Masseneinwanderung und Klassenkampf

Das liberale Bürgertum genoss Multikkulti und Weltoffenheit – beim Essen. Nun lässt sich der Zustrom jedoch nicht länger nur auf die Viertel der Unterschicht ablenken.

Der Flüchtlingsstrom nach Europa erreicht dieser Tage neue Höchstmarken und bringt das bisherige System der Unterbringung an seine Grenzen. Der nicht enden wollende Zustrom zwingt die Verantwortlichen, immer mehr Flüchtlinge in gutbürgerlichen Vierteln einzuquartieren. Damit erreicht die Flüchtlingsproblematik mehr als überfällig die gesellschaftliche Gruppe, die zu einem Gutteil auch für sie die Verantwortung trägt. Das gesellschaftliche Milieu, dem die Befürworter der Massenaufnahme von Flüchtlingen entstammen, war immer ein bürgerliches. Linksextreme mögen gerne von einer Solidarität der Unterdrückten des Inlandes mit den Immigranten schwafeln. De facto standen und stehen die Unterschichten in allen europäischen Staaten der Einwanderung und Ansiedlung von Flüchtlingen distanziert bis offen feindselig gegenüber.

Grund ist kaum der von Bürgerlichen oft unterstellte, dumpfe Fremdenhass, sondern gesunder Menschenverstand und vorauschauendes Denken. Wer in Lebenswelten aufwächst, in denen materielle Knappheit und Gewalt üblich sind, täuscht sich nicht über die Gefahr neuer Konkurrenz und neuer Konflikte, die zwangsläufig durch das massenhafte Dazukommen von Fremden entsteht. Menschen aus einem bildungsbürgerlichem Umfeld sind es dagegen gewohnt, dass Konflikte verbal geklärt werden.

Elitenprojekt Zuwanderung

Die Enthomogenisierung Deutschlands ist ein Elitenprojekt. Das nicht nur in dem Sinne, dass sie von Denkfabriken aus Politik und Wirtschaft seit Jahrzehnten gefördert wird. Es gibt eine breite Basis innerhalb der Bildungselite, die Überfremdung aktiv unterstützt. Eine Querfront hat sich seit den 70er Jahren gebildet: aus Christen, Humanisten, Linksliberalen und linksextremen Berufsmarschierern. Teils aus Rührseligkeit, teils aus Scham oder Zorn auf das Eigene setzt man sich für Einwanderer, insbesondere sogenannte Flüchtlinge ein. Der feste Stand dieser Querfront rührt vor allem aus einer Tatsache: dass man die Suppe, die man dem eigenen Volk eingebrockt hat, bisher selten selber auslöffeln musste.

Natürlich kassiert auch manchmal ein bildungsbürgerliches Kind ein blaues Auge oder mehr von einer Migrantengang. Doch für solche Fälle passt tatsächlich das groteske Wort vom „Einzelfall“, das die Verharmloser am liebsten auf jeden Fall von Ausländergewalt anwenden würden. Der Fernsehfilm Wut zeigte relativ ehrlich enige der Denkverrenkungen, die unternommen werden, um diese Realität doch irgendwie in Einklang mit der eigenen Weltanschauung zu bringen. Dass man von klein auf in diesem Milieu oft fast jeden Weg mit dem PKW zurücklegt, ist auch eine Abschirmung vor lästiger Wirklichkeit, die man gar nicht unterschätzen kann.

Weltoffenheit als Ausdruck von Klassenhass

Der Einsatz von weiten Teilen des Bürgertums für Einwanderer ist nichts Anderes als eine besonders perfide Form des Klassenkampfes gegen die Unterschichten. Die Opfer der Ausländergewalt, deren Welle schon lange auch Kleinstädte und das Land erfasst hat, sind in der Regel junge Angehörige der unteren Schichten: Arbeiter, Prekäre, untere Mittelschicht, die, die man mal Kleinbürger nannte. Sie werden durch die ständige Konfrontation mit vitalen, fest zusammenhaltenden und gewaltbereiten Ausländergruppen einem zermürbenden Dauerstress ausgesetzt. Einen kleinen Einblick in das Leben, in einem überfremdeten Arbeiterviertel gaben Güner Balci und Nicola Graef mit ihrem Film Kampf im Klassenzimmer. Übrigens: auch die Opfer des Moslem-​Zuhälterings im englischen Rotherham waren durchweg weiße Mädchen der Arbeiterklasse.

