Rechts vom historischen Faschismus

Die Dummfaschistenkolumnen, welche auf unserer Seite erschienen sind, haben unter Dummfaschisten wieder einmal für einige Aufregung gesorgt. Die Internetseite „Schwarze Fahne“ erhebt nun jedenfalls einmal mehr den „Bolschewismus“vorwurf gegen die Sache des Volkes und insbesondere Jürgen Schwab. Dies mag nun nicht besonders neu und auch nicht wirklich interessant sein, da solche Anwürfe substanzlos sind. Interessant wird es eher dann wenn die Schwarze Fahne und Altermedia-Kommentarschreiberlinge einmal mehr unter Beweis stellen, das sie sich zwar auf den historischen Faschismus positiv berufen ohne aber von jenem viel Ahnung zu haben.

Siehe: http://schwarzefahne.info/

Die Behauptung die Sache des Volkes würde sich alleine auf die Faschismus-These Dimitroffs berufen ist nun mehr als absurd.

In Wahrheit handelt es sich bei den heutigen Faschismusanhängern um einen Personenkreis die den historischen Faschismus verbürgerlichen. Eine wissenschaftliche Sicht des Faschismus ist nun jedenfalls in diesem nostalgischen Spektrum nicht zu erkennen. Wer den Faschismus anhand wissenschaftlicher Kriterien analysiert muss sich entweder auf die rechte bürgerliche Variante nach Ernst Nolte berufen oder aber auf Zeev Sternhell, der die linken Wurzeln des Frühfaschismus betont.

Siehe: http://www.perlentaucher.de/buch/maia-asheri-zeev-sternhell-mario-sznajder/die-entstehung-der-faschistischen-ideologie.html

Nun werden Syndikalismus und der reformistische Teil der Arbeiterbewegung zwar auch in Ausgabe Nr. 6. der „Schwarzen Fahne“ zu den Wurzeln des Faschismus gerechnet, daraus erbeben sich aber für die Macher der Schwarzen Fahne keine Konsequenzen für die Gegenwart. Viel mehr positioniert sich der heutige „Faschist“ als bürgerliche Möchtegernschutztruppe des Großkapitals.

Siehe: http://schwarzefahne.info/ausgaben/

Die Wurzeln des Faschismus sind aber auf den syndikalistischen Theoretiker Sorel zu beziehen. Sorel, so Sternhell, ging von einer scharfen Ablehnung des gesamten „parlamentarischen Sozialismus“ aus. Dieser würde, ließe man ihn gewähren, die Grenzen gegenüber dem Proletariat so verhüllen, dass am Ende keinerlei proletarischer Kampfgeist mehr übrigbleibe. Klassenkampf sei nur durch strikte Ablehnung des Parlamentarismus möglich und müsse national grundiert werden. Alles andere würde eine Versöhnung mit der Kapitalistenklasse bedeuten. Daher die Lobpreisung der „Gewalt“ – die damals noch einen präzisen Begriffsinhalt hatte. Sorel unterschied den politischen Generalstreik und den proletarischen – beide diejenigen Formen des Angriffs auf das verbürgerlichte „Sozialistentum“ im Parlament. Revolutionen hätten auf einer militanten und antiparlamentarischen Ebene zu erfolgen.

Michael Freund intepretiert Sorel deswegen auch als einen der ideologischen Urväter einer „konservativen Revolution“.

Siehe: http://www.amazon.de/Georges-Sorel-Der-Revolution%C3%A4re-Konservatismus/dp/3465008561

Eine interessante ideologische Einführung bietet auch das Buch von Armin Mohler.

Siehe: http://www.amazon.de/Georges-Sorel-Erzvater-Konservativen-Revolution/dp/3935063016/ref=sr_1_8?s=books&ie=UTF8&qid=1414073608&sr=1-8&keywords=georges+sorel

Benito Mussolini, vor dem 1. Weltkrieg Redakteur der sozialistischen Zeitschrift „Lotta di classe“, zu deutsch Klassenkampf, rückt die nationalen Interessen an die Stelle der internationalistisch-proletarischen. Italien, so der künftige „Duce“, sei eine proletarische Nation, die sich im Wettstreit der Staaten zu behaupten habe. Am Marxismus und Sozialismus kritisiert Mussolini vor allem den Pazifismus und Internationalismus. Sternhell jedenfalls hält den frühen Mussolini sogar für einen der damals wichtigsten sozialistischen Theoretiker und vergleicht ihn mit Lenin – was dann aber doch etwas übertrieben erscheinen mag.

Die ursprüngliche sozialrevolutionäre Intention hat der italienische Faschismus aber als realpolitischer Regierungsfaschismus abgelegt und konzentriert sich auf ein Bündnis mit dem italienischen Kapital und der reaktionären katholischen Kirche. Trotzdem bleibt er aber in Italien korporatistisch Keynes verbunden. 1943 erfolgte mit der „Republik von Salo“ aber eine Teilwiederbezugnahme auf die sozialrevolutionären Wurzeln des Faschismus.

Siehe: http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/faschismus/artikel/das-manifest-von-verona-der-republik-von-salo.html

In Spanien muss man zwischen der Falange und Franco unterscheiden, der eher ein rechter konservativer Reaktionär war. Die Falange war nationalsyndikalistisch geprägt, wurde aber im Lauf der Zeit von Franco ideologisch zusammengestutzt.

Die gesamte spanische Wirtschaft war nach dem ursprünglichen Nationalsyndikalismus in Zwangssyndikaten zusammenzufassen, die wiederum zwecks höherer Effektivität und vermehrter sozialer Gerechtigkeit der staatlichen Kontrolle unterstanden. Hier zweckentfremdete Ledesma Ramos, ein führender faschistischer Theoretiker, den anarchistischen Syndikatsbegriff: Verstanden die Anarchisten der CNT hierunter die Zusammenfassung aller Arbeitnehmer, so ging er von einem vertikalen Syndikat unter Einschluss der Arbeitgeber aus. Das Programm sah eine radikale Landreform mit Enteignung der parasitären Großgrundbesitzer, Landverteilung an das Agrarproletariat und Genossenschaftsbildung vor. Darüber hinaus forderten Spaniens erste Nationalsyndikalisten die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, der Banken, der Versicherungen und des Transportwesens, strikte Außenhandelskontrolle und staatliche Wirtschaftsplanung – ein ausgesprochen “linker” Faschismus.

Nun entsprechen grundsätzlich weder der spanische Nationalsyndikalismus, noch der Frühfaschismus, aber auch nicht Mussolinis Salo-Phase der bürgerlichen Variante heutiger Möchtegernfaschisten.

Verfasser: Sozrev

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Kommentare

  • Schwab  On 24. Oktober 2014 at 13:59

    „Die Behauptung die Sache des Volkes würde sich alleine auf die Faschismus-These Dimitroffs berufen ist nun mehr als absurd.“

    Ich schreib gerade einen größeren Text über Hitler. Darin führe ich u. a. aus, daß sich die Faschismus-Definition Dimitroffs mit der von Ernst Nolte berühren, wenn gleich nicht vollständig decken.

    Wissenschaftlich ist der rechtskonservative Berliner Historiker Ernst Nolte, für den der Hitler-NS unter den Oberbegriff des „Faschismus“ fällt – gemeinsam mit Mussolini, usw. Im Gegensatz hierzu behaupten dt. Neonazis mit den Zionisten gemeinsam (Sternhell usw.), daß Hitler kein Faschist gewesen sei, weil doch der Antisemitismus und Holocaust so wichtig gewesen sei.

    Auch deutsche Neonazis sagen ja, daß das Thema „Rasse“ und „Juden“ viel wichtiger gewesen war in Deutschland als in Italien. Das stimmt natürlich, aber die Gemeinsamkeiten überwiegen doch, vor allem die gewaltsame Ablehnung aller sozialistischen Formen – auch die Säuberungen von Sozialisten in den eigenen nationalen Reihen (Strasser usw.). Selbsverständlich hatte es im deutschen NS und im italienischen Faschismus sozialistische Strömungen gegeben, die sich aber nicht durchsetzten, darauf kommt es an!

    Dimitroffs These ist nur teilweise richtig, nämlich daß sich Faschisten – Hitler wie Mussolini – gerne mit dem nationalen Kapital verbünden (in der Ukraine heute mit dem westlichen Kapital), wobei Sozialisten aller Art brutal auszugrenzen sind. Falsch ist Dimitroffs These in der Hinsicht, da Hitler und Mussolini ab einem bestimmten Zeitpunkt – in Italien ab ca. 1922, in Deutschland ca. ab 1935 – eben keine Marionetten des Großkapitals gewesen waren – wie von Dimitroff behauptet -, sondern sehr wohl das Führer-Primat der Politik durchgesetzt hatten.

    Um überhaupt an die Macht zu kommen, hatten sich Hitler und Mussolini beim Großkapital eingeschleimt, dann aber später ihre Diktatur durchgesetzt. Das Kapital konnte aber froh sein, daß es a) nicht enteignet wurde und b) die Sozialisten tot bzw. im Lager oder im Ausland vertrieben waren.

  • sozrev  On 24. Oktober 2014 at 17:24

    Die Dimitroff-These ist richtig wenn es um die Einordnung des Hitlerismus geht und auch heute aktuell – Ukraine: Bündnis aus neoliberaler Oligarchie und NATO-Faschisten – aber nicht wenn es darum geht die Ursprünge des Faschismus zu verstehen. Was die Herkunft des Faschismus in Italien aus der radikalen Linken betrifft hat aus meiner Sicht Sternhell recht. Nolte ist brauchbar wenn es um die Sicht des Regierungsfaschismus geht, Sternhell bei der Frage nach der Herkunft des italienischen Faschismus.

  • Schwab  On 25. Oktober 2014 at 11:22

    Richtig. Was bei Dimitroff nicht vorkommt, ist die Unterscheidung: a) Faschismus bzw. Faschismen in der Regierung, b) Faschismus als Bewegung (wenn man auch (noch) nicht in der Regierung ist), c) Faschismus als Ideologie(n). Diese Unterscheidung ist für Dimitroff nicht notwendig gewesen, weil es ihm um Propaganda ging, weniger um Wissenschaft. Aber natürlich ist seine These in dem Punkt richtig, daß sich Faschisten gerne vom Kapital finanzieren lassen.

    Ernst Nolte ist deshalb auch wichtig, weil er erklärt, warum die Kriegsführung von Wehrmacht und SS im Osten, vor allem auch hinter der Front (Judenaktionen), so grausam gewesen war: Historischer Nexus: Den bolschewistischen Feind mit seinen eigenen grausamen Methoden (seit 1917) zu schlagen. Aufgrund des hohen Judenanteils im sowjetischen Staatsapparat wurden „Bolschewismus“ und Judentum gleichgesetzt – „jüdischer Bolschewismus“ -, Juden müßten – auch wenn sie keine Kommunisten waren – ausgerottet werden. Aufgrund dieser schlüssigen Erklärung ist Ernst Nolte im BRD-System in Ungnade gefallen. Nolte hätte die Beweggründe Hitlers angeblich selbst geteilt, nicht nur v e r s t a n d e n .

    Ich kann auch gut v e r s t e h e n , daß Faschisten uns von der SdV vernichten müssen, aber wir müssen das natürlich verhindern!

  • Schwab  On 25. Oktober 2014 at 11:26

    Korrektur:

    “ … Historischer Nexus … “

    Muß heißen:

    Kausaler Nexus.

    Kausaler Zusammenhang zwischen bolschewistischem Terror seit 1917 und Hitlers Vernichtungsdrang gegen die UdSSR.

  • Schwab  On 25. Oktober 2014 at 11:40

    Hitlers eigentlicher Grund des Kriegs gegen Rußland lag in der Eroberung des „Lebensraums im Osten“, die Art und Weise wie auch von deutscher Seite gekämpft und vernichtet wurde – darauf hat Ernst Nolte mit dem „Kausalen Nexus“ die richtige Antwort gegeben.

  • sozrev  On 26. Oktober 2014 at 10:24

    Karl Radek hatte den Faschismus im Jahr 1923 als „Sozialismus der Kleinbürger“ definiert – dies trifft nun sicherlich auf den linken Flügel der NSDAP zu (Strasser-Flügel, Teile der SA und HJ, NSBO). Ein anderer Teil des linken Parteiflügels der später bei der KPD landete (Scheringer, Uhse, Rehm, usw.) war sicherlich nicht „kleinbürgerlich“ sondern stand eher für einen nationalistischen Sozialismus der sich fast ausschließlich auf die Arbeiterklasse bezog und etwa Strasser und Stennes (linker SA-Flügel) vorwarf viel zu reaktionär zu sein. Scheringer wollte gar Strasser vor ein Standgericht stellen lassen, da er ihm Vorwarf sich nicht wesentlich von Hitler zu unterscheiden.

    Daneben gab es in der NSDAP auch einen „Arbeitskreis der sozialrevolutionären Linken“, hinter dem die Paetel-Leute steckten. Im Gegensatz zum Scheringer-Flügel warf man dort Stalin vor zu wenig sozialistisch zu sein, da man einen Rätesozialismus einführen wollte.

    In der NSDAP gab es auch so etwas wie eine Fraktion die links von Hitler stand, aber rechts von der NS-Linken. Zu dieser Gruppe gehörten Goebbels (der bis 1926 zur NS-Linken gehörte), Ley und erstaunlicherweise auch Göring. Görings Vierjahresplan war ja nichts weiter als Planwirtschaft – nur ohne Sozialismus. Göring müsste also vielen im heutigen NS-Spektrum wohl als „Bolschewist“ gelten.

    Interessant ist auch das man in der Sowjetunion in den Jahren 1939 bis 1941 keinen Faschismus mehr kannte, da Stalin in diesen Jahren mit Hitler verbündet war. Da waren „Antifaschisten“ auf einmal Feinde der Völkerfreundschaft mit Deutschland oder gar Agenten des westlichen Imperialismus und wurden mitunter von Stalin hingerichtet.

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