Überlegenheit

Ende November sprach Udo Pastörs auf zwei Veranstaltungen in Süddeutschland. Unter anderem referierte der Fraktionsvorsitzende der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vor den Mitgliedern und Sympathisanten des Nürnberger Kreisverbandes seiner Partei. Am Ende seiner Rede waren fast alle Zuhörer mit dem über einstündigen Vortrag, der in zwei Teilen mit Pause gegliedert war, sehr zufrieden gewesen. Es gibt wohl nur wenige Redner in der nationaldemokratischen Partei, die in der freien Rede dermaßen ihr Publikum begeistern können. Dabei stellt sich selbstverständlich auch die Frage, mit welchen Erwartungen der einzelne Versammlungsbesucher zur politischen Veranstaltung geht. Bei vielen Kreisverbänden der NPD kommen die Redner am besten an, die das alteingesessene Publikum in den Auffassungen bestätigen und festigen, die man seit Jahren schon vertreten hatte.

Pastörs weiß dies, er holt seine Zuhörer dort ab, wo sie sind. Er verspricht jedem patriotischen Deutschen das was für seine Lebenslage eine Verbesserung oder zumindest eine Besitzstandwahrung darstellen würde. Das heißt: Der Arbeitslose braucht einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz, unter neun Euro soll man als deutscher Arbeitsloser zu Hause bleiben, weil Niedriglöhne unsozial sind, die Renten sind meist zu niedrig, kinderreiche deutsche Familien haben zu wenig Geld, aber auch die Reichen im Land möchte Pastörs unter Artenschutz stellen. Dies sagte er zwar nicht in Nürnberg, aber vor einiger Zeit im Landtag von Schwerin. Dabei bot sich Pastörs dem deutschen Großbürgertum als Bündnispartner gegen die „Kommunisten“ der Linkspartei an, die sich für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes aussprechen, wobei die Superreichen – und nicht der kleine Mittelstand – geschröpft würden. Pastörs möchte hingegen die Reichen steuerlich entlasten, in dem er das neoliberale Steuermodell von Paul Kirchoff einführt.

Pastörs erzählte eine Anekdote nach der anderen, beispielsweise die, wie toll er und seine Frau es fanden, vor einiger Zeit von der Industrie- und Handelskammer Schwerin zu einem Empfang eingeladen worden zu sein. Der IHK-Präsident, der zu freundlich zu den Pastörs gewesen war, mußte später, wohl deshalb, seinen Hut, nehmen.

Siehe:
http://www.svz.de/nachrichten/home/top-thema/artikel/ihk-schwerin-bedauert-einladung-an-npd-fraktionschef-pastoers.html

Der stellvertretende Parteivorsitzende der NPD zieht daraus nicht die Konsequenz, wie die „Sache des Volkes“ die vielen regionalen Industrie- und Handelskammern im Land für ihre Forderung nach mehr Fachkräften bzw. Zuwanderung aus dem Ausland öffentlich zu kritisieren. Nein, Pastörs wartet darauf, daß in einer wirtschaftlichen Krisensituation auch die Schweriner IHK in ihm und seiner NPD einen Garanten für die bürgerlichen Ordnung bzw. für die Eigentumsverhältnisse im Land erblickt.

Indem allerdings Pastörs vor wenigen Jahren in einer Aschermittwochsrede die internationale Finanzkrise auf den Einfluß des internationalen Judentums („Krummnasen“) verkürzte, scheidet er logischerweise in alle Ewigkeit auch für das deutsche Kapital als Bündnispartner aus.

