Man spricht von Freiheit

In diesen Tagen wird das Wort Freiheit auf die eine oder andere Weise ziemlich oft in Erinnerung gerufen. Aktuellen Anlaß bieten nicht nur der drohende Überwachungsstaat oder der Tod der südafrikanischen Freiheitsikone Nelson Mandela.

So meint etwa ein dem Nikotinkonsum abholder Schriftsteller, Rauchen sei Bürgerfreiheit, während ein Kommentator in demselben Magazin für die Freiheit der Medien eine Bresche zu schlagen versucht. Natürlich unabhängig davon, wie manche Medien mit dieser Freiheit dann umgehen.

Mehr Freiheit verspricht, nicht zuletzt, der im freiheitlichen Wochenmagazin Zur Zeit ausgerufene „freiheitliche Frühling“. Wird letzterer das Schicksal des arabischen erleben? Und wenn, was könnten einmal die Gründe dafür gewesen sein?

Die Freiheit ist ein kostbares Gut, sagt man – und ist es auch. Deren Beschwörung bedarf daher immer wieder der Überprüfung auf ihren Wahrhaftigkeitsgehalt. Denn die Erringung der Freiheit ist, wie deren Sicherung auch, ohne entsprechende Verantwortungsethik, zum Beispiel im Sinne Max Webers, schwer möglich.

Dennoch kann immer wieder Widersprüchliches auf Seiten jener, die sie auf ihre Fahnen geschrieben haben, offenkundig werden. Das bleibt aber nur dann nicht länger ein Problem, wenn dieses zum Stachel wird, der vorantreibt und auf Urteilskraft und Entscheidung einwirkt.

Völlig kontraproduktiv, ja schädlich, wäre das Ignorieren von Widersprüchen. Man entfernt sich dabei geistig und handelnd von den Prinzipien und bettet sich in der Lüge ein. Man ist nicht mehr wahrhaftig, tut aber so als ob. Das ist eine große Gefahr für die Freiheit oder freiheitlichen Anliegen, denn nur die Wahrhaftigkeit kann, wie schon erwähnt, zur Freiheit führen.

Wenn Zur Zeit nun schreibt, daß nur dort ein Höchstmaß an Freiheit bestehen könne, wo „sämtliche Grund- und Freiheitsrechte“ gewährleistet seien, dann geht das eben auch nur mit einem Höchstmaß an Wahrhaftigkeit einher. Gerade im Falle der “Freiheit”lichen stellen sich dann in diesem Zusammenhang doch einige Fragen. Unter anderen diese:

Ist man also wahrhaftig: -wenn man in seinem vorgeblichen Streben nach Freiheit, gleichzeitig freiheitswidrige, menschenverachtende Politik, und sei es anderswo, duldet odergar befürwortet? -wenn man die Meinungsfreiheit, für die 1848er einmal ihr Leben einsetzten, als Herzenanliegen verkündet, gleichzeitig aber beim ersten inopportunen Gegenwind darauf verzichtet? -wenn man für Sauberkeit in der Verwaltung ist und gleichzeitig jene, die dies wortwörtlich nehmen und Mißstände aufdecken, existenziell bedroht im Regen stehen läßt? -wenn man die Trennung von Kirche und Staat auf die Fahnen schreibt und gleichzeitig mit dem Kreuz in Wahlkämpfe geht?

Selbstverständlich kann man mit Widersprüchen eine Zeitlang gut leben, auch mit einer Lüge oder einem Bruch mit der 1848er Haltung. Aber am Ende wird man dann doch an dieser der Tagesopportunität zu verdankenden politischen Unmoral auch scheitern und die Frage, ob die Preisgabe von Prinzipien sich für eine Partei lohne (für einzelne Mandatare gewiß), nicht mehr stellen müssen.

Wenn ein ehemaliger, eher glückloser FP-Parteichef in dem erwähnten freiheitlichen Magazin meint, man brauche „Charakterfeste, die die Prinzipien der Partei auch leben“, dann sollte diese Ermahnung nicht bei dem einen Parteiohr hinein und beim anderen wieder unreflektiert hinausgehen. Das sollte man gerade in Zeiten bester Umfragewerte und berauschender Disconächte beherzigen.

Helmut Müller

Quelle

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