Zionismus als Zivilreligion

Die vor einiger Zeit in den Medien und auch unter Nationalen und „Rechten“ heiß diskutierte mediale und politische Farce um die Aussagen des Bischofs Williamson und die Pius Bruderschaft haben in ihrer hysterischen und nahezu inquisitorischen Erbarmungslosigkeit eines sehr deutlich aufgezeigt – und zwar das Paradigma einer Zivilreligion, die den Holocaust an den Juden Europas instrumentalisiert und in das allumfassende Religiöse erhebt, einen universellen Anspruch erzwingen will. Das Bekenntnis zum Holocaust als innere Verfasstheit und die sich hieraus ergebende deutsche Staatsräson – die Israelsolidarität – haben auch das Christentum erfasst. Der Holocaust soll so zu einer politisierten Zivilreligion erhoben werden. Gedenken und Erinnerung werden so aus dem historischen Kontext gerissen und in die gegenwärtige Politik eingefügt, stets als Begründung angeführt, wenn es einmal mehr darum geht Kritik am Vorgehen Israel, der USA oder auch der Bundesregierung zu verunmöglichen und dies möglichst durch einen schnell hervorgezauberten Antisemitismus-Vorwurf.

Zivilreligion ist aber im Grunde keine bundesdeutsche Erfindung und im übrigen auch keine israelische wie mancher vermuten könnte, sondern hat ihre Wurzeln in den USA. Der Holocaust wurde erstaunlicherweise die ersten Jahre nach dem Krieg kaum politisiert und instrumentalisiert – dies geschah erst Ende der 60er Jahre.

Nach den israelisch-arabischen Kriegen 1967 und 1973 machten zionistische Organisationen massivst Stimmung für den angeblich bedrohten „kleinen Bruder“ im Nahen Osten. Warum begann die Kampagne der Israellobby aber erst so spät? Eine entsprechende Kampagne war im Vergleich dazu selbst bei der Gründung des Staates Israel kaum zu beobachten. Tatsächlich flossen nur relativ wenige Gelder durch die US-Regierung an den Staat Israel. Das Hauptteil des Sponsorings übernahm die Regierung Adenauer und ein besonders fleißiger Bayer mit Namen Franz Josef Strauß. Sehr präsent war damals in der Öffentlichkeit auch die Gründung des Staates Israels unter anderem mit Mitteln die man heute als Terror und Terrorismus bezeichnet – Irgun, usw. Der schmutzige und rassistische Krieg gegen „die wilden“ Araber führte zu Massenvertreibung und zynischen ethnischen Säuberungen. Der Sechs-Tage-Krieg gewährte dann aber in der Folge eine „moralische“ Legitimation. Erst nun begann in den Medien eine Kampagne die bis heute Gültigkeit behalten hat – Israel müsse unbedingt gesichert werden und zwar mit allen Mitteln, aufgrund der „moralischen Verpflichtung“, durch den Mord der Nationalsozialisten an der europäischen Juden. Israel wurde nun aber auch als tapferer David verklärt, der sich nie wieder von den Judenmörder auf der Nase herumtanzen lassen. Deswegen auch die Gleichsetzung von Nazis, SS, eliminatorischen Antisemitismus mit den Arabern, der PLO und später mit dem Islamismus. Insofern würde sich im Nahen Osten nur der ewige Antisemitismus fortsetzen. Der Kampf Israels sei insofern nur als „antifaschistischer Krieg“, als Widerstand gegen ein neues (arabisch-islamisches) Auschwitz zu interpretieren. Unterstellt wurde aber nicht nur ein Vernichtungswille im arabisch-islamischen Kulturraum sondern ein Paranoia sämtlicher Völker gegen die jüdische Religion. Ganz so als sei der einzige Bestimmungszweck der Völker eine anti-jüdische Vernichtungsabsicht.

