Versöhnung, ein sinnloser Begriff?

Man stelle sich vor, die Deutschen hätten sich die erste Weihnacht nach Kriegsende unter dem Christbaum versammelt, sich für die Untaten, die in ihrem Namen geschahen, entschuldigt und –  nach dem Motto, danach  laßt uns in Ruhe! – Versöhnung auf ihre Fahnen geschrieben. Wäre eigentlich ganz im christlichen Sinne. Ob die auf  Rache eingestimmten Siegermächte, besonders aber die NS-Opfer das beeindruckt hätte?

Dem jüdischen Volk scheint solches Verhalten aber möglich und erlaubt, dazu dient bekanntlich  der traditionelle Versöhnungstag Jom Kippur, der dieser Tage begangen wurde. Nicht nur in Wien und Berlin.   

                                                                                        
In London, zum Beispiel,  ließ der angesehene britische Oberrabbiner, Lord Sacks,  über BBC verlauten: „Wir entschuldigen uns für alles Unrecht, das wir begangen haben und suchen die Versöhnung“. Eine gewiß moralische Autorität, die da sprach. Doch Sacks hätte mehr Klartext reden müssen. Was er bei anderer Gelegenheit ja schon tat.

Denn wie sollen bloß die Palästinenser das verstehen, wie könnten sie die schönen Worte mit der Realität in Einklang bringen? Es scheint doch so zu sein, daß eine Mehrheit des Judentums das Unrecht, das an den Palästinensern begangen wurde, nicht zur Kenntnis nehmen möchte. Sacks gehört vielleicht nicht dazu,. aber was hindert ihn daran, es auszusprechen? 

                                                                                                                                 
Kann man denn hundertausende Vertriebene, ethnische Säuberung  und fortgesetzten Landraub einfach so ignorieren? Wenn Entschuldigung die Grundlage für nachfolgende Untaten  wäre, dann ja.

Im Ignorieren gewisser Tatsachen sind die meisten Juden leider keine Ausnahme. Erst kürzlich fand der Sudetendeutsche Tag statt, an dem wie jedes Jahr  der Vertreibung und der Vertreibungsopfer gedacht wurde. Und auch der Tatsache, daß eine Mehrheit des tschechischen Volkes noch immer nicht diese abscheulichen Verbrechen als solche wahrnehmen will.

                                                                                                          
Versöhnung also ohne daß dem Recht genüge getan wird? Natürlich nur, wenn, wie ein unerträglicher jüdischer Spitzenfunktionär sich einmal ausdrückte, Versöhnung „ein absolut sinnloser Begriff“ ist.

Der unbefriedigende, die Rechte und Würde der Opfer verletzende  Zustand  da wie dort hat mehrere Gründe. Einer davon  ist, daß, einerseits, den meisten Juden noch immer der historische Zionismus als nicht nur politisches unverrückbares Leitbild dient,  andererseits, von vielen Tschechen, und nicht nur ihnen, ein ihr Weltbild rechtfertigender Stalinorgel-Antifaschismus, als, je nach Opportunität,  zweckmäßige Angriffs- oder Verteidigungswaffe gegen versöhnlich auftretende Sudetendeutsche (Opfer) eingesetzt wird.                             

Die Deutschen insgesamt haben seit 1945 mehr als ihre Pflicht erfüllt,  jetzt sollten sich auch andere endlich dieser Tugend würdig  erweisen.

Helmut Müller

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Kommentare

  • Schwab  Am 30. September 2012 um 08:33

    So ehrenwert Helmut Müllers Einwurf ist, so sehr geht er auch an der Realität vorbei. Die meisten Menschen sind so veranlagt, daß sie die für sie peinlichen Erinnerung bezüglich der Vergangenheit vergessen, verdrängen möchten. Peinliche Erinnerung, die die eigene Person und die eigene Gruppe betreffen. Daß der eigene Großvater als SS- oder Wehrmachtssoldat möglicherweise an Massakern gegen Juden u. a. beteiligt gewesen war, möchten die meisten Durchschnittsdeutschen nicht thematisieren. Das wird dafür nach der Niederlage von Zionisten und von karrierebewußten deutschen Intellektuellen behandelt, die sich auf die Seite der damaligen jüdischen Opfer stellen wollen.

    Es ist völlig normal, daß beispielsweise Tschechen sich nicht von Deutschen die Verbrechen ihrer Vorfahren g r o ß reden lassen wollen, sie möchten diese k l e i n r e d e n , vergessen und verdrängen.

    Es ist eine Frage der M a c h t , wer seine Geschichtspolitik durchsetzen kann, nicht der M o r a l . Wer darüber jammert, daß die anderen hierbei stärker sind, ist halt der Schwächere. Durchs Jammern wird sich an der eigenen Schwäche daran nichts ändern.

  • sozrev  Am 30. September 2012 um 11:15

    Sehe ich auch so.

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