Siehe:
http://www.youtube.com/watch?v=XaYZqKg8C98

Schließlich ist der deutsche Imperialismus heute nicht mehr fähig, sich mangels eigenem militärischem Potential selbst den Weg zu den internationalen Märkten und Rohstoffen freizuschießen. Eine Ein- und Unterordnung in die von den USA angeführte sogenannte Westliche Wertegemeinschaft, zu der die „Holocaustindustrie“ (Norman Finkelstein) gehört, ist hierbei selbstverständlich. Oder glaubt Pastörs allen Ernstes, daß irgendwann die superreichen „Arier“ in den USA sich von ihren jüdischen Klassengenossen distanzieren? In diesem Punkt war schon Hitler an Henry Ford gescheitert.

Vieles an den Gedankengängen dieses NPD-Politikers scheint nicht zu Ende gedacht zu sein, was in rechten Hinterzimmern den meisten nicht auffällt. Aber auf diese Hinterzimmer kommt es machtpolitisch sowieso nicht an. Die Konzeptionslosigkeit ist schon daran erkennbar, wenn dieser NPD-Mann seine Zitate nicht beherrscht. So ordnete Pastörs das Zitat des Carl Schmitt „Wer Menschheit sagt, will betrügen“ dem Philosophen Oswald Spengler zu. Allemal gelungener war da schon sein Hinweis an das Publikum, sich auch einmal mit dem Begriff „Target 2“ im Zusammenhang mit der Euro-Krise zu befassen.

Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2

Bezugnehmend auf den Ökonomen Hans Werner Sinn erklärte Pastörs auch für Nicht-Ökonomen verständlich, daß zur Unsumme an Krediten und Bürgschaften („Rettungsschirme“) ans EU-Ausland auch die vielen Milliarden Euro der Bundesbank der BRD gehören, die sie als „Target 2“-Gelder an andere europäische Zentralbanken „ausleiht“, was in der öffentlichen Debatte in der Regel ausgeblendet wird. Der Zusammenhang aber, daß vor allem auch das deutsche Großkapital, allen voran der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), an der Einführung des Euros massiv mitwirkte und an der Erhaltung der gesamten Euro-Zone interessiert ist, wird von Pastörs ausgeblendet. Entweder, weil er es nicht weiß oder nicht wissen will. Schließlich möchte er ja nicht die IHK in Schwerin und andernorts verärgern. Zudem fehlte in dem Nürnberger Vortrag der Hinweis, daß auch die „Target 2“-Gelder der BRD-Bundesbank letztendlich auch der deutschen Exportindustrie zugute kommen, die auch von der – auf Pump – zahlungsfähigen griechischen, spanischen, portugiesischen und italienischen Kundschaft profitiert.

Daß wir Deutschen den Polen in der Automobilproduktion überlegen sind, ist dann Balsam auf die Wunden gesellschaftlich erniedrigter NPD-Mitglieder und parteifreier deutscher Nationalisten. Aber das wird die IHK Schwerin und die anderen deutschen Kapitallobbyisten nicht davon abhalten, nach wie vor Arbeitsplätze von Deutschland auch ins lohnkostengünstigere Polen zu verlagern und unter anderem polnische Lohndrücker für den deutschen Arbeitsmarkt anzuwerben, wie dies auch Hans Werner Sinn vom Münchner IFO-Institut fordert. Die sozial Schwachen und die an sozialer Gerechtigkeit Interessierten bei uns im Land werden sich bei den nächsten Wahlen, auch in Mecklenburg-Vorpommern, daran erinnern, daß vor allem die Linkspartei für die Erhöhung des Spitzensteuersatzes eintritt.

Siehe:
http://www.youtube.com/watch?v=0acseNQnmak

http://www.youtube.com/watch?v=nHsiHF-T3XQ
Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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Kommentare

  • sozrev  Am 3. Dezember 2012 um 17:27

    Pastörs könnte vom Faschismus durchaus zum Rechtsliberalismus wechseln. Der Fini ist ja mittlerweile politisch korrekter als Berlusconi.

    http://artikel.altermedia-deutschland-archiv.net/general/der-sachsische-weg-060409_26202.html

  • Schwab  Am 4. Dezember 2012 um 16:06

    @Sozrev

    Der kriegt nicht mehr die Kurve. Strache kann sagen, daß seine Wehrsporttätigkeiten „Jugendsünden“ seien. Pastörs ist jetzt schon über 50, das ist vorbei, der ist für das dt. Bürgertum verbrannt.