Oft fehlt den Betroffenen die Kraft, sich zum Selbstschutz zu organisieren. Mangelnde Bildung erschwert die Organsiation und die öffentlichkeitswirksame Artikulation der eigenen Not. Wer als working poor schon vom Erwirtschaften des Lebensunterhalts vollkommen eingenommen ist, findet wenig Muße für Initiativenbildung. Wer als HartzIV-​Empfänger in Abhängigkeit gehalten wird, dem fehlen oft Antrieb und Selbstbewusstsein. Und bildet sich doch irgendwo eine Zelle des Widerstandes, wird diese in eingeübter Weise von der sogenannten Zivilgesellschaft mit der Nazikeule geplättet.

Die Freude und Offenheit mit der man Einwanderer aus anderen Ländern begrüßt, findet beim Bürger ihre Schattenseite in der Verachtung, die man für die eigene Unterschicht empfindet. Ihr wird notorisch unterstellt, an finsteren Ekckneipen-​Stammtischen sitzend, das Abfackeln von Asylantenheimen zu planen, wenigstens aber stumpf und vorurteilsbelastet, ausländerfeindliche Ressentiments zu pflegen. Eine Brecht-​Gesamtausgabe im Regal macht eben noch keine Solidarität mit der Arbeiterklasse und ein Käßmann-​Schmöker keinen christlichen Gang zu den Armen.

Multi-​Kulti-​Yuppies…

Erklären kann man das wohl am Besten als Psycho-​Pathologie. Das Unwohlsein mit der Veränderung der Städte, der Ausbreitung des Islam, den Begegnungen mit offensiv den öffentlichen Raum einnehmenden Fremden – das spürt auch der bürgerliche Gutmensch. Um das eigene Weltbild nicht preiszugeben, verdrängt er seine Ängste und vielleicht auch ein bisschen Wut und schneidet sie ab. Projiziert werden sie auf „die da unten“, den ungebildeten Pöbel, der die Schönheit von Multi-​Kulti nicht begreifen will. Bisher lief das auch alles ganz gut. Die Einwanderer wurden bewusst in sozial-​schwachen Vierteln, fern von den Wohngebieten der bundesrepublikanischen Nomenklatura angesiedelt.

Das sich ausgerechnet die Anhänger der Grünen oft in den sogenannten Rotweingürteln – wohlhabenden und ausländerarmen Außenbezirken – finden, ist ein Widerspruch, der schon lange nicht mehr amüsant ist. Angelehnt an das Wohlstandsgefälle in Deutschland haben sich zwei Klassen der Internationalität entwickelt: Auf der einen Seite ein Bürgertum, dass den praktischen Kosmopolitismus mit seinen angenehmen Seiten lebt. Man besucht Restaurants der internationalen Küche und praktiziert Yoga oder Bauchtanz. Die Kinder lernen exotische Musikinstrumente, engagieren sich in Kirchengruppen für die dritte Welt oder in der Antifa. Später besuchen sie als Entwicklungshelfer oder FSJler exotische Länder. Oder sie work-​and-​traveln – in überteuerte, umweltschädigende Outdoor-​Kleidung gehüllt – einfach nur umher, um sich nachher als tiefkritische Weltkenner zu profilieren. Im Studium wohnt man schon gerne mal in einem etwas prekäreren Viertel und macht sich da mit „Soli-​Aktionen“ bei den Anwohnern beliebt. Bei den Nicht-​Deutschen selbstverständlich. Droht das erste Kind, ist man schnellstmöglich wieder draußen aus dem coolen Kiez. Irgendwo, wo eine ausländerarme Schule mit großem Musik– und Fremdpsrachenangebot steht.