Hier musste auch das Konstrukt der „Einzigartigkeit“ und „Unvergleichbarkeit“ der Schoah erschaffen werden. Der Zionismus – ja eine besondere Form eines kolonialistischen und„romantischen“ völkischen „Nationalismus“, der in seinem biologistischen Zentrismus deutliche Parallelen zum Nationalsozialismus aufweißt, wurde so zu einer universalistischen Globalreligion erhoben. Elie Wiesel verkündete das sich der Holocaust in seiner Unbegreiflichkeit jeder Deutung entziehe, nicht erfasst werden könnte. Den Begriff Holocaust für den Judenmord will auch Wiesel „gefunden“ haben. Der mystisch-griechische Begriff (Verbrennen von Opfergaben auf dem Altar) wird auf das „Volk Israels“ übertragen – aus den Opfern des Judenmordes sei der Staat Israel entstanden und schicksalhaft-göttlich, mystisch geformt worden. Jede Religion braucht aber auch Kultstätten an dennen der Kult zelebriert werden kann – in Yad Vashem oder im Holocaust Museum in Washington, sowie an zahlreichen deutschen Kultstätten. In diesen Kult werden nun nicht nur Juden und Atheisten einbezogen, sondern gerade auch Christen aller großen Konfessionen. Der christliche und im übrigen auch jüdische Gott wird abgelöst durch eine quasie religiöse Säkularisierung, der Inthronisierung einer Holocaust-Religion. Kirche und Glauben, Spiritualität können höchstens noch Staffage sein, da der „Holocaust“ als ständig ritualisiertes angeblich-Gedenken die „Gläubigen“ politisch instrumentalisiert. Gerade auch der Antifa und der sich für „antifaschistisch“ haltenden liberale Mainstream bedient sich in Permanenz dieser Holocaust-Religion um so die imperialistische „Entwicklung“ des Kapitalismus zu „begründen“, wie auch Werner Pirker in der Jungen Welt notierte:

Das konstituierende Moment des neudeutschen Antifaschismus ist die Holocaust-Religion. Nicht die Aufklärung über den faschistischen Massenmord, sondern seine Auslagerung aus Zeit und Raum, seine Banalisierung zum geschichtslosen Bösen. Von der Entlassung des Holocausts aus der Geschichte der Klassen- und nationalen Befreiungskämpfe des 20. Jahrhunderts führt ein gerader Weg zur bedingungslosen Apologie des zionistischen Staates, dessen Existenz auf der Negation der Emanzipationsgeschichte aufbaut. Broder mag sich zwar über das deutsche Schuld- und Sühnespektakel mokieren, in der Hauptsache aber, der Überlassung des Sühneparts für deutsche Schuld an die Palästinenser und darüber hinaus an die arabisch-islamische Welt gehört er zu den Regiemeistern eines »inszenierten Entsetzens«, das Vergangenheitsbewältigung vorgibt und die Entfesselung eines Krieges gegen »Hitlers islamische Nachkommen« meint. Aus politisch korrektem Antifaschismus ist die aggressivste Kriegstreiberfraktion hervorgegangen. Im Namen eines überlegenen, »emanzipatorisch-aufklärerischen« Wertesystems sollen dem Herrschaftsanspruch des weißen Mannes keine Grenzen mehr gesetzt sein.“

Vorgeworfen wurde der traditionallen Pius-Bruderschaft unter anderem auch und dies in sehr großer Heftigkeit, sie wolle zurück zur mittelalterlichen Kirche, da sie die Juden missionieren wolle. Dieser Vorwurf ist ein wenig mehr als abstrus, möchte man meinen, ja er taugt gar zur humoristischen Unterhaltung. Die Aufgabe und der Wesensmerkmal der Weltreligionen ist es nun einmal zu „bekehren“ und zu „missionieren“. Auch ist es Selbstverständlich das der gläubige Christ glauben wird, dass ein Seelenheil gerade in seiner Religion zu erreichen ist. Die deutsche Bischofskonferenz verkündete 2005 aber das es keine „Judenbekehrungen“ mehr geben dürfe. Demgegenüber führte der Papst wieder eine Karfreitagsfürbitte ein, in der es heißt: „Lasst uns auch beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.“

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