Offensive der ISIS-Streitkräfte im Irak

Die sunnitisch-salafistischen Kampfverbände haben im Nordirak eine fürs Erste scheinbar erfolgreiche Offensive gegen das schiitische Maliki-Regime eröffnet. Malikis Streitkräfte haben offensichtlich kaum Widerstand geleistet.

Wenn die im Netz bekannt gewordenen Nachrichten stimmen – was wir nicht wissen – dann haben die Iraner bereits mit der Entsendung von Kampfverbänden in das irakische Operationsgebiet reagiert.

Die ISIS-Kämpfer konnten aus zwei Gründen zunächst ziemlich erfolgreich sein, einmal weil die sunnitische Bevölkerung im Operationsgebiet um Mosul mehrheitlich sunnitisch ist und der schiitischen Maliki-Regierung in Bagdad ablehnend gegenüber steht und auch deshalb, weil die Regierungstruppen von schlechter Kampfmoral gekennzeichnet sind.

Wie sich der jetzt im Irak offen ausgebrochene Bürgerkrieg weiter entwickeln wird, hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich die, bisher nur im Hintergrund wirkenden jeweiligen Verbündeten der beiden Bürgerkriegsparteien verhalten.
Dabei dürfen auch die Kurden als eine dritte Kraft im Nordirak nicht vergessen werden. Sie sind eine mehr oder weniger unabhängige Kriegspartei mit hoher militärischer Effektivität. So ist die wegen der Ölvorkommen wichtige Stadt Kirkuk, die von den ISIS-Streitkräften erobert worden war, inzwischen fest in kurdischer Hand. Die Kurden werden diese Stadt voraussichtlich nicht wieder an die irakische Maliki-Regierung zurückgeben. Die Eroberung Kirkuks durch die Peschmerga kann getrost als unwiderrufliche Arrondierung des kurdischen Herrschaftsbereiches betrachtet werden.

Wie die Sache weiter geht, wird einerseits darauf ankommen, wie umfangreich die Unterstützung der ISIS-Kampfverbände seitens der Saudi-Araber sein wird und andererseits, wie weit sich die Regierung in Teheran aus dem Fenster lehnen wird. Angriffe der Amerikaner auf die ISIS-Truppen sind möglich, aber eher unwahrscheinlich. Je stärker sich der Iran im Irak militärisch engagiert, umso weniger werden die Amerikaner eingreifen wollen.

Die Iraner werden auf keinen Fall zulassen, dass etwa ihre wichtigsten heiligen Stätten auf irakischem Boden von den sunnitischen Salafisten erobert und verwüstet werden. Um das zu verhindern, werden sie selbst das Risiko eines länger andauernden Krieges in Kauf nehmen, ja in Kauf nehmen müssen.

Die Saudis wiederum können es kaum hinnehmen, wenn sich die Iraner als vorherrschende Macht im Irak festsetzen.

Ob aus der jetzt eröffneten salafistischen Offensive ein länger andauernder Kriegszustand wird, hängt, wie bereits erwähnt, von den Saudis ab. Ohne ständigen Materialnachschub aus Saudi-Arabien können die ISIS-Freischärler nicht lange durchhalten.

Saudi-Arabien hat eine direkte, schwer kontrollierbare Grenze zum sunnitisch geprägten Teil des Irak, und die Maliki-Regierung hat keine Möglichkeiten, diese Grenze dicht zu machen.

Ich sage nicht es muss unbedingt so kommen, denn es sind mehrere Szenarien denkbar, aber wundern würde ich mich nicht, wenn auf irakischem Territorium ein Entscheidungskrieg zwischen den beiden rivalisierenden Mächten Iran und Saudi-Arabien ausgetragen würde.

Karl-Heinz Hoffmann

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