… und die wirklich Betroffenen

Auf der anderen Seite sind die, die nur die andere Seite von Multi-​Kulti kennen. Man darf Döner, Pizza und gestreckte Drogen konsumieren. Eine eigene deutsche Gastgewerbe– und Vereinskultur stirbt aus. Gewalt und Angst gehören zum Alltag in den Straßen, die ethnische Clans unter sich aufteilen. Wer kann zieht weg, wer dafür zu arm ist versucht sich unsichtbar zu machen. Die Kinder werden an den Schulen gemobbt und verlernen die eigene Sprache. Besuchen Politiker das Viertel, treffen sie sich mit den Vertretern von ausländischen Kulturvereinen und Moscheegemeinden. Ein Interesse an den verbliebenem Deutschen besteht nicht.

Es wird sehr spannend zu sehen sein, wie sich die Situation jetzt entwickeln wird. Jetzt, wo es langsam unmöglich wird, alle Einwanderer in sozial-​schwache Viertel zu konzentrieren. Ein Artikel in der WELT beschreibt die Furcht der Kultivierten vor dem Kulturschock. Im wohlhabenen Köln-​Lövenich sollen 110 Flüchtlinge in Containern geparkt werden. Zwar hebt der Artikel hervor, wie sich die Anwohner pflichtschuldig zur Willkommensbereitschaft bekennen – doch er kann das zaghafte Unwohlsein der Bürger nicht unterschlagen. Man sorgt sich um Kindergartenplätze und um den Wert der Eigenheime. Auch die Angst vor Gewalt und Kriminalität wird vorgebracht und von den Verantwortlichen immer wieder flapsig abgebügelt.

Autor Till-​R. Stoldt nutzt die Situation für seinen Artikel als Aufmacher, um zu warnen, dass durch mangelnde Kommunikation und Einbindung der bürgerlichen Bewohner, deren Willkommenskultur untergraben werden könnte. Er moniert, dass es keinen Bürgerdialog gäbe und über die Köpfe hinweg entschieden würde. Für Deutsche, die in Vierteln mit 50, 70 oder gar 90 Prozent Ausländeranteil ihr Leben zubringen, muss das wie Hohn klingen. Welches Qualitätsmedium hat sich je um ihre Einbindung in einen „Bürgerdialog“ gesorgt?

Die Mittelschicht kann nicht ewig fliehen

Brisant ist die Entwicklung vor allem, weil sie mit einem Zerfall der Mittelschicht als Folge der Wirtschaftskrise einhergeht. Das bürgerliche Milieu wird gewissermaßen in die Zange genommen. Auf der einen Seite kommt die Überfremdung nun auch in bei den Eltern der Musikschulkids an. Es wird immer schwerer die Augen vor den unangenehmen Seiten der multikulturellen Gesellschaft zu verschließen. Natürlich kann man die kostspielige Karawane der white-​flight noch ein paar Mal beginnen und in bessere Viertel wegziehen. Man kann auch versuchen die Asyleinrichtungen wieder davonzuklagen, wie es die Bewohner des Hamburger Villenviertels Harvestehude gerade tun. Aber hier wird die zweite Bedrohung ins Spiel kommen. Inflation und Steuerlast fressen die Einkommen der Mittelschicht zusehends auf. Die Armut der öffentlichen Hand lässt einen weiteren Verfall von Bildungs– und Kultureinrichtungen – in Konsequenz von ganzen Stadtteilen – erwarten. Wie wird sich das Denken und Fühlen der Lichterkettenknüpfer von einst verändern, wenn sie vor den Schattenseiten des Globalismus nicht mehr davonlaufen können, weil es schlicht zu teuer ist?

Die alten Marxisten hatten die Vision einer letzten Klassenschlacht des durch die Verarmung des Bürgertums angeschwollenen Porletariats gegen die letzten, alles besitzenden Kapitalisten. Die Nationalisten Europas träumen von einer Befreiung ihrer Völker und einer Wiederherstellung des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Ironischerweise könnte es sein, dass Krise und Masseneinwanderung beide Kämpfe Realität werden lassen. Gekämpft wird dann zusammen.

Quelle: Blaue Narzisse

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