Eine Nationalhyme ist kein Schmarrn

Der Grundbezug des Menschen zu seiner Geschichte und zu seiner Kultur hängt anscheinend auch davon ab, ob einer ausschließlich dem Faktor Wirtschaft oder dem einer Ideologie huldigt. Reiner Pragmatismus und blinder Fanatismus gehen hier aber zuweilen ein merkwürdfiges Zweckbündnis auf ein gemeinsames Ziel hin ein.

Nicht überraschend geht es dann in dem einen wie in dem anderen Falle auf Kosten des loyalen Gewissens und eines interessen- bzw. ideologiefreien Denkens in geistesgeschichtlichen Dingen oder solchen von kulturpolitischer Brisanz. Darin sich der linksliberale “Mainstream” besonders auszeichnet.

Beinahe sieben Jahrzehnte galt die österreichische Bundeshymne in der Fassung von Paula Preradovic als die offizielle, ehe sie im Zuge der Genderwelle zu einem Stein des Anstoßes wurde. Geschlechtergerecht und holprig hatte sie fortan zu sein, und das wurde sie auch. Weitere Forderungen dieser Art sind zu erwarten.

Wenn man als eines der Symptome von Hybris den plötzlichen Verlust der Fähigkeit nimmt, Aussagen der Geschichte oder Früchte des Geisteslebens vergangener Tage, frei jeglicher gewinnbringender oder gesellschaftsverändernder Absichten, vollinhaltlich zu akzeptieren, dann gehörte der „Gender-Wahnsinn“ (Andreas Gabalier) zu solchen Symptomen.

Nun sind, und das muß hier festgestellt werden, Österreich und die Bundesrepublik Deutschland selbst in Sachen Hymnenschändung an vorderster Fortschrittsfront. Fanatismus und Opportunismus hier, Feigheit und politisches Kalkül dort. Würden andere Staaten denselben Maßstab an ihre Hymnen anlegen, würde ein regelrechtes Hymnenverhunzen oder –ausweiden global über die Bühne gehen.

Besonders geeignet dazu schiene die italienische Hymne, wo es heißt „…Das Blut Italiens, das Blut Polens, hat er (der österreichische Adler, Anm.) mit dem Kosaken getrunken“, aber auch die französische: „Vorwärts, marschieren wir! Damit unreines Blut unserer Äcker Furchen tränke!“ bietet sich hier an.

Noch stehen aber Italiener und Franzosen zu ihren Nationalhymnen, wie auch die Engländer etwa zu ihrem Rule britannia: „…Ganz dein soll das unterworfene Meer sein, und dein jedes Gestade, das es umschließt“, das über das offiziell verpönte und immer wieder absichtlich falsch interpretierte „Deutschland über alles“ weit hinausgeht.

Wie doch von Komplexen freie Nationen so ganz anders mit ihren Nationalhymnen umgehen und sie auch verinnerlicht haben, zeigte sich anläßlich der Fußball-Weltmeisterschaft: Die von zehntausenden Fans a capella gesungene Hymne Brasiliens „Du bist die herrlichste hier auf Erden“ rührte Fußballer und Politiker angeblich zu Tränen.

Also: sage mir, wie du zu deiner Landeshymne stehst oder mit ihr umgehst, und ich sage dir, wer du bist. Aber kann man von einem geschlagenen Volk anderes erwarten? Man kann. Selbst wenn das ganze Deutschlandlied nur mehr in Katakomben gesungen werden dürfte, wäre es deshalb nicht aus der Welt, solange es in den Herzen der Menschen seinen Platz behält. Dasselbe gilt auch für die österreichische Bundeshymne in der alten Fassung.

Wohl möglich, daß einmal neue Hymnen geschrieben werden, was infolge der demographischen Entwicklung bereits denkbar ist. Aber noch sind wir nicht so weit, und der wachsende Widerstand wider die Torheit einer profilierungssüchtigen Feministinnen-Lobby könnte zugleich ein Anzeichen für das Erstarken eines identitären Bewußtseins zumindest auch der österreichischen Mehrheitsbevölkerung sein.

Helmut Müller

Quelle

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