Klartext-Freunde tauschen sich aus

Integration und Multikulti seien in Deutschland meist gescheitert, schreibt der multikultierfahrene SPD-Bürgermeister Heinz Buschkowsky in seinem Buch “Neukölln ist überall”. Daher wohl auch in Wien.
Da helfen noch so viele bunte Multikulti-Plakate und schönfärberische Anzeigen der Gemeinde Wien, des Integrationsstaatssekretärs oder der Industrie nicht darüber hinweg. Was in Einzelfällen durchaus gelingen mag, und Beispiele dafür gibt es, funktioniert als geamtgesellschaftlicher und demokratischer Idealzustand leider nur in der Theorie. Die Gründe für das Scheitern dieses utopischen Modells in der großen Praxis sind hinlänglich bekannt, und manchmal endete es äußerst grausam.

Multikulti, ein Begriff der oft mißverstanden oder mißbräuchlich verwendet wird, war auch ein Thema anläßlich einer Zusammenkunft von Freunden meines Blogs in einem Wiener Restaurant. Da man als hellwacher Bürger mit so vielen Problemen und Unannehmlichkeiten konfrontiert, auch belästigt und schon bedroht wird, liegt es in der Natur der Sache, daß immer mehr Betroffene sich darüber Gedanken machen.

Eigene Überlegungen in einer Begegnung mit anderen Besorgten kund zu tun, ist ein natürliches Bedürfnis. Es wäre aber naiv, zu erwarten, in einer Zusammenkunft wie der erwähnten käme es sofort zu einer hundertprozentigen Übereinstimmung in allen wichtigen Fragen.

Das wäre in dem Gespräch unter Klartext-Freunden schon von der Fülle der Themen her kaum möglich gewesen. Aber dennoch herrschte einigermaßen Konsens. Etwa , daß es ein Skandal sei, daß Österreichs Verfassungshüter mangels Unvereinbarkeitsregelung Nebengeschäften nachgehen dürfen. Ein anderer Teilnehmer, der über seine negative Erfahrungen mit der Bürokratie in Brüssel berichtete, bestätigte nur die Meinung, die man über diese EU haben muß. Es ist also etwas faul.
Übereinstimmung herrschte sehr schnell darüber, daß die etablierten Parteien und Politiker im Grunde zu vergessen sind. Und natürlich war man sich ebenso schnell einig, daß man nicht alle Migranten in einen Topf werfen könne. Nicht zuletzt waren ESM und Schuldenunion selbstverständlich auch ein Thema, das aber nicht von allen Gesprächsteilnehmern als vorrangig vor nationalen Problemen erachtet wurde.

Eine lösungsorientierte Erkenntnis, die bei unserer Zusammenkunft unumstritten war, ist eigentlich schon ein alter Hut, muß aber stets wiederholt werden: Wenn man als Einzelner eine Veränderung erreichen will, dann gilt es so viele wie möglich mit den eigenen Überlegungen zu erreichen (was u. a. auch mein Blog soll) und andere dem System oder den Verhältnissen gegenüber kritisch Eingestellte zu ähnlichen Treffen bzw. Aussprachen anzuspornen. Gilt es doch das Informationsmonopol der Systemmedien von unten her zu durchbrechen und basisfreundliche politische Aufklärung zu betreiben.

Vielleicht befördert solches Wirken völlig Neues an die Oberfläche , etwas, das durchaus schon da sein kann, aber noch einer von der Not diktierten Erweckung bedarf.

Soweit heutige Kleinparteien in die von Unzufriedenen und Empörten gewünschte Richtung gehen und die Unglaubwürdigkeit des herrschenden Systems offenbaren, werden sie zeit-oder streckenweise schon mit Sympahtien rechnen können. Auf Dauer reicht das derzeitige Angebot jedoch (noch) nicht.

So konnte es bei unserem Treffen auch nicht verwundern, daß man dem Polit-Aufsteiger der Saison, Frank Stronach, zum Teil wohlwollend, andererseits aber auch einigermaßen kritisch, bis ablehnend gegenübersteht. Was dieser aber sicher gerne hören wird, ist die weitere Erkenntnis, daß es zwar einige programmatisch gut ausgerüstete kleinere Mitbewerber gibt, doch diesen eben eine von vielen so gesehene charismatische Persönlichkeit wie Stronach fehlt. Wobei ausreichend Bargeld im Hintergrund durchaus kein Hindernis wäre, wie man sieht.

Anmerkung: In einem bin ich mit Frank Stronach schon d´accord: Ohne Revolution wird sich grundsätzlich nichts verändern können. Und dieser Meinung bin ich nachweislich seit Jahrzehnten.

Helmut Müller

Quelle

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