Kopfscheu gewordene Zugpferde

Jürgen Elsässer hatte sich für seine Veranstaltung in Leipzig der Mitwirkung prominenter Personen versichert.Als wichtigste Zugpferde sollten der unbestreitbar gesellschaftlich anerkannte Peter Scholl-Latour, die ebenso bekannte wie umstrittene Eva Hermann und der einst zu den Arrivierten zählende, und seit der Veröffentlichung seines als „neuorientierte Rassenlehre“ verschrienen Buches „Deutschland schafft sich ab“, als Rechtspopulist ins gesellschaftliche Abseits gestellte Thilo Sarrazin eingespannt werden.Doch Elsässer hatte wohl seine Zugpferde nicht sorgfältig genug rechtsverbindlich angeschirrt.

Das Zugpferd Scholl-Latour bekam plötzlich Angst vor der eigenen Courage und verließ das Gespann. Nachdem sich inzwischen eine gewaltige Protestlawine gegen die Veranstaltung aufstaut, steht Scholl-Latour plötzlich nicht mehr für Elsässer zur Verfügung. Angeblich muss er einen wichtigen Auslandstermin wahrnehmen. Mit anderen Worten, Peter Scholl-Latour kneift. Er fürchtet, natürlich zu Recht, nach einem Auftritt bei Elsässer das gleiche Schicksal erleiden zu müssen, wie es vor einiger Zeit Günter Grass beschieden war.Jahrzehnte lang ein Hätschelkind der Politschickeria, nach seiner Israel kritischen Äußerung in das gesellschaftliche Nichts abgeschoben.

Geringes Stehvermögen möchte ich niemandem zum Vorwurf machen. Der eine hat es der andere nicht. Doch Scholl-Latour hätte wissen müssen, auf was er sich einlässt. Meine Kritik betrifft die Kehrtwendung. Ein Mann mit festem Charakter steht so etwas durch. Der blamable Rückzieher gereicht Scholl-Latour nicht zur Ehre.

Und Eva Hermann? Auch sie hat abgesagt, aber doch wenigstens offen ihre Ängste dargelegt, und sich nicht mit Ausreden aus der Affäre gezogen. Allerdings hätte auch sie die Entwicklung der Dinge voraussehen können. Es wäre klüger gewesen, wenn sie sich gar nicht erst zur Verfügung gestellt hätte. Na ja, sie ist eine Frau, noch dazu eine sehr sympathische, sie darf etwas wankelmütig sein.

Und Sarrazin? Im Moment steht er noch zu seinem Wort. Vielleicht bleibt es ja dabei. Damit könnte er bei mir ein paar Punkte zurück gewinnen, die er durch sein antiquiert-religiös motiviertes Traktat „Deutschland schafft sich ab“ und seine peinlichen antiislamisch durchwachsenen Fernsehauftritte eingebüßt hat.

Natürlich werde ich mir das Spektakel am 23.11. in Leipzig ansehen.

Was Sarrazin von sich geben wird, weiß man zwar schon vorher, aber was die russischen Referenten zu sagen haben, könnte interessant werden.

Karl-Heinz Hoffmann

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Kommentare

  • Schwab  Am 16. November 2013 um 11:48

    Wenn man selbst wenig oder nichts zu verlieren hat, kann man leicht anderen, die viel zu verlieren haben, „Feigheit“ bzw. fehlendes „Stehvermögen“ vorwerfen. Karl-Heinz Hoffmann hat nichts mehr zu verlieren – außer Leben und Gesundheit. Er hat sein wirtschaftliches Auskommen, ist aber gesellschaftlich – wie andere in unserem Spektrum – völlig isoliert. Menschen, die sich wie Hoffmann, Schwab und Scholl-Latour in die Öffentlichkeit drängen, sind auch eitel. Scholl-Latour ist so eitel, daß er am Ende seines Lebens nicht auf Fernsehauftritte („talkshows“) verzichten möchte. Weder Hoffmann noch Schwab, Apfel usw. werden in der Regel zu „talkshows“ eingeladen.
    Soweit zu einer realistischen Analyse, zu der Hoffmann nicht fähig ist.
    Aber welche „Zugpferde“ sollen nach Auffassung von Hoffmann für Elsässer geeignet sein? Sicherlich meint Hoffmann sich selbst. Dann würden die Medien nur noch von „verrückten Nazis“ und „irren Wehrsportlern“ schreiben, aber nicht über politische Themen.
    Daß beispielsweise Hoffmann immer wieder bekundet, wie türkenlieb er doch sei, interessiert die BRD-Medien nicht. Er bedient aufgrund seiner Vergangenheit das Klischee des gewaltbereiten gefährlichen Nazis. Und deshalb setzt Elsässer nicht auf „Zugpferde“ wie ihn. Das mag „ungerecht“ sein, aber ist halt so.

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