Besprechungen (21)

Der 16. und 17. Mai waren in Mittelfranken Großkampftage der antiislamistischen Szene. Schließlich sprach kein Geringerer als Akif Pirincci („Deutschland von Sinnen“), wobei die Erlanger Lesung das Thema „Islam“ und die Nürnberger Lesung das Thema „Medienpolitik“ als Schwerpunkt hatte.

Zur Person siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Akif_Pirin%C3%A7ci

Zur Nürnberger Veranstaltung:

Sicherlich, man sollte nicht vom Buchautoren und Referenten auf das gesamte Publikum schließen, aber dem Grundtenor der rechtskonservativen Form der politischen Korrektheit, wie sie von Rechtspopulisten und Identitären verfochten wird, daß nämlich bezüglich des Ausländerproblems im Land nicht über „Rasse“ und kapitalistisches Einwanderungsinteresse, sondern über „Religion“ bzw. „Islam“ zu reden ist, wurde von Pirincci entsprochen.

Die „Rasse“ gilt infolge der Massenverbrechen des Hitler-Regimes als Unwort, das wissenschaftlich allenfalls noch bei der SdV behandelt wird; die auf Erfolg getrimmten Rechtskonservativen umgehen das Wort in Richtung „Islam“, um Anschluß an bürgerliche Medien (Springerpresse, FAZ usw.) zu finden. Da das rechte Spektrum überwiegend das Bündnis mit dem Kapital sucht, ist es folgerichtig, daß einer ihrer Vordenker, eben jener Pirincci, das Thema Lohndrückerinteresse (und Konsumenten- und Mieterpreis-Heber-Interesse) überhaupt nicht anspricht.

Die Frage an ihn während einer Fragerunde, daß seine heftige Polemik gegenüber Islamisten durch seinen Migranten-Bonus gedeckt werde, wobei ethnische deutsche Autoren bei derartigen Formulierungen längst in den „Bau“ eingefahren wären, konnte der in Istanbul geborene Referent nicht entkräften.

Pirincci, der sowohl vor Mitgliedern und Anhängern der „Alternative für Deutschland (AfD)“ im kleinen Saal der Meistersingerhalle von Nürnberg (Samstag) und auf dem Burschenschafterhaus von Frankonia Erlangen (Freitag) sprach, wußte durch seine Formulierungskunst durchaus zu überzeugen, weshalb der Abend nicht langweilig wurde, obwohl man dies aufgrund des Umstands, daß der Autor jeweils ein ganzes Kapitel von „Deutschland von Sinnen“ vorlas, befürchten mußte.

Siehe:
http://www.amazon.de/Deutschland-von-Sinnen-Homosexuelle-Zuwanderer/dp/3944872045/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1400405285&sr=8-1&keywords=deutschland+von+sinnen

Sein Sprachduktus entspricht einem Mittelding aus Satire-Magazin (Titanic, Eulenspiegel) und Boulevard-Stil (Bildzeitung). Schenkelklopfer bewirkten Formulierungen wie: Die Islamisten der Muslim-Bruderschaft, die unlängst in Kairo an der Macht gewesen waren, hätten sich nicht um die wirtschaftliche Lage in Ägypten gesorgt, sondern alles habe sich um die „Muschi“ von minderjährigen Mädchen gedreht – ab welchem Alter des Mädchens der Penis des muslimischen Mannes in eine solche eindringen dürfe.

Pirincci ordnet sich selbst in seinen Vorträge in das Autorenspektrum der „Achse des Guten“ ein, in dem auch andere pro-us-amerikanische und zionistische Autoren wie Henryk Broder veröffentlichen.

Siehe:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/applaus_applaus_fuer_den_sitzpinkler

Diese Bemerkung ist wichtig, damit jeder Deutsche weiß, wohin die Reise auch bei Pirincci geht. Ihm deshalb unehrliche Absichten im Rahmen einer Verschwörungstheorie zu unterstellen, ist deshalb nicht angebracht. Der Autor stellte sich als Atheist vor, der auch durch seinen bildungsbürgerlichen Habitus und europid-mediterranen Phänotyp eher nach Italien oder Süddeutschland, aber nicht in einen orientalischen Gottesstaat paßt. Auch viele Argumente des Autors entsprechen nicht der linken und liberalen Variante der politischen Korrektheit.

Wenn er etwa sagt, daß die genetisch bedingte Intelligenzverteilung in vielen islamisch geprägten Ländern weit hinter europäischen Standard zurückfällt. Hierfür macht er die unterschiedliche Heiratsstrategie verantwortlich. Würden nämlich – wie in der westlichen Welt – die Frauen zuallererst ihre Fortpflanzungspartner selbst auswählen und nicht – wie oftmals in der islamischen Welt – die Frauenbestände von Männerclans aufgeteilt werden, so würde sich dies auch dauerhaft auf die wirtschaftliche und technologische Entwicklung eines Landes positiv auswirken. Argumente also, die man zuvor auch schon so ähnlich von Thilo Sarrazin gehört oder gelesen hatte, diesmal freilich auch für Bildzeitungsleser gut verständlich.
Auch der These, daß den Menschen von Geburt an Fremdenfurcht (Xenophobie) angeboren sei, die man bereits von Irenäus Eibl-Eibesfeldt kennt, wird kein Nationaler und Rechter widersprechen.

Siehe:
http://www.amazon.de/Wider-die-Mi%C3%9Ftrauensgesellschaft-Iren%C3%A4us-Eibl-Eibesfeldt/dp/3492221734

Für Rechtspopulisten und Identitäre erfüllt Pirincci die Funktion des Türöffners als türkischer Selbsthasser, der im Sinne des deutschen Stammtischs „Man wird ja wohl noch sagen dürfen …“ als ethnischer Türke das über bestimmte Türken sagt, was man selbst immer schon sagen wollte. Wie auch die jüdischen Selbsthasser hervorragende Munition für Kritiker von Juden (für sogenannte Antisemiten) liefern. Nur ist diese eben heute nicht mehr gesellschaftsfähig, jene aber teilweise schon.

Pirincci ist kein grundsätzlicher Gegner der Einwanderungsgesellschaft, er wirft nur in etwa einem Drittel der Muslime, die in Europa leben vor, sich aufgrund ihrer rückständigen islamischen Kultur nicht zu integrieren. Und daß sich die Migranten an die Sitten des Gastlandes anzupassen haben und nicht das Gastgebervolk alles an Tradition der Einwanderer zu tolerieren hat – in diesem Punkt können alle heimatbewußten Deutschen mit dem Referenten übereinstimmen.
Beide Veranstaltungen wurden begleitet von lautstarken Gegenprotesten der linken bzw. Antifa-Szene.

Siehe:
http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/nurnberger-demonstrieren-gegen-akif-pirinccis-lesung-1.3651431

SdV-Redaktion

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