas ein „libertärer Kommunist“, die IDF eine humanistische Emanzipationstruppe, Geert Wilders ein Bürgerrechtler, Lieberman ein konsequenter Verfechter der Gleichberechtigung aller Menschen und Westerwelle Deutschlands gefürchtester Klassenkämpfer ist.

Verweise:
1. http://anarchosyndikalismus.org/educat/antikrieg/index.html
http://www.fau.org/artikel/art_090906-082909
2. http://antifaunion.blogsport.de/2008/08/06/gegen-antisemitismus-antiamerikanismus-und-rassismus-den-naziaufmarsch-stoppen/
3. http://www.linkezeitung.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=7258&Itemid=39

4. http://www.rotefahne.info/rote-fahne/2009/kw26/iran-massenbewegung-fur-burgerlich-demokratische-freiheiten-gegen-das-faschistische-regime-geht-weiter5. http://kommunistischegruppebochum.blogsport.de/texte/nationale-kulturelle-religioese-kollektive-kippen-paradise-now-fuer-den-kommunismus/
http://img5.imagebanana.com/img/49jsdz/antid.jpg

6. http://asjruhrpott.blogsport.de/2009/08/25/stellungnahme-zu-den-vorwuerfen-des-dortmund-stellt-sich-quer-buendnis/

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