SdV-Gespräch mit Christian Worch über „Die Rechte“, nationalen Sozialismus und Israel

SdV: Lieber Christian, welche Lücke im Parteienangebot schließt die von Dir geführte Partei „Die Rechte“? Kritiker vor allem von der NPD sagen, daß es schon eine gut organisierte nationale Partei gibt, nämlich die NPD?

Christian Worch: Ich hab‘ dazu vor zweieinhalb Jahren mal einen Artikel geschrieben, Quelle: http://die-rechte.com/warum-die-rechts/ Abgesehen davon, daß das REPRO-Projekt, das damals im Raum stand, nicht entstanden ist, und abgesehen davon, daß das Parteienspektrum jetzt durch die AfD erweitert ist, ist alles, was ich damals dazu geschrieben habe, noch aktuell.

Und wenn Kritiker aus den Reihen der NPD meinen, es gäbe schon „eine gut organisierte nationale Partei“, nämlich die NPD, dann haben diese Kritiker und ich wohl sehr verschiedene Vorstellungen davon, was „gut organisiert“ bedeutet …

SdV: Der SdV-Chefredakteur meint, daß das Parteiprogramm der „Rechten“ eher der nationalliberalen Stresemann-Partei „Deutsche Volkspartei (DVP)“ als dem Programm der NSDAP entspreche. Hat er Recht?

Christian Worch: Das Programm ist von der DVU übernommen. Die DVU hat nämlich über lange Zeit die von mir in dem Artikel erwähnte „Marktlücke“ gefüllt; teilweise sogar sehr dominant ausgefüllt. Hauptsächlich wahrscheinlich wegen der finanziellen Mittel des Dr. Frey, aber auch für das Programm gab es eine Menge Anhänger. Ich muß nicht jedes Rad neu erfinden.

SdV: Also ist es nach Deiner Auffassung gar nicht notwendig, ein eher sozialistisches Programm vorzulegen? Im 25-Punkte-Programm der NSDAP waren ja immerhin ein paar sozialistische Programmpunkte enthalten (siehe die Punkte 10-18: http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html).

Christian Worch: Politik ist die Kunst des Machbaren. Es mag erstaunen, daß jemand, der sich als Sozialist definiert, sich auf seine und meine späten Jahre mit Dr. Frey, dem Multimillionär, nicht einmal schlecht verstanden hat. Aber schauen wir uns einmal einen der Begründer des nationalen Sozialismus an, den späteren und dann von Freikorpskämpfern (bzw. der Organisation Consul) ermordeten Reichsaußenminister Walter Rathenau: Der war Kapitalist und hat für Sozialismus plädiert…. – Ich sehe die einstmals von der DVU besetzte Position im Sinne der „Marktlücke“ halt als perspektivisch an. Und im Sinne von Bismarcks „Machbarkeit“ muß man dann auch Konzessionen machen.

Ein kleines Beispiel: Hitler hat asketisch gelebt, also nach gewissermaßen sozialistischem Vorbild; Goebbels war ein Lebemann, hat es aber im materialistischen Sinne nicht übertrieben, und Göring hat ein Vermögen an sich gerafft, das ihn angeblich (wohl nicht tatsächlich) zum reichsten Mann Europas gemacht hat. Das alles unter dem Dach ein und der selben Partei.

SdV: In einem elektronischen Brief an mich schriebst Du, daß Du in Deiner Jugend „Antimarxistischer Nationalsozialist“ gewesen seist. Ist es nicht so, daß der „Antimarxistische Nationalsozialismus“ sich gegen eine jede Form sozialrevolutionärer Umgestaltung in Gesellschaft und Wirtschaft wendet? Wird nicht von dieser Strömung jede Form von substantiell echtem Sozialismus als „Marxismus“ bzw. „Bolschewismus“ stigmatisiert und verworfen?

Christian Worch: Marxismus und Sozialismus sind nicht immer ein Paar Schuhe, können das aber durchaus sein. Der „real existent gewesene Sozialismus“ der DDR war sicherlich kein Sozialismus. Der Nationalsozialismus war’s auch nicht, soweit wir (nur) die Jahre seiner Macht betrachten. Der Nationalsozialismus hat in der sogenannten Kampfzeit – auch unter dem äußeren Druck seiner Feinde – zwei konkurrierende Flügel weitgehendst miteinander vereint. Nach der Machtübernahme schwand der Einfluß des eher sozialistisch orientierten Flügels immer mehr, bis er am 30. Juni 1934 gewaltsam gebrochen wurde. Ungewiß ist, ob diese Entwicklung auch stattgefunden hätte, wenn die Strassers nicht vor der Machtübernahme die NSDAP verlassen hätten. Unter sogenannten „Neonazis“ spricht man ja nicht nur von einer „Röhm-Linie“ oder einem „Röhm-Flügel“, sondern meist wird die korrektere Bezeichnung „Röhm-Strasser-Flügel“ benutzt. Röhm einerseits und die Strassers andererseits konnten aber keinen wirklich nach innen homogenen Flügel der Partei bilden. Hätte es einen solchen gegeben, wäre es eine sehr interessante Frage gewesen, ob sich der sozialistische Impetus innerhalb der NSDAP aus ihren frühen Jahren (namentlich also der sogenannten Kampfzeit) gegen das mystifizierte Führerprinzip durchgesetzt oder auch nur gehalten hätte, oder ob letztlich das mystifizierte (genaugenommen im Christentum und seiner „Heilserwartung“ ruhende) Führerprinzip durchgesetzt hätte. Eine was-wäre-wenn-Geschichte. Und damit leider eine Frage, die nicht beantwortet werden kann und von eher akademischem als praktischem Wert ist.

SdV: Dein politischer Ziehvater Michael Kühnen hatte neben dem Kampf um die Straße auch politische Schriften verfaßt. Darin soll er sich auch zu sozialistischen Postionen bekannt haben. Kannst Du mal dazu etwas erläutern?

Christian Worch: Kühnen hat sich als „linker Nationalsozialist“ definiert. Er war vor allem ein Anhänger von Ernst Röhm und der partiell eher proletarisch als elitaristisch geprägten SA. Zu den Strassers hat er sich explizit nicht bekannt, weil er gleichzeitig auch eine Art von „Hitlerist“ war und die geradezu mythische Sendung des Führers betont hat. Wenn man es genau nimmt, war damit sein Weltbild nicht wirklich in sich geschlossen. Auf der anderen Seite mag das strategische Gründe gehabt haben, weil es auch in der Nachkriegsgeneration einen oftmals schwelenden Streit zwischen (der von Kühnen bevorzugten) „SA-Linie“ und der „SS-Linie“ gab.

Es ist übrigens fehlerhaft, Kühnen als meinen „politischen Ziehvater“ zu bezeichnen. Noch fehlerhafter – wenngleich mich amüsierend – ist ein Strafurteil aus dem Jahre 1980, in dem ein Vorsitzender Richter beim Landgericht mir unterstellte, der nur um rund neun Monate ältere Kühnen sei für mich eine Art „Vaterersatzfigur“ gewesen. (Wörtlich schrieb er in seiner Urteilsbegründung wohl was von „väterlichem Freund“.)

Tatsächlich hatte ich mich ähnlich lange und intensiv wie Kühnen mit Politik beschäftigt, war im Gegensatz zu ihm allerdings nicht schon mit 14, sondern erst mit 21 aktiv geworden. Daher gebührte ihm aufgrund des Dienstalters das Primat. Ich sah mich, in byzantinischer Nomenklatura, als Caesar unter einem Basileos; oder, mit den Worten der Dichterin Bertha Eckstein-Diener, als „Erster neben dem Thron, nicht als Nächster auf dem Thron“.

SdV: Deine Position gegen den Anti-Zionismus bzw. Deine Pro-Israel-Haltung bringt Dir harsche Kritik innerhalb des Nationalen Widerstands ein. Was sind in diesem Punkt Deine Beweggründe?

Christian Worch: Die Frage, ob ich „gegen den Anti-Zionismus“ bin, ist abhängig davon, wie man Zionismus definiert – ob in der ursprünglichen Definition von Theodor Herzl oder in der verfälschenden Definition, die im Dritten Reich herrschte oder der nach Gründung des Staates Israel neuerlich anderen, aber gleichfalls verfälschenden Definition, die heute vorherrscht. Der ursprüngliche Zionismus Herzls hatte nicht nur Wilhelm II. Sympathie, sondern auch meine…

Auch sehe ich mich nicht in der Haltung „pro Israel“. Ich lehne wesentliche Teile der machtpolitischen und repressiven Politik Israels strikt ab, wobei ich gleichzeitig zugebe, daß ich, wenn ich Jude oder gar israelischer Jude wäre, sie ebenso strikt befürworten würde …

Soweit mir eine „Pro-Israel-Haltung“ unterstellt wird, gründet sie sich darauf, daß ich für das Existenzrecht Israels eintrete. Meiner Meinung nach ist die Existenz dieses Staates auch im wohlverstandenen deutschen Interesse eine Notwendigkeit. Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Die Juden sind ein Volk; also haben sie ein gottgegebenes oder naturgesetzliches Recht auf einen eigenen Staat. Zweitens: Würde der Staat Israel (militärisch) aufgelöst (ausgelöscht), wären die sozialen Konsequenzen auch für die BRD unausdenkbar; denn ein beträchtlicher Teil der überlebenden Israelis würde nach Deutschland flüchten. Und drittens:

Wenn man sich mit israelischer Militärdoktrin auskennt, dann weiß man, daß als Zielkoordinaten für deren Atomwaffen nicht allein arabische Großstädte vorprogrammiert sind, sondern auch London, Paris, Berlin, Rom und so weiter und so fort. Kommt es hart auf hart, stehen die Israelis mit dem Rücken zur Wand, werden sie Europa (= die NATO) erpressen: Helft uns, konventionell zu siegen, oder wir werden euch atomar vernichten.

Wer, der sich nicht mit Judaistik befaßt hat, versteht denn schon die Bedeutung des Satzes: „Masada darf niemals wieder fallen!“ Und die darin mitschwingende, offiziell nicht ausgesprochene Nebenbedeutung: „Und sollte Masada erneut fallen, fällt mit ihm der Rest der Welt!“ Ich möchte weder Berlin noch London, Paris, Rom und so weiter in eine radioaktive Wüste verwandelt sehen.

Hält mich deshalb jemand für einen „Judenknecht“, wie mir – natürlich anonym – vorgeworfen wurde, bin ich mir nicht sicher, ob ich darüber laute lache oder jeder Jude, der es hört …

SdV: Wir von der SdV vertreten das Primat der Außenpolitik. Das heißt, erst wenn Deutschland aus der sogenannten Westlichen Wertegemeinschaft (WWG) austreten wird, also aus der von den USA dominierten NATO und aus der Umklammerung bzw. Geiselhaft mit Israel – zumal die Zionisten eng mit den USA liiert sind -, erst dann sind nach unserer Auffassung alle innenpolitischen Wunschzettel, die im Nationalen Widerstand aufgestellt werden, wie Ausländerrückführung usw., im nationalen deutschen Sinne halbwegs realistisch. Oder anders gesagt: Wenn die Deutschen nach wie vor Vasallen der USA und der Zionisten bleiben, wird sich beispielsweise auch nicht die Ausländerpolitik bei uns ändern. Der sogenannte Antirassismus und die Einwanderung von Lohndrückern, zusätzlichen Mietern und Konsumenten gehört nun einmal zu dieser WWG. Oder wollen wir gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Atlantikbrücke (https://www.atlantik-bruecke.org/) die Ausländerrückführung in Angriff nehmen?

Christian Worch: Sinnvolle Außenpolitik kann man wohl nur machen, wenn man eine innenpolitische Machtbasis hat. An der mangelt es zur Zeit. Aber wer gar keine Machtbasis hat oder möglicherweise noch nicht einmal nach einer solchen strebt, kann sich natürlich sehr hübsche Gedanken im Elfenbeinturm machen, wie man Deutschland aus dieser vielgerühmten
„westlichen Wertegemeinschaft“ herausbekommt. Den praktischen Nutzen von Gedanken im Elfenbeinturm bezweifele ich allerdings.

SdV: Die Frage ist doch, ob man es für notwendig erachtet, daß Deutschland aus der sogenannten Westlichen Wertegemeinschaft (WWG) austritt. Wenn man dies möchte, aber derzeit nicht für realistisch hält, ist das eine andere Sache. Oder man möchte gar nicht, daß Deutschland aus der WWG austritt. Es geht auch nicht darum, ob wir beide die Machtbasis haben, sondern daß die Deutschen dies wollen und irgendwann sich die Machtbasis schaffen, um aus der WWG auszutreten. Aber dennoch, lieber Christian, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Jürgen Schwab.

Zu unserem Gesprächspartner:
Christian Worch, geboren 1956, bis 1976 Besuch des Gymnasiums, danach Berufsausbildung zum Notargehilfen. Seit 1977 politisch aktiv, zunächst bei den Jungen Nationaldemokraten, später bei der ANS; nach deren Verbot im Dezember 1983 zeitweilig bei der FAP. 1989 Gründung der „Nationalen Liste“ (NL), März 1995 Verbot derselben; seither rund anderthalb Jahrzehnte parteifrei und organisationsungebunden politisch aktiv. Mai 2012 Gründung der Partei DIE RECHTE.

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