SdV-Gespräch: Wollte der BND Karl-Heinz Hoffmann anwerben?

SdV: Herr Hoffmann, in „Junge Welt“ (vom 13.04.2013: http://www.jungewelt.de/2013/04-13/003.php) behauptet Andreas Kramer, sein Vater Johannes Kramer, Offizier des „Bundesnachrichtendienstes (BND)“, habe um das Jahr 1980 Ihnen gegenüber ein Angebot zur Zusammenarbeit mit dem BND unterbreitet. Trifft diese Behauptung zu, gab es 1980, davor oder danach ein Angebot an Sie vom BND?

Hoffmann: Ob Herr Kramer mich irgendwann angesprochen hat kann ich bei der Vielzahl der Leute, die mich früher zu WSG Zeiten aufgesucht haben, nicht sagen. Denn wenn er bei mir gewesen sein sollte, dann bestimmt nicht unter seinem richtigen Namen. Wenn eine fremde Person auftaucht und sagt: „Guten Tag, ich bin der Weihnachtsmann,“ dann denkt man ja nicht sofort an einen Geheimdienstoffizier.
Wenn ich ein Foto von Kramer senior hätte, könnte das vielleicht weiter helfen.
Ich denke es ist ziemlich weltfremd anzunehmen, es könnte jemand vom Geheimdienst kommen, sich als Agent offenbaren und anfragen, ob man nicht vielleicht mal Lust hat bei einem Massaker an unschuldigen Volksgenossen mit zu wirken.

Und deshalb glaube ich auch, dass Köhler zwar von den Diensten benutzt worden ist, aber ohne zu wissen wofür er auserwählt wurde. Wer will sich schon gerne freiwillig in die Luft sprengen lassen? Nach allem was sich aus dem Abschlußbericht des Generalbundesanwalts herauslesen läßt, muß der tödliche Sprengsatz ferngezündet worden sein.

Das ist das Eine. Ich könnte das noch detailliert begründen. Das Andere ist die Tatsache, daß es die WSG ab dem 30. Januar 1980 nicht mehr gegeben hatte. Ab Frühjahr 1980 war ich im Libanon engagiert und nur sporadisch zu Kurzbesuchen in Deutschland.

Ab Sommer 1981 war ich wegen des Libanonprojektes für die nächsten achteinhalb Jahre im Gefängnis. Damit erübrigt sich die Frage, ob ich in der Zeit nach 1980 von Kramer angesprochen worden sein könnte. Als BND und Natopartner war ich ganz sicher die ungeigneteste Person die man sich denken kann und im Übrigen wäre ich wohl kaum so lange eingesperrt worden.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Geheimdienst im Zusammenhang mit Tötungsdelikten jemand anderes zur Tatauslösung einsetzt als einen (in der Regel mehrere) professionelle Killer aus den eigenen Reihen. Das war so in Dubai, bei der Eichmann Entführung, bei den Ermordungen der palästinensischen Veteranen vom 11. September und bei den Morden im Iran an mehreren Atomphysikern und beim Mord an Uwe Barschel.

Dabei gehört es auch zu den Gewohnheiten der Dienste ihre Aktionen jemand anderem aufzubürden.

SdV: Das leuchtet mir alles ein, daß beispielsweise ein Geheimdienst nicht an eine Zielperson herantritt und sich gleich im ersten Gespräch mit echtem Namen, tatsächlichem Organisationsnamen und geplanten Bombenanschlägen offenbart. Aus einem Interview von Claus Nordbruch mit dem vor Jahren als VS-Agenten enttarnten Tino Brand wissen wir, daß dieser vom Thüringer VS in der ersten Kontaktaufnahme nicht mit „Ich bin der Herr Sowieso vom Thüringer Verfassungsschutz, möchte Sie Herr Brand anwerben“ angesprochen wurde, sondern man stellte sich mit „Thüringer Innenministerium, wir wollen mit Ihnen, Herr Brand, reden“ vor. Für jedes Gespräch gab es eine kleinere Geldsumme, irgendwann hieß dann das „Thüringer Innenministerium“ „Thüringer Verfassungsschutz“, Tino Brand wurde als Agent angeworben. Auf Ihr Fallbeispiel übertragen bedeutet dies, es könnte sich der Herr Kramer senior ca. 1980 oder ein oder zwei Jahre davor bei Ihnen gemeldet haben unter einem Vorwand – eventuell als Journalist oder Interessent der WSG, dann hatte er Ihnen gegenüber vielleicht ein Gedankenspiel unterbreitet, in einem „nationalen deutschen und europäischen Netzwerk“ mitzuarbeiten, das gegen einen „kommunistischen Umsturz“ ausgerichtet sei. Sollte die Behauptung von Kramer junior stimmen, dann hätte dessen Vater mit Ihnen deutlich über NATO-Zusammenhänge gesprochen und sie hätten eine Zusammenarbeit mit der NATO abgelehnt. Können Sie sich an einen derartigen Gesprächsgegenstand nicht erinnern?

