Ukraine: Putin im Dilema?

Sabine Fischer, (nie etwas von der gehört), erläutert den Spiegel-online Lesern das vermeintliche Dilemma des russischen Präsidenten. Putin habe sich mit seiner Ukrainestrategie weitgehend international isoliert, lässt sie uns wissen. Dann mimt sie die Militärexpertin. Sie erklärt uns das Phänomen der russischen Freiwilligen im Kampf um die russisch akkulturierte Ostukraine.

Von der Einschätzung der Nato ausgehend meint sie, dass etwa 1000 russische Soldaten in der Ostukraine an der Seite der Separatisten kämpfen. Das kann zutreffend oder unzutreffend sein. Ich vermute, dass die Zahl der freiwilligen Kämpfer noch wesentlich höher liegt. Russland ist groß. Es wäre seltsam, wenn sich kaum Freiwillige für Mütterchen Russland melden würden

Auf die Frage, ob es sich bei den Soldaten um „Freizeitkämpfer“ handelt, antwortet unsere Expertin: „Das ist völliger Unsinn. Wenn diese Soldaten eigenständig handeln würden, bedeutete das ja, dass Russland keine Kontrolle mehr über das Militär hat.“

Die Bezeichnung „Freizeitkämpfer“ ist allerdings Unsinn. Die Freiwilligen im ukrainischen Bürgerkrieg sind ebenso wenig „Freizeitkämpfer“ wie es die freiwilligen Rotfrontkämpfer im spanischen Bürgerkrieg waren. In den diversen Bürgerkriegen der Jetztzeit sind auch die islamistischen Freiwilligen keine Freizeitsoldaten, sondern Männer die mit dem Risiko ihr Leben zu verlieren bewusst in einen ernsten Kampf ziehen. In einen mörderischen Krieg zu ziehen, ist alles andere als eine „Freizeitbeschäftigung“.

Putin will seine reguläre Armee nicht in Richtung Ukraine in Marsch setzen. Aber von ihm zu verlangen, dass er seine Grenzen dicht macht, um Poroschenko einen Gefallen zu tun, wäre ein absurdes Ansinnen. Ich denke er wird dem Modell „Schwarze Reichswehr“ folgen. Damals in der Weimarer Zeit trainierten auf Truppenübungsplätzen in Kasachstan deutsche Soldaten der Reichswehr. Die Sache war streng geheim. Zu dieser geheimen Mission hatten sich deutsche Reichswehr-Offizier und Unteroffiziere freiwillig gemeldet. Sie mussten formal den Dienst in der Reichswehr quittieren. Dann reisten sie in Zivil in die Sowjetunion, wo sie, am Zielort angekommen, Uniformen ohne Abzeichen anzogen.

Warum sollte Putin seine Landsleute daran hindern, zur Unterstützung der prorussischen Separatisten über die Grenze zu gehen? In der Ukraine stehen schließlich russische Interessen auf dem Spiel. Und könnte er das überhaupt? Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland könnte keinen deutschen Staatsbürger mit rechtlichen Mitteln hindern, in fremde Kriegsdienste zu treten. Wenn sich ein Deutscher entschließen würde in der Ukraine zu kämpfen, egal auf welcher Seite, könnte ihn niemand dafür rechtlich zur Verantwortung ziehen.

Die Entwicklung der Ukraine-Krise verläuft für die Russen auf jeden Fall positiv. Hingegen befindet sich die Europäische Union in einem heillosen Dilemma. Während sich Russland geographisch arrondiert und seine Wirtschaft, langsam aber sicher vom Westen unabhängig macht, müssen die Westeuropäer erhebliche wirtschaftliche Einbrüche hinnehmen. Sie müssen die selbst eingebrockte ungenießbare Embargo-Suppe über einen langen Zeitraum hinweg auslöffeln.

Wie ich bereits in meinem Aufsatz zum Ukraine-Konflikt vom 13.05. 2014 schrieb, wird man sich mit dem frischgebackenen Staat „Neu-Russland“, abfinden müssen. Je früher desto besser.

Karl-Heinz Hoffman

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