Irak/Syrien: Den IS-Spuk beenden?

Den ISIS Spuck beenden, dass wollen inzwischen alle, angeblich sogar diejenigen, die dem Alptraum „Islamischer Staat“ in Syrien und im Irak Geburtshilfe geleistet, durch massive materielle Unterstützung am Leben erhalten und gemästet haben.
Von der IS wird eine als „kompromisslose Strafreligion“ aufgefasste, spezielle Richtung innerhalb des vielfältigen islamischen Spektrums als alleingültig betrachtet. Die IS Kämpfer orientieren sich am Wahhabismus. Diese Missgeburt einer pervertierten Interpretation der mohammedanischen Lehre entstand vor 150 Jahren im Zentrum der arabischen Halbinsel.

Dort wurde 1703 zum Unglück aller zivilisierten Völker der islamische Prediger und Sekten-Stifter Muhammad Ibn Abd al Wahhab geboren. Ein bereits in der Mitte des 18. Jahrhunderts zwischen dem Fanatiker Abd al Wahhab und dem in seinem Umfeld mächtigen Emir von Saudi-Arabien Ibd Saud, einem Vorfahren der heutigen Königsfamile Saudi-Arabiens geschlossenes Aktions-Bündnis darf als historischer Embryo der heutigen Machtbasis der IS betrachtet werden.

Abd al Wahhab und der Emir Ibn Saud waren sich darüber einig geworden, dass jeder der die wahhabitische Lehre nicht genau so befolgt, wie sie von den beiden Fanatikern auslegt wurde, als Ungläubiger anzusehen ist und als todeswürdig zu betrachten ist.

Davon waren Christen, Juden und Schiiten ebenso betroffen wie Sunniten. Letztere dann, wenn sie sich als traditionelle Befolger der hanifitischen Lehrmeinung, der von Abd al Wahhab bevorzugten und vom ihm noch extrem verschärften hanbalitischen Reigionsauffassung nicht unterwerfen wollten.

Als Abd al Wahhab 1792, viel zu spät, die Welt wieder von seiner Gegenwart erlöste, waren weite Gebiete, auch außerhalb der arabischen Halbinsel über Mesopotamien bis nach Syrien hinein von seiner perversen hanbalitisch inspirierten Lehre infiziert worden. Dieser Umstand erklärt die beachtliche aktuelle Unterstützung der IS Armee durch die örtliche Bevölkerung im Operationsgebiet der IS-Armee. Dabei geht ein Riss quer durch die sunnitische Glaubensgemeinschaft. Während die Osmanli-Türken, der sunnitischen Hanifa-Schule folgend, den Wahhabismus ablehnen, sind die Araber, besonders die Beduinen-Stämme, auf die, auf die hanbalitische Lehrmeinung gestützte Religionsauslegung des Abd al Wahhab eingeschworen.

Doch das allein kann das IS-Phänomen nicht erschöpfend erklären. Zur Machtausübung gehört die materielle Basis.
Und diese Basis wurde von international anerkannten Staaten systematisch geschaffen und ständig weiter ausgebaut.
Der IS-Spuk könnte schnell beendet werden, wenn man täte, was man mit Rücksicht auf die globale wirtschaftliche Verflechtung nicht tun kann.

Mit einfachen Worten gesagt, die materielle Basis der IS Armee müsste zerstört werden. Wer aber könnte sich erlauben, die Herrscher von Saudi-Arabien und Katar, beispielsweise durch die Anwendung von Sanktionen, in die Knie zwingen zu wollen?
Noch heute bekleiden Nachkommen der Wahhab-Familie höchste Ämter in Saudi-Arabien. Saudi-Arabien ist praktisch ein Khalifat. Die auf der arabischen Halbinsel einschließlich der Emirate betriebene wahhabitische Gesellschaftspolitik hat seit dem 18. Jahrhundert nichts an Menschenverachtung eingebüßt. Das hindert aber die westlichen Demokratien nicht daran, den saudischen Gottesstaat als Geschäfts- und Bündnispartner zu akzeptieren. Das ist der Skandal.

Solange Saudi-Arabien und Katar nicht von der westlichen Staatengemeinschaft, ja von der ganzen Welt geächtet werden, haben wir noch lange Zeit, uns mit dem wahabitisch-djihadistischen Phänomen „Islamischer Staat“ in der einen oder anderer Form zu beschäftigen.

Als der Emir von Katar kürzlich von unserer Bundeskanzlerin mit allen Ehren empfangen wurde, erklärte er, auf den islamischen Terrorismus angesprochen, sein Land habe zu keiner Zeit Terroristen unterstützt und werde das auch künftig nicht tun.

Wir dürfen davon ausgehen, dass er diese Aussage auch auf den Koran schwören würde. Ganz einfach deshalb, weil die Kämpfer der IS-Organisation aus seiner Sicht ehrbare, gottesfürchtige Glaubenskrieger und keine Terroristen sind.
Hätte Angela Merkel konkret gefragt, ob Katar die ISIS in Syrien und Irak unterstützt, hatte er das vermutlich auch verneint, aber ganz sicher nicht mit der Hand auf dem Koran. Einer ungläubigen und somit todeswürdigen „Christenhündin“ muss ein strenggläubiger Wahhabit nicht unbedingt wahrheitsgemäß antworten. Schlimm genug, dass er sie per Handschlag berührt hat. Der Emir wird wohl anschließend sofort eine rituelle Handwaschung durchgeführt haben. Das obligatorische Küsschen hat ihm unsere Angela, Allah sei Dank, nicht abverlangt.

Um den ISIS-Spuk zu beenden, müsste getan werden, was man nicht tun kann. Saudi-Arabien und Katar müssten wirtschaftlich kaltgestellt und politisch international geächtet werden. Auch dem dritten Unterstützer der ISIS, Tayyip Erdogan müsste man empfindlich auf die Finger klopfen, denn ohne sein Einverständnis könnte die ISIS nicht über die türkische Grenze hinweg ihren von den Saudis und Katar finanzierten Nachschub erhalten.

Beschlagnahmt für den Anfang die Anteile des katarischen Emirs bei der Deutschen Bank und friert seine Konten ein, dann wird schon ein Zittern durch die Reihen der ISIS Unterstützer gehen. Erst wenn es den islamisch-extremistischen Drahtziehern des Terrors an den Geldbeutel geht, werden sie zu Kreuze kriechen.

Karl-Heinz Hoffmann

Quelle

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