Hoffmann: Ich erinnere mich nur an einen Besuch von zwei Herren vom Verfassungsschutz, die sich aber zu erkennen gaben. Es dürfte 1975 gewesen sein. Jedenfalls war das noch zu der Zeit als wir noch im Almoshofer Schloß wohnten. Das Gespräch war sehr kurz. Keine zehn Minuten. Ich habe der Sache keine besondere Bedeutung beigemessen. Es war das Übliche, das wohl jeder gesellschaftlich Tätige irgendwann einmal erlebt. Einfach die Frage nach möglicher Zusammenarbeit. Das heißt behilflich sein bei der Informationsbeschaffung. Das war aber nur grundsätzlich gemeint, ohne irgendwie konkret zu werden. Konkrete Angebote wurden nicht gemacht. Ich lehnte höflich ab. Danach habe ich nie mehr etwas von ihnen gehört.

Es ist nicht unmöglich daß man meinen politischen Standort auskundschaften wollte, aber daraus zu schließen ich sei für die Dienste als Zielperson hinsichtlich einer NATO-Zusammenarbeit in Frage gekommen ist abwegig. Ich hätte noch nicht einmal um den Preis der staatlichen Legalisierung und Förderung der WSG auch nur den kleinen Finger gerührt, um der NATO im weitesten Sinne behilflich zu sein.
Ich habe aus Gewissensgründen den Dienst in der Bundeswehr verweigert. In meinem 1973 erschienen Gedichtband finden Sie mehrere NATO-kritische Bemerkungen; zum Beispiel auf Seite 6:

„Die mit wahrhaft faustischer Tücke durch unsere ehemaligen Kriegsgegner herbeigeführte politische Situation, den Deutschen aus München, Hannover oder Hamburg Deutsche aus Leipzig, Berlin und Weimar angriffsbereit Gewehr bei Fuß gegenüber zu stellen, ist die unwürdigste und unerträglichste, die es für eine Kulturnation geben kann.“

Auf Seite Sieben unter Überschrift für Wehrdienstverweigerer; letzter Vers von 3:

„Letzten Endes soll wir sterben
fremden Mächten zum Profit
Lasst Euch raten, deutsche Männer
machts wie wir, macht niemals mit!“

Im Übrigen, man redet immer von der NATO. Wenn man dafür den Begriff CIA einsetzt, kommt man der Sache näher.

Von alledem abgesehen sind die Kramer-Enthüllungen hinsichtlich der angeblichen Zielstellung des Komplotts nicht logisch nachvollziehbar. Angeblich hätte das Attentat Franz Josef Strauß politischen Nutzen bringen sollen. Und zwar insofern als er es den Linken in die Schuhe schieben wollte, sollte oder gekonnt hätte. Wäre das so geplant gewesen, dann hätte man als Kaporeshahn einen Mann einsetzen müssen, der zur linken Szene zuordenbar sein mußte. Nicht Köhler, bei dem klar war, was der Nadiscomputer zu seiner Person ausspucken würde. Es sei denn man hätte erwartet, daß Köhlers tatsächliche Zusammenarbeit mit der Partei DIE GRÜNEN herausgearbeitet werden sollte. (Siehe dazu den Abschlussbericht des Genaralbundesanwalts und mein Buch DIE OKTOBERFESTLEGENDE.)