  • Linksnational  Am 4. Dezember 2012 um 16:29

    Der Showdown für ein NPD-Verbot rückt immer näher. Ich glaube diesmal ziehen sie das durch. Auch wenn nicht, wird es das Ende der NPD so oder so einleiten. Das dürfte dann den Weg für die Partei die Rechte freimachen. Die Freie Szene wird sich weiter auflösen, einige werden sich weiter radikalisieren. Ob die Identitären die Nachfolge antreten, darf ernsthaft bezweifelt werden. Links/sozialrevolutionäre Nationalisten bleiben weiterhin vereinzelt und bedeutungslos.

    Erst wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten! (Ton Steine Scherben)

  • sozrev  Am 4. Dezember 2012 um 17:09

    Schwab:

    Natürlich nicht in dem Sinne, dass Pastörs vom Bürgertum in der BRD anerkannt wird…sondern weltanschaulich.

  • Schwab  Am 4. Dezember 2012 um 17:49

    @Linksnationale

    Naja, ich hab die Hoffnung für nationalrevolutionäre Politik noch nicht aufgegeben … Vielleicht Zweckoptimismus. Aber man sollte sich, wenn auch auf Sparflamme für seine Überzeugungen einsetzen.

    Bei den Identitären muß man abwarten, ob die eine rein virtuelle „Bewegung“ bleiben – oder sich als Jugendbewegung auch im wirklichen politischen Raum an der Seite einer parlamentarisch verankerten rechtspopulistischen Partei positionieren. In Frankreich, Österreich ist dafür eher die Voraussetzung gegeben als bei uns. Vielleicht setzen sich bei uns die Freien Wähler als rechtskonservative, nationalliberale bzw. rechtspolulistische Kraft durch. Dann könnten sich die Identitären als Ergänzung zur Jugendorganisation der FW entwickeln.

    Die NPD ist schwer angeschlagen, Respekt aber für die guten Leute dort, die sich nicht einschüchtern lassen. Zudem weiß man, mit wem man es dort zu tun hat – mit Gesichtern, Personen.

    Bei einem rechtsstaatlichen Verfahren in Karlsruhe wird man der NPD die verfassungs w i d r i g k e i t (aktiv kämpferisch) nicht nachweisen können. In der öffentlichen Debatte werden gerne die Begriffe „verfassungsfeindlich“ und „verfasssungswidrig“ verwechselt. Der NPD kann man mit einiger Mühe „Verfassungsfeindlichkeit“ vorwerfen, weil viele Mitglieder und Funktionäre einer andere politische Ordnung wollen, aber sich hiermit auch auf Art. 79 und 146 des Grundgesetzes berufen können, und dies auch machen. „Verfassungswidrig“, was laut diverser BVerfG-Urteile für ein Verbot notwendig ist, ist die NPD definitiv nicht. Auch das EX-Landesvorstandesmitglied von Thüringen Ralf Wohlleben ist hierzu viel zu dünn. Das müßte man dem aktuellen Parteivorstand, dem Programm und der Satzung vorwerfen können. Fehlanzeige!
    Aber gegen Justizwillkür, das sagte mal Horst Mahler zu mir, ist kein Kraut gewachsen, wenn also parteipolitisch festgelegte SPD- und Unions-Verfassungsrichter politische Urteile fällen. Dann käme noch der Gang nach Straßburg in Betracht, zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Aber nach so einer langen Prozedur könnte die Partei aus beiden Landtagen geflogen sein, auch wenn sie am Ende juristisch Recht bekäme.

