Vom Heger zum Jäger?

Man höre und staune! Saudi-Arabien ist neuerdings der Koalition zur Bekämpfung der IS-Kampfverbände beigetreten.
Das erstaunt, weil die Saudis eindeutig die Geburtshelfer der rabiaten, zuerst in Libyen und später in Syrien aktiven Gotteskrieger gewesen sind. Mit Milliardenbeträgen aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten wurden die IS-Kriegsverbrecher gehegt und hochgezüchtet.

Jetzt urplötzlich fallen die Saudis ihrer Stellvertreterarmee in den Rücken? Diese Kehrtwendung ist bei oberflächlicher Betrachtung unbegreiflich. Bei genauerer Analyse der saudischen Interessen jedoch wird die Sache durchaus verständlich:
Der Anführer der IS-Streitkräfte hat in völliger Überschätzung seiner Möglichkeiten einen für ihn tödlichen Fehler gemacht.
Er hat sich nicht mit der, ihm zugedachten Rolle als Vollstrecker saudischer Interessen zufrieden gegeben. Er wollte mehr.
Er hat sich, in dem wahnwitzigen Glauben an die eigene Machtvollkommenheit, zum Kalifen aufgeschwungen.

Damit hat er sich gegen die Interessen des saudischen Königshauses gestellt. Das Vorantreiben der Bewegung für einen Islamischen Staat, also ein „Kalifat“ in Syrien und dem Zweistromland war von den Saudis gewollt, aber nicht unter der Prämisse, dass der Anführer der IS-Soldateska al-Baghdadi den Kalifen spielt. Denn das würde ja bedeuten, dass die Saudis zu Gewaltunterworfenen des IS-Kalifen würden.

Natürlich streben die Saudis ein weit über die arabische Halbinsel hinausgehendes, sunnitisch-wahhabitisches Kalifat an, aber eben nur unter ihrer absoluten Oberhoheit. Die saudische Königsfamilie betrachtet sich als alleinberechtigt zur Herrschaft über die muslimische Welt. Der selbsternannte Kalif al-Baghdadi hat sozusagen ein „Gegen-Kalifat“ errichtet. Damit bedroht er die essentiellen Interessen der Saudis. Sein Verhalten kann nicht hingenommen werden.

Soweit sogut, aber was wird in der Folge dieses Interessenkonfliktes geschehen?
Ich erwarte, dass dem selbsternannten Kalif al-Bagdadi kein langes Leben beschieden sein wird. Es sollte mich wundern, wenn er die nächsten zwei Jahre überlebt.

Saudi-Arabien wird jetzt im Verein mit den Amerikanern gegen die IS-Armee al-Bagdadis vorgehen. Die IS-Organisation wird zerschlagen, aber personell nicht völlig aufgerieben, denn die Gotteskrieger werden weiter gebraucht.

Es wird sich eine neue, den Saudis hörige Kampforganisation bilden, in welcher sich die überlebenden IS-Krieger wieder sammeln können – und der Kampf gegen Assad und die schiitisch bestimmte Regierung im Irak wird mit einer anderen „Firmenbezeichnung“ bei weiterhin großzügiger Hilfe aus Saudi-Arabien und den Golfstaaten fortgesetzt.

Dabei werden die von der Bundesrepublik zurzeit nach Saudi-Arabien gelieferten Waffen Verwendung finden.

Und was wird aus den Kurden? Ich will es Euch sagen:

Die Kurden stehen im Kampf gegen die IS-Kampfverbände. Um diesen Kampf durchstehen zu können, brauchen sie moderne Waffen. Die bekommen sie auch, obwohl sie nicht bezahlen können. Jedenfalls nicht mit Geld. Sie werden Ölkonzessionen in Zahlung geben müssen. Langsam aber sicher werden die Kurden zwar Boden gewinnen, aber gleichzeitig tief in die Abhängigkeit der USA geraten.

Das militärische Kräftemessen wird jedenfalls, auch, oder erst recht nach dem Sturz al-Bagdadis in Syrien und dem Irak weitergehen.

Auf baldigen Frieden in der Region braucht niemand zu hoffen.

Karl-Heinz Hoffmann

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