Die Schattenseiten der WM

Auch zwei Wochen nach dem Endspiel in Rio de Janeiro möchte ich mich noch einmal abschließend zur Fußball-WM 2014 in Brasilien äußern. In persönlichen Gesprächen, auch mit Lesern der SdV-Seite, wurde mir umso mehr die Zwiespältigkeit solcher „Fußball-Events“ bewußt. Gerade auch aus der Wahrnehmung eines deutschen Nationalisten. Denn zum einen drückt man natürlich seiner Nationalmannschaft im Wettbewerb mit den anderen Nationalmannschaften die Daumen, zum anderen sollte man allerdings die Fußball-WM und ähnliche Sportereignisse kritisch bewerten.

Zum einen aus nationaler Sicht etwa bezüglich der Frage, ob multiethnische „nationale“ Mannschaften dauerhaft die Identifikation mit dem „Fan-Volk“ ermöglichen. Vor allem dann, wenn – wie im deutschen Falle – die Migranten ziemlich ausnahmslos die Nationalhymne nicht mitsingen.

Siehe zu diesem Thema auch:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2012/06/26/deutsche-namen/

Denken wir auch daran, daß Frankreich 1998 im eigenen Land die Fußball-Männer-WM gewann, die multirassische Nationalmannschaft aber die Jahre danach, als die ganz großen Erfolge ausblieben, keine allzu große Identifikation mehr im französischen (Fußball-) Volk stiften konnte.

Siehe hierzu:
http://www.arte.tv/de/rassismus-skandal-erschuettert-franzoesischen-fussball/3885506,CmC=3885536.html

Das heißt, multiethnisch geprägte Nationalmannschaften sind Erfolgsgemeinschaften, und auch die Fußball-Nation identifiziert sich mit ihr nur solange die eigenen Erfolge anhalten. Das Prinzip der multiethnischen Fußnation läßt sich auch auf die multiethnische Nation insgesamt übertragen. Solange nämlich der ökonomische Kuchen, der zu verteilen ist, für alle Gruppen reicht, vertragen sie sich miteinander, aber nur solange …

Zum anderen ist die Fußball-WM und ähnliche Ereignisse auch aus sozialistischer Sicht kritisch zu sehen. Eine Bekannte von mir, die teilweise brasilianischer Herkunft ist, meinte, daß sie einen Freund in Brasilien habe, der bereits vor der letzten WM ankündigte, daß er in dem Land monatelange Sozialarbeit leisten wolle, dessen Nationalmannschaft diese „blöde Selecao“ aus dem Turnier wirft.

Siehe:
http://www.woxikon.de/deutsch-portugiesisch/sele%C3%A7%C3%A3o.php

Dem jungen Mann, der aus einer „Favela“ stammt, ist nur abzuraten, seine Sozialarbeit im relativ reichen Deutschland zu leisten, in Brasilien gibt es da noch mehr Betätigungsfelder. Als Tourist oder Student ist er natürlich in Deutschland willkommen.

Siehe:
http://de.wikipedia.org/wiki/Favela

Aber dennoch ist die zumeist von der politischen Linken geäußerte Kritik an der „korrupten FIFA“ mehr als berechtigt. Gerade von der herrschenden politischen und ökonomischen Klasse Brasiliens wurde doch der – letztlich gescheiterte – Versuch unternommen, mittels des „Projekts Weltmeisterschaftsgewinn im eigenen Land“ über die riesengroßen ökonomischen und sozialen Spannungen im eigenen Land hinwegzutäuschen. Anstatt große Geldsummen in die Infrastruktur, in neue Arbeitsplätze, in Bildung und medizinische Versorgung zu investieren, verschleuderte das brasilianische System schätzungsweise drei Milliarden Euro in den (Neu- und Um-) Bau von zwölf Fußballstadien.

Siehe:
http://www.wm2014-infos.de/wm2014-stadien/

Wobei die Stadien, die zuvor eher Volksstadien mit Billigsitz- und Stehplätzen gewesen waren, noch in Bonzen-Stadien mit teuren Sitzplätzen und VIP-Lounge umgebaut wurden.

Meine Bekannten mit brasilianischem Migrationshintergrund ist keine Fußball-Gegnerin, sie meinte vielmehr, daß man solche internationalen Wettbewerbe auch ohne aufwendige Stadion-Neubauten durchführen könnte. Zudem, so meinte sie, sollten die Gewinne aus einer WM, zumindest teilweise in die (nicht sportliche) Infrastruktur und das soziale Netz des Gastgeberlandes investiert werden. Was meine vollste Zustimmung fand, und auch die der SdV insgesamt.

Ein solches Programm ergibt jedenfalls mehr Sinn als die dumme Parole „Deutschland wegballern!“ der Antifa.

Siehe:
http://ajwbn.blogsport.de/2010/06/06/deutschland-wegballern-soliparty-am-12-06/

Weder der Kampf gegen die eigene (Fußball-) Nation ist sinnvoll noch das Überschwappen vom (lange Zeit unterdrückten deutschen Fußball-) Nationalismus in den Chauvinismus, der nicht ohne die Demütigung des sportlich unterlegenen Gegners durch den Sieger auskommen mag. Wie beim „Gaucho-Tanz“ auf der WM-Siegesfeier in Berlin.

Siehe:

Beeindruckend war aber schon die Kulisse mit rund einer Million Menschen, die an dieser Siegesfeier im Juli 2014 vor dem Brandenburger Tor teilnahmen. Wahrscheinlich war das der Rekord vor dem Brandenburger Tor – ein noch größerer Auflauf als 1940 beim Einmarsch der siegreichen Wehrmacht nach dem erfolgreichen Frankreichfeldzug.

So feiert eben jede deutsche Generation ganz eigen ihre Siege („So sehn Sieger aus, schallalalala!“). Auch damals, im Juli 1940, folgten dem Aufruf zur deutschen Siegesfeier auffallend viele junge Frauen. Der vor allem weibliche „Event-Charakter“ solcher Aufläufe ist also auch keine neudeutsche Erfindung. Die Frisuren mögen sich ändern, aber nicht die Grundbedürfnisse der Menschen – zu einer auch größeren Gemeinschaft gehören zu wollen. Und daß die Nation sich öffentlich in Szene setzt, heute per „Public Viewing“, das ist doch selbstverständlich!

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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