Köhler wird in den Medien als „Rechtsextremist“ und „Neonazi“ bezeichnet. Das war er mit Sicherheit nicht. Die Ermittlungsbehörden haben tatsächlich, trotz fleißigem Bemühen keine Hinweise darauf gefunden. Die Zusammenarbeit mit den Grünen ist jedoch einwandfrei beweisfähig ermittelt worden.

Ich bin überzeugt, daß das Attentat mit Strauß und dessen Machtstreben überhaupt nichts zu tun hatte. Das ist eine vom „Spiegel“ in die Welt gesetzte politisch motivierte These ohne Tatsachenhintergrund. Zu bedenken ist auch: Man kann zu Strauß stehen wie man will. Ich mochte den Mann nie, weil er den Amerikanern das Kraut vom Arsch gefressen hat, aber ich möchte ihm doch nicht die Rücksichtslosigkeit unterstellen, seine politischen Machtgelüste mit Hilfe von Massenmord verfolgt zu haben.

SdV: Denkbar ist auch, daß Kramer junior tatsächlich vor in etwa 30 Jahren von seinem Vater über BND-Operationen informiert wurde, er aber nur lückenhafte Informationen aus zweiter Hand besitzt, manches davon schlecht in Erinnerung hat, deshalb unbewußt Informations- und Erinnerungslücken mit eigenen Interpretationen auffüllt. Wenn also Kramer junior gegenüber „Junge Welt“ erklärt: „Mein Vater hatte Köhler und andere angesprochen. Auch den Chef der Truppe, Karl-Heinz Hoffmann selbst. Der wollte aber nichts mit der NATO zu tun haben und hätte sicher einen Riesenärger bereitet, wenn er das herausbekommen hätte.“ So könnte die Aussage, daß auch Sie, Herr Hoffmann, direkt von Kramer senior angesprochen wurden, eine Interpretation bzw. Mutmaßung von Kramer junior sein. Weil Kramer senior von Ihrem Profil her wußte, daß Sie ein unbelehrbarer NATO-Gegner sind, hatte der BND Sie selbst gar nicht angesprochen, aber möglicherweise Köhler. Bei Ihnen, Herr Hoffmann, ahnte wohl der BND, daß Sie im Falle eines Anwerbeversuchs einen „Riesenärger bereiten“, weshalb man dann doch von einem Anwerbungsversuch absah.

Hoffmann: Hinsichtlich des Oktoberfestattentats von 1980 ist noch der Sprengsatz bemerkenswert. Es ist davon auszugehen daß Gundolf Köhler nicht wusste, daß er in den Wirkungsbereich einer Bombe gelockt wurde. Demzufolge hat er ihn auch nicht gebaut.
Man hat auch bei Köhler zu Hause nichts gefunden, was zu dem Schluß zwingen würde, er müsse die Bombe gebaut haben.

Kramer junior hat ausgesagt, daß sein Vater die in München verwendete Bombe selbt gebaut habe. Dazu meinte eine Journalistin deren Name nichts zur Sache tut, es sei unwahrscheinlich daß sich ein hoher Offizier mit dem Bau der Bombe befaßt habe.

Da frage ich: Wer hat die Stauffenberg-Bombe gebaut? Das waren wohl die Herren Offiziere selbst. Sie werden kaum einen Gefreiten mit einer so delikaten Sache betraut haben. Warum ich davon ausgehe, daß der Sprengsatz in München fern gezündet wurde.Die Experten der SOKO-Theresienwiese haben keine Teile eines Zünders gefunden.
Ein selbst gebauter Zündmechanismus, meist unter Benutzung einer Uhr, einer Batterie und einer Sprengkapsel hätte gefunden werden müssen. Geheimdienste sind in der Lage Zünder aus nicht metallischem Material zu bauen, die sich bei der Detonation selbst vollkommen zerstören ohne Beweise zu hinterlassen. Für Köhler dürfte das kaum möglich gewesen sein.

Diese Möglichkeit wollten die LKA Experten aus naheliegenden Gründen nicht annehmen. Sie stellten fest, daß die Art des Zündmechanismus nicht zu ermitteln sei.

