Rudolf Rocker zum Volksbegriff

Ein Volk ist das natürliche Ergebnis gesellschaftlicher Organisation, ein Sich-Zusammen-Finden von Menschen, die durch die Verwandtschaftlichkeit der Abstammung, durch allgemeine Formen und Eigentümlichkeiten ihrer Kultur und die Gemeinschaftlichkeit der Sprache, Sitten, Traditionen usw. innerlich vorhanden sind. Dieser gemeinsame Zug lebt und wirkt in jedem einzelnen Gliede des Volksverbandes und bildet einen wichtigen Teil seiner individuellen und kollektiven Existenz. Er kann ebenso wenig künstlich gezüchtet als gewaltsam zerstört werden, es sei denn, dass man alle Glieder eines Volkes ausrotte. Ein Volk kann einer Fremdherrschaft unterworfen und in seiner natürlichen Entwicklung künstlich beeinträchtigt werden, nie aber gelingt es, seine psychologischen und kulturellen Eigentümlichkeiten und Veranlagungen zu ersticken. Im Gegenteil, gerade unter fremdem Joche treten dieselben umso deutlicher hervor und bilden vorzugsweise ein Schutzmittel für die Existenz des Volksganzen.

Rudolf Rocker in dem Text das nationale Einheitsphantom, der Syndikalist, Nr. 24, 1919)

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