Völkische Wege und Irrwege (4)

„Der Islam“ ist also nicht der „Hauptfeind“, wie Guillaume Faye meint. Etwas anderes ist es, wenn in vielleicht zehn Jahren Nationalisten bei uns die Macht hätten, auf gesetzlicher, demokratischer und friedlicher Grundlage die Türken nach Hause schicken möchten und die Türkei ihre Landsleute bei uns zum Krieg aufrufen würde. Dann wäre – für diesen Fall! – die Türkei der Feind des deutschen Staates, aber nicht „der Islam“, denn so beliebt sind die Türken in der islamischen Welt nicht. In einem solchen Falle könnte sich der deutsche Staat eventuell mit den Griechen, Serben, Bulgaren, Russen, Armeniern, Kurden, Arabern und Persern gegen die Türken verbünden. Wie man erfolgreich Bündnispolitik macht, das können wir durchaus von den USA lernen, aber nicht von Faye, Krebs und Vial!

Der Versuch, die Europäer im Bündnis mit den „weißen“ USA gegen „den Islam“ aufzuhetzen hat seine Tradition auf der „völkischen“ Rechten. In „Evolution und Wissen“ hat Herbert Schweiger sogar Israel als Bündnispartner der Europäer gegen den Islam vorgeschlagen. Für den steierischen Autor wäre ein europäisch-israelisches Bündnis eine „natürliche Konstellation“ (S. 313). Bei den Anhängern Schweigers ist es so, daß sie hinter jedem Übel zuerst „den Juden“ vermuten, während ihr Vordenker einem Bündnis mit den Zionisten das Wort redet! Bei mir ist es hingegen genau umgekehrt: Ich kann der Kapitalismusanalyse des Juden Karl Marx viel Positives abgewinnen, ich stimme in vielen Punkten auch mit dem Juden Moishe A. Friedman überein, ich schließe aber ein Bündnis mit Zionisten grundsätzlich aus. Die heutige Lage ist freilich mit der zwischen 1933 und 1945, als SS-Offiziere mit zionistischen Führern über eine Aussiedlung der in Europa lebenden Juden verhandelten, in keiner Weise vergleichbar! Wir deutschen und europäischen Nationalisten können uns heutzutage in Teheran mit Islamisten und orthodoxen Juden über den „Holocaust“ unterhalten, die Interessen der jüdischen wie christlichen Zionisten sind aber unseren Interessen entgegengesetzt.

Der Versuch, den Islam zum „Hauptfeind“ und die USA verharmlosend zum „Hauptgegner“ der deutschen Nationalisten zu machen, kann nur den Zionisten von Nutzen sein. Das wird aber nicht von Erfolg gekrönt sein. Sicherlich, die Saat, die Faye, Krebs, Vial und Schweiger auf rechten Kongressen, in DS und NPD ausgelegt haben, ist schon aufgegangen, aber der Widerstand gegen diese Position regt sich. Bestes Beispiel ist Karl Richter, der zu diesem Thema in „Hier &. Jetzt“ (Nr. 5/2006) eindeutig Stellung bezogen hatte. Der Feind, so die Botschaft des Beraters der sächsischen Landtagsfraktion der NPD, sei die „westliche Wertegemeinschaft“. Das sehe ich genauso. Auch in „Nation &. Europa“ (Nr. 2/2007) lesen wir ähnliches von Karl Richter. Der Autor stellt die Frage „Rettung – aber wie?“ Der Ausweg aus der bevölkerungspolitischen Misere – bestehend aus Geburtendefizit und Überfremdung – kann für Richter nur mit einem Ausstieg aus der „westlichen Wertegemeinschaft“ einhergehen. Der Autor führt hierzu aus: „Wer es gut meint mit Europa, seinen Völkern und Menschen, muß sich über den Feind klar werden – heute mehr denn je, weil die etablierten Machtapparate offenkundig ein falsches Spiel mit uns treiben. Zwar wird der Popanz des islamistischen und anderweitigen ‚Terrors‘ seit Jahren auf allen Kanälen beschworen, die Beweise für seine Existenz sind aber außerordentlich dürftig: ein paar ‚Kofferbomben‘, die bei näherem Hinsehen niemals funktioniert hätten, ein paar dubiose U-Bahn-Anschläge […].“ (S. 18) Aber selbst, wenn es sich um echten Terror von Islamisten handelt, dann würden, so Richter, in „teuflischer Weise Ursache und Folgen des amerikanischen Kriegs gegen die Welt“ vertauscht. Denn es liege an der „nahtlosen Einbindung der Bundesrepublik in das westliche ‚Werte‘- und Militärbündnis, daß sich Wesen und Hintergründe des angeblichen ‚Terrors‘ hierzulande nur parteiisch, nämlich aus Sicht Amerikas darstellen lassen. Und die öffentliche Meinung folgt, wie von je, nur den Vorgaben der großen Drahtzieher.“ (S. 18-19)

Auch in den USA gibt es völkische Rechte, die lernfähig sind. Bestes Beispiel David Duke, der vor dreißig Jahren dem klischeebehafteten Ku-Klux-Klan angehörte. Aber der weiße Amerikaner sieht heute die Lösung der Rassenfrage in einem anderen Licht. So steht er seit einiger Zeit im Meinungsaustausch mit afroamerikanischen Nationalisten. Auf Weltnetzseiten werden Artikel ausgetauscht und diskutiert. Plötzlich stellt man Gemeinsamkeiten fest. So stimmt Duke mit den Negern von „Nation of Islam“ in dem Gebot der Rassentrennung überein, sowohl was die territoriale Frage als auch die der Mischehen anbetrifft, die von beiden Seiten abgelehnt werden. Auch in der Frontstellung gegen den Zionismus stimmt man überein. (Quelle: Gespräch mit David Duke in der französischen nationalen Wochenzeitung „Rivarol“, Nr. 2795, vom 26.01.2007) Zumal sich Duke auch nicht gegen den „Hauptfeind Islam“ aufhetzen läßt, da er als Sympathisant des historischen Revisionismus in der Islamischen Republik Iran den Hauptverbündeten sieht.

Das heißt also, daß die völkische Rechte insgesamt für den deutschen und europäischen Befreiungsnationalismus noch nicht verloren ist, sofern sie sich von ihren falschen Propheten trennt. Was die USA anbelangt, so würde ich über diese meine Meinung erst ändern, wenn David Duke US-Präsident sein wird – also nie! Die USA brauchen die militärische Niederlage, um auf dem Boden der Tatsachen anzukommen. Die USA und Kanada sollten dann auf ihrem heutigen Staatsgebiet mehrere ethnisch geprägte Nationalstaaten errichten – Französischamerika mit Montreal als Hauptstadt könnte den Anfang machen, auch Deutschamerika mit der Hauptstadt Bismarck könnte Wirklichkeit werden. Dann wird auch Israel im Nahen Osten seinen amerikanischen Rückhalt verloren haben, zumal Deutsche und Europäer vom „Schuldkult“ (Jürgen W. Gansel) befreit sein werden. Ob Israel dann noch Bestand haben wird, soll nicht mehr unser Problem sein. Die globale Macht wird mit dem Sturz der Trias aus Weltkapital, USA und Zionismus erledigt sein. Die Völker können dann wieder aufatmen, was aber nicht heißt, daß der „ewige Friede“ (Kant) ausbrechen wird. Das Vakuum, das die USA in Europa zurücklassen werden, wird nicht von der Türkei, Algerien oder China aufgefüllt, sondern von einer europäischen Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte, wie sie Carl Schmitt bereits 1939 in seiner legendären Schrift angekündigt hatte.

Ende der Serie.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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