Dann stellten sie gemäß ihren politischen Vorgaben eine ziemlich dämliche Theorie in den Raum, die geeignet sein sollte den Verdacht auf Köhler als Bombenbauer und Täter zu stützen.
Sie meinten, da nichts gefunden wurde, müsse der Sprengsatz wohl mit einer Zündschnur gezündet worden sein. Diese könnte defekt gewesen sein und „durchgeschlagen“ haben. Einen größeren Unsinn hört man selten.

Eine Zündschnur besteht aus Pulver mit einer bitumierten Baumwollfadenwicklung.

Sie brennt langsam ab. Das „Durchschlagen“ ist so selten wie ein Sechser im Lotto und kann höchstens auf ein paar Zentimetern geschehen. Wie lang oder oder wie kurz soll die Zündschnur gewesen sein? Köhler hatte bei der Bundeswehr einen Sprengmeisterlehrgang gemacht. Er war sicher kein Neonazi, aber ein Mann mit großem Fachwissen im Bezug auf Explosivstoffe. Es war sein Steckenpferd.

Er hätte eine Zündschnur von einigen Metern verwenden müssen um rechtzeitig aus dem Wirkungsbereich der Bombe zu kommen. Kann man sich vorstellen, daß jemand auf einem belebten Rummelplatz ein paar Meter Zündschnur aufrollt? Und warum soll er nach dem Zünden nochmal zum Papierkorb gegangen sein? Die Schnur müsste extrem kurz gewesen sein, denn Köhler stand ja unmittelbar vor dem Papierkorb, wo die Bombe versteckt war. Dann müßte ihm aber klar gewesen sein, daß er mit in die Luft fliegt. Es gibt aber in den Akten keinerlei Hinweise auf etwaige Selbstmordabsichten.

Aber das Wichtigste ist der Umstand, daß weder an der Leiche Köhlers noch sonst irgendwo im Umfeld der Explosion Fasern einer Zündschnur gefunden wurden. Die hätte man aber auf jeden Fall finden müssen, wenn eine Zündschnur im Spiel gewesen wäre.

All dies zeigt mir, daß der abscheuliche Massenmord auf der Theresienwiese auf das Konto von Geheimdiensten geht.

SdV: Sehr geehrter Herr Hoffmann, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Die Fragen stellte Jürgen Schwab.

Siehe auch:

http://karl-heinz-hoffmann.com/aktuell.html

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Kommentare

  • sozrev  Am 4. Mai 2013 um 08:27

    Hoffmans-Kommentar hierzu lautet:

    Mein Kommentar dazu:
    Von möglichem Verdacht
    entlastet?

    Seit 34 Jahren wird versucht, mich und die ehemalige WSG für das Oktoberfestmassaker verantwortlich zu machen. Die juristisch und sachlich nicht begründbaren Verdachtstheorien werden im Sinne der politischen Interessen, der Antifa und der aus unterschiedlichen Parteien bestehenden Regierungskamarilla bis auf den heutigen Tag genüsslich ausgeschlachtet. Dahinter stehen, höhnisch feixend die ausländischen Dienste.
    Die ersten Verdächtigungen hat der damalige Generalbundesanwalt Rebmann zu verantworten. Schon am Tag nach dem Attentat auf der Theresienwiese war er ins Bild gestiegen und hatte seine vorschnell gefasste Verdachtstheorie verkündet. Eine Theorie, die auf dubiosen Geheimdienstmitteilungen aufgebaut war und schon nach 48 Stunden von den Ermittlungsbehörden als falsch erkannt worden war.
    Mit der Einleitung und – trotz dieser Erkenntnisse – Aufrechterhaltung eines gegen mich gerichteten Ermittlungsverfahrens haben sich damals die verantwortlichen Richter und Staatsanwälte eindeutig eines Verbrechens der „Verfolgung Unschuldiger“ strafbar gemacht.
    Erst nach zweieinhalb Jahren wurde das Verfahren eingestellt, weil kein Verdacht begründet werden konnte. Man hatte noch nicht einmal so viel in der Hand, um mich auch nur ein einziges Mal zu einer Vernehmung vorladen zu können.
    Der politisch rechts stehende Jürgen Schwab spricht in der Internetplattform „Sache des Volkes“ in seinem Kommentar zum Interview unter Bezugnahme auf die jüngsten Kramer-Enthüllungen von „einer weitgehenden Entlastung“, lässt aber gleichzeitig erneut Verdachtsmomente anklingen. Konnte oder wollte er meine Interview-Antworten nicht richtig interpretieren?