    Die Nationalrevolutionäre sollten Bündnisoptionen prüfen, aber mehr Augenmerk auf den Bereich Medien/Presse/Bildung legen, wofür auch Geld notwendig ist. Die Identitären können uns definitiv inhaltlich nicht ersetzen. Die Themen der Nationalrevolutionäre stehen auf der Agenda (national und sozial), sie müssen nur verbreitet werden …
    Wir sind auf der Höhe der Zeit, wir sind ehrlich, weil wir den Leuten unsere Überzeugungen sagen und sie nicht an der Nase herumführen wollen. Du, ich kenn Identitäre, die würden uns von der SdV öffentlich als „Rassisten“ beschimpfen, um ihren eigenen Arsch zu retten, die aber darüber die Nase rümpfen, daß ihre Nichte einen Vietnamesen geheiratet hat. Aber bitte: 0 Prozent Rassismus!

  • Linksnational  Am 4. Dezember 2012 um 18:23

    „Du, ich kenn Identitäre, die würden uns von der SdV öffentlich als “Rassisten” beschimpfen, um ihren eigenen Arsch zu retten, die aber darüber die Nase rümpfen, daß ihre Nichte einen Vietnamesen geheiratet hat. Aber bitte: 0 Prozent Rassismus! „

    Leute gibt’s (Verwechslung?!?) Hatten wir aber schon das Thema! 😀

    Mit den Identitären hab ich mich nur kurz beschäftigt. Interessant an denen ist ihr schnelle Verbreitung dank der Hilfe der sozialen Netzwerke. Kommunikation ist halt heutzutage alles! Ob sich die identitären etablieren, nun mal schauen zumindest sind sie moderner als der Rückständige NS. Die Kritik am Rassismus begriff der übrigens von der Blauen Narzisse mit angestoßen wurde kann ich teilweise mit begrüßen. Naja jeder sieht das halt anders. Flex und die anderen Aussteiger finde ich erbärmlich. Auch ich hab ja das FNS damals verlassen. Bin aber nicht gleich zu den linken gerannt und hab mich dort ausgeheult und was schlimmer wäre verleugnet. Und mit VS arbeitet man grundsätzlich nicht zusammen. Man sollte schon zu seinen Entscheidungen und Taten stehen.

  • Schwab  Am 4. Dezember 2012 um 19:33

    @Sozrev

    Schau mal, den Artikel hab ich noch nicht auf der SdV-Seite gefunden, weil es damals, 2009, noch keine SdV-Seite von Dir gegeben hatte. Den könnte man auch einmal hier dokumentieren.

    http://www.freies-netz-sued.net/index.php/2009/09/29/jurgen-schwab-deutschlands-schwache-rechte/

  • sozrev  Am 5. Dezember 2012 um 17:29

    „Linksnational“:

    Du solltest wenigstens einsehen, dass die von dir getroffene Selbstitulierung („Linksnational“) Unsinn ist. Jedenfalls habe ich noch NIE etwas von Linksnationalen gehört die Sympathien für Rechtspopulisten und Kapitalismusapolegten äußern („Identitären“). Linksnational sind für mich süd-und mittelamerikanische Sozialisten wie Chavez, Humala, Morales. Die Castro-Brüder sind wohl keine Nationalisten, aber patriotische Sozialisten. In Europa wären da die baskischen und katalanischen Linken, nordirische Linksnationalisten zu nennen. Die Griechischen Kommunisten von der KKE vertreten einen nationalen Stalinismus, der mich persönlich an den KPD-Kurs der KPD um 1930 erinnert. Hinzu kommt, das Linksnationalisten grundsätzlich stets Antiimperialistisch gesinnt sind, was bei dir gänzlich fehlt. Deine Sichtweise entspricht hier eher derjenigen von Robert Kurz. Bei Kurz ging der Wahnsinn und der Hass gegen die „traditionele“ sozialistische Linke so weit das er doch ernsthaft Vorschlug die Imperialisten sollten im Namen der „Emazipation“ (etwa seiner „Wertkritik?) Chavez beseitigen.

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