Der unverarbeitete Komplex des Verdachts

Ein Gastbeitrag von http://www.kontrakultur.de/

Verfolgt man die skurril anmutende Hauerei der Medien im Fall Xavier Naidoo (Siehe: http://www.focus.de/kultur/nach-fragwuerdigem-auftritt-saenger-xavier-naidoo-missionar-auf-abwegen_id_4196199.html, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.), so verwundert zum einen die Standhaftigkeit des Popstars, zum anderen die Absurdität der Vorwürfe. Für diejenigen, die nicht bemerkt haben, was passiert ist: Xavier Naidoo trat öffentlich mit missionarischen Gedanken der Liebe vor den sogenannten Reichsbürgern am Tag der deutschen Einheit auf und benannte einige nicht ganz falsche Zustände in der real existierenden Bundesrepublik Deutschland, wenn auch bei nicht immer ganz serös wirkenden Personen. (Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=LPwvHcHdVHw&feature=youtu.be, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.)

Im Nachklang des öffentlichen Auftritts verteidigt Naidoo sein Verhalten damit, dass er auf jeden Menschen, selbst wenn dieser NPD Anhänger ist, zugehen will. (Siehe: SWR Video, https://www.youtube.com/watch?v=nGAZmw7iwPk, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.) Ein Auftreten, das zugegebenermaßen nicht gänzlich mit einer älteren Feindbestimmung gegen rechts in Einklang zu bringen ist (Siehe: Brothers Keepers Video https://www.youtube.com/watch?v=S87yJLr7SeQ, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.), aber auf jeden Fall für den Sänger und seine Entwicklung hin zu einem politischen Bewusstsein spricht. Inwieweit das Thema von Naidoo sinnvoll erfasst wurde und ob sein Plädoyer für mehr Liebe auf der Welt politikfähig wird, bedarf sicher einer kritischen Überlegung. Was exemplarisch besonders wertvoll an dem Fall ist, kann jedoch an der Reaktion etablierter Medien und Politiker abgelesen werden.

Da spricht Georg Diez (Spiegel Online) von neu-rechten, rechten und sogar populistischen Wegen der Berühmtheit: „Xavier Naidoo ist ein Erweckungs-Säusler […]; er ist auch, wie sich jetzt herausgestellt hat, ein politischer Irrläufer, der für neue rechte Überzeugungen steht.“ (Siehe: Georg Diez: Der Kritiker: Vom Popstar zum Populisten, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/xavier-naidoo-auf-montagsdemos-ueber-deutschland-und-paedophile-a-987539.html, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.) Wir fühlen uns zwar geehrt, aber lieber Herr Diez, nach kurzer Analyse kommen wir zu dem Ergebnis, dass wir eher dem Sänger sein libertäres Bekenntnis abnehmen anstatt zukünftig populäre, ja vielleicht sogar finanzielle Unterstützung von Naidoo zu erwarten, weil dieser zu unser ideellen Vorstellung gerannt sei. Diez ist und bleibt ein Polemiker, bei dem es nicht wundern würde, wenn er bewusst ungenau mit Begriffen um sich schmeißt. Etwa, wenn er rhetorisch dem Geschassten danach fragt, neuer Führer zu werden. Dem geneigten vom Schuldkult befreiten Leser kommt spätestens hier das geistige Entsetzen oder – mit Verlaub – der Gedanke zu Kotzen, wenn so viel linksliberale Blasiertheit mit Tabuisierungskeulen verbunden wird.

In den Regen der Begriffsschleuderei stimmt auch Andreas Borcholte ein, der in einer aktuelleren Bewertung zu folgendem Schluss kommt: „Damit reiht sich einer der bekanntesten und populärsten Sänger des Landes dann also ein in die Kakofonie der abseitigen Spinner, Israel-Hasser, Amerika-Feinde, Verfassungsgegner und Demokratie-Skeptiker, die ebenfalls alle behaupten, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen. Das dürfe, nein: müsse man ja wohl noch. Mit Xavier Naidoo hat diese seltsam aus Links, Rechts und Esoterisch zusammengewürfelte Gemeinde nun leider ein neues, prominentes Mitglied.“ (Siehe: Andreas Borcholte: Xavier Naidoo: Jesus bei den Reichsbürgern, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/xavier-naidoo-pop-saenger-richtet-sich-an-verschwoerer-klientel-a-995909.html, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.) Was hier geschieht, ist nichts anderes als dass man Naidoo in die Ecke der Verrückten stellt. Zu den Leuten die nichts kapiert haben und nur abstrusen Phantasien anhängen würden. Herr Borcholte schafft es zwar, den libertären Weg in Naidoos Denkweise zu recherchieren, vergisst jedoch deren intellektuelle Grundlage, die unter anderem in dem Monatsmagazin Eigentümlich Frei und ihrem Umfeld regelmäßig bewiesen wird. Und auch der Vorwurf eines absoluten Wahrheitsbegriffs in Naidoos Äußerungen zu finden ist schlicht falsch. Wenn Bocholte richtig zugehört hätte, wäre klar, dass dieser von dem ernsten und offen Streben nach Wahrheit gesprochen hat. Nicht mehr, nicht weniger!