    Auszug aus dem Schwab-Kommentar:

    Andreas Kramers Bericht klingt für mich glaubwürdig. Hoffmann ist somit in dieser Angelegenheit von einem möglichen Verdacht weitgehend entlastet. Allerdings hätte er bislang zur zeitgeschichtlichen Aufklärung der „Stay Behind“-Strategien der NATO mehr beitragen können, hätte er in den letzten Jahren den damaligen Anwerbeversuch des BND öffentlich gemacht. Hätte, hätte, Fahrradkette! Aber Hoffmann hat immer noch die Möglichkeit zu dem gescheiterten Anwerbeversuch, sollte er 1980 stattgefunden haben, Stellung zu beziehen.
    (Ende des Kommentars)

    Er meint, ich hätte ja immer noch die Möglichkeit, zu einem gescheiterten Anwerbeversuch des BND Stellung zu nehmen.
    Habe ich nicht klipp und klar erklärt, dass es 1980 keinen solchen Anwerbeversuch durch den BND gegeben hat? Der Umstand, dass ich Mitte der siebziger Jahre erfolglos von zwei Beamten des Verfassungsschutzes ohne konkret zu werden, angesprochen worden war, ist nicht so ohne weiteres als Anbahnungsversuch des BND zu werten. Wie soll ich Stellung nehmen, zu einer Begebenheit, die nur in den Gehirnen der ewigen „Mutmaser“ aber nicht in der Realität stattgefunden hat?
    Und was bringt Herrn Schwab zu der Überlegung, ich könnte einen Beitrag zur Aufklärung der „Stay-Behind-Strategien“ der NATO leisten? Soll ich mich an der allgemeinen Wichtigtuerei, sowohl von links als auch von rechts, beteiligen, indem ich über etwas rede, wovon ich keine Kenntnis habe? Ich weiß nichts Beweisfähiges über das Gladio-Phänomen aber ich habe eine persönliche Meinung dazu, die natürlich nicht mehr als nur eine Meinung sein kann:
    Ich glaube nicht an das Vorhandensein von Gladio-Gruppen außerhalb der regulären Truppen auf bundesdeutschem Boden für den Zeitraum von 1970 bis 1980.
    Jedenfalls nicht in der Form von irregulären militanten Gruppe, die von der Nato unterstützt und mit Waffen versorgt worden sein sollen. Für diese Annahme habe ich Gründe.
    Die Behauptung, in Deutschland habe der BDJ (Bund Deutscher Jugend) als Gladio-Gruppe fungiert, ist nicht beweisfähig nachprüfbar. Der BHJ (Bund Heimattreuer Jugend) wurde bereits im Jahre 1953 in der BRD verboten. Das spricht nicht gerade dafür, dass diese Organisation den Schutz und die Unterstützung unserer Besatzungsmächte genoss. Es hat aber keinen Sinn, mit mir über etwaige geheime Gruppierungen zu reden, deren Aktivitäten in eine Zeit fallen, als ich noch gar nicht in meine Geburtsstadt Nürnberg in der Bundesrepublik zurückgekehrt war. Ich kam erst im Herbst 1953 als damals Sechzehnjähriger nach Westdeutschland.
    In den späteren Jahren wurde nichts über eine etwaige Organisationstätigkeit des verbotenen BHJ bekannt. Die Vermutung, der BHJ könnte seine Aktivitäten (wie auch immer die vor 1953 gewesen sein mögen) als zusammengehaltene Organisation bis in die Siebziger und Achtziger Jahre fortgeführt haben, ist derselbe blödsinnige Verdacht, wie man ihn auch hinsichtlich der seit 1973 organisatorisch aufgebauten WSG zu konstruieren versucht. Wenn die Alliierten nach 1945 ein Interesse an „Gladio-Einheiten in Deutschland gehabt haben sollten, (was durchaus naheliegend erscheint) dann war dieses Interesse mit Sicherheit im Jahre 1953, spätestens aber nach der Gründung der Bundeswehr, erloschen, andernfalls hätte das Organisationsverbot von den deutschen Behörden nicht ausgesprochen werden können. Organisationen an deren Vorhandensein die ehemaligen Feindmächte ein Interesse haben, können von unseren Polit-Marionetten nicht liquidiert werden.
    In Italien und in den Benelux-Staaten mag das über die Jahrzehnte hinweg anders gewesen sein. Das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass die dortigen Rechtsextremisten sehr stark katholisch geprägt sind. Eine weitergehende Begründung will ich dem Leser vorläufig ersparen. Jedenfalls ist der „Gladio-Entdecker“ Daniele Ganser, der die Gladio-Geschichten großzügig marktgerecht aufbereitet hat, kein ernst zu nehmender Historiker, weil seine Ermittlungsmethoden äußerst fragwürdig sind.

