Diskussionsbeitrag: Scheinopposition

Obwohl die Linkspartei keine linken Forderungen, sondern nur linksliberale stellt und die AfD keine rechten, sondern wirtschaftsliberale (sie verhält sich wie eine Klientelpartei der Klein- und Mittelbourgeoisie), werden beide in der Öffentlichkeit als links oder rechts dargestellt. Mithin wird eine Opposition, die gar keine ist, zumindest nicht inhaltlich, als „radikale“ Opposition verkauft, um Pluralismus vorzutäuschen. In Österreich übernimmt die FPÖ sowohl die Funktion der AfD als auch die der Linkspartei mit dem Ergebnis, dass sie doppelt so stark ist.

Auch die NPD will eigentlich keine Systemopposition machen, sondern scheinoppositionell mitmischen. Man lässt sie aber nicht, weil man sie als Feindbild braucht. Denn, wie schon häufig gesagt, autoritäre Regime/Diktaturen brauchen zu ihrer Stabilisierung und Legitimierung immer hilflose Feinde. Früher waren das die Kommunisten/Roten (in Lateinamerika gerne als „Subversive“ bezeichnet) und die Juden, jetzt sind es die „Nazis“/Rechten und die „Islamisten“/Salafisten, wobei letztere nur in den arabischen und moslemischen Ländern eine Gefahr für die dortigen Oligarchen darstellen, wenn überhaupt, niemals aber im laizistischen Europa. Alles Scheingefechte.

Von Max Brüm

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • Schwab  On 19. August 2014 at 18:38

    Eine sehr intelligente Analyse.

    Richtig ist, viele Funktionäre in der NPD würde gerne – wie in Italien – in einer Mitte-Rechts-Koalition mitwirken (bei uns von CDU/CSU, FPD über AfD zur NPD). Nur man läßt die arme NPD halt nicht mitmachen. Sicherlich enttäuschend für Udo Voigt, daß er nach dem Einzug ins Europaparlament der AfD die Zusammenarbeit angeboten hatte, aber nicht einmal eine Antwort von Lucke erhalten hat.

    Die NPD und ihr Kameradschafts-Umfeld hat ihre Popanz-Funktion als Neonazi-Hitlerismus-Bürger-Schreck, um in Deutschland seriöse nationale Politikansätze als diskredietiert erscheinen zu lassen (Nationaler Deutscher = Hitler-Fan. Ist mir oft schon passiert, daß wenn ich normal-Bürger erkläre, daß ich als Deutscher national eingestellt bin, daß ich spätestens nach dem dritten Satz mit Hitler konfrontiert werde, weil ja scheinbar alle nationalen Deutschen Hitler-Fans bzw. Neonazis sind …). Sicherlicherlich trifft dieser Vorwurf auf Thomas Wulff, Thorsten Heise u. a. zu, aber nicht auf einen Großteil der einfachen Mitglieder der NPD. Allerdings sind die Hitler-Fans in den Kameradschaften in der großen Mehrheit

    Daß die Linkspartei immer mehr zum linksliberalen bzw. zum sozialreformerischen Ansatz tendiert, ist ebenso richtig in der Analyse.

    Allerdings ist für mich die AfD eine lupenreine Rechtspartei. Es gibt darin zwei konkurrierende Flügel: Der eine ist wirtschaftsliberal, der andere ist christlich-konservativ (mit Abtreibungsgegnern usw.). Beiden Flügeln ist aber die typisch rechte Position gemein, gegen linke G l e i c h h e i t („Gleichmacherei“) einzutreten. Rechts ist die Tendenz zur Freiheit, u n g l e i c h sein zu dürfen, links ist die Gleichheit der Menschen.

    Freilich gibt es hierbei unterschiedliche Rechte. Sollen die Rassen ungleich sein und auch ungleich behandelt werden? Dies ist die Position der „Rassenaristokratie“ von Bernhard Schaub, Pierre Krebs usw. Sollen die Völker ungleich sein? Wie die Nationalisten sagen. Sollen die Religionen ungleich sein? Siehe diverse Religionsgemeinschaften. Sollen die Menschen als Individuen ungleich sein? Dieses Argument nutzt der Kapitalismus zur Reichtumsvermehrung der „Fleißigen und Tüchtigen“, der „Intelligenten“ gegenüber den „Faulen und Dummen“.

    Bei allen rechten Ansätzen geht es um einen Eliten-Ansatz. Aber welche Elite soll oben stehen in der Staats-Pyramide? Schaub und Thierry, weil sie blond sind oder als Kinder blond waren? Oder eine nationale Elite, oder eine Pristerkaste (Otmar Spann usw.). Soll eine Kirche oben stehen, wie die Traditionalen sagen? Wenn ja, welche Kirche? Die katholische? Die Pius-Bruderschaft? Oder eine Islamische Gruppe, wie dies die Eiserne Krone meint?

    Das soll nur als Grundriß dienen, was alle „rechts“ sein kann.

    Max Brüm, der von sich mit Fug und Recht sagen kann, ein Rechter zu sein, möchte sich halt von den anderen Rechten bei der AfD abgrenzen, vor allem vom wirtschaftsliberalen Flügel der AfD. Max Brüms Position dürfte ein Mittelding zwischen der nationalen Rechten und der traditionalen Rechten sein.

  • sozrev  On 19. August 2014 at 19:51

    Würde sagen ein Mittelding zwischen Karl Marx und Davila.

    http://www.zeit.de/2004/10/L-Davila

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: