Zivilisatorische Herrenmenschen – Eine Kolumne von Jürgen Schwab

Aus aktuellen Anlass hier ein Text aus dem Jahr 2006.

Der Streit um die Mohammed-Karikaturen zeigt uns erneut, daß für uns Nationalisten die weltpolitischen Konfliktlinien nicht nach „rechts“ und „links“ verlaufen. Schließlich begegnet uns auf der bürgerlichen Rechten mehr denn je ein Menschenrechtstotalitarismus, der den Streit um die Mohammed-Karikaturen geschickt nutzt, um die europäischen Völker zu animieren, auch weiterhin die Reihen fest zu schließen – gemeinsam mit den USA.

Natürlich wird dies nicht immer so deutlich gesagt, aber die Absicht ist doch deutlich erkennbar, wenn jetzt mehr denn je vom „aufgeklärten Westen“ bzw. von der „westlichen Zivilisation“ gesprochen wird, die nun gefälligst im „Kampf der Kulturen“ zusammenzurücken habe. Daß dieser „Kampf der Kulturen“ vom US-Strategen Samuel Huntington schon vor Jahren in seinem gleichnamigen Buch propagiert wurde, wird dabei ebenso gerne verdrängt, wie die Tatsache, daß in dieser Propagandaschrift im Dienste der US-Weltherrschaftsbestrebungen West- und Mitteleuropa – wie selbstverständlich – mit Nordamerika einen gemeinsamen kulturellen Raum bilden sollen.

Genau diese Vorstellung wird von bürgerlich rechten Publizisten wie Rolf Stolz verfochten, der in der vorliegenden Ausgabe von „Junge Freiheit“ gegen den Islam Stimmung macht. Ohne allerdings einen vertretbaren Ausweg aufzuzeigen. Aber darum geht es Stolz ja nicht. Sein Ziel besteht vielmehr in Herrschaftssicherung, in der Verteidigung des Status Quo.

Vergessen wir in diesem Zusammenhang auch nicht, daß die dänische Zeitungs-redaktion von „Jyllands-Posten“, welche die Karikaturen abdruckte, in denen der Islam mit Terrorismus gleichgesetzt und somit kriminalisiert wurde, dem rechts-populistischen Regierungslager Kopenhagens nahesteht, das – wie bei uns die Unionsparteien – einen „Euro-Islam“ propagiert und sich an der US-Besatzungspolitik in Afghanistan beteiligt. So wurden bereits dänische Spezialeinheiten im Kampf gegen die Taliban eingesetzt. Kopenhagen hat sogar während des Streits um die Mohammed-Karikaturen noch einmal bekräftigt, sich mit weiteren Truppen an der Besatzungspolitik in Afghanistan zu beteiligen. Von daher erscheint es nur zu konsequent, wenn Muslime in bestimmten dänischen Redakteuren Schreibtischtäter erblicken. Aber dies ist dann nicht unser Problem. Sollen sich bitteschön diejenigen mit den Muslimen herumschlagen, die Huntingtons Spur folgen.

Es stellt sich grundsätzlich die Frage, von welchem Fundament aus wir dem Vordringen des Islam, das in unseren Breiten tatsächlich feststellbar ist, begegnen wollen. Rolf Stolz ist dafür, daß „wir entschlossen für unsere demokratischen und humanistischen Überzeugungen eintreten“ und „durch Aufklärung und Mission“ den „terroristische[n] Islamismus“ überwinden. „Dann könnten sich vielleicht doch noch jene Kräfte durchsetzen, die die lange überfällige und unterdrückte Reform des Islam an Haupt und Gliedern verwirklichen.“

Hier könnte man Stolz leicht Rassismus vorwerfen. Allerdings nicht den „Rassismus“, den Gutmenschen jeder Art hierzulande den Nationalisten vorwerfen. Nein, es geht dabei nicht um die Wahrung ethnischer und religiöser Eigenheiten von Völkern und Kulturkreisen, sondern hier nimmt der zivilisatorische Herrenmensch Gestalt an, der seinen planetarischen Menschenrechtstotalitarismus allen Völkern aufzwängen möchte. Demzufolge ist die Menschheit in erste und zweite Klasse einzuteilen, in die der Zivilisierten und die der Barbaren.

Das heißt, es werden Völker und Religionen als verachtenswerter Zivilisations-ausschuß behandelt, die sich nicht den Gepflogenheiten der „westlichen Werte-gemeinschaft“ unterordnen wollen, die sich gegen den Assimilationsdruck zur Wehr setzen. Leute wie Stolz wissen schon genau, wie sie den Muslim in Köln und Frankfurt haben möchten, nämlich „friedfertig“, „anpassungsbereit“ und „demo-kratisch“. Und vor allem „Menschen“ sollen es sein (als ob sie es nicht schon wären!). Andernfalls wird Ahmed „missioniert“ und „assimiliert“. Dann wird der Türke nicht mehr Türke und der Deutsche nicht mehr Deutscher sein. Dann hätten wir endlich das zivilisationstaugliche „Herdentier“, von dem Nietzsche sprach.

Wenn wir nicht erkennen, daß der Islam für uns Deutsche und Europäer eine Herausforderung darstellt, die zur Selbstfindung und zur „Reconquista“ (Botho Strauß) werden könnte, dann haben wir den Kampf bereits verloren. Es sind dies die „Junge Freiheit“ und Rolf Stolz, die das Problem verkörpern. Solange die Deutschen aus Dummheit oder aus Opportunismus heraus die Menschenrechte als Geschäftsgrundlage akzeptieren, wird es keine Befreiung von der Überfremdung geben können. Die „Junge Freiheit“ hat sich dem GG und der FDGO und somit den Menschenrechten unterworfen, um nicht in den VS-Berichten aufgeführt zu werden.

Hingegen vertreten wir Nationalisten einen völlig anderen Ansatz. Zunächst einmal lehnen wir die angeblich „humanen“ Menschenrechte ab, deren Gesinnung sich derzeit auf Guantanamo und in Abu Ghraib austobt. Stattdessen stehen wir für eine dezentral ausgerichtete, also kulturkreisspezifische Menschenwürde, was natürlich auch bedeutet, beim Gastrecht zwischen Hausherr und Gast zu unterscheiden. Schließlich fordern wir ein Gesetz zur Ausländerrückführung. Wären wir jedoch der Auffassung, jeder Mensch habe universal an jedem Ort die gleichen Rechte, hätten wir keine Argumente mehr gegen den Moscheebau und gegen die Übernahme ganzer Wohnviertel in unserer Stadt.

Das grundlegende Problem ist nicht der Fremde, der sich bei uns breit macht, sondern der westlerische deutsche Bürger, der aus opportunistischen Erwägungen heraus die Niederlage von 1945 fortschreiben möchte. Daß Paris, Amsterdam, Rom und Hamburg sogenannte multikulturelle Wohnbevölkerungen bekommen, stand bereits fest, als anglo-amerikanische Truppen 1944 in der Normandie landeten. Roosevelt gab ihnen die Menschenrechte und Multi-Kulti mit ins Marschgepäck. Diesen Zusammenhang müssen wir unseren Landsleuten aufzeigen. Dafür brauchen wir aber nicht den „Islamisten“ als Sündenbock.

Jürgen Schwab

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Kommentare

  • Thomas Wagner  Am 27. September 2012 um 20:03

    „Solange die Deutschen aus Dummheit oder Opportunismus heraus die Menschenrechte als Geschaeftsgrundlage akzeptieren, wird es keine Befreiung von der Ueberfremdung geben koennen.“

    „Das grundlegende Problem ist nicht der Fremde, der sich bei uns breit macht, sondern der westlerische deutsche Buerger, der aus opportunistischen Erwaegungen heraus die Niederlage von 1945 fortschreiben moechte.“

    Volle Zustimmung! Hier ist in der Tat die Wurzel des Problems zu verorten. Vor der auesseren Befreiung Deutschlands muss daher zunaechst als unerlaessliche Voraussetzung eine geistige Befreiung der Deutschen von den „heiligen“ Dogmen der „Westlichen Wertegemeinschaft“ stattfinden. In diesem Sinne verstehe ich auch die von dir am Schluss deines Beitrags gemachte Aussage, naemlich „Diesen Zusammenhang muessen wir unseren Landsleuten aufzeigen“, als Bestrebung, die das Ziel hat den Deutschen bewusst zu machen, dass sie ueber Jahrzehnte kolonisiert wurden und bis heute nicht nur militaerisch, sondern zu allererst geistig besetzt (man koennte auch geistig ueberfremdet sagen) sind.

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