    Soviel für Heute

  • sozrev  Am 4. Mai 2013 um 08:31

    Bei Elsässer heißt es zu diesem Thema:

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2011/11/18/nsu-man-muss-nach-gladio-suchen/

  • sozrev  Am 4. Mai 2013 um 08:40

    „Wenn die Alliierten nach 1945 ein Interesse an „Gladio-Einheiten in Deutschland gehabt haben sollten, (was durchaus naheliegend erscheint) dann war dieses Interesse mit Sicherheit im Jahre 1953, spätestens aber nach der Gründung der Bundeswehr, erloschen, andernfalls hätte das Organisationsverbot von den deutschen Behörden nicht ausgesprochen werden können“

    Völlig falsch. Die rechtsnationalen und antikommunistischen Gladio-Strukturen gab es in der BRD selbst noch in den 1980er-Jahren und waren von den USA und der NATO gelenkt. Die Gladio-Strukturen funktionierten ohne „das Wissen“ des Bundestages und enstprechender anderer bundesrepublikanischen Stellen.

    Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=Py1TlCxiM-U&list=PL32857247AF6A3F5E

  • Rolf  Am 4. Mai 2013 um 09:12

    Ein Foto von „CELLO“ Johannes Kramer aus dem September 1980 findet sich hier:

    http://www.lavanguardia.com/internacional/20130427/54371582415/andreas-kramer-he-golpeado-un-nido-de-avispas.html

    Herr Hoffmann meinte ja, ein Foto würde eventuell helfen.

  • Antagonist  Am 11. Mai 2013 um 08:55

    Der Schattenmann
    Wer hat die Bommeleeër-Anschläge verübt?
    Weitgehend unbeachtet findet seit Februar 2013 in Luxemburg ein Jahrhundertprozess statt. Es geht um die „Bommeleeër-Anschläge“, bei denen in den 1980er Jahren Strommasten, Schwimmbäder und Gasstationen gesprengt wurden. Dann hörten die Attentate schlagartig wieder auf. Stecken geheime Strukturen dahinter?
    Luxemburger Journalisten und der Anwalt der zwei angeklagten Polizisten, Gaston Vogel, – der Vorwurf gegen die beiden lautet auf Erpressung des staatlichen Stromkonzerns – listen immer mehr Indizien dafür auf, dass die Täter nicht einfache Kriminelle waren, sondern nur eine militärische Organisation dahinter stecken kann. Es ist nur sehr wenig darüber bekannt, dass die Nato im Kalten Krieg in Europa Geheimarmeen unterhielt – in Italien als Gladio, in Deutschland als Stay-behind-Organisation bezeichnet. Könnten sie für die Luxemburger Attentate verantwortlich sein? Ein deutscher Zeuge, der jüngst vor dem Luxemburger Gericht aussagte, sagt genau das. Der Anwalt der Angeklagten hält ihn für glaubwürdig, der renommierte Gladio-Experte Daniele Ganser fordert eine genaue Untersuchung der Aussagen, die auch das Münchner Oktoberfest-Attentat betreffen.

    http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/169582/index.html

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