Die Reaktion der Journalisten steht in Tradition von Habermas und Co, die schon Ernst Nolte per öffentlicher Debatte und fatalen Anschuldigungen ins Abseits gestellt haben. Der konservative Publizist Caspar Schrenck von Notzing hat in seinem fundierten Werk Charakterwäsche auf die dabei verwendete Methode hingewiesen als er den sog. Historikerstreit um Noltes Thesen beschrieb: „Es ist eine Art von Schlagwort-Pingpong, bei dem es um weite Strecken darum ging, die verbalen Bälle mittels persönlicher Unterstellungen so tückisch anzuschneiden, daß der Gegner aus der politischen Kultur hinausflog. […] Aufschlussreicher ist die Großdiskussion für ein Studium der Rhetorik, am aufschlussreichsten sicherlich für die Kenntnis der geistig-politischen Gegenwartslage der Nation, der Hierarchie der Meinungen und Medien, der Verfassungswirklichkeit, die ja schon Lassalle vom Verfassungstext trennte.“ (Siehe: Caspar von Schrenck-Notzing: Charakterwäsche, S.279.)

Es ist typisch und entlarvend zugleich, dass die Reaktion keine Antwort auf die Inhalte oder Argumente des Dissidenten Naidoos sind, sondern Denk- und Diskussionsverbote darstellen. Auch hier trifft ein anderer, nämlich intellektuell zu wenig rezipierter Dissident ins Schwarze wenn er vor Jahren eine bundesdeutsche Tendenz feststellte: „Die Verdächtigung beginnt immer früher […] man verdächtigt Leute, die es wirklich nicht verdient haben.“ (Siehe: Interview mit Günter Maschke, https://www.youtube.com/watch?v=wEiioKo9Hwk, zuletzt abgerufen am 14.10.14.) So ist mehr als zu begrüßen, dass Naidoo mit seinem Migrationshintergrund den politischen Diskurs fördern will. Denn an anderer Stelle nennt er dieses Ansinnen ganz klar, wenn er Sarrazin als klugen und diskussionswürdigen Autoren bezeichnet. (Siehe: Sons of Libertas Interview mit Oliver Janich und Xavier Naidoo, https://www.youtube.com/watch?v=Yp8-U97M-Ck, zuletzt abgerufen am: 14.10.14.) Sein Mut und sein demütiger Respekt vor der anderen Meinung strahlen hoffentlich in weite Kreise aus, so dass der Raum für Veränderung weiter wächst.

Die Komplexe der Massenmedien dagegen, die mit ihren stumpfsinnigen Denkverboten handeln, werden durch Naidoo vermutlich weiter ausgehöhlt und Infrage gestellt. Eine Situation, die uns metapolitisch nur Recht sein kann. Wenn der Gegner Begriffe verwässert, indem diese in sichtbare Diskrepanzen geworfen werden, dann liegt es an uns diese Begriffe offensiv mit den richtigen Inhalten zu füllen. Die Aufrichtigkeit und Anständigkeit des talentierten Sängers kann zur Renaissance in Form einer identitären Wende der politischen Kultur beitragen. Der Komplex des Verdachts muss aufgelöst werden!

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Kommentare

  • Carabus violaceus  On 23. Oktober 2014 at 19:29

    Ja, Kontrakultur ist ein sehr guter Blog aus dem identitären Spektrum. Neben den Texten sind auch ihre Podcast-Sendungen sehr interessant. Hier wird zum Beispiel auch über alternative Wirtschaftsmodelle diskutiert, so wird u.a. das von Jürgen Schwab in einem seiner Bücher vorgeschlagene Modell einbezogen (Großbetriebe ab 5000 MA sind zu verstaatlichen, bis 50 MA kann die Unternehmensführung ihren Gewinn behalten). Siehe hier: http://www.kontrakultur.de/2014/09/kontrakultur-podcast-folge-19/

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