Keine Volksfront von rechts!

Von Richard Schapke, einst auf die-kommenden veröffentlicht

Im NPD-Zentralorgan „Deutsche Stimme“ forderte Thomas Wulff, bekanntlich eine Galionsfigur der so genannten Freien Nationalisten, eine „Volksfront von rechts“ und postulierte das „Gebot nationaler Geschlossenheit“. Hierzu ist einiges anzumerken.

Zum einen hat das Konzept des Freien Nationalismus, seinerzeit unter maßgeblicher Beteiligung von Wulff und Christian Worch entwickelt, auf ganzer Linie versagt (hierin an den Revolutionären Antifaschismus von links erinnernd) und taugte viel zu oft nur als Mittel, um anpolitisierte Radauglatzen, radikalisierte Spießer, ewiggestrige Scheitelträger und Modernisierungsverlierer anzulocken. Politische Aufbauarbeit und Ideologieentwicklung standen zu lange hinter Demonstrationstourismus und unreflektierten Fetischismen zurück; der „nationale Widerstand“ entwickelte sich infolgedessen zum Tummelplatz von Selbstdarstellern und Profilneurotikern. Mindestens 95 % aller „rechten Homepages“ sind de facto vollkommen unpolitisch, antiintellektualistisch und ideologiefeindlich, vom allgemeinen Stumpfsinn in so mancher „Kameradschaft“ einmal ganz zu schweigen.

Sich seit einiger Zeit entwickelnden Konzepten wie dem „Autonomen Nationalismus“ fehlt die Konsequenz, um einen – dringend erforderlichen! – wirklichen Bruch zu vollziehen und einen Neubeginn zu wagen. „Unsere Weltanschauung“ oder „unsere Ideologie“ existieren nicht; es sei denn, man bezeichnet damit die ideologischen Versatzstücke, welche für den trostlosen Zustand der authentischen Rechten verantwortlich sind. Das ideologisch-theoretische Niveau hält zumeist nicht einmal einem Vergleich mit demjenigen des real existierenden Nationalsozialismus (= Hitlerismus) stand – wobei dieser hier ausdrücklich als weltanschauliche Degenerationsform verstanden wird.

Zurück zur „Volksfront von rechts“. Die Haupttendenz des Aufrufes besteht offensichtlich darin, eine Art Neuauflage der Harzburger Front von 1931 zu riskieren, also das Paktieren mit dem Gedanken eines sozialrevolutionären Nationalismus innerlich fern stehenden Kräften von der Wahlpartei NPD bis hin zu offen rechtsreaktionären Gruppierungen. Vergleichbare Tendenzen zeigen sich auch auf lokaler Ebene, Paradebeispiel Dresden.

O-Ton: “In dieser Phase wird der Volkszorn sehr schnell größer und es ist zu befürchten, dass die nationale Opposition nicht schnell genug jene Geschlossenheit herstellt, die notwendig ist, um in der kommenden Zeit die Funktion des Sammelbeckens der protestierenden Volksschichten übernehmen zu können. Gerade in der jetzigen Phase ist es wichtig, mit größtmöglicher Geschlossenheit aufzutreten und die Kräfte zu bündeln.“

Zunächst ist zu sagen, dass es zwar im bundesrepublikanischen (wie im westlichen) Gebälk knirscht, aber eine offene Systemkrise oder gar eine fundamentaloppositionelle Massenbewegung ist weit und breit nicht in Sicht. Selbst wenn eine nutzbare Massenbewegung doch auftreten sollte, wäre die authentische Rechte infolge ihrer politischen Impotenz und weltanschaulichen Rückständigkeit kaum imstande, sie effektiv zu nutzen. Mit diffusen Volksgemeinschaftsideologien oder Träumereien von der Neuauflage des Dritten Reiches, eines Modells, dessen Scheitern diesem von Anbeginn an immanent war, lockt man heutzutage keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

Eine derartige, offensichtlich auf den Marsch durch die Institutionen abzielende unheilige Allianz wie die „Volksfront von Rechts“ muss letzten Endes verpuffen, bestenfalls dient sie, wie die Jahre 1933 und 1934 zur Genüge bewiesen haben sollten, zur Besitzstandswahrung des Militärisch-Industriellen Komplexes und des Großkapitals.

Zudem bekennt man sich zur Erledigung tagespolitischer Aufgaben und verkennt dabei, dass Tagespolitik sehr schnell dazu führen kann, den so genannten „nationalen Widerstand“ in das System BRD einzubinden, ähnlich wie Attac oder die PDS. Die politische Geschichte der Bundesrepublik liefert reichlich Anschauungsmaterial für ihre nicht zu unterschätzende Fähigkeit, außerparlamentarische oder Protest-Bewegungen erfolgreich zu kanalisieren und zu integrieren.

Erforderlich sind nicht an tagespolitischen Anforderungen orientierte Modelle, sondern erforderlich ist die Herausarbeitung eines tragfähigen Konzeptes für einen modernen Linksnationalismus. Grundvoraussetzungen hierfür sind eine entschiedene Frontstellung gegen die rechte Reaktion, ein klares Bekenntnis zum revolutionären Sozialismus und der überfällige Bruch mit dem ideologischen Ballast von Jahrzehnten.

Blockbildung statt Einheitsfront!

Klassenkampf statt Volksgemeinschaft!

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Kommentare

  • Schwab  On 31. Oktober 2014 at 07:51

    Nach wie vor eine wegweisende Analyse von Richard Schapke.

    Nach meiner Auffassung ist gegen den Begriff Volksgemeinschaft“ nichts einzuwenden. Allerdings wurde und wird dieser von Nazi-Faschisten zur Ausgrenzung von Sozialisten aller Art, auch von nationalen Sozialisten benutzt, Darum geht es ja auch Thomas Wulff.

    Würde man „Volksgemeinschaft“ so definieren, daß sich auch dt. Millionäre an einer nationalen und sozialen Revolution in Deutschland beteiligen dürfen, ohne daß man diesen – wie es die Faschisten tun – nach dem Mund redet, ihnen Versprechungen auf Nicht-Enteignung macht -, dann wäre dies in Ordnung. Schließlich war ja auch der dt. Oberschichtler Friedrich Engels Sozialrevolutionär auf seine Weise.

    Zudem wäre der Begriff „Volksgemeinschaft“ auch sinnvoll für ein Stadium nach einer nationalen und sozialen